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Nebenbei

  • Taten statt Parolen

    Politische Parolen richten Schaden an. Wir sind kein Einwanderungsland, hieß es lange. Jeder, der seine Sinne beisammenhatte, wusste, dass dieser Spruch die Wirklichkeit entstellte. Was die Parole so attraktiv machte, war ihre Verheißung, das Thema Flüchtlinge und Einwanderer ließe sich verdrängen. Wenn wir kein Einwanderungsland sind, müssen wir uns mit Zuwanderern nicht befassen. Wohin es führt, wenn Politik und Gesellschaft die Wirklichkeit ausblenden, zeigt sich heute. Beim Exportriesen Deutschland wuchert Fremdenfeindlichkeit. Die Bundestagsparteien reagieren hilflos. Im ersten Reflex sind sie bestrebt, sich von der Demo-Welle nicht überrollen zu lassen. Im zweiten sind sie bemüht, sie parteipolitisch zu nutzen. Das Pendel schlägt weit aus, von Abgrenzung bis Umarmung. Nur Lösungen sieht man nicht. Dabei ist Fremdenfeindlichkeit seit Langem sichtbar. Die Politik lieferte ihr Vorwände. Sie schuf nicht genügend Unterkünfte. Sie unterließ es auch, die Verwaltungswege zu vereinfachen. Viele Flüchtlinge sind doppelt traumatisiert: von der Gewalt in ihrer Heimat und vom deutschen Verwaltungslabyrinth. Die Verfahren stauen sich. Zuwanderer werden unzureichend beraten. Ohne die vielen ehrenamtlichen Betreuer wäre die Lage noch schlimmer. Auch sie sind oft ratlos. Ratsmitglieder, Landtags- und Bundestagsabgeordnete, auch Ortsverbandsvorstände sollten ab und an Flüchtlinge als Lotsen begleiten, um aus erster Hand die Beschwernisse zu erleben. Vielleicht fiele es den Parteien dann leichter, die Verfahren so zu gestalten, dass sich Zuwanderer leichter integrieren können. Solange die Dinge bleiben, wie sie sind, ist der Hinweis, Deutschland brauche dringend Zuwanderer, nichts anderes als eine Parole. – Ulrich Horn

Aufgelesen … Nr. 4 – 2013

Samstag, 5. Januar 2013

Blog-Tipps

An dieser Stelle finden Sie eine Auswahl interessanter Beiträge aus Blogs. Die Aussagen der Autoren geben nicht in jedem Fall meine Meinung wieder. (uh)

1. Medien

a. Was Medien von “The Dish” lernen können
Die US-Medienbranche ist elektrisiert von der Ankündigung des Bloggers Andrew Sullivan sein Blog “The Dish” mit sieben Mitarbeitern künftig nur noch von Lesern finanzieren zu lassen. Innerhalb von nur 24 Stunden hat Sullivan über 12.000 Jahresabos verkauft und damit über 330.000 Dollar Umsatz gemacht. In vielen Punkten ist die Story von “The Dish” sicherlich ein Einzelfall. Trotzdem können auch Medien und Journalisten hierzulande Einiges von Sullivan lernen.
Aus: Meedia

b. Richtig lesen!

Rund 7,5 Millionen Erwachsene in Deutschland können keine einfachen Texte lesen und schreiben. Das sagt eine Studie der Universität Hamburg im Auftrag des Bundesbildungsministeriums aus dem Jahr 2011. Man spricht in diesem Zusammenhang von funktionalem Analphabetismus. Ich gehe noch einen Schritt weiter und erkenne einen weit verbreiteten methodischen Analphabetismus. Diese Menschen können zwar lesen und schreiben, es ist ihnen aber meist nicht bewusst, welche Informationen sie dabei aufnehmen. Zudem haben diese Analphabeten nicht die Möglichkeit die gelesenen Informationen auf ihren Wahrheitsgehalt sowie ihre Lenkungsfunktion zu überprüfen.
Aus: Jenny’s Blog

c. Doppelmoral statt Doppelpass: Der Fall van der Vaart

“Ehe-KO” – so lautete beispielsweise eine der geschmacklosen Schlagzeile im Fall des HSV-Profis Rafael van der Vaart. In den folgenden Tagen konzentrierten sich Medien auf Spekulationen, ob der Fußballer wohl eine Affäre gehabt habe und ob sich die Trennung von Sylvie sportlich negativ auswirken könnte. Das Thema häusliche Gewalt spielte hingegen kaum eine Rolle. Jetzt schon.
Aus: Publikative.org

2. Politik und Medien

a. Was hat Augstein eigentlich geschrieben?
Die Debatte um die Liste des SWC dreht sich mittlerweile zumeist um Broder oder die angebliche Absurdität des Vorwurfs, der Verleger und Kolumnist Jakob Augstein sei “Antisemit”. Die Frage ist aus unserer Sicht allerdings viel eher, ob Augstein antisemitische Ressentiments in seinen Texten benutzt oder zur Förderung derselben beträgt. Daher veröffentlichen wir noch einmal Zitate aus seinen Texten, die wir mit Fundstellen aus dem “Bericht des unabhängigen Expertenkreises Antisemitismus” konfrontieren. Daraus geht hervor, warum Augsteins Aussagen – nach den Kriterien eines von der Bundesregierung eingesetzten Expertengremiums – durchaus als antisemitisch gelesen werden können.
Aus: Publikative.org

b. Kritik an Israels Regierung = Antisemitismus

Bei der Abstempelung Jakob Augsteins als Top-Antisemit geht es jedoch nicht um die Politik in Nahost, sondern um die Brandmarkung eines kritischen Journalisten und damit des kritischen Journalismus insgesamt. Das Simon-Wiesenthal-Zentrum setzt sich damit dem Verdacht aus, Kritiker der israelischen Politik durch Rufschädigung mundtot zu machen. Damit hat es seinen Ruf selbst beschädigt. Wer Hendryk M. Broder als Kronzeugen für die Verunglimpfung Israels und des Judentums heranzieht, stellt sich an die Seite eines islamophoben Rechtspopulisten und verunglimpft sich damit selbst.
Aus: NachDenkSeiten

3. Politik

Steinbrück-Effekt?
Obwohl die 1000 Wahlberechtigten in der Umfrage nicht nach den Motiven für ihre Entscheidung gefragt wurden, gehen viele Beobachter davon aus, dass die Verluste von SPD und Grünen zumindest zum Teil auf das Konto des Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück gehen, der mit seiner Äußerung, das Gehalt für seinen Wunschposten läge ihm zu niedrig, erneut viel Negativaufsehen erregte.
Aus: Telepolis

Ein Kommentar zu “Aufgelesen … Nr. 4 – 2013”

  1. Diese Augstein-Geschichte finde ich schon seltsam: beinahe alle jüdischen Organisationen und Individuen – vom Zentralrat über Michel Friedman – nehmen Augstein in Schutz und dennoch steht er da mit dem Vorwurf, ein Antisemit zu sein. Eine Debatte über Israel und Antisemitismus wird durch solche Listen und Beschimpfungen á la Broder verhindert. Die öffentliche Debatte in Deutschland scheint mir aber auch in anderer Hinsicht fehlgeleitet zu sein: http://www.danielflorian.de/2013/01/06/steinbrueck-augstein-und-die-medienmaschine/

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