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Nebenbei

  • Klingbeils Selbsttor

    Der neue SPD-Generalsekretär Klingbeil ist nicht zu beneiden. Seit er im Amt ist, wird der Dreck in seiner Partei immer tiefer. Um vom SPD-Morast abzulenken, wollte er den Ärger befeuern, der in der Union über die Postenausbeute der Koalitionsverhandlungen ausgebrochen ist – und blamiert dabei seine eigene Innung. Hätten die Verhandlungen einen halben Tag länger gedauert, hätte die Union der SPD vermutlich sogar das Kanzleramt abgetreten, spottete Klingbeil. – Seit 19 Jahren hat die SPD nichts mehr zu lachen, sieben Jahre unter SPD-Kanzler Schröder nicht und nun auch schon 12 Jahre lang nicht unter CDU-Kanzlerin Merkel. Seit 2005 bemüht sich die SPD vergeblich um das Kanzleramt. Nun, da es laut Klingbeil vermeintlich zum Greifen nahe war, griff sie nicht zu. Warum sie diese grandiose Gelegenheit verstreichen ließ, ließ Klingbeil offen. – Über die Gründe können wir nur mutmaßen: Hielt die Parteiführung ihren Chef Schulz für untauglich, Kanzler zu sein? Gönnte sie ihm den Triumph nicht? Oder fürchtet sie sich vor Juso-Chef Kühnert? Er maßt sich das Abgeordnetenrecht an, über die große Koalition zu entscheiden, obwohl er kein Abgeordneter ist. Dabei weiß die SPD-Führung sehr wohl, dass Deutschland keine direkte, sondern eine repräsentative Demokratie hat. Nur verhält sich die SPD-Spitze nicht danach. – Es ist daher wohl am wahrscheinlichsten, dass sie die Chance, bei den Koalitionsverhandlungen das Kanzleramt zu gewinnen, erst erkannte, als sie vorübergezogen war. Für ihre Transusigkeit ist die SPD-Spitze inzwischen in der ganzen Welt berühmt. Dass Schulz ein Rohrkrepierer ist, fiel den SPD-Anführern ja auch erst auf, als ihnen alle Welt mitteilte, dass Schulz ihr Rohr gesprengt hatte. Ihr Generalsekretär Klingbeil passt da genau ins Bild. Er schließt ein Selbsttor –  und er und seine Parteiführung merken es nicht einmal. – Ulrich Horn

Laschets Wunderkind

Montag, 24. Juli 2017

Nebenbei

Die Regierungsmannschaft des neuen NRW-Ministerpräsidenten Laschet (CDU) gilt als kluge Mischung aus alten Hasen und jungen Talenten. Einen, der bisher im Hintergrund agierte, umweht bereits der Ruf des Wunderkindes: Nathanael Liminski, bisher Geschäftsführer der CDU-Landtagsfraktion, wurde zum Staatssekretär und Chef der Staatskanzlei befördert. Was Laschets rechte Hand aus der Regierungsmannschaft heraushebt, ist das Alter. Der Mann ist gerade einmal 31 Jahre alt. Er ist vermutlich der jüngste Staatssekretär, der je in NRW tätig war und gewiss der jüngste Chef der Staatskanzlei in der Geschichte des Landes. Obwohl er gerade erst den Kinderschuhen entwachsen ist, werden ihm bereits Erfahrung, Umsicht und strategisches Geschick nachgesagt. Die medialen Würdigungen, die für seine noch kurze Laufbahn schon ziemlich lang ausfallen, haben eines gemeinsam: Sie benennen seine Stärken, nicht aber seine Schwächen. Man könnte meinen, es gäbe sie nicht. Eine kann man doch entdecken, wenn man genau hinschaut. Bei jedem Karrieresprung in NRW gab er zu verstehen, dass die gerade gewonnene Position wohl nur eine vorläufige sei. Als er mit 28 Jahren 2014 Geschäftsführer der CDU-Landtagsfraktion wurde, merkte er an, dass er sich langfristig ein Mandat vorstellen könne. Als er nun zum Chef der Staatskanzlei befördert wurde, gab er zu Protokoll: „Ob ich selber irgendwann mal in erster Reihe Politik machen will, schließe ich nicht aus.“ Die Wahlkreiskandidaten und die Nachwuchstalente der NRW-CDU haben diese Ankündigung sicher aufmerksam registriert. Mancher wird sie als Kampfansage verstehen. Mit solchen Bemerkungen weckt man schlafende Löwen und wertet die Aufgabe, mit der man gerade erst betraut wurde, als Übergangslösung ab. Zeugt dieses Verhalten von strategischem Geschick? – Ulrich Horn

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3 Kommentare zu “Laschets Wunderkind”

  1. Hand Meier sagt:

    Herr Horn, die Antwort kann nur ein JA sein.
    In allen Parteien sind „die Alten längst ausgebrannt“ und verströmen einen unangenehmen Geruch des Moders und der Vergänglichkeit. Es braucht junge, engagierte Köpfe mit schneller Auffassungsgabe, die in der Öffentlichkeit keine Gegner scheuen.
    Die sich mit Argumenten der klügeren Art gegen diejenigen durchsetzen können, die vor Dummheit strotzen. Die diese persönliche Dummheit auch noch als „Gesellschaftliches Problem“ thematisieren wollen, weil sie nicht begreifen, dass ihre persönliche Trägheit, ihre Erfolglosigkeit, samt Übergewicht etc. nichts, aber rein gar nichts mit „der Gesellschaft“ zu tun hat, sondern mit ihrer individuellen Unfähigkeit, mal vom Sofa abzusteigen und Selbstverantwortung zu praktizieren.
    Man kann ja viel vermuten, aber wer heute noch eine politische Zukunft haben will, muss die Realität im Auge behalten, und da sehen wir, ist die AfD im NRW-Landtag und wird im Herbst in den Bundestag einziehen. Dass der CDU-General-Sekretär Merkels schon von „Arschlöchern spricht“, zeigt doch nur, wie „blank die Nerven liegen“ und welche Furcht vor den Wählern um sich greift, die den Altparteien keine Stimme mehr geben werden.
    Die CDU muss sich personell komplett neu organisieren, wenn sie nach Merkel je wieder eine Chance haben will.

    • Aquii sagt:

      Sehe ich nicht so, denn auf Merkel folgt eine SPD-Kanzler und wenn ich mir da die Kandidaten ansehe, reicht eine Legislaturperiode und die Wähler kehren reumütig zur Union zurück, gleich wer dann dort an der Spitze steht.

  2. Markus sagt:

    „Leute auf der Durchreise“ machen sich zwar nicht unbedingt übermäßig beliebt bei den Parteifreunden. Aber mit „offenem Visier“ anzutreten, ist immerhin vielleicht besser, als in den berühmt-berüchtigten Kungelrunden der Parteihinterzimmer eigene persönlichen Karrierepläne zu schmieden.

    Im Übrigen wird das fromme Wunderkind Nathanael Liminski als katholischer Konservativer sein Geschick wohl auch alsbald schon unter Beweis stellen müssen, an der Seite von dem sehr liberalen Armin Laschet und ebenso treuen Merkel-Gefolgsmann!

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