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Nebenbei

  • Das Elend des Fußballs

    Der deutsche Fußball macht nicht mehr viel her. Der aktuelle DFB-Präsident Grindel, ein Journalist, flüchtet vor unangenehmen Fragen. Er zeigt sich überfordert, wie schon sein Vorgänger Niersbach, ebenfalls ein Journalist. – Die Nationalmannschaft überstand nicht einmal die WM-Gruppenspiele. Auch stieg sie aus der Nations League ab. – Die Bundesliga-Klubs sind in der Champions League früh gescheitert. Die zweite Hälfte der 1. Liga spielt drittklassig. – Auf dem gleichen Niveau bewegen sich die Spielberichte der TV-Sender. Seit dem WM-Sieg 2014 verharmlosen sie die Defizite des deutschen Fußballs. Da ihn die Sender mitfinanzieren, scheuen sie sich, ihr Produkt schlechtzureden. Um diese Falle zu umgehen, entschärfen sie die Information durch Moderation – und landen prompt in der nächsten Falle: Sie machen sich zum Teil des Fußballs. Sie reden ihn schön. Sie blasen ihn auf. Sie lassen ihre Moderatoren wie Animateure agieren. Der graue Zustand des Fußballs verschwindet unter einer rosaroten TV-Verklärung. Kritik bleibt rar. Sie scheint unerwünscht. Das bekam Felix Magath zu spüren, als er am Samstag im ZDF-Sportstudio auf das Fußballelend hinwies. Statt ihn zu ermuntern, seine Kritik am DFB, an den Klubs, am Bundestrainer und am Medienbetrieb weiter auszuführen und zu begründen, lenkte Breyer von ihr ab: Er machte Magath zum Thema. Breyer schien sich von Magaths Kritik am Fußballbetrieb beleidigt zu fühlen. Er drängte seinen Gast in die Rolle des Sonderlings. Dennoch brachte Magath seine Botschaften über. Das Hamburger Abendblatt hat sie zutreffend zusammengefasst. Magath lieferte den Zuschauern, was ihnen Testimonials wie Breyer seit Jahren vorenthalten. Nicht auszudenken, was Magath noch von sich gegeben hätte, wenn ihn an diesem Abend ein(e) Journalist(in) interviewt hätte. – Ulrich Horn

Putin und seine Opfer

Donnerstag, 25. August 2016

Nebenbei

Erfahrene Übeltäter wissen: Gut geschützt sind sie, wenn sie gegen Übeltäter wettern. Diese Methode, von sich abzulenken, ist simpel, aber durchaus effektiv. Russlands Präsident Putin demonstriert gerade, wie man sie praktiziert.– Seine Regierung hat nicht, wie es ihre Pflicht wäre, Doping unterbunden, sondern gefördert und betrieben. Der Betrug flog auf. Putin und die russischen Athleten standen am Pranger. Lange mussten sie dort nicht ausharren. Das IOC und ihr Präsident Bach taten ihr Bestes, um unangenehme Konsequenzen von ihnen abzuwenden. Während Putin dabei war, sein Gesicht zu verlieren, versuchte Bach, es zu verschleiern. Bei dieser Aktion verlor auch er sein Gesicht. Er nahm es in Kauf. Er braucht für seine Wiederwahl Putins Hilfe. – Was den Funktionären der vermeintlich gesunden Olympiasportler offensichtlich fehlt, zeigten die Funktionäre der behinderten Sportler: Rückgrat. Sie bestraften den Betrug der russischen Regierung und sperrten Russlands Paralypics-Team. Sie stellten Putin und Bach bloß. – Jene russischen Sportler, die auf Druck ihrer Regierung dopten, und jene, die zu Unrecht von den Spielen in Rio ausgeschlossen wurden, müssten über den Betrug ihrer Regierung wütend sein. Die Regierung hat sie mit dem Doping um den Lohn ihrer Anstrengung gebracht. Auch die vielen russischen Sportsfans müssten sich über Putin und sein Regierungsteam empören. – Damit Proteste gar nicht erst hörbar werden, regen sich Putin und seine Regierung auf, die Sanktionen seien zynisch. Sie deuten die Bestrafung ihres niederträchtigen Betrugs als niederträchtigen Angriff auf Russland um. Der Täter macht sich zum Opfer und will die Betrogenen zu Tätern machen. Putin disqualifiziert sich ein weiteres Mal. – Ulrich Horn

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10 Kommentare zu “Putin und seine Opfer”

  1. grafiksammler sagt:

    Sehr geehrter Herr Horn,
    man kann überall an Ihrem Beitrag einen Haken machen. Erfasst ist das Thema Staatsdoping damit allerdings nicht. Russland ist erwischt worden. Haben sich deswegen andere Staaten nicht des Staatsdopings bedient? Oder sind sie nur nicht erwischt worden? In diese Frage includiere ich ausdrücklich die westlich orientierte Staaten und China und nicht nur Afrikanische.

