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Nebenbei

  • Kölle Alaaf

    Kölns SPD-Spitzenpolitiker Jochen Ott (Parteichef) und Martin Börschel (Fraktionschef) haben ein Erbarmen. Rechtzeitig und passend zum Höhepunkt des Karnevals gaben sie bekannt, dass sie sich darauf verständigt haben, als SPD-Kandidaten für die Wahl zum Oberbürgermeister Jochen Ott ins Rennen zu schicken. Über Monate ließen sie Mitglieder und Wähler im Ungewissen, wer von Ihnen diese Aufgabe übernehmen würde. Mit ihrem Zaudern erweckten sie den für Politiker unangenehmen Eindruck, entscheidungsschwach und verantwortungsscheu zu sein. So fand der bisherige grüne Koalitionspartner genügend Muße, die parteilose Sozialdezernentin Reker als OB-Kandidatin aufzubauen. CDU, FDP und Freie Wählern – allesamt Verlierer der Kommunalwahl 2014 – hatten reichlich Zeit, sich ebenfalls hinter Reker zu versammeln. Nun wollen Ott und Börschel aller Welt weismachen, sie seien gar nicht unentschlossen gewesen. Sie hätten die Entscheidung für Otts Kandidatur schon vor langer Zeit getroffen. Da staunt der Laie, und der Fachmann wundert sich. Ott und Börschel schwiegen monatelang eisern, damit sich ihre schwachen politischen Gegner in aller Ruhe so stark wie möglich aufstellen konnten? Die beiden SPD-Wahlkämpfer waren also als Entwicklungshelfer ihrer Konkurrenzparteien unterwegs? Eine tolle Wahlkampfstrategie, passend zu den tollen Tagen. Da kann man nur sagen: ein dreifach donnerndes “Kölle Alaaf“. – Ulrich Horn

Lösches Verdikt

Mittwoch, 2. Januar 2013

Nebenbei

(uh) Die SPD muss sich erneut mit ihrem Kanzlerkandidaten herumquälen. Er hat schon wieder eine Bauchlandung hingelegt. Die Partei schickt ihren zweiten Sturm aufs Eis schicken, um Steinbrück auf die Kufen zu helfen. Seine jüngste Entgleisung: Er meint, der Job des Kanzlers sei unterbezahlt, gemessen am Gehalt von Sparkassenchefs. Dass sie zu viel verdienen, kommt ihm nicht in den  Sinn. Der Mann, der als Honorar-Redner ein Vermögen verdiente, arbeitet daran, sein Image als Raffzahn zu festigen. Das bringt ihm viel Häme und Kritik ein. Der Politikwissenschaftler Lösche, SPD-Mitglied seit 1957, urteilt sogar: „Dumm und unpolitisch“. Ob er nur Steinbrücks Äußerung meint oder auch ihn selbst? Die SPD jedenfalls wird von ihrem irrlichternden Kandidaten erneut in Haft genommen und zur Solidarität gezwungen. Wer in der Partei etwas gilt, entzieht sich, indem er sich distanziert oder vielsagend schweigt. Ihrem zweiten Sturm gestattet die SPD diese Beinfreiheit nicht. Politiker wie Lauterbach und Thierse müssen Steinbrück beispringen und sich ebenfalls Lösches Verdikt aussetzen: „Dumm und unpolitisch.“ Wann werden sie beantragen, das Kanzlergehalt von 17.000 Euro auf 50.000 Euro pro Monat zu erhöhen?

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