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Nebenbei

  • NoWaBo und seine Erben

    Wer im Glashaus sitzt, der sollte … Sieben Jahre lang warfen CDU und FDP der rot-grünen NRW-Regierung vor, das Land unmäßig zu verschulden, und brandmarkten SPD-Ministerpräsidentin Kraft als „Schuldenkönigin“. Seit ein paar Monaten regieren nun CDU und FDP in Düsseldorf. Gerade brachten sie ihren ersten Nachtragsetat durch den Landtag. Die neue Regierung nimmt 1, 55 Milliarden neue Kredite auf. Sie steigert die NRW-Verschuldung auf die Rekordmarke von 178,1 Milliarden. SPD und Grüne üben heftig Kritik. Sie stempeln CDU-Ministerpräsident Laschet als „Schuldenkaiser“ ab. – Sie sollten den Ball besser flach halten. 2010 kaum an der Regierung, demonstrierten sie mit unfassbarem Dilettantismus haushaltspolitische Inkompetenz. Rot-Grün übernahm nicht nur den Nachtragsetat der Vorgängerregierung, sondern erhöhte ihn noch um 1,8 auf sage und schreibe 8,4 Milliarden, die höchste Neuverschuldung, die es in NRW je gab. Sie überstieg die geplanten Investitionen von 3,9 Milliarden bei Weitem und war damit offensichtlich rechtswidrig. Das Verfassungsgericht stoppte den Vollzug des Nachtrags, ein beispielloser Vorgang. Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD), genannt NoWaBo, reichte das Gespött nicht. Er sorgte dafür, dass es noch anschwoll, als er im Haushalt plötzlich 1,3 Milliarden entdeckte und den Fund zunächst nicht erklären konnte. Prompt zog er sich auch noch den Verdacht zu, falsch zu spielen. Er senkte die Neuverschuldung auf 7,1 Milliarden. Immer noch zu viel, fand das Verfassungsgericht. Es erklärte den Nachtragsetat für nichtig. Walter-Borjans, die Koalitionsfraktionen und Ministerpräsidentin Kraft hatten sich bis auf die Knochen blamiert. Das Medienecho war verheerend. NoWaBo reichte das nicht. In den folgenden Jahren wurde er Stammgast beim Verfassungsgericht. Immer wieder stufte es seine Haushalte als verfassungswidrig ein. – Seit der Landtagswahl können die Richter aufatmen. Die Wähler machten Nägel mit Köpfen und sorgten dafür, dass auch NoWaBo in Pension ging. – Ulrich Horn

Koalitionsfieber

Mittwoch, 10. Februar 2010

Politik

(uh) Noch drei Monate bis zur NRW-Wahl. Doch richtigen Wahlkampf erleben wir noch nicht. Die Strategen halten ihr Pulver trocken. Sie wissen: Es kommt auf die letzten Wochen vor dem 9. Mai an. Erst dann wird es ernst.

Nur in Zeitungen und Blogs geht es schon jetzt hoch her. Dort wird über den Ausgang der Wahl spekuliert, was das Zeug hält. Politische Konzepte spielen dabei eine untergeordnete Rolle. Wo die Defizite des Landes liegen, wohin es sich entwickeln soll, darüber wird kaum gestritten. Man hat das Gefühl, als scheuten Medien und Parteien davor zurück, sich inhaltlich festzulegen. Es könnte ja sein, dass sich dies nach der Wahl als hinderlich erweist.

Die Mutmaßungen über das Wahlresultat und das Ende der schwarz-gelben Koalition schießen vor allem deshalb ins Kraut, weil die FDP durchhängt. Mit einigem Nachdruck bemühen sich deshalb der CDU nahe stehende Organe, eine schwarz-grüne Koalition für Düsseldorf ins Gespräch zu bringen, weniger um die Wähler zu überzeugen, als um die Bedenken im konservativen Lager zu zerstreuen. Tatsächlich gibt es in der Union nach wie vor erhebliche Vorbehalte gegen die Grünen. Der weitaus größte Teil der CDU-Landtagsfraktion stammt aus den ländlichen CDU-Hochburgen. In diesen Regionen gilt bereits der CDU-eigene Integrationsminister Armin Laschet als bunter Vogel.

Die Grünen üben unterdessen Flexibilität. Auf ihrem jüngsten Parteitag präsentierten sie sich wie Birkenstock-Sandalen nach allen Seiten offen. Ein Teil der Partei spielt mit dem Gedanken, nach der Wahl mit der CDU zu marschieren, wenn es das Wahlergebnis her gibt. Der wohl größere Rest der Partei sieht eine solche Perspektive eher mit Unbehagen. Um nicht in die Lage der hessischen SPD zu kommen, die beim Thema Koalition erst Hü und dann Hot sagte und schließlich elend abschmierte, hüten sich die NRW-Grünen, ihre Differenzen in der Koalitionsfrage vor der Wahl offen auszutragen und zu einem eindeutigen Ergebnis zu bringen. Man weiß ja nie, wie die Wähler abstimmen. Am Ende könnte man dumm dastehen.

Weil die schwarz-grüne Perspektive in beiden Parteien auf Widerstand stößt, sind die Spielräume, eine solche Koalition parteiintern zum Thema zu machen, so nah vor dem Wahltermin sehr begrenzt. Eine offene Diskussion kann zum Wahlkampfrisiko werden. Es könnte der Eindruck entstehen, die Partei sei zerstritten, es gehe um einen Machtkampf. Deshalb hüten sich alle Seiten, ihre Positionen klar und deutlich vorzutragen.

Unterhalb dieser Risikoschwelle werben sie jedoch munter für ihre Machtperspektive. Dabei legen sie viel Kreativität an den Tag. Einen Coup landeten die Befürworter von Schwarz-Grün in der Rheinischen Post. Dort wurden jüngst die Posten in einem schwarz-grünen Kabinett verteilt. Die Botschaft an die Skeptiker in beiden Parteien war klar: Seht her, auf beiden Seiten sind vernünftige Leute am Werk. So schlimm, wie ihr befürchtet, wird das schon nicht werden.

Die Erfahrung lehrt: Wer so früh Posten verteilt, fällt unter Umständen schwer auf die Nase. Das gilt für Politiker und Journalisten. Bei Durchsicht der Kabinettsliste fällt auf, dass einer der größte Befürworter einer schwarz-grünen Koalition, der grüne Aachener Abgeordnete Reiner Priggen, mit keinem Ministerposten bedacht wird. Dies deutet darauf hin, dass es auch unter den Befürwortern von Schwarz-Grün erhebliche Verwerfungen gibt.

Die Kabinettsliste ist vermutlich von Leuten gesponsert, die Ambitionen haben und sich warm laufen. Die Liste lässt nicht nur den Posten des Regierungssprechers offen, sondern auch den seines Stellvertreters, der den Grünen zustünde. Das dürfte manchem bei CDU und Grünen zu denken geben. Der eine oder andere wird sich demnächst wohl schon ein neues Sakko kaufen.

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