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Nebenbei

  • Wo Schulz den Erfolg sucht

    SPD-Chef Schulz will Kanzler werden. Sein Wahlkampf läuft dieser Absicht zuwider. Jüngstes Beispiel: die Mietpreisbremse. Sie kam auf Drängen der SPD zustande. Das Gesetz formulierte ihr Justizminister. Es soll den starken Anstieg der Mieten verhindern. Doch es bremst nicht. Die Mieten steigen unvermindert. Und was tut Schulz? Er kündigt an, als Kanzler werde er das Gesetz, das nicht bremst, verschärfen. Untaugliches soll untauglicher werden. Weil Schulz die Schraube nicht mit dem Hammer anziehen kann, will er zum Presslufthammer greifen. Da schüttelt sich jeder Heimwerker. Fällt die SPD Schulz in den Arm? Nein. Dabei ist die Mietpreisbremse nicht nur wirkungslos. Sie verstößt auch gegen das Grundgesetz, urteilt das Berliner Landgericht. Und was tut Schulz? Er gibt zu Protokoll, das Berliner Urteil schere ihn nicht. Die Richter seien auf dem Holzweg. Schulz beharrt auf seinem Plan, das Mietpreisgesetz zu verschärfen. Er scheint zu glauben, die wichtigste Qualifikation für das Kanzleramt sei Ignoranz. – Sein Verhalten ist nicht neu. Es hat in der SPD Tradition. Steinbrück baute als Bundesfinanzminister gegen den Rat fast aller Juristen die Pendlerpauschale um. Das Verfassungsgericht schlug ihm auf die Finger. NRW-Ministerpräsidentin Kraft (SPD) wollte gegen den Rat fast aller Juristen die Schulden weit über die Investitionen des Landes anheben. Das Verfassungsgericht schlug ihr auf die Finger. Sie kürzte gegen den Rat fast aller Juristen einem Teil der Beamten die Besoldung. Das Verfassungsgericht schlug ihr auf die Finger. Die SPD schaute stets zu, so als ginge sie die Verfassungsbrüche ihrer Spitzenpolitiker nichts an. Mit seinen Plänen zur Mietpreisbremse drängt es nun auch Schulz, vom Verfassungsgericht verurteilt zu werden. Wieder schaut die SPD zu. – Sie und ihr ungebremster Kanzlerkandidat führen den Wahlkampf nicht gegen Merkel und die Union, sondern gegen sich selbst. Sie haben gute Chancen, bei der Wahl erfolgreich abzuschneiden. – Ulrich Horn

Zweite Wahl für den WDR

Samstag, 18. Mai 2013

Nebenbei

(uh) Was ist los im WDR? Die Intendantin des zweitgrößten Senders in der EU gab ihren Posten auf, sobald sie ihren Vertrag verlängert hatte. Ihre Gründe lässt Piel im Dunkeln. So nährt sie Spekulationen bis hin zum Verdacht, sie habe sich Einkünfte sichern wollen. Ihr Verhalten schadet ihr – und dem WDR. Sie steht nicht allein. Der Rundfunkrat, der den Sender kontrolliert und Piels Nachfolger sucht, stellt aus dem Kreis von drei Dutzend Bewerbern drei zur Wahl: Stefan Kürten, Direktor der EU-Rundfunkunion, Jan Metzger, Intendant von Radio Bremen, und Tagesthemen-Moderator Tom Buhrow. Kürten und Metzger mögen tüchtig sein. Außerhalb der Fachwelt sind sie unbekannt. Was Buhrow qualifiziert, bleibt das Geheimnis des Rundfunkrates. Der WDR hat einen Etat von 1,4 Milliarden Euro und 4000 Beschäftigte. Buhrow hat weder Management- noch Führungserfahrung. Er macht eher mit vielen lukrativen Nebentätigkeiten von sich reden. Damit nicht genug: Der Rundfunkrat entwertete seine drei Kandidaten auch noch selbst als zweite Wahl. Ehe er sie bekannt gab, hatte er bei renommierten Größen wie di Lorenzo (Zeit-Chefredakteur), Kleist (SR-Intendant) und Marmor (NDR-Intendant) angeklopft. Sie winkten dankend ab. Warum? Kennen sie den WDR zu gut, um sich auf ihn einzulassen? Schreckten sie vor dem zurück, was sie dort erwartet? Was ist los im WDR?

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5 Kommentare zu “Zweite Wahl für den WDR”

  1. […] Medien: Zweite Wahl für den WDR…Post von Horn […]

  2. Martin Böttger sagt:

    Rätselhafter erscheint mir, dass weder auf der 3er-Liste noch bei den hier erwähnten Absagen überhaupt eine Frau dabei ist. Aus welchem Jahrtausend ist das denn? Einem Fritz Pleitgen wäre so eine blamable Performance nicht passiert 😉

  3. Udo sagt:

    Hier zeigt sich die ganze Schwäche dieser Gremienstruktur. Schaut man sich mal an, wer da im Rundfunkrat sitzt und den Ton angibt, überkommt einen schon das leichte Schaudern. Und diese Leute, die z.T. – wie z.B. Ruth Hieronymi – nie etwas in ihrem Leben getan haben als ihrer eigenen Partei zu dienen, sollen souverän und kompetent genug sein, Führungspositionen vernünftig zu besetzen?
    Der WDR braucht vor allem eine Führungspersönlichkeit, die eine solide Mannschaft aufstellen kann, um zuvorderst die hausinternen Grabenkämpfe zu befrieden. Im WDR sind zu viele Redakteure dank des Treibens von Frau Kulenkampff in Resignation verfallen. Der einst stolze Sender lässt nun sogar Trash-Dokusoaps produzieren („Höschen-Hof“), eine neue Stufe der schon abenteuerlich genug abflachenden Qualität.

  4. Martin Böttger sagt:

    @Udo
    Frau Hieronymi möchte ich, obwohl oder weil ich ihrer Partei fernstehe, verteidigen. Sie hat wirklich rundfunkpolitische Kompetenz und als Europaabgeordnete das öffentlich-rechtliche deutsche System gegen die neoliberalen Kräfte in Brüssel verteidigt. Frau Kulenkampff dagegen möchte ich nicht verteidigen, sie war eine personalpolitische Fehlentscheidung und mit Neid muss man in diesem Zusammenhang – ausgerechnet – nach Bayern schauen. Das ist wirklich peinlich.
    Und traurig ist der Verlust von Horst Königstein (NDR). So einer würde heute nirgends mehr eingestellt, fürchte ich.

  5. Nofretete sagt:

    Die 62-jährige Monika Piel hat ohne Angabe von Gründen den Rückzug angetreten. Eine solche Karriere wie ihre wäre heute auch nicht mehr denkbar: Studium Jura und Orientalistik an der Uni zu Köln ohne Abschluß.
    Darüberhinaus verdiente sie und wahrscheinlich auch der nächste Intendant ungefähr das 6-fache mehr als die Bundeskanzlerin monatlich. Sie hat Rentenanwartschaften in Millionenhöhe erworben. Da ist der Rückzug leicht. Es geht nicht um eine Neiddebatte, wie heutzutage gerne postuliert. Es geht um die Verhältnismäßigkeit der Dinge, die in vielen Belangen aus dem Lot geraten sind.

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