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Nebenbei

  • Etwas wie ein Vogelschiss

    Die neue Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer (CDU) wurde am Mittwoch in einer Sondersitzung des Bundestages vereidigt. Zu diesem Zweck wurden die Abgeordneten aus dem Urlaub gerufen. Etliche, darunter die Fraktionschefs Lindner (FDP) und Weidel (AfD), beanstanden die Kosten der Aktion. Es soll sich um 100.000 Euro handeln. Keine Peanuts, aber doch so etwas wie ein Vogelschiss, diesmal ein echter. Wie teuer war eigentlich die Sondersitzung des Verkehrsausschusses, die ebenfalls am Mittwoch stattfand? Und wie teuer waren die Sitzungen der Ausschüsse für Auswärtiges und für Bildung, die am Dienstag tagten, auch er ein Ferientag? Wurde der Aufwand der Ausschüsse gegen den der Bundestagssondersitzung gegengerechnet? – Im Ernst: Wollen Lindner und Weidel sparen, sollten sie den Bundestag verkleinern. 709 Abgeordnete sind zu viele. Die Hinterbank des Parlaments wird von Wahl zu Wahl länger. Die Qualität im Parlament wächst nicht mit, siehe die Kritik an der Sondersitzung. Würde das Plenum nur um zehn Prozent schrumpfen, könnten nicht 100.000 Euro, sondern mehrere Millionen gespart werden, und das Jahr für Jahr. Lindner und Weidel sollten sich auch daranmachen, die Geldverbrennungsanlage Berliner Flughafen zu stoppen. Dort geht seit Langem Tag für Tag eine Million durch den Kamin. Ein Ende ist nicht in Sicht. Dort wird unter den Augen von Lindner, Weidel und 707 weiteren Bundestagsabgeordneten allein an einem Tag Geld im Wert von zehn Sondersitzungen verschwendet. Es sieht nicht so aus, als seien die Abgeordneten dabei, diesen Missstand zu beheben. – Ulrich Horn

Gute Freunde

Sonntag, 27. März 2016

Nebenbei

Der Rechercheverbund von NDR, WDR und Süddeutsche Zeitung (SZ) ist umstritten. Er hat seit seiner Gründung 2014 einige starke Geschichten aufgetan – etwa über die Auslandsgeschäfte der chinesischen Führung, über Snowden oder den jüngsten VW-Skandal. Andererseits wird der Verbund massiv infrage gestellt. VPRT, der Verband privater Fernseh- und Radiosender, hat gegen ihn Rechtsaufsichtsbeschwerde eingelegt. Es steht der Vorwurf im Raum, die öffentlich-rechtlichen Sender finanzierten über die Gebühren, die ihnen jeder Haushalt entrichten muss, Rechercheleistungen, die dem privaten Medienunternehmen SZ zugutekämen, zum Nachteil anderer privater Unternehmen. Das Nachrichtenmagazin Spiegel mag den Rechercheverbund für unrechtmäßig halten und sich von ihm ebenfalls benachteiligt fühlen. Juristisch vorgehen wird es gegen ihn jedoch nicht. Spiegel-Chefredakteur Brinkbäumer versagt sich die Klage nicht etwa, weil er sie für aussichtslos und den Verbund für unbedenklich hält. Er unterlässt sie, weil er – man lese und staune – alte Spiegel-Kollegen, die heute für den Rechercheverbund arbeiten, nicht vor Gericht treffen will. Brinkbäumer stellt ordnungsrechtliche Bedenken sowie wirtschaftliche und publizistische Interessen des Spiegel hinter einen Korpsgeist zurück, den man eher bei der Bundeswehr, bei der Polizei, im DFB, am Maschsee oder in Köln vermutet. Unwillkürlich muss man an Franz Beckenbauer denken, der einst der Freundschaft innig Ausdruck verlieh. Brinkbäumer repräsentiert den Spiegel erschreckend unbefangen standpunktlos. Er macht auch sich selbst winzig klein. Mit seiner Einlassung gibt er jenen Kritikern recht, die meinen, der Spiegel, der sich einst mit seinen Rechercheleistungen zum Sturmgeschütz der Demokratie entwickelte, schieße heute nur noch mit Knallerbsen. – Ulrich Horn

5 Kommentare zu “Gute Freunde”

  1. Mank-Müller sagt:

    Ich frage mich schon länger, was mit den Gebühren geschieht und ob es noch Zeit gemäß ist. Das Programm mit seinen vielen Wiederholungen ist eher langweilig!!

  2. dr.pingel sagt:

    Ich habe große Bedenken, wenn im öffentlich-rechtlichen Fernsehen bei den Spielshows jede Menge Euros ausgeworfen werden. Die kommen dann oft gemeinnützigen Instutionen zugute, aber wohl auch nicht immer.

  3. Roland Appel sagt:

    Wer sich einmal die Presselandschaft in den USA ansieht, der wird sich schnell über unsere ÖR-Strukturen freuen. Nahezu alle Printmedien gehören großen Konzernen, gegen deren Machenschaften kein Wörtchen geschrieben wird, weil in den Aufsichtsräten der Zeitungen die CEOs von GM, GE, Amazon, und wie sie alle heißen, sitzen. Demokratische Öffentlichkeit findet dort praktisch nicht mehr statt, Watergate-Aufklärung wäre heute undenkbar – das erklärt auch zum Teil den Erfolg des Polterers Trump und das Mißtrauen gegen die Clintons. Auch bei uns kaufen inzwischen Leute Zeitungen, die keine Verlegerpersönlichkeiten, sondern Geldgierhälse sind, die bis zu 25% Renditeerwartungen hatten und haben – in schlechter werdenden Abo- und Anzeigenzeiten. So ein Rechercheverbund entsteht doch in Wirklichkeit nur, weil Journalisten inzwischen so wenig Zeit zum Recherchieren haben und so mies bezahlt werden, dass Recherche dann in solchen Konglomeraten überhaupt noch stattfindet. Bezahlt Journalisten anständig, dann bedarf es solcher „Verbünde“ nicht. Das ist nur ein Symptom, nicht die Ursache.

  4. , sagt:

    Diesen sogenannten „Rechercheverbund“ hat man geschlossen, um die Bevölkerung effektiver und geschlossener manipulieren zu können – Gerade die ARD manipuliert auf vielen Ebenen, zugegeben sehr professionell. (…) Das Beste an der ARD sind einzelne Filme und Fernsehserien, die oft mehr Wahrheiten darstellen als die sogenannten Nachrichten.

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