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Nebenbei

  • Trumps Theater

    Über die Geduld der US-Medien kann man nur staunen. Immer wieder schicken sie Journalisten zu Pressekonferenzen, bei denen Präsident Trump und seine Mitarbeiter lügen, was das Zeug hält, die Journalisten beschimpfen und deren Arbeitgeber verleumden. Es drängt sich schon die Frage auf: Müssen die Beschimpften die Lügen und Tiraden über sich ergehen lassen und sie dann auch noch verbreiten? Diese Frage provoziert die nächste: Wäre es nicht an der Zeit, den Transport der alternativen Fakten ihren Urhebern zu überlassen? Trump und seine Mitarbeiter müssten dann ihre Fakenews ohne Hilfe der meisten Medien an die Bürger bringen. Es stehen dazu Twitter, regierungsnahe Medien und auch Presseerklärungen zur Verfügung. Die Berichterstattung der geschmähten Medien über die Regierungsarbeit muss unter diesem Schritt nicht leiden. Er würde es Trump aber erschweren, sich als Opfer der Medien darzustellen und mit diesem Manöver Desinformation zu betreiben, während die Medien so arbeiten könnten wie bisher. Noch schwerer hätte er es, wenn die in Washington tätigen Medien einen Verein zur Veranstaltung von Pressekonferenzen gründeten und nahe beim Weißen Haus Büros anmieteten. Dorthin könnte der Verein dann Persönlichkeiten einladen, die zu aktuellen Themen etwas mitzuteilen haben, auch zu jenen, über die Trump gar nicht oder falsch informiert. Und schließlich, um ihm Einhalt zu gebieten: Können Journalisten und Medienunternehmen, die Trump wahrheitswidrig bezichtigt zu lügen, den Präsidenten und die US-Regierung nicht wegen übler Nachrede , Verleumdung und gegebenenfalls auch wegen Geschäftsschädigung verklagen? – Selbst wenn es ginge, würde es wohl nicht dazu kommen. Schade eigentlich. – Ulrich Horn

Der DFB und Joachim Löw

Ein Übungsleiter auf Abruf

Freitag, 17. August 2012

Sport

(uh) Joachim Löw wird wohl nicht mehr lange Fußball-Bundestrainer sein. Nach den Regeln der Macht, die auch im Fußball gelten, geht seine Amtszeit bald zu Ende. Wenn er demnächst nicht selbst die Brocken hinwirft, wird er nach der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien abtreten müssen.

Wie kultige Animateure

Löws Amtszeit neigt sich dem Ende zu, weil er Erwartungen enttäuschte und ihm Fehler unterliefen. Bei der Weltmeisterschaft 2010 wurde er nur Dritter. 2012 ließ er zu, dass seine Mannschaft zum Favoriten der Europameisterschaft erklärt wurde. Wieder scheiterte sie schon im Halbfinale, weil seine Strategie nicht aufging und er sich nicht traute, formschwache erfahrende Spieler durch fitte, aber weniger erfahrene Talente zu ersetzen.

Jahrzehnte lang zehrte die Nationalmannschaft von ihrer Kampfkraft. Unter Löw traten spielerische Elemente in den Vordergrund. Auf diese Weise erreichte die Mannschaft eine riesige Popularität, die sich in der Massenbewegung des Public Viewing entfaltete.

Der Überschwang wurde nicht mit Fußball als Kampfsport und mit sportlichen Erfolgen erzeugt und in Gang gehalten. Die neuen Fanmassen betrachten das Nationalteam eher als eine Truppe kultiger Animateure, die ein Unterhaltungsspiel aufführen. Niederlagen werden erträglich geredet, solange sie die Stimmung nicht trüben und die Mannschaft positive Ansätze zeigt, die demnächst bessere Resultate versprechen.

Stellung im DFB erschüttert

Bei der Europameisterschaft 2012 zerschellte der sportliche Anspruch an der Wirklichkeit, wie so häufig in den vergangenen Jahren. Doch diesmal wurde die Fehlerquelle identifiziert und benannt: Joachim Löw. Erstmals wurde der Bundestrainer breit kritisiert. Er selbst schwieg. Ein weiterer Fehler.

Doch dann, vor dem Spiel gegen Argentinien, als die Kritik längst verebbt war, meldete er sich zu Wort. Über seine Fehler und notwendige Konsequenzen sprach er nicht. Wohl aber kritisierte er seine Kritiker.  Noch ein Fehler. Er wiegt besonders schwer, weil die Mannschaft das Spiel gegen Argentinien verlor. Seine Kritiker zahlten es ihm prompt heim. Ex-Torwart Kahn und ZDF-Reporter Rethy nahmen kein Blatt vor den Mund.

Die Kritik wird nun nicht mehr verstummen. Die Kritiker wissen, dass Löws Stellung im DFB erschüttert ist. Die Europameisterschaft muss dem neuen DFB-Chef Niersbach vor Augen geführt haben, dass der Verband zwar über Talente verfügt, Löw aber nicht in der Lage ist, sie zu einem Siegerteam zu formen. Die Währung im Fußball sind eben nicht positive Ansätze, sondern Meisterschaften. Unter diesem Gesichtspunkt hat sich Löw für den DFB nicht ausgezahlt.

Angst vor dem Risiko

Daher hätte der Trainer nach der Europameisterschaft gehen müssen. Der DFB ließ ihn im Amt, weil auf die Schnelle kein Nachfolger bereit steht, der die Mannschaft naht- und bruchlos durch die Qualifikation zur Weltmeisterschaft nach Brasilien führen kann.

Matthias Sammer, der die Nachwuchsarbeit des DFB so erfolgreich organisierte, hätte sich auf das Traineramt sicher eingelassen. Ihn zu berufen, war dem DFB jedoch zu riskant. Sammer neigt zur Polarisierung. Sein Erfolgsfanatismus hätte viele Nationalspieler, die auf Löw fixiert sind, irritiert und verschreckt. Der Trainerwechsel hätte die WM-Qualifikation gefährden können und dann die DFB-Führung in die Kritik gebracht.

Im Gegensatz zu Löw zog Sammer Konsequenzen. Er wechselt zu Bayern München. Der DFB pensionierte Pressesprecher Stenger, der Löw über Jahre vor seinen Kritikern abschirmte und ihn medial beriet. Damit schuf die Verbandsführung die Voraussetzungen, Löw nach der WM in Brasilien ohne mediales Getöse in den Ruhestand zu schicken. Für Niersbach bleibt genügend Zeit, sich nach einem Nachfolger für Löw umzuschauen.

Spekulation um den Nachfolger

Schon bald dürfte in den einschlägigen Blättern über Kandidaten spekuliert werden. Ein heißer Aspirant ist sicher Jürgen Klopp. Er hat zwar in Dortmund einen Vertrag bis 2016 unterschrieben. Doch man weiß ja, wie es im Fußball mit Verträgen so zugeht. Wenn im DFB Not am Mann ist, dürfte Niersbach den Dortmunder Präsidenten und Ligachef Rauball in die Pflicht nehmen.

Möglich, dass dies längst geschehen ist. Klopp könnte den Vertrag mit Dortmund bis 2016 unterschrieben haben, um Löw 2014 einen unbedrängten Abgang zu ermöglichen. Und um sich selbst die Diskussion vom Hals zu halten, er lauere nur darauf, Löw scheitern zu sehen, um ihn dann zu beerben.

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Ein Kommentar zu “Ein Übungsleiter auf Abruf”

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