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Nebenbei

  • Hummels, Hoeneß, Glück

    Man stelle sich vor: Statt Costa (FCB) hätte Hummels (Borussia) den Elfmeter verwandelt, mit dem das Pokalfinale entschieden wurde. FCB-Trainer Guardiola stünde ziemlich belämmert und die teure Truppe des FCB mit „nur“ einem Titel da. Die FCB-Macher Rummenigge und Hoeneß würden blöd aus der Wäsche gucken. Die halbe Republik würde sich ins Fäustchen lachen. Hummels hätte bewiesen, dass er Rückgrat hat. Da er in der nächsten Saison in München spielen wird und über seine aktive Zeit hinaus dort seinen Lebensmittelpunkt sieht, wäre er an der Iser wohl seines Lebens nicht mehr froh geworden. Einer, der mit allen Wassern gewaschen ist, sah das voraus. Hoeneß riet davon ab, Hummels beim Elfmeterschießen einzusetzen. Wie weit der Einfluss von Hoeneß reicht, zeigte sich auf dem Platz. Hummels erweckte den Eindruck, als habe er sich Hoeneß’ Worte zu Herzen genommen. Der Borussia-Verteidiger spielte mit gebremstem Schaum. Eine Viertelstunde vor Schluss der regulären Spielzeit erweckte er sogar den Eindruck, stark abzubauen. Sein Verbleib auf dem Platz schien für Dortmund von Minute zu Minute riskanter. Hummels wurde ausgewechselt. Beim Elfmeterschießen standen seine Dienste nicht mehr zur Verfügung. Bayern gewann das Spiel (auch), weil Costa den entscheidenden Elfmeter verwandelte und Hoeneß Hummels kleingekocht hatte. Man kann nicht einmal behaupten, Hummels habe Dortmund den Sieg gekostet oder München habe mit den Millionen für Hummels neben dem Spieler auch den Pokalsieg erworben. An Hummels allein lag es ja nicht. Der Schiedsrichter hätte Ribery vom Platz stellen, Aubameyang seine Chancen verwerten und Borussia-Trainer Tuchel andere Elfmeterschützen benennen müssen. Kein Wunder, dass Guardiola am Ende in Tränen ausbrach: Er konnte sein Glück nicht fassen. – Ulrich Horn

Gysi verschärft den Richtungskampf in der SPD

Zucker für die Möchtegern-Kanzlerpartei

Montag, 1. Juni 2015

Politik

Die SPD könnte längst den Kanzler stellen, behauptet der Chef der linken Bundestagsfraktion, Gregor Gysi. Er kommt daher, als wolle er der SPD und ihrem Vorsitzenden Gabriel Mut machen. Tatsächlich aber vergrößert er ihre Probleme: Er verschärft den Richtungskampf unter den Sozialdemokraten.

Hoffnungslos überfordert

Rechnerisch hat Gysi recht. Rot-Rot-Grün hat im Bundestag eine knappe Mehrheit. Dennoch käme sie nicht zustande, wenn Gabriel sie anstrebte. Rot-rot-grün ist keine Frage der Mathematik, sondern der Politik. Die mathematische Mehrheit würde an den politischen Gegebenheiten scheitern.

Um Rot-Rot-Grün und einen sozialdemokratischen Kanzler durchzusetzen, müsste sich die SPD nicht nur auf die Linke einlassen. Sie müsste auch die Grünen dazu bringen, sich auf die Linke und die SPD einzulassen. Diese Aufgaben würden die SPD überfordern.

Sie müsste ihren rechten Flügel überzeugen, eine Koalition mit der Linken zu akzeptieren. Nach Lage der Dinge scheint das derzeit kaum möglich. Der rechte Flügel will die Große Koalition fortsetzen. Auch der Versuch, die Grünen geschlossen hinter die SPD und die Linke zu bringen, würde wohl scheitern. Teile der Grünen arbeiten daran, bald auch im Bund mit der Union zu koalieren.

