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Nebenbei

  • Wem die „Straße“ nutzt

    Schauen wir drei, vier Monate zurück. Was stellen wir fest? Damals vollzogen sich Metamorphosen. Rechtzeitig zur Wahl in den Niederlanden Mitte März verwandelten sich Journalisten in Auguren. Voller Inbrunst sagten sie Europas Ende voraus. sahen so abenteuerliche Gestalten wie Wilders, Le Pen, Höcke und Gauland die Macht übernehmen und die EU zerstören. Doch die Niederländer spielten nicht mit. Sie ließen sich nicht verrückt machen. Sie erteilten den Rechtsradikalen eine Abfuhr. Die Auguren in den Medien beruhigten sich nicht. Sie schauten auf die Präsidentschaftswahl in Frankreich und malten erneut den Teufel an die Wand. Wieder vergeblich. Die Franzosen kehrten Le Pen den Rücken, hissten die Europa-Flagge und folgten Macron. Auch dieses Wahlresultat beruhigte die Journalisten nicht. Nun sorgten sie sich, die französischen Wähler könnten bei der Wahl zur Nationalversammlung Europa in den Untergang treiben. Die Wähler taten das Gegenteil. Sie verschafften Macron die absolute Mehrheit, ließen den Front National verkümmern und mit ihm den Rest des vertrockneten politischen Establishments. Und nun? Nun raunen die Auguren, die Wahlbeteiligung sei extrem niedrig gewesen. Macron und seine absolute Parlamentsmehrheit könnten mit ihren Reformen am Widerstand der „Straße“ scheitern. Die „Straße“, wer ist das? Es ist vor allem der Gewerkschaftsbund CGT, der den Kommunisten nahesteht. Er ist für die Probleme mitverantwortlich, die Frankreich paralysieren und die Macron mit den vielen Anhängern seiner Partei La République en Marche! beheben will. Warum so viele Franzosen dennoch nicht wählen gingen? Vielleicht sammeln sie Kraft, um demnächst gegen die CGT und für Macrons Reformen auf die Straße zu gehen. Wen würde das wundern? Mich nicht. – Ulrich Horn

Der DFB und Joachim Löw

Ein Übungsleiter auf Abruf

Freitag, 17. August 2012

Sport

(uh) Joachim Löw wird wohl nicht mehr lange Fußball-Bundestrainer sein. Nach den Regeln der Macht, die auch im Fußball gelten, geht seine Amtszeit bald zu Ende. Wenn er demnächst nicht selbst die Brocken hinwirft, wird er nach der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien abtreten müssen.

Wie kultige Animateure

Löws Amtszeit neigt sich dem Ende zu, weil er Erwartungen enttäuschte und ihm Fehler unterliefen. Bei der Weltmeisterschaft 2010 wurde er nur Dritter. 2012 ließ er zu, dass seine Mannschaft zum Favoriten der Europameisterschaft erklärt wurde. Wieder scheiterte sie schon im Halbfinale, weil seine Strategie nicht aufging und er sich nicht traute, formschwache erfahrende Spieler durch fitte, aber weniger erfahrene Talente zu ersetzen.

Jahrzehnte lang zehrte die Nationalmannschaft von ihrer Kampfkraft. Unter Löw traten spielerische Elemente in den Vordergrund. Auf diese Weise erreichte die Mannschaft eine riesige Popularität, die sich in der Massenbewegung des Public Viewing entfaltete.

Der Überschwang wurde nicht mit Fußball als Kampfsport und mit sportlichen Erfolgen erzeugt und in Gang gehalten. Die neuen Fanmassen betrachten das Nationalteam eher als eine Truppe kultiger Animateure, die ein Unterhaltungsspiel aufführen. Niederlagen werden erträglich geredet, solange sie die Stimmung nicht trüben und die Mannschaft positive Ansätze zeigt, die demnächst bessere Resultate versprechen.

Stellung im DFB erschüttert

Bei der Europameisterschaft 2012 zerschellte der sportliche Anspruch an der Wirklichkeit, wie so häufig in den vergangenen Jahren. Doch diesmal wurde die Fehlerquelle identifiziert und benannt: Joachim Löw. Erstmals wurde der Bundestrainer breit kritisiert. Er selbst schwieg. Ein weiterer Fehler.

Doch dann, vor dem Spiel gegen Argentinien, als die Kritik längst verebbt war, meldete er sich zu Wort. Über seine Fehler und notwendige Konsequenzen sprach er nicht. Wohl aber kritisierte er seine Kritiker.  Noch ein Fehler. Er wiegt besonders schwer, weil die Mannschaft das Spiel gegen Argentinien verlor. Seine Kritiker zahlten es ihm prompt heim. Ex-Torwart Kahn und ZDF-Reporter Rethy nahmen kein Blatt vor den Mund.

Die Kritik wird nun nicht mehr verstummen. Die Kritiker wissen, dass Löws Stellung im DFB erschüttert ist. Die Europameisterschaft muss dem neuen DFB-Chef Niersbach vor Augen geführt haben, dass der Verband zwar über Talente verfügt, Löw aber nicht in der Lage ist, sie zu einem Siegerteam zu formen. Die Währung im Fußball sind eben nicht positive Ansätze, sondern Meisterschaften. Unter diesem Gesichtspunkt hat sich Löw für den DFB nicht ausgezahlt.

Angst vor dem Risiko

Daher hätte der Trainer nach der Europameisterschaft gehen müssen. Der DFB ließ ihn im Amt, weil auf die Schnelle kein Nachfolger bereit steht, der die Mannschaft naht- und bruchlos durch die Qualifikation zur Weltmeisterschaft nach Brasilien führen kann.

Matthias Sammer, der die Nachwuchsarbeit des DFB so erfolgreich organisierte, hätte sich auf das Traineramt sicher eingelassen. Ihn zu berufen, war dem DFB jedoch zu riskant. Sammer neigt zur Polarisierung. Sein Erfolgsfanatismus hätte viele Nationalspieler, die auf Löw fixiert sind, irritiert und verschreckt. Der Trainerwechsel hätte die WM-Qualifikation gefährden können und dann die DFB-Führung in die Kritik gebracht.

Im Gegensatz zu Löw zog Sammer Konsequenzen. Er wechselt zu Bayern München. Der DFB pensionierte Pressesprecher Stenger, der Löw über Jahre vor seinen Kritikern abschirmte und ihn medial beriet. Damit schuf die Verbandsführung die Voraussetzungen, Löw nach der WM in Brasilien ohne mediales Getöse in den Ruhestand zu schicken. Für Niersbach bleibt genügend Zeit, sich nach einem Nachfolger für Löw umzuschauen.

Spekulation um den Nachfolger

Schon bald dürfte in den einschlägigen Blättern über Kandidaten spekuliert werden. Ein heißer Aspirant ist sicher Jürgen Klopp. Er hat zwar in Dortmund einen Vertrag bis 2016 unterschrieben. Doch man weiß ja, wie es im Fußball mit Verträgen so zugeht. Wenn im DFB Not am Mann ist, dürfte Niersbach den Dortmunder Präsidenten und Ligachef Rauball in die Pflicht nehmen.

Möglich, dass dies längst geschehen ist. Klopp könnte den Vertrag mit Dortmund bis 2016 unterschrieben haben, um Löw 2014 einen unbedrängten Abgang zu ermöglichen. Und um sich selbst die Diskussion vom Hals zu halten, er lauere nur darauf, Löw scheitern zu sehen, um ihn dann zu beerben.

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Ein Kommentar zu “Ein Übungsleiter auf Abruf”

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