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Nebenbei

  • Putin und seine Opfer

    Erfahrene Übeltäter wissen: Gut geschützt sind sie, wenn sie gegen Übeltäter wettern. Diese Methode, von sich abzulenken, ist simpel, aber durchaus effektiv. Russlands Präsident Putin demonstriert gerade, wie man sie praktiziert.– Seine Regierung hat nicht, wie es ihre Pflicht wäre, Doping unterbunden, sondern gefördert und betrieben. Der Betrug flog auf. Putin und die russischen Athleten standen am Pranger. Lange mussten sie dort nicht ausharren. Das IOC und ihr Präsident Bach taten ihr Bestes, um unangenehme Konsequenzen von ihnen abzuwenden. Während Putin dabei war, sein Gesicht zu verlieren, versuchte Bach, es zu verschleiern. Bei dieser Aktion verlor auch er sein Gesicht. Er nahm es in Kauf. Er braucht für seine Wiederwahl Putins Hilfe. – Was den Funktionären der vermeintlich gesunden Olympiasportler offensichtlich fehlt, zeigten die Funktionäre der behinderten Sportler: Rückgrat. Sie bestraften den Betrug der russischen Regierung und sperrten Russlands Paralypics-Team. Sie stellten Putin und Bach bloß. – Jene russischen Sportler, die auf Druck ihrer Regierung dopten, und jene, die zu Unrecht von den Spielen in Rio ausgeschlossen wurden, müssten über den Betrug ihrer Regierung wütend sein. Die Regierung hat sie mit dem Doping um den Lohn ihrer Anstrengung gebracht. Auch die vielen russischen Sportsfans müssten sich über Putin und sein Regierungsteam empören. – Damit Proteste gar nicht erst hörbar werden, regen sich Putin und seine Regierung auf, die Sanktionen seien zynisch. Sie deuten die Bestrafung ihres niederträchtigen Betrugs als niederträchtigen Angriff auf Russland um. Der Täter macht sich zum Opfer und will die Betrogenen zu Tätern machen. Putin disqualifiziert sich ein weiteres Mal. – Ulrich Horn

Gute Freunde

Sonntag, 27. März 2016

Nebenbei

Der Rechercheverbund von NDR, WDR und Süddeutsche Zeitung (SZ) ist umstritten. Er hat seit seiner Gründung 2014 einige starke Geschichten aufgetan – etwa über die Auslandsgeschäfte der chinesischen Führung, über Snowden oder den jüngsten VW-Skandal. Andererseits wird der Verbund massiv infrage gestellt. VPRT, der Verband privater Fernseh- und Radiosender, hat gegen ihn Rechtsaufsichtsbeschwerde eingelegt. Es steht der Vorwurf im Raum, die öffentlich-rechtlichen Sender finanzierten über die Gebühren, die ihnen jeder Haushalt entrichten muss, Rechercheleistungen, die dem privaten Medienunternehmen SZ zugutekämen, zum Nachteil anderer privater Unternehmen. Das Nachrichtenmagazin Spiegel mag den Rechercheverbund für unrechtmäßig halten und sich von ihm ebenfalls benachteiligt fühlen. Juristisch vorgehen wird es gegen ihn jedoch nicht. Spiegel-Chefredakteur Brinkbäumer versagt sich die Klage nicht etwa, weil er sie für aussichtslos und den Verbund für unbedenklich hält. Er unterlässt sie, weil er – man lese und staune – alte Spiegel-Kollegen, die heute für den Rechercheverbund arbeiten, nicht vor Gericht treffen will. Brinkbäumer stellt ordnungsrechtliche Bedenken sowie wirtschaftliche und publizistische Interessen des Spiegel hinter einen Korpsgeist zurück, den man eher bei der Bundeswehr, bei der Polizei, im DFB, am Maschsee oder in Köln vermutet. Unwillkürlich muss man an Franz Beckenbauer denken, der einst der Freundschaft innig Ausdruck verlieh. Brinkbäumer repräsentiert den Spiegel erschreckend unbefangen standpunktlos. Er macht auch sich selbst winzig klein. Mit seiner Einlassung gibt er jenen Kritikern recht, die meinen, der Spiegel, der sich einst mit seinen Rechercheleistungen zum Sturmgeschütz der Demokratie entwickelte, schieße heute nur noch mit Knallerbsen. – Ulrich Horn

5 Kommentare zu “Gute Freunde”

  1. Mank-Müller sagt:

    Ich frage mich schon länger, was mit den Gebühren geschieht und ob es noch Zeit gemäß ist. Das Programm mit seinen vielen Wiederholungen ist eher langweilig!!

  2. dr.pingel sagt:

    Ich habe große Bedenken, wenn im öffentlich-rechtlichen Fernsehen bei den Spielshows jede Menge Euros ausgeworfen werden. Die kommen dann oft gemeinnützigen Instutionen zugute, aber wohl auch nicht immer.

  3. Roland Appel sagt:

    Wer sich einmal die Presselandschaft in den USA ansieht, der wird sich schnell über unsere ÖR-Strukturen freuen. Nahezu alle Printmedien gehören großen Konzernen, gegen deren Machenschaften kein Wörtchen geschrieben wird, weil in den Aufsichtsräten der Zeitungen die CEOs von GM, GE, Amazon, und wie sie alle heißen, sitzen. Demokratische Öffentlichkeit findet dort praktisch nicht mehr statt, Watergate-Aufklärung wäre heute undenkbar – das erklärt auch zum Teil den Erfolg des Polterers Trump und das Mißtrauen gegen die Clintons. Auch bei uns kaufen inzwischen Leute Zeitungen, die keine Verlegerpersönlichkeiten, sondern Geldgierhälse sind, die bis zu 25% Renditeerwartungen hatten und haben – in schlechter werdenden Abo- und Anzeigenzeiten. So ein Rechercheverbund entsteht doch in Wirklichkeit nur, weil Journalisten inzwischen so wenig Zeit zum Recherchieren haben und so mies bezahlt werden, dass Recherche dann in solchen Konglomeraten überhaupt noch stattfindet. Bezahlt Journalisten anständig, dann bedarf es solcher „Verbünde“ nicht. Das ist nur ein Symptom, nicht die Ursache.

  4. , sagt:

    Diesen sogenannten „Rechercheverbund“ hat man geschlossen, um die Bevölkerung effektiver und geschlossener manipulieren zu können – Gerade die ARD manipuliert auf vielen Ebenen, zugegeben sehr professionell. (…) Das Beste an der ARD sind einzelne Filme und Fernsehserien, die oft mehr Wahrheiten darstellen als die sogenannten Nachrichten.

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