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Nebenbei

  • Steinmeier und Yücel

    In der Türkei sitzen viele Dutzend Journalisten im Gefängnis. Unter ihnen befindet sich auch Deniz Yücel, Er ist türkischer und deutscher Staatsbürger. Bundespräsident Steinmeier hat seine erste Rede für einen Appell an den türkischen Präsidenten Erdogan genutzt. „Geben Sie Deniz Yücel frei!“ Eine selbstverständliche und dennoch bemerkenswerte Forderung. Die meisten Bundespräsidenten hielten sich aus der Tagespolitik heraus. Dass Steinmeier anders verfährt, hat ihn viel Lob eingebracht. Es hieß, er sei ein Präsident mit Biss, ein Mann, der klare Kante zeigt. Wem nutzt dieser Auftritt? Zunächst ihm selbst. Die positive Resonanz ermuntert ihn, dem eingeschlagenen Weg zu folgen. Risikolos ist er nicht. Er kann ihn über die Grenze hinausführen, von der an er zum Richter über die Politik der Regierung wird. Genützt hat Steinmeiers Auftritt auch jenen Bürgern, denen er aus dem Herzen sprach. Sie können sich verstanden fühlen. Nützt Steinmeiers Auftritt aber auch Yücel? Erdogan wird wohl den Teufel tun und ihn freilassen. Mit Steinmeiers Appell ist der Fall zur Prestigefrage geworden. Gäbe Erdogan nach, würde er in den Augen seiner Anhänger Schwäche zeigen. Er hätte sich deutschem Druck gebeugt und eingestanden, dass Yücel unrechtmäßig festgehalten wurde. Erdogan verlöre sein Gesicht. Je heftiger er öffentlich bedrängt wird, desto länger wird er Yücel festhalten. Der Journalist wird vermutlich erst freikommen, wenn gewährleistet ist, dass Erdogan sein Gesicht behält. Für Yücel aussichtsreicher wäre es wohl, statt mit öffentlichen Appellen auf diplomatischem Wege Druck auszuüben. Erdogan wird das Gefängnistor erst öffnen, wenn es für ihn teurer wird, Yücel gefangen zu halten als ihn freizulassen. – Ulrich Horn

Die verschuldeten Revierstädte

Ohne Aussicht auf einen Wandel

Donnerstag, 7. März 2013

Politik

(uh) Die finanzielle Lage der tief verschuldeten Städte im Ruhrgebiet wird immer aussichtsloser. Ihre Rettungsversuche wirken hilflos und erscheinen ohne Aussicht auf durchgreifende Änderung. Es fällt den Kommunen immer schwerer, ihr Handeln mit positiven Perspektiven zu verbinden.

Auf die Mieter umgelegt

Besonders deutlich wird dieses Defizit im rot-rot-grünen Duisburg. Dort müssen sich Mieter und Unternehmen auf weitere Belastungen einstellen. Das Parteienbündnis will die Grundsteuer saftig anheben, um 105 auf 695 Punkte, und zwar rückwirkend zum 1. Januar 2013. Die Steuer wird auf die Mieter umgelegt. Es ist seit 2010 der dritte Anstieg, den der Rat den Bürgern zumutet.

Duisburg ist finanziell am Ende. Die Steuererhöhung wird vom Stärkungspakt Stadtfinanzen erzwungen, mit dem NRW-Innenminister Jäger finanziell ruinierten Städten auf die Beine helfen will. Jäger ist Duisburgs SPD-Chef.

Sein Förderkonzept verlangt, dass tief verschuldete Städte einen Konsolidierungkurs einschlagen und halten müssen. Um diese Auflage zu erfüllen, müsste Rot-Rot-Grün in Duisburg Aufgaben und Stellen kürzen oder zusätzliche Einnahmen erzielen, wenn es weiterhin Geld aus dem Fördertopf erhalten will.

Teure Negativ-Werbung

Duisburg hat sich entschieden. Die Stadt kürzt nicht ihre Verwaltungsaufgaben, sondern die Einkommen ihrer Bürger. Mit der höheren Grundsteuer trifft sie Eigenheimbesitzer, Mieter und Unternehmer. Sie erhöht die Steuer so drastisch, das sie nun deutlich über der in den ebenfalls tief verschuldeten Nachbarstädten liegt.

Rund 16 Millionen sollen auf diesem Weg zusätzlich in Duisburgs Stadtkasse fließen. Bei den großen Problemen der Stadt ist das nur ein Tropfen auf den heißen Stein, wohl aber viel Geld für eine Negativ-Werbung, wie sie Duisburg schon mit anderen Defiziten anhängt.

So, wie Duisburgs Ratsmehrheit hantiert, ist es nicht die letzte Last, die auf die Bürger zukommen wird. Die Stadt hält RWE-Aktien, deren Wert die FDP vor einem Jahr mit elf Millionen Euro ansetzte. Duisburg kassierte 200.000 Euro Dividende. Beim Verkauf der Aktien hätte die Stadt 500.000 Euro Zinsen gespart, rechnete die FDP vor.

Den günstigen Zeitpunkt verpasst

Die Stadt verkaufte nicht, ähnlich wie andere Städte im Ruhrgebiet, die viel größere Pakete halten. Bei der letzten Dividendenkürzung verlor Essen 20 Millionen Euro, Dortmund sogar 35 Millionen. Die Aktie hat in den vergangenen Jahren stark eingebüßt. Würde Bochum den aktuellen Wert seines Pakets in den Haushalt einstellen, wäre die Stadt pleite.

Die RWE-Aktie hat für die Städte kaum noch strategischen Wert. Das Unternehmen ist mit 33 Milliarden Euro verschuldet und kürzt seine Investitionen. Die Dividende sinkt weiter. Die Einbuße wird weitere Löcher in die Haushalte der Städte reißen.

Selbst wenn sie ihre Pakete verkaufen wollten: Der günstige Zeitpunkt ist längst verpasst. Vor Jahren hatte Düsseldorf den Mut, seine Aktien zu veräußern. Damals stand die Aktie noch hoch im Kurs. Düsseldorf erzielte einen guten  Preis. Die Stadt verwendete das Geld, um ihre Schulden abzubauen, und steht heute gut da.

Seit 1999 hat Düsseldorf die Grundsteuer sieben Mal gesenkt. Sie liegt nun bei 440 Punkten, 255 Punkte niedriger als demnächst in Duisburg.

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2 Kommentare zu “Ohne Aussicht auf einen Wandel”

  1. […] Die verschuldeten Revierstädte: Ohne Aussicht auf einen Wandel (Post von Horn) – […]

  2. Jan sagt:

    Gelungener Beitrag! Die Städte und ihre RWE-Aktien. Das erinnert stark an Zwegat, der stets überzeugen muss, dass ein Bausparvertrag mit 2,5 % Zinsen nicht bespart werden sollte, wenn man die Zahlungen jahrelang aus einem 12,5 % Dispo-Kredit bestreitet. Allerdings wäre zu befürchten, dass die genannte Kommune sich von dem „freigewordenen“ Geld dann auch noch zu den STEAG-Gesellschaftern dazugesellt.

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