  2. Hans 65 sagt:

    Mir stellen sich ganz andere Fragen, und zwar diese:
    Wie ist es möglich, dass die „sauberen“ Sportler des Westens die gedopten russischen Athleten schlagen? Weshalb wird der Dopingbericht, wonach auch in Deutschland flächendeckend gedopt wurde, seit drei Jahren unter Verschluss gehalten?

  3. Ernst sagt:

    Schwachsinnig, einfach unbewiesene Anschuldigungen. Schade ums Papier.

  4. dr.pingel sagt:

    Ich glaube auch, dass im bezahlten Fußball massiv gedopt wird. Das berühmte Argument, dass Doping keine Tore schießt, zieht bei mir nicht. In den Profiligen sieht man, wie die Athletik der Spieler in den letzten Jahren gewachsen ist (am rasantesten bei den Frauen!), wie die selbst in der 119. Minute noch Sprints hinlegen. Fußballtechnik kann man sicher nicht durch Doping verbessern, aber die Athletik. Nur die macht den Tempofußball möglich. Wenn man Filme aus den Siebzigern sieht, selbst von Topvereinen oder Nationalmannschaften, bietet sich ein Bild, das man nur als „Standfußball“ bezeichnen kann.

  5. Fritz Huber sagt:

    In einer zivilen Gesellschaft gilt erstmal die Unschuldsvermutung – aber dann nicht, wenn westliche Staaten den dritten Weltkrieg initiieren wollen – da werden alle Regeln, auch die eigenen (angeblichen) Ideale ignoriert.
    Wer den Unsinn westlicher Proganda nachredet kann nur gedopt sein! Da sollte man doch mal Dopingkontrollen bei Journailsten und Bloggern einführen!

  6. Roland Appel sagt:

    In Ihrer Konsequenz liegt ein fataler Irrtum: Sie glauben immer noch, Russland und seine Gesellschaft mit den Maßstäben einer westdeutschen Demokratie messen zu können, aber das ist eine Täuschung. Deshalb wird sich niemand über Putin empören, sondern immer wieder über den Westen, der versucht, ihm das Gesicht zu rauben. Die erste Lektion der Politik, besonders der Außenpolitik, ist: Versuche niemals, Deinen Gegner öffentlich zu demütigen, wenn Du ihn zu Verhandlungen oder einer Änderung seiner Politik bewegen willst. Die USA und auch Europa betreiben ein irrsinniges Putin-Bashing, spielen „Kalten Krieg“ und haben seit fünf Jahren für die Demokratie in Russland absolut nichts erreicht. Auf den Personaliaseiten der ukrainischen Oligarchen auf „Wikiedia“ kann man übrigens mühelos nachlesen, wer vermutlich für diese Politik Hillary Clintons an ihre „Stiftung gespendet“ hat.
    Die zweite Lektion ist: Mach niemals die Falschen zu Geiseln Deiner Politik – der Westen hat es mit Olympia getan – da hat Bach, ja der korrupte Bach, Weitblick erwiesen und sich gegen Sippenhaft gestellt – jetzt bei den Paroympics hat man sich eher getraut – wie peinlich!
    Die Dritte Lektion ist: Denke, was Du tust, vom Ende her! Selbst wenn der Westen Putin auf diese blödsinnige Art von der Macht bekäme – was kommt danach? Das Chaos – und das kennen wir doch schon aus Afghanistan, von Saddam Hussein, Huhammar Ghaddafi, und Baschar al Assad. Ein destablisiertes, zerfallendes Russland mit Atomwaffen ist das letzte, wasEuropa brauchen kann. Also Schluss mit diesem Wahnsinn und zurück zu Egon Bahr und Willy Brandt: WANDEL DURCH ANNÄHERUNG. Beim Doping glaubt sowieso niemand nichts mehr. Hier gilt die gleiche Verlogenheit wie in der Drogenpolitik: Gebt alles frei und schreibt in den Beipackzettel die Gefahren. Dann kann jeder Athlet entscheiden, ob er Gold gewinnen und mit 38 sterben will wie Florence Griffith-Joyner oder stolz ist, nur dabei gewesen zu sein, wenn er alt geworden ist. Das letztere ist Olympia!

    • dr.pingel sagt:

      Danke für diesen tollen Kommentar. Ich habe ihn mir ausgedruckt!

    • Ulrich Horn sagt:

      Herr Appel, einige Anmerkungen zu Ihrem Kommentar:

      So, wie Putin die Welt mit seinen Maßstäben sieht, betrachte ich Putin und die Welt mit meinen. Mit welchen auch sonst? Zwischen seinen und meinen bestehen große Unterschiede. Auf diese Feststellung lege ich großen Wert.

      Sie setzen Putin mit Russland und dessen Gesellschaft gleich. Putin ist nicht die Inkarnation des Russentums. Seine Propaganda erweckt diesen Eindruck – wie es scheint, mit Erfolg. Dennoch bleibt es nur Propaganda. Auch in Russland gibt es Menschen, denen das klar ist. Erkundigen Sie sich bei der Heinrich Böll-Stiftung.

      Sie überschätzen Brandts Politikkonzept. „Wandel durch Annäherung“ war nur erfolgreich, weil die ökonomischen Gegebenheiten den Ostblock zwangen, sich auf Annäherung einzulassen. Er brach zusammen, nicht weil die Annäherung zu eng wurde, sondern weil er sich nicht mehr finanzieren konnte.

      Ihre Vorstellung, der Westen könnte Russland mit einer Politik à la „Wandel durch Annäherung“ demokratisieren, ist romantische Schwärmerei. Putins Innen- und Außenpolitik zielt darauf ab, solche Auswirkungen auf Russland zu verhindern. Schaut man auf Ungarn, die Türkei oder die Rechtsradikalen in Europa, könnte man zu dem Ergebnis kommen, er wolle sein Machtkonzept exportieren.

      Mit dem Thema „Sippenhaft“ sitzen Sie Putins und Bachs Propaganda auf. Regierungen müssen Doping verfolgen, nicht betreiben. Die russische Regierung hat Athleten gedopt. Konnten sich diese Athleten dem Staatsdoping folgenlos entziehen? Wohl kaum. Als der Betrug aufflog, spielten Bach und Putin zynisch Doppelpass. Mit der Begründung, es dürfe keine Sippenhaft geben, wurde Russland im Spiel gehalten. An den Spielen in Rio nahmen russische Sportler teil, bei denen nicht geklärt war, ob sie die Startkriterien erfüllten. Mit dem Argument, es dürfe keine Sippenhaft geben, nahmen Bach und Putin alle sauberen Athleten in Sippenhaft.

      Der letzte Absatz Ihres Kommentars vermittelt den Eindruck, Sie wollten Europa empfehlen, Putin für den Friedensnobelpreis vorzuschlagen, weil er das russische Chaos von uns fernhält. Raten Sie Europa, sich zur Geisel dieser Drohung zu machen? Muss Putin stabilisiert werden, obwohl vieles darauf hinweist, dass er das Chaos, das Sie befürchten, nicht eindämmt, sondern anrichtet? Taten von Ende her zu denken, ist ein Rat, der das Scheitern minimieren soll. Er kann es aber nicht verhindern. Viele, die ihn befolgt haben, sind dennoch gescheitert. Das liegt unter anderem daran, dass Politik gar kein Ende hat.

      Aber wem sag’ ich das. Sie waren ja selbst einmal Politiker.

  7. Hans Meier sagt:

    Beim Sport geht es sicher auch ohne „Fairness“ und ohne echte Wettkämpfe, aber wollen die Sportbegeisterten das?
    Ich jedenfalls nicht, ich mag den Wettkampf und den Wettbewerb, das Turnier und das Spielfeld, den Markt mit fairen Regeln.
    Da gibt es Sieger, Überlegene und Bessere, als Sportler oder als Waren und Erzeugnisse.

    Bei Politikern geht es auch ohne „kultivierte zivilisierte Mutige“, die auf Bühnen nur zum Reden auftreten, um Texte vom Teleprompter abzulesen, aber wollen wir als Wahlbevölkerung solche Luschen?

    Wollen wir „Funktionäre“?

    Was ist denn mit den Volkshelden, die mit absoluter Mehrheit gewählt werden und sagen, „ich muss tun, was mein Volk von mir erwartet“?
    Und dann solche Sachen machen https://www.youtube.com/watch?v=JNbyjVmbjVg

    Ich kann den Neid und den dummen Hass durchaus als kleingeistige Reaktion einordnen, aber klug ist es doch nicht, oder?

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