Nur Selbstverständliches getan

Gysi macht sich zunutze, dass viele Sozialdemokraten mit dem Zustand der SPD unzufrieden sind. Seit eineinhalb Jahren rackert sie sich in der Großen Koalition damit ab, ihre Wahlversprechen zu erfüllen. Dennoch stagniert sie in Umfragen bei 25 Prozent.

Die Wähler irritiert das nicht. Es sollte auch die Partei nicht verwundern. Sie setzt in der Großen Koalition doch nur das um, wofür sie bei der Wahl 2013 gut 25 Prozent der Wähler begeistern konnte. Warum sollten es plötzlich mehr werden? Weil die SPD das Selbstverständliche tut und Zusagen einhält, die sie im Wahlkampf machte und im Koalitionsvertrag bekräftigte?

Dass sich die Umfragewerte der SPD nicht verbessern, liegt auch daran, dass die Wähler die Große Koalition ernst nehmen. Sie rechnen die Leistungen, zu denen sich die SPD verpflichtet hat, als sie die Große Koalition schloss, nun dieser Koalition zu. Sie schreiben den Mindestlohn auch auf den Deckel der Union.

Kein Land zu gewinnen

Der Frust der SPD beruht auf unrealistischen Erwartungen. Er wächst, weil sich die Partei mit dem Wahlergebnis und seinen Ursachen nicht auseinandergesetzt hat. Deshalb kann sie die Unzufriedenheit nicht kanalisieren. Die SPD versäumte es, sie einzudämmen, und wird nun von ihr mitgerissen.

Ihre Unzufriedenheit wirkt auf die Wähler wie eine permanente Kritik an ihrem Votum bei der Bundestagswahl. Mit diesem Verhalten stellt die Partei auch sich selbst infrage. Wie um alles in der Welt ist denn die Große Koalition entstanden? Sie kam doch nur zustande, weil es die SPD war, die sich für sie – und damit gegen Rot-Rot-Grün – entschied.

Der Frust über diesen Sachverhalt treibt die Partei dazu, ihre Irritationen in die Koalition zu tragen und dort auszuleben. Auch deshalb fällt es ihr schwer, Land zu gewinnen. Wer über den Kreis der Stammwähler hinaus wird denn auf die SPD setzen, wenn sie schon nach eineinhalb Jahren eine Entscheidung revidieren will, die sie für den Zeitraum von vier Jahren traf? – Ulrich Horn


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8 Kommentare zu “Zucker für die Möchtegern-Kanzlerpartei”

  1. Mank-Müller sagt:

    Recht haben Sie! Ich denke, die Nichtwähler werden mehr!

  2. […] Strukturwandel…General Anzeiger Debatte: Zucker für die Möchtegern-Kanzlerpartei…Post von Horn Debatte: Wie der IS unsere Identität auslöschen will…Welt Debatte: Daten – Denn sie […]

  3. Die Sozialdemokraten, unter Führung der Schrödergetreuen Steinmeier, Gabriel, Nahles u.s.w., machen weiter die Politik, die sich die CDU nie getraut hätte zu machen. Hartz IV, Ausbau des Niedriglohnsektors und der Leiharbeit, Steuergeschenke für Reiche und nun ein Tarifeinheitsgesetz, das elementare Rechte von Arbeitnehmern wie Streikrecht, Koalitionsfreiheit beschneidet. Wer, außer der C-Parteien und kleine Teile der Grünen, wollte mit dieser reaktionären SPD koalieren?

    Gregor Gysi, der eine Sarah Wagenknecht aus Führungspositionen der Linkspartei mobbt und manchmal schon Anflüge von Starallüren aufweist, tut seiner Partei keinen Gefallen, nachdem er Oskar Lafontaine vergrault hat, nun auch eine so tolle, intelligente und in großen Teilen der politisch informierten Bevölkerung geachtete Politikerin wie Frau Wagenknecht wegen persönlicher Animositäten madig zu machen und in der eigenen Partei zu „entmachten“.

  4. walter dyroff sagt:

    -Tatsächlich aber vergrößert er ihre [SPD] Probleme: Er verschärft den Richtungskampf unter den Sozialdemokraten.-

    Nebenbei vergrößert er [Gysi] auch die Probleme der LINKE.
    Oskar Lafontaine auf Facebook:
    „Wer vor der Wahl verspricht, “Rüstungsexporte verbieten”, der darf nach der Wahl nicht auf einmal Rüstungsexporte befürworten. Wer vor der Wahl fordert, “Leiharbeit verbieten”, der darf nach der Wahl nicht plötzlich diese Position aufweichen. Ansonsten machen wir uns unglaubwürdig.“
    https://www.facebook.com/oskarlafontaine/posts/899792656748869?hc_location=ufi

    Möglicherweise ist dieser verschärfte Richtungskampf ja das Ziel der Auftraggeber.

  5. Nonkonformist sagt sagt:

    ist es nicht so, dass der linke Gysi durch so eine Propaganda vorhat, wieder in die SPD zurückzukommen? Dieser Linke ist ein Fuchs, er will mit allen Mitteln wieder an den Futtertrog der GROKO kommen.

  6. Rechtsstaat sagt:

    Die alte Tante SPD ist nicht mehr wieder zu erkennen!
    Ursprünglich entstanden als Gerechtigkeitsgarant der kleinen Leute, beschäftigt sich ihr Spitzenpersonal heute primär mit der Versenkung des Streikrechts, dem Ausbau des Niedriglohnsektors, der massiven Einschränkung von Verbraucherrechten (TTIP) und nicht zuletzt der subtilen Verteilung großer Steuergeschenke an Reiche.

    Seit der vollständigen sozialpolitischen Kursänderung durch Gerhard Schröder ist dieser ehemals stolzen Volkspartei das Volk abhanden gekommen. Wundert es denn wirklich, dass selbst der [auf neudeutsch] bildungsfernste Malocher instinktiv spürt, dass seine Interessen in der SPD nicht mehr vertreten werden? Dass dies von den Betroffenen als schnöder Verrat empfunden wird und zu maßloser Enttäuschung führt, belegt die stetig sinkende Wahlbeteiligung.

    Solange die Spezialdemokraten nicht willens oder in der Lage sind, Ursache und Wirkung auch nur ansatzweise ernsthaft zu analysieren, können sie m.E. mit 25 Prozent noch ganz zufrieden sein. Aber Gabriel, Nahles und Co arbeiten – unter durchaus Erfolg versprechender Einwirkung von Gysi – weiter am Projekt 20.

    Weiterhin viel Erfolg!!!

  7. kuba4711 sagt:

    Wo gibt es in den maßgeblichen Kreisen der derzeitigen Reste-SPD denn Richtungskämpfe?
    Auseinandersetzungen um die Plätze an der Macht – und anstrengungslosen „Einkommens-Gulasch-Kanone“ natürlich schon.
    Aber so etwas wie ernst zu nehmende politische Richtungskämpfe?
    Der Mainstream-Neoliberalismus hat doch den Funktionärsmittelbau dieser einstmals stolzen Partei bis hoch zur Staatssekretärsebene – und darüber hinaus – voll im Griff.
    Selbst der linke Glanzrhetoriker Gysi kann das Schicksal der Reste-SPD analog von demjenigen der neoliberalen Stamm-Partei, also der politisch verblichenen FDP, kaum aufhalten.
    Allerdings kann sich die Linke schaden, wenn sie sich als Systemreparateur – ähnlich wie in der Hauptstadt Berlin vorexerziert – missbrauchen lässt.
    Ansonsten bleibt festzustellen, dass auch ein glänzender Redner wie Gysi in der Linken ersetzbar ist. Es gibt dort hervorragende Frauen und Männer jenseits des 67-sten Lebensjahres!

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