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Nebenbei

  • Trumps Theater

    Über die Geduld der US-Medien kann man nur staunen. Immer wieder schicken sie Journalisten zu Pressekonferenzen, bei denen Präsident Trump und seine Mitarbeiter lügen, was das Zeug hält, die Journalisten beschimpfen und deren Arbeitgeber verleumden. Es drängt sich schon die Frage auf: Müssen die Beschimpften die Lügen und Tiraden über sich ergehen lassen und sie dann auch noch verbreiten? Diese Frage provoziert die nächste: Wäre es nicht an der Zeit, den Transport der alternativen Fakten ihren Urhebern zu überlassen? Trump und seine Mitarbeiter müssten dann ihre Fakenews ohne Hilfe der meisten Medien an die Bürger bringen. Es stehen dazu Twitter, regierungsnahe Medien und auch Presseerklärungen zur Verfügung. Die Berichterstattung der geschmähten Medien über die Regierungsarbeit muss unter diesem Schritt nicht leiden. Er würde es Trump aber erschweren, sich als Opfer der Medien darzustellen und mit diesem Manöver Desinformation zu betreiben, während die Medien so arbeiten könnten wie bisher. Noch schwerer hätte er es, wenn die in Washington tätigen Medien einen Verein zur Veranstaltung von Pressekonferenzen gründeten und nahe beim Weißen Haus Büros anmieteten. Dorthin könnte der Verein dann Persönlichkeiten einladen, die zu aktuellen Themen etwas mitzuteilen haben, auch zu jenen, über die Trump gar nicht oder falsch informiert. Und schließlich, um ihm Einhalt zu gebieten: Können Journalisten und Medienunternehmen, die Trump wahrheitswidrig bezichtigt zu lügen, den Präsidenten und die US-Regierung nicht wegen übler Nachrede , Verleumdung und gegebenenfalls auch wegen Geschäftsschädigung verklagen? – Selbst wenn es ginge, würde es wohl nicht dazu kommen. Schade eigentlich. – Ulrich Horn

Aufgelesen … Nr. 64 – 2012

Freitag, 7. Dezember 2012

Blog-Tipps

An dieser Stelle finden Sie eine Auswahl interessanter Beiträge aus Blogs. Die Aussagen der Autoren geben nicht in jedem Fall meine Meinung wieder. (uh)

1. Medien

a. „Das heilige Versprechen“ – eine ernüchternde Analyse
Wer den Markt für ein einigermaßen effizientes Organisationsprinzip des Wirtschaftens hält, der muss nach herkömmlicher Theorie auch dafür sorgen, dass der Wettbewerb erhalten bleibt und sich nicht in Monopolen und Oligopolen auflöst. Und wenn eine Produktion – wegen der „Unteilbarkeit“ z.B. des Netzes – nichts anderes zulässt als Monopole, dann funktioniert der Markt nicht, dann muss man diese Produktion eines Gutes/einer Dienstleistung normalerweise in öffentliche Regie übernehmen. Weil ich als Ökonom dies so gelernt habe und es sogar für richtig halte, überkommen mich angesichts der Situation im Internet mit den Quasi-Monopolisten Google, Microsoft, Facebook, Apple, usw. Zweifel. Sie ernten Milliarden an Monopolrenten und bedrohen obendrein unsere Persönlichkeitsrechte. Eigentlich ein nicht haltbarer Zustand. Aber wir sind ohnmächtig.
Aus: NachDenkSeiten

b. Das Aus der FTD (…)

Nach meinem Eindruck wird im deutschen Wirtschaftsjournalismus zu viel Wert auf das Geschichtenerzählen gelegt. Die Komplexität der Wirtschaftspraxis wird auf plausibles Storytelling komprimiert. Und vielleicht merken die Leser, dass die auf den Wirtschaftsseiten erzählten Geschichten schon lange nicht mehr passen. Die Finanzkrise lässt sich halt nicht auf böse Investmentbanker, die Eurokrise sich nicht auf Spekulanten reduzieren. Manchmal werden Unternehmen und Produkte hochgejazzt, die Monate später abstürzen. Manager werden gefeiert, die später des Betrugs überführt werden. Es werden uns oberflächliche Äußerungen von “renommierten Experten” als ultimative Erklärungen präsentiert, die sich kurze Zeit später als heiße Luft erweisen.
Aus: Carta

c. Wie man das Unbekannte im Bekannten entdeckt

Die Frage ist: Wie kommt man aus all dem Wust des Bekannten, des Selbstverständlichen, der Routine wieder ins Unbekannte? Genauer: Wie schafft man es, wieder zu staunen, morgens um 10, im Büro, als der schon etwas zerschlissene Angestellte, der man ist? Denn das ