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Nebenbei

  • Schulz und das Glashaus

    Auf dem jüngsten SPD-Parteitag warf SPD-Kanzlerkandidat Schulz der Kanzlerin Merkel (CDU) vor, sich inhaltlichen Diskussionen zu entziehen. Er nennt dieses Verhalten „einen Anschlag auf die Demokratie“. Diese Attacke lässt vor allem in NRW die Wähler aufhorchen – auch und gerade die der SPD. Sie haben gerade den Landtagswahlkampf hinter sich gebracht. Die SPD erzielte ihr schlechtestes Ergebnis der NRW-Geschichte. Als einer der Gründe für das Desaster gilt auch in der SPD der seltsame Umstand, dass Schulz in diesem Wahlkampf, den er als Generalprobe für die Bundestagswahl ausrief, kaum in Erscheinung trat. Über Wochen war er nicht zusehen und zu hören. Dabei gab es jede Menge inhaltliche Diskussionen – vor allem über die innere Sicherheit, über den Schulunterricht, über die Entwicklung der Wirtschaft, den Zustand der Straßen und Brücken. Es hätten sich Schulz viele Anlässe geboten, kraftvoll mitzureden und im Wettbewerb der Ideen mit der CDU zu ringen. Er hätte sich auch mit Merkel auseinandersetzen können. Allein von Ende April bis Mitte Mai trat sie achtmal in NRW auf. Und wo war Schulz? Was tat er? Er ließ diese Chancen verstreichen. Er schwieg. Er tauchte ab. Er entzog sich der Diskussion, nicht weil er unpässlich war, sondern aus taktischem Kalkül. Seine Parteifreundin Kraft hielt es für erforderlich. Sie glaubte, ohne ihn besser abzuschneiden. Der Kanzlerkandidat hielt es für angebracht, ihr zu folgen und zu verstummen. Den NRW-Wählern, besonders den geplagten der SPD, hat Schulz nun auf dem Parteitag klar gemacht, wie sie sein Abtauchen im NRW-Wahlkampf einzuordnen haben – als „einen Anschlag auf die Demokratie“. Die SPD-Anhänger kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus: Frühere Kanzlerkandidaten der Partei führten ihren Wahlkampf aus der Kampa, Schulz seinen aus dem Glashaus. – Ulrich Horn

Aufgelesen … Nr. 4 – 2013

Samstag, 5. Januar 2013

Blog-Tipps

An dieser Stelle finden Sie eine Auswahl interessanter Beiträge aus Blogs. Die Aussagen der Autoren geben nicht in jedem Fall meine Meinung wieder. (uh)

1. Medien

a. Was Medien von „The Dish“ lernen können
Die US-Medienbranche ist elektrisiert von der Ankündigung des Bloggers Andrew Sullivan sein Blog “The Dish” mit sieben Mitarbeitern künftig nur noch von Lesern finanzieren zu lassen. Innerhalb von nur 24 Stunden hat Sullivan über 12.000 Jahresabos verkauft und damit über 330.000 Dollar Umsatz gemacht. In vielen Punkten ist die Story von “The Dish” sicherlich ein Einzelfall. Trotzdem können auch Medien und Journalisten hierzulande Einiges von Sullivan lernen.
Aus: Meedia

b. Richtig lesen!

Rund 7,5 Millionen Erwachsene in Deutschland können keine einfachen Texte lesen und schreiben. Das sagt eine Studie der Universität Hamburg im Auftrag des Bundesbildungsministeriums aus dem Jahr 2011. Man spricht in diesem Zusammenhang von funktionalem Analphabetismus. Ich gehe noch einen Schritt weiter und erkenne einen weit verbreiteten methodischen Analphabetismus. Diese Menschen können zwar lesen und schreiben, es ist ihnen aber meist nicht bewusst, welche Informationen sie dabei aufnehmen. Zudem haben diese Analphabeten nicht die Möglichkeit die gelesenen Informationen auf ihren Wahrheitsgehalt sowie ihre Lenkungsfunktion zu überprüfen.
Aus: Jenny’s Blog

c. Doppelmoral statt Doppelpass: Der Fall van der Vaart

“Ehe-KO” – so lautete beispielsweise eine der geschmacklosen Schlagzeile im Fall des HSV-Profis Rafael van der Vaart. In den folgenden Tagen konzentrierten sich Medien auf Spekulationen, ob der Fußballer wohl eine Affäre gehabt habe und ob sich die Trennung von Sylvie sportlich negativ auswirken könnte. Das Thema häusliche Gewalt spielte hingegen kaum eine Rolle. Jetzt schon.
Aus: Publikative.org

2. Politik und Medien

a. Was hat Augstein eigentlich geschrieben?
Die Debatte um die Liste des SWC dreht sich mittlerweile zumeist um Broder oder die angebliche Absurdität des Vorwurfs, der Verleger und Kolumnist Jakob Augstein sei “Antisemit”. Die Frage ist aus unserer Sicht allerdings viel eher, ob Augstein antisemitische Ressentiments in seinen Texten benutzt oder zur Förderung derselben beträgt. Daher veröffentlichen wir noch einmal Zitate aus seinen Texten, die wir mit Fundstellen aus dem “Bericht des unabhängigen Expertenkreises Antisemitismus” konfrontieren. Daraus geht hervor, warum Augsteins Aussagen – nach den Kriterien eines von der Bundesregierung eingesetzten Expertengremiums – durchaus als antisemitisch gelesen werden können.
Aus: Publikative.org

b. Kritik an Israels Regierung = Antisemitismus

Bei der Abstempelung Jakob Augsteins als Top-Antisemit geht es jedoch nicht um die Politik in Nahost, sondern um die Brandmarkung eines kritischen Journalisten und damit des kritischen Journalismus insgesamt. Das Simon-Wiesenthal-Zentrum setzt sich damit dem Verdacht aus, Kritiker der israelischen Politik durch Rufschädigung mundtot zu machen. Damit hat es seinen Ruf selbst beschädigt. Wer Hendryk M. Broder als Kronzeugen für die Verunglimpfung Israels und des Judentums heranzieht, stellt sich an die Seite eines islamophoben Rechtspopulisten und verunglimpft sich damit selbst.
Aus: NachDenkSeiten

3. Politik

Steinbrück-Effekt?
Obwohl die 1000 Wahlberechtigten in der Umfrage nicht nach den Motiven für ihre Entscheidung gefragt wurden, gehen viele Beobachter davon aus, dass die Verluste von SPD und Grünen zumindest zum Teil auf das Konto des Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück gehen, der mit seiner Äußerung, das Gehalt für seinen Wunschposten läge ihm zu niedrig, erneut viel Negativaufsehen erregte.
Aus: Telepolis

Ein Kommentar zu “Aufgelesen … Nr. 4 – 2013”

  1. Diese Augstein-Geschichte finde ich schon seltsam: beinahe alle jüdischen Organisationen und Individuen – vom Zentralrat über Michel Friedman – nehmen Augstein in Schutz und dennoch steht er da mit dem Vorwurf, ein Antisemit zu sein. Eine Debatte über Israel und Antisemitismus wird durch solche Listen und Beschimpfungen á la Broder verhindert. Die öffentliche Debatte in Deutschland scheint mir aber auch in anderer Hinsicht fehlgeleitet zu sein: http://www.danielflorian.de/2013/01/06/steinbrueck-augstein-und-die-medienmaschine/

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