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Nebenbei

  • Steinmeier und Yücel

    In der Türkei sitzen viele Dutzend Journalisten im Gefängnis. Unter ihnen befindet sich auch Deniz Yücel, Er ist türkischer und deutscher Staatsbürger. Bundespräsident Steinmeier hat seine erste Rede für einen Appell an den türkischen Präsidenten Erdogan genutzt. „Geben Sie Deniz Yücel frei!“ Eine selbstverständliche und dennoch bemerkenswerte Forderung. Die meisten Bundespräsidenten hielten sich aus der Tagespolitik heraus. Dass Steinmeier anders verfährt, hat ihn viel Lob eingebracht. Es hieß, er sei ein Präsident mit Biss, ein Mann, der klare Kante zeigt. Wem nutzt dieser Auftritt? Zunächst ihm selbst. Die positive Resonanz ermuntert ihn, dem eingeschlagenen Weg zu folgen. Risikolos ist er nicht. Er kann ihn über die Grenze hinausführen, von der an er zum Richter über die Politik der Regierung wird. Genützt hat Steinmeiers Auftritt auch jenen Bürgern, denen er aus dem Herzen sprach. Sie können sich verstanden fühlen. Nützt Steinmeiers Auftritt aber auch Yücel? Erdogan wird wohl den Teufel tun und ihn freilassen. Mit Steinmeiers Appell ist der Fall zur Prestigefrage geworden. Gäbe Erdogan nach, würde er in den Augen seiner Anhänger Schwäche zeigen. Er hätte sich deutschem Druck gebeugt und eingestanden, dass Yücel unrechtmäßig festgehalten wurde. Erdogan verlöre sein Gesicht. Je heftiger er öffentlich bedrängt wird, desto länger wird er Yücel festhalten. Der Journalist wird vermutlich erst freikommen, wenn gewährleistet ist, dass Erdogan sein Gesicht behält. Für Yücel aussichtsreicher wäre es wohl, statt mit öffentlichen Appellen auf diplomatischem Wege Druck auszuüben. Erdogan wird das Gefängnistor erst öffnen, wenn es für ihn teurer wird, Yücel gefangen zu halten als ihn freizulassen. – Ulrich Horn

Triumph der Einfalt

Montag, 5. November 2012

Nebenbei

(uh) Schlimmer kann’s nicht kommen. Das ZDF lädt zu seinem Parade-Programm „Wetten, dass…“ zwei Hollywood-Stars ein. Und was tun sie? Sie lassen an der Veranstaltung kein gutes Haar. Liegen sie falsch? Keineswegs. Man wundert sich, dass so viele heimische Promis die Sendung bisher klaglos über sich ergehen ließen. Aus Mangel an Courage, aus Mangel an Urteilskraft oder aus Mangel an Stilgefühl? Herr Lanz als Sackhüpfer: Die Einfalt, die das ZDF verströmt, ist nicht zu fassen. Schauen die Familien des ZDF-Intendanten, des Programmdirektors und des Chefredakteurs tatsächlich „Wetten, dass…“? Glaubt das ZDF ernsthaft, die zehn Millionen Zuschauer, die vier Stunden vor dem Bildschirm ausharren, seien ein Beleg für die Qualität der Sendung? Viele sehen doch dem Herrn Lanz nur zu, weil sie zu alt, zu gebrechlich und zu arm sind, um auszugehen. Weil sie Kinder haben, die sie zu Hause festhalten. Und weil die Alternativen an diesen „Wetten, dass…“-Abenden auf den anderen Sendern noch dürftiger sind. Gebühren ist dieses ZDF-Programm jedenfalls nicht wert. Da wünschte man sich schon einen tatkräftigen Politiker, der beim ZDF mal kräftig interveniert.

3 Kommentare zu “Triumph der Einfalt”

  1. Werner Krusenbaum sagt:

    Aber Herr Horn, warum sollte denn ein Politiker dagegen vorgehen?
    Das läuft doch gut in der Tradition von Panem et Circensis.

  2. […] Triumph der Einfalt | Post von Horn Glaubt das ZDF ernsthaft, die zehn Millionen Zuschauer, die vier Stunden vor dem Bildschirm ausharren, seien ein Beleg für die Qualität der Sendung? Viele sehen doch dem Herrn Lanz nur zu, weil sie zu alt, zu gebrechlich und zu arm sind, um auszugehen. Weil sie Kinder haben, die sie zu Hause festhalten. […]

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