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Nebenbei

  • Vom Wähler abgewrackt

    Die einstigen Volksparteien bieten ein jämmerliches Bild. Die SPD zerfleischte sich über Jahrzehnte. Sie schrumpfte zur Kleinpartei. Rechtzeitig vor der Bundestagswahl stellte sie sich ruhig. Prompt erhielt sie Aufwind. Die Union zerfleischt sich seit 2015. Sie steigerte das Gemetzel im Wahlkampf sogar. Viele Wähler kehrten ihr erzürnt den Rücken. – Heute warten die dürftigen Reste der Volksparteien darauf, dass ihnen die kleine FDP und die kleinen Grünen zur Macht verhelfen. Union und SPD regierten in 12 der 16 Regierungsjahre Merkels gemeinsam. Beide Gruppierungen haben den Erfolg und den Misserfolg dieser Ära zu verantworten. Beide haben die Mängel verursacht, der in der Pandemie sichtbar wurden. Beide haben sich mehr mit ihren internen Problemen als mit denen des Staates und der Gesellschaft befasst. Dass beide nicht gewohnt sind, sachgerecht zu agieren, zeigte sich in der Pandemie. Dass sie der jeweils anderen Partei vorwerfen, die Modernisierung des Landes verschlafen zu haben, ist lächerlich. Die Wähler sind nicht dumm. Sie wissen: Beide Parteien haben sich durch eigenes Verschulden auf Grund gesetzt. Die Wähler haben begonnen, beide Volksparteien abzuwracken. Der SPD gaben sie bei der Bundestagswahl noch einmal Paddel, der Union nahmen sie die Segel. Doch ohne die Schlepper FDP und Grüne kämen die beiden schrottreifen Dickschiffe nicht mehr vom Fleck. – Ulrich Horn

Ein Übungsleiter auf Abruf

Freitag, 17. August 2012

Sport

(uh) Joachim Löw wird wohl nicht mehr lange Fußball-Bundestrainer sein. Nach den Regeln der Macht, die auch im Fußball gelten, geht seine Amtszeit bald zu Ende. Wenn er demnächst nicht selbst die Brocken hinwirft, wird er nach der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien abtreten müssen.

Wie kultige Animateure

Löws Amtszeit neigt sich dem Ende zu, weil er Erwartungen enttäuschte und ihm Fehler unterliefen. Bei der Weltmeisterschaft 2010 wurde er nur Dritter. 2012 ließ er zu, dass seine Mannschaft zum Favoriten der Europameisterschaft erklärt wurde. Wieder scheiterte sie schon im Halbfinale, weil seine Strategie nicht aufging und er sich nicht traute, formschwache erfahrende Spieler durch fitte, aber weniger erfahrene Talente zu ersetzen.

Jahrzehnte lang zehrte die Nationalmannschaft von ihrer Kampfkraft. Unter Löw traten spielerische Elemente in den Vordergrund. Auf diese Weise erreichte die Mannschaft eine riesige Popularität, die sich in der Massenbewegung des Public Viewing entfaltete.

Der Überschwang wurde nicht mit Fußball als Kampfsport und mit sportlichen Erfolgen erzeugt und in Gang gehalten. Die neuen Fanmassen betrachten das Nationalteam eher als eine Truppe kultiger Animateure, die ein Unterhaltungsspiel aufführen. Niederlagen werden erträglich geredet, solange sie die Stimmung nicht trüben und die Mannschaft positive Ansätze zeigt, die demnächst bessere Resultate versprechen.

Stellung im DFB erschüttert

Bei der Europameisterschaft 2012 zerschellte der sportliche Anspruch an der Wirklichkeit, wie so häufig in den vergangenen Jahren. Doch diesmal wurde die Fehlerquelle identifiziert und benannt: Joachim Löw. Erstmals wurde der Bundestrainer breit kritisiert. Er selbst schwieg. Ein weiterer Fehler.

Doch dann, vor dem Spiel gegen Argentinien, als die Kritik längst verebbt war, meldete er sich zu Wort. Über seine Fehler und notwendige Konsequenzen sprach er nicht. Wohl aber kritisierte er seine Kritiker.  Noch ein Fehler. Er wiegt besonders schwer, weil die Mannschaft das Spiel gegen Argentinien verlor. Seine Kritiker zahlten es ihm prompt heim. Ex-Torwart Kahn und ZDF-Reporter Rethy nahmen kein Blatt vor den Mund.

Die Kritik wird nun nicht mehr verstummen. Die Kritiker wissen, dass Löws Stellung im DFB erschüttert ist. Die Europameisterschaft muss dem neuen DFB-Chef Niersbach vor Augen geführt haben, dass der Verband zwar über Talente verfügt, Löw aber nicht in der Lage ist, sie zu einem Siegerteam zu formen. Die Währung im Fußball sind eben nicht positive Ansätze, sondern Meisterschaften. Unter diesem Gesichtspunkt hat sich Löw für den DFB nicht ausgezahlt.

Angst vor dem Risiko

Daher hätte der Trainer nach der Europameisterschaft gehen müssen. Der DFB ließ ihn im Amt, weil auf die Schnelle kein Nachfolger bereit steht, der die Mannschaft naht- und bruchlos durch die Qualifikation zur Weltmeisterschaft nach Brasilien führen kann.

Matthias Sammer, der die Nachwuchsarbeit des DFB so erfolgreich organisierte, hätte sich auf das Traineramt sicher eingelassen. Ihn zu berufen, war dem DFB jedoch zu riskant. Sammer neigt zur Polarisierung. Sein Erfolgsfanatismus hätte viele Nationalspieler, die auf Löw fixiert sind, irritiert und verschreckt. Der Trainerwechsel hätte die WM-Qualifikation gefährden können und dann die DFB-Führung in die Kritik gebracht.

Im Gegensatz zu Löw zog Sammer Konsequenzen. Er wechselt zu Bayern München. Der DFB pensionierte Pressesprecher Stenger, der Löw über Jahre vor seinen Kritikern abschirmte und ihn medial beriet. Damit schuf die Verbandsführung die Voraussetzungen, Löw nach der WM in Brasilien ohne mediales Getöse in den Ruhestand zu schicken. Für Niersbach bleibt genügend Zeit, sich nach einem Nachfolger für Löw umzuschauen.

Spekulation um den Nachfolger

Schon bald dürfte in den einschlägigen Blättern über Kandidaten spekuliert werden. Ein heißer Aspirant ist sicher Jürgen Klopp. Er hat zwar in Dortmund einen Vertrag bis 2016 unterschrieben. Doch man weiß ja, wie es im Fußball mit Verträgen so zugeht. Wenn im DFB Not am Mann ist, dürfte Niersbach den Dortmunder Präsidenten und Ligachef Rauball in die Pflicht nehmen.

Möglich, dass dies längst geschehen ist. Klopp könnte den Vertrag mit Dortmund bis 2016 unterschrieben haben, um Löw 2014 einen unbedrängten Abgang zu ermöglichen. Und um sich selbst die Diskussion vom Hals zu halten, er lauere nur darauf, Löw scheitern zu sehen, um ihn dann zu beerben.

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Ein Kommentar zu “Ein Übungsleiter auf Abruf”

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