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Nebenbei

  • Das Elend des Fußballs

    Der deutsche Fußball macht nicht mehr viel her. Der aktuelle DFB-Präsident Grindel, ein Journalist, flüchtet vor unangenehmen Fragen. Er zeigt sich überfordert, wie schon sein Vorgänger Niersbach, ebenfalls ein Journalist. – Die Nationalmannschaft überstand nicht einmal die WM-Gruppenspiele. Auch stieg sie aus der Nations League ab. – Die Bundesliga-Klubs sind in der Champions League früh gescheitert. Die zweite Hälfte der 1. Liga spielt drittklassig. – Auf dem gleichen Niveau bewegen sich die Spielberichte der TV-Sender. Seit dem WM-Sieg 2014 verharmlosen sie die Defizite des deutschen Fußballs. Da ihn die Sender mitfinanzieren, scheuen sie sich, ihr Produkt schlechtzureden. Um diese Falle zu umgehen, entschärfen sie die Information durch Moderation – und landen prompt in der nächsten Falle: Sie machen sich zum Teil des Fußballs. Sie reden ihn schön. Sie blasen ihn auf. Sie lassen ihre Moderatoren wie Animateure agieren. Der graue Zustand des Fußballs verschwindet unter einer rosaroten TV-Verklärung. Kritik bleibt rar. Sie scheint unerwünscht. Das bekam Felix Magath zu spüren, als er am Samstag im ZDF-Sportstudio auf das Fußballelend hinwies. Statt ihn zu ermuntern, seine Kritik am DFB, an den Klubs, am Bundestrainer und am Medienbetrieb weiter auszuführen und zu begründen, lenkte Breyer von ihr ab: Er machte Magath zum Thema. Breyer schien sich von Magaths Kritik am Fußballbetrieb beleidigt zu fühlen. Er drängte seinen Gast in die Rolle des Sonderlings. Dennoch brachte Magath seine Botschaften über. Das Hamburger Abendblatt hat sie zutreffend zusammengefasst. Magath lieferte den Zuschauern, was ihnen Testimonials wie Breyer seit Jahren vorenthalten. Nicht auszudenken, was Magath noch von sich gegeben hätte, wenn ihn an diesem Abend ein(e) Journalist(in) interviewt hätte. – Ulrich Horn

Laschets Wunderkind

Montag, 24. Juli 2017

Nebenbei

Die Regierungsmannschaft des neuen NRW-Ministerpräsidenten Laschet (CDU) gilt als kluge Mischung aus alten Hasen und jungen Talenten. Einen, der bisher im Hintergrund agierte, umweht bereits der Ruf des Wunderkindes: Nathanael Liminski, bisher Geschäftsführer der CDU-Landtagsfraktion, wurde zum Staatssekretär und Chef der Staatskanzlei befördert. Was Laschets rechte Hand aus der Regierungsmannschaft heraushebt, ist das Alter. Der Mann ist gerade einmal 31 Jahre alt. Er ist vermutlich der jüngste Staatssekretär, der je in NRW tätig war und gewiss der jüngste Chef der Staatskanzlei in der Geschichte des Landes. Obwohl er gerade erst den Kinderschuhen entwachsen ist, werden ihm bereits Erfahrung, Umsicht und strategisches Geschick nachgesagt. Die medialen Würdigungen, die für seine noch kurze Laufbahn schon ziemlich lang ausfallen, haben eines gemeinsam: Sie benennen seine Stärken, nicht aber seine Schwächen. Man könnte meinen, es gäbe sie nicht. Eine kann man doch entdecken, wenn man genau hinschaut. Bei jedem Karrieresprung in NRW gab er zu verstehen, dass die gerade gewonnene Position wohl nur eine vorläufige sei. Als er mit 28 Jahren 2014 Geschäftsführer der CDU-Landtagsfraktion wurde, merkte er an, dass er sich langfristig ein Mandat vorstellen könne. Als er nun zum Chef der Staatskanzlei befördert wurde, gab er zu Protokoll: „Ob ich selber irgendwann mal in erster Reihe Politik machen will, schließe ich nicht aus.“ Die Wahlkreiskandidaten und die Nachwuchstalente der NRW-CDU haben diese Ankündigung sicher aufmerksam registriert. Mancher wird sie als Kampfansage verstehen. Mit solchen Bemerkungen weckt man schlafende Löwen und wertet die Aufgabe, mit der man gerade erst betraut wurde, als Übergangslösung ab. Zeugt dieses Verhalten von strategischem Geschick? – Ulrich Horn

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3 Kommentare zu “Laschets Wunderkind”

  1. Hand Meier sagt:

    Herr Horn, die Antwort kann nur ein JA sein.
    In allen Parteien sind „die Alten längst ausgebrannt“ und verströmen einen unangenehmen Geruch des Moders und der Vergänglichkeit. Es braucht junge, engagierte Köpfe mit schneller Auffassungsgabe, die in der Öffentlichkeit keine Gegner scheuen.
    Die sich mit Argumenten der klügeren Art gegen diejenigen durchsetzen können, die vor Dummheit strotzen. Die diese persönliche Dummheit auch noch als „Gesellschaftliches Problem“ thematisieren wollen, weil sie nicht begreifen, dass ihre persönliche Trägheit, ihre Erfolglosigkeit, samt Übergewicht etc. nichts, aber rein gar nichts mit „der Gesellschaft“ zu tun hat, sondern mit ihrer individuellen Unfähigkeit, mal vom Sofa abzusteigen und Selbstverantwortung zu praktizieren.
    Man kann ja viel vermuten, aber wer heute noch eine politische Zukunft haben will, muss die Realität im Auge behalten, und da sehen wir, ist die AfD im NRW-Landtag und wird im Herbst in den Bundestag einziehen. Dass der CDU-General-Sekretär Merkels schon von „Arschlöchern spricht“, zeigt doch nur, wie „blank die Nerven liegen“ und welche Furcht vor den Wählern um sich greift, die den Altparteien keine Stimme mehr geben werden.
    Die CDU muss sich personell komplett neu organisieren, wenn sie nach Merkel je wieder eine Chance haben will.

    • Aquii sagt:

      Sehe ich nicht so, denn auf Merkel folgt eine SPD-Kanzler und wenn ich mir da die Kandidaten ansehe, reicht eine Legislaturperiode und die Wähler kehren reumütig zur Union zurück, gleich wer dann dort an der Spitze steht.

  2. Markus sagt:

    „Leute auf der Durchreise“ machen sich zwar nicht unbedingt übermäßig beliebt bei den Parteifreunden. Aber mit „offenem Visier“ anzutreten, ist immerhin vielleicht besser, als in den berühmt-berüchtigten Kungelrunden der Parteihinterzimmer eigene persönlichen Karrierepläne zu schmieden.

    Im Übrigen wird das fromme Wunderkind Nathanael Liminski als katholischer Konservativer sein Geschick wohl auch alsbald schon unter Beweis stellen müssen, an der Seite von dem sehr liberalen Armin Laschet und ebenso treuen Merkel-Gefolgsmann!

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