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Nebenbei

  • Zappenduster für die SPD?

    Nach den Hamburger Krawallen darf man auf fünf Dinge gespannt sein: 1. Welche Konsequenzen werden deutsche Innenpolitiker und Sicherheitsbehörden aus ihnen ziehen? Werden sie aufatmen, dass nun alles vorbei ist, und darauf setzen, dem Schwarzen Block künftig keinen Anlass mehr zu Gewaltverbrechen und Plünderungen zu bieten? Oder werden sie die Mitglieder dieser marodierenden Banden verfolgen und bestrafen? 2. Welche Konsequenzen wird Hamburgs Bürgermeister Scholz (SPD) aus dem Umstand ziehen, dass sich etliche Hundert Kriminelle, die ihren Stützpunkt mitten in Hamburg haben, zusammenrotten und plündernd und brandschatzend durch die Stadt ziehen konnten? 3. Welche Konsequenzen werden Hamburgs Bürger ziehen?  Scholz steht bereits massiv unter Druck. Er wirkt angeschlagen. Droht ihm das Schicksal von NRW-Ministerpräsidentin Kraft? Nach den Verbrechen zu Silvester 2015 in Köln geriet die rot-grüne NRW-Regierung ins Wanken. Bei der Landtagswahl 2017 kippte sie um, weil immer mehr Wähler bemerkt hatten, dass Kraft keine Sicherheit gewährleistete. 4. Welche Konsequenzen werden die deutschen Bürger aus den Krawallen ziehen? Welche Parteien werden profitieren, welche Schaden nehmen? Wie wirken sich die Krawalle auf die Bundestagswahl aus? Die jüngste ZDF-Umfrage zeigt: Im Kampf gegen Verbrechen trauen 43 Prozent der Union und nur zehn Prozent der SPD mehr zu. SPD-Vizechef Stegner befürchtet nun einen noch viel stärkeren Rechtsruck als nach der Kölner Silvesternacht. Er dürfte dann wohl erneut die SPD treffen. 5. Man darf gespannt darauf sein, ob und wie sich Stegners Vermutung für die SPD und ihren Kanzlerkandidaten Schulz in den nächsten Umfragen niederschlägt. Immerhin gab es vor der Hamburger Randale für sie einen kleinen Hoffnungsschimmer. – Ulrich Horn

Kollateralschäden am Niederrhein

Montag, 19. Dezember 2011

Politik

(uh) Seit die NRW-SPD 2010 die Opposition aufgab und mit den Grünen eine Minderheitsregierung bildete, hat sie mit vielen Widrigkeiten zu kämpfen. Sie betreffen vor allem den zweitgrößten ihrer vier Bezirke, die SPD Niederrhein.

Sie war über Jahrzehnte ein Machtzentrum, das die NRW-SPD als Regierungspartei stabilisierte. Inzwischen geht es in dem Bezirk drunter und drüber. Das haben auch seine derzeit prominentesten Mitgliedern zu verantworten, Ministerpräsidentin Kraft aus Mülheim und Innenminister Jäger aus Duisburg.

Jäger, auch Chef der Duisburger SPD, sorgte Anfang des Jahres für Aufsehen, als er in Duisburg mit der Linken die erste kommunale rot-rot-grüne Koalition in NRW schmiedete. Weil er als Innenminister gleichzeitig die Linke vom Verfassungsschutz beobachten lässt, handelte er sich den Vorwurf ein, inkonsequent und wirr zu agieren.

Seine Kooperation mit der Linken sorgt auch deshalb für Irritation, weil Teile der Linken im Verdacht stehen, antisemitisch zu sein. Der Fraktionschef der Linken im Duisburger Rat, Dierkes, wurde kürzlich vom Wiesenthal-Center als einer der weltweit größten Antisemiten eingestuft. Die jüdische Gemeinde ist besorgt. Aus Zeiten des früheren Regierungschefs Rau ist sie von der NRW-SPD und ihren führenden Köpfen größere Umsicht gewohnt.

Unglücklich agierte Jäger auch nach dem Loveparade-Unglück. Zum allgemeinen Erstaunen stellte er der Polizei ohne Untersuchung einen Persilschein aus, den er später kassieren musste. Jäger verstrickte sich auch in eine Parteispendenaffäre. Monate lang verschaffte er der SPD Duisburg und der SPD Niederrhein negative Schlagzeilen.

Auch Bezirkschefin Britta Altenkamp trug dazu bei, den Bezirk zu demolieren. Als Geschäftsführerin der SPD-Landtagsfraktion löste sie Empörung aus, als sie bei einer Abstimmung im Landtag ungeschriebene Regeln verletzte. Sie behauptete, im Einvernehmen mit Fraktionschef Römer und Ministerpräsidentin Kraft gehandelt zu haben. Beide bestritten das. Altenkamp sah sich genötigt, ihr Fraktionsamt aufzugeben.

Den nächsten Schlag erhielt SPD Niederrhein, als Kraft versuchte, den Chefposten des Rechnungshofes zu besetzen. Weil der Bezirk mit Altenkamps Rücktritt einen wichtigen Posten verlor, will Kraft den Posten beim Rechnungshof mit einer Kandidatin vom Niederrhein besetzen. Ohne das erforderliche Einvernehmen mit der CDU herzustellen, schlug sie Düsseldorfs Bürgermeisterin Hock vor. Die CDU ließ Kraft auflaufen.

Ihr Misserfolg wurde umgehend bekannt. Prompt geriet Kölns Regierungspräsidentin Gisela Walsken als Kandidatin ins Gerede. Sie ist stellvertretende Vorsitzende der Duisburger SPD. Chancen werden ihr kaum eingeräumt. Ihr Verhältnis zu Kraft gilt als gespannt.

Mit Altenkamp, Hock und Walsken wurden in wenigen Wochen gleich drei Führungsfrauen der SPD Niederrhein beschädigt. Ganz zu schweigen von Kraft, die ebenfalls aus dem Bezirk kommt. Sie hat den Posten beim Rechnungshof bis heute nicht besetzt und wird das in diesem Jahr wohl auch kaum noch schaffen.

Bei diesem Verschleißtempo des niederrheinischen Spitzenpersonals stellt sich die Frage, wie lange sich Britta Altenkamp noch an der Spitze des Bezirks hält. Die SPD-Landtagsabgeordneten haben jedenfalls aufmerksam registriert, wie Altenkamp und Kraft kürzlich in einer Fraktionssitzung über eine lokale Frage des Bezirks aneinander gerieten.

Mancher rechnet schon damit, dass Innenminister Jäger nach Altenkamps Bezirksposten greifen wird. Der Chefposten des Bezirks wäre eine starke Ausgangsbasis, um sich als Krafts Kronprinz zu profilieren. Eine Rolle, die noch vakant ist und danach schreit, besetzt zu werden.

Übrigens: Das Verhältnis zwischen Jäger und Kraft gilt als intakt. Ihre Familien sind miteinander befreundet.

 

 

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2 Kommentare zu “Kollateralschäden am Niederrhein”

  1. Gertrud Theisen sagt:

    Kronprinz klingt gut. Dabei sind Jäger und Kraft doch beide 50 Jahre alt. Aber bei der SPD ist ja alles möglich. Kraft sieht sich offenbar gestärkt durch ihr gutes Wahlergebnis beim Bundesparteitag. Vielleicht hat sie, wie zuvor Clement und Steinbrück, ja auch Abwanderungspläne nach Berlin. Die beiden Genossen zog es nach Berlin, nachdem sie in NRW einen Trümmerhaufen hinterlassen hatten…

  2. […] Kollateralschäden am Niederrhein: Die SPD war über Jahrzehnte ein Machtzentrum, das die NRW-SPD als Regierungspartei stabilisierte. Inzwischen geht es in dem Bezirk drunter und drüber. Das haben auch seine derzeit prominentesten Mitgliedern zu verantworten, Ministerpräsidentin Kraft aus Mülheim und Innenminister Jäger aus Duisburg … postvonhorn […]

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