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Nebenbei

  • Nackenschlag zu Neujahr

    Seit Anfang Dezember sind die beiden SPD-Chefs im Amt. Seither suchen sie nach Autorität. Sie wehren sich, Handlanger von Jusos-Chef Kühnert zu sein, und geben viele Erklärungen ab. Esken wirkt noch etwas gehemmt. Walter-Borjans, seit jeher sein eigener Pressesprecher, hantiert routinierter. Kaum ein Thema, zu dem er schweigt. Sein Spektrum reicht vom Kassenbon über die Geschäfte, mit denen sich die WestLB unter seiner Aufsicht in Verruf brachte, bis hin zur neuen Ostseepipeline, die sein Vor-, Vor-, Vor-, Vor-, Vor-, Vor-, Vor-, Vor-, Vor-, Vorgänger Schröder beaufsichtigt. Auch die Rolle der SPD weiß Walter-Borjans zu definieren. „Sozialdemokratie notwendiger denn je“, heißt es bei ihm auf Twitter. Er und Esken kamen an ihre Posten mit der Verheißung, die Großen Koalition zu verlassen. Inzwischen dämmert ihnen wohl, dass die Behauptung, die SPD sei unverzichtbar, und der Koalitionsbruch sich widersprechen. Über ihn reden sie kaum noch. Ihr Generalsekretär Klingbeil dagegen sieht Klärungsbedarf. Er sagt den Koalitionsbruch endgültig ab. Für die SPD-Chefs, die nach Autorität streben, ein herber Nackenschlag. Alle ihre Forderungen verlieren nun ihr Sprengpotenzial. Etliche Wähler dürften die beiden SPD-Chefs nun für Maulhelden, wenn nicht gar für Rosstäuscher halten. Deutlich wird auch: Mit ihrer Autorität ist es nicht weit her. Machtfragen beantworten nicht sie, sondern ihr Generalsekretär. Kaum einen Monat sind sie im Amt, und schon stellt sich die Frage: Wie lange wird es dauern, bis Klingbeil (oder Kühnert) an ihre Stelle rückt? – Ulrich Horn

Gute Freunde

Sonntag, 27. März 2016

Nebenbei

Der Rechercheverbund von NDR, WDR und Süddeutsche Zeitung (SZ) ist umstritten. Er hat seit seiner Gründung 2014 einige starke Geschichten aufgetan – etwa über die Auslandsgeschäfte der chinesischen Führung, über Snowden oder den jüngsten VW-Skandal. Andererseits wird der Verbund massiv infrage gestellt. VPRT, der Verband privater Fernseh- und Radiosender, hat gegen ihn Rechtsaufsichtsbeschwerde eingelegt. Es steht der Vorwurf im Raum, die öffentlich-rechtlichen Sender finanzierten über die Gebühren, die ihnen jeder Haushalt entrichten muss, Rechercheleistungen, die dem privaten Medienunternehmen SZ zugutekämen, zum Nachteil anderer privater Unternehmen. Das Nachrichtenmagazin Spiegel mag den Rechercheverbund für unrechtmäßig halten und sich von ihm ebenfalls benachteiligt fühlen. Juristisch vorgehen wird es gegen ihn jedoch nicht. Spiegel-Chefredakteur Brinkbäumer versagt sich die Klage nicht etwa, weil er sie für aussichtslos und den Verbund für unbedenklich hält. Er unterlässt sie, weil er – man lese und staune – alte Spiegel-Kollegen, die heute für den Rechercheverbund arbeiten, nicht vor Gericht treffen will. Brinkbäumer stellt ordnungsrechtliche Bedenken sowie wirtschaftliche und publizistische Interessen des Spiegel hinter einen Korpsgeist zurück, den man eher bei der Bundeswehr, bei der Polizei, im DFB, am Maschsee oder in Köln vermutet. Unwillkürlich muss man an Franz Beckenbauer denken, der einst der Freundschaft innig Ausdruck verlieh. Brinkbäumer repräsentiert den Spiegel erschreckend unbefangen standpunktlos. Er macht auch sich selbst winzig klein. Mit seiner Einlassung gibt er jenen Kritikern recht, die meinen, der Spiegel, der sich einst mit seinen Rechercheleistungen zum Sturmgeschütz der Demokratie entwickelte, schieße heute nur noch mit Knallerbsen. – Ulrich Horn

5 Kommentare zu “Gute Freunde”

  1. Mank-Müller sagt:

    Ich frage mich schon länger, was mit den Gebühren geschieht und ob es noch Zeit gemäß ist. Das Programm mit seinen vielen Wiederholungen ist eher langweilig!!

  2. dr.pingel sagt:

    Ich habe große Bedenken, wenn im öffentlich-rechtlichen Fernsehen bei den Spielshows jede Menge Euros ausgeworfen werden. Die kommen dann oft gemeinnützigen Instutionen zugute, aber wohl auch nicht immer.

  3. Roland Appel sagt:

    Wer sich einmal die Presselandschaft in den USA ansieht, der wird sich schnell über unsere ÖR-Strukturen freuen. Nahezu alle Printmedien gehören großen Konzernen, gegen deren Machenschaften kein Wörtchen geschrieben wird, weil in den Aufsichtsräten der Zeitungen die CEOs von GM, GE, Amazon, und wie sie alle heißen, sitzen. Demokratische Öffentlichkeit findet dort praktisch nicht mehr statt, Watergate-Aufklärung wäre heute undenkbar – das erklärt auch zum Teil den Erfolg des Polterers Trump und das Mißtrauen gegen die Clintons. Auch bei uns kaufen inzwischen Leute Zeitungen, die keine Verlegerpersönlichkeiten, sondern Geldgierhälse sind, die bis zu 25% Renditeerwartungen hatten und haben – in schlechter werdenden Abo- und Anzeigenzeiten. So ein Rechercheverbund entsteht doch in Wirklichkeit nur, weil Journalisten inzwischen so wenig Zeit zum Recherchieren haben und so mies bezahlt werden, dass Recherche dann in solchen Konglomeraten überhaupt noch stattfindet. Bezahlt Journalisten anständig, dann bedarf es solcher „Verbünde“ nicht. Das ist nur ein Symptom, nicht die Ursache.

  4. , sagt:

    Diesen sogenannten „Rechercheverbund“ hat man geschlossen, um die Bevölkerung effektiver und geschlossener manipulieren zu können – Gerade die ARD manipuliert auf vielen Ebenen, zugegeben sehr professionell. (…) Das Beste an der ARD sind einzelne Filme und Fernsehserien, die oft mehr Wahrheiten darstellen als die sogenannten Nachrichten.

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