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Nebenbei

  • Trumps Theater

    Über die Geduld der US-Medien kann man nur staunen. Immer wieder schicken sie Journalisten zu Pressekonferenzen, bei denen Präsident Trump und seine Mitarbeiter lügen, was das Zeug hält, die Journalisten beschimpfen und deren Arbeitgeber verleumden. Es drängt sich schon die Frage auf: Müssen die Beschimpften die Lügen und Tiraden über sich ergehen lassen und sie dann auch noch verbreiten? Diese Frage provoziert die nächste: Wäre es nicht an der Zeit, den Transport der alternativen Fakten ihren Urhebern zu überlassen? Trump und seine Mitarbeiter müssten dann ihre Fakenews ohne Hilfe der meisten Medien an die Bürger bringen. Es stehen dazu Twitter, regierungsnahe Medien und auch Presseerklärungen zur Verfügung. Die Berichterstattung der geschmähten Medien über die Regierungsarbeit muss unter diesem Schritt nicht leiden. Er würde es Trump aber erschweren, sich als Opfer der Medien darzustellen und mit diesem Manöver Desinformation zu betreiben, während die Medien so arbeiten könnten wie bisher. Noch schwerer hätte er es, wenn die in Washington tätigen Medien einen Verein zur Veranstaltung von Pressekonferenzen gründeten und nahe beim Weißen Haus Büros anmieteten. Dorthin könnte der Verein dann Persönlichkeiten einladen, die zu aktuellen Themen etwas mitzuteilen haben, auch zu jenen, über die Trump gar nicht oder falsch informiert. Und schließlich, um ihm Einhalt zu gebieten: Können Journalisten und Medienunternehmen, die Trump wahrheitswidrig bezichtigt zu lügen, den Präsidenten und die US-Regierung nicht wegen übler Nachrede , Verleumdung und gegebenenfalls auch wegen Geschäftsschädigung verklagen? – Selbst wenn es ginge, würde es wohl nicht dazu kommen. Schade eigentlich. – Ulrich Horn

Aufgelesen … Nr. 54 – 2012

Dienstag, 27. November 2012

Blog-Tipps

An dieser Stelle finden Sie eine Auswahl interessanter Beiträge aus Blogs. Die Aussagen der Autoren geben nicht in jedem Fall meine Meinung wieder. (uh)

1. Medien

a. Finanzierung des Journalismus: Die falsche Debatte
Die Frankfurter Rundschau und die Financial Times Deutschland sind pleite, und plötzlich ist der gesamte Journalismus gefährdet, einige rufen nach einer Art GEZ-Gebühr für Zeitungen, andere nach einem Stiftungswesen. Doch warum eigentlich?Wegen zwei Zeitungen, die jahrelang auf wackeligen Beinen standen und deren Geschäftsmodell nie Fuß fassen konnte? Es ist natürlich traurig, dass es diese Marken nicht mehr gibt, und auch, dass viele Journalisten ihren Job verloren haben. Doch Tatsache ist: Es sind Print-Produkte, die pleite gegangen sind. Und es werden nicht die letzten sein. Das Zeitungssterben, das in den USA schon mehrere Blätter dahingerafft hat, hat nun auch Deutschland erreicht. Es vollzieht sich ein Strukturwandel in den Medien – der Staat oder reiche Stifter können diesen vielleicht künstlich verlangsamen, aber aufhalten können sie ihn nicht.
Aus: Carta

b. Das heilige Gebrechen von Frank Schirrmacher

Das Ross ist hoch, auf dem die Herausgeber der “FAZ” sitzen. Sehr, sehr hoch. So hoch, dass sie sich nicht nur von der Realität entfernt fühlen, sondern auch enthoben von der journalistischen Tugend der Recherche. Besonders problematisch ist diese Herausgeberreiterei angesichts der Hysterie ob der Möglichkeit, dass eintritt, was eine ganze Reihe Menschen prophezeit, was jedoch nicht durch den Pferdeapfelduft gedrungen war: dass Tageszeitungen sterben. Frank Schirrmacher, auch einer der fünf Reiter der Apokalypse “FAZ”-Herausgeber, verfasste für das Feuilleton der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung” eine lange Eloge ob des anstehenden Weltuntergangs in Form sterbenden Journalismus, überschrieben mit: “Das heilige Versprechen”. Eine sehr lange Antwort darauf hat der geschätzte Christian Jakubetz verfasst, kurzen Prozess macht Meedia.
Aus: Indiskretion Ehrensache

c. Schirrmachers Mondfahrt

Frank Schirrmacher hat in der FAS einen Text geschrieben, über den viel gesprochen wird – und der auch in den sozialen Netzwerken häufig als messerscharfe Analyse gepriesen wird. Mag sein, dass sie messerscharf war – in weiten Teilen war sie trotzdem falsch. Es gibt vier Gründe, warum die Medienwelt nie wieder so sein wird, warum sie mal war. Die übrigens für alle gelten, keineswegs nur für die Zeitungen, deren momentaner Stimmungslage vor allem anzumerken ist, dass sie sich irgendwie furchtbar ungerecht behandelt fühlen und dass ohne sie ohnehin alles nix mehr ist.Deswegen – eine Replik auf Schirrmacher und alle anderen, die immer noch von einer “Zeitungskrise” sprechen.
Aus: Jakblog

d. Auf der Einbahnstraße gegen die Piraten

(pri) Wer wissen will, warum die etablierten »Qualitätsmedien« zunehmend Probleme damit haben, zahlende Leser, Hörer und Zuschauer zu finden, kann einige Fingerzeige schon dadurch erhalten, dass er sich ihre Berichterstattung über den Parteitag der Piratenpartei am vergangenen Wochenende in Bochum anschaut. Denn diese Berichterstattung zeichnet sich – von wenigen Ausnahmen abgesehen – durch ein hohes Maß an Verständnislosigkeit und Inhaltsleere aus sowie stattdessen hämischer Diffamierung von Diskussionsformen und Entscheidungspraktiken der Piraten, die in ihrer Substanz oft gar nicht begriffen wurden, weshalb man damit nicht mehr anfangen kann als sie lächerlich zu machen.
Aus: Blogsgesang

e. ARD und ZDF gehören nicht den Parteien

Dabei haben ARD und ZDF dringend einen starken Vermittler zwischen ihren und den Interessen der Bürger nötig. Skandale der vergangenen Jahre (1/2/3/4/5/6) haben gezeigt, wie viel im dunklen Gebührenreich im Argen liegt. Misswirtschaft und Untreue können nicht als Ausrutscher abgetan werden. Das undurchsichtige und komplizierte System von ARD und ZDF fördert offenbar indirekt die kriminelle Energie von manchen. Deshalb muss eine neue Unternehmenskultur in den Funkhäusern Einzug halten, die es Mitarbeitern und Gebührenzahlern gleichzeitig ermöglicht, nicht nur auf Missstände aufmerksam zu machen, sondern auch Konsequenzen zu provozieren. Wäre nicht ein Ombudsmann, der ausschließlich dem Gebührenzahler verpflichtet ist, für das System von ARD und ZDF in dieser Situation äußerst hilfreich? Andere Unternehmen und Branchen haben derartige Bürgerbeauftragte längst mit Erfolg eingeführt.
Aus: Vocer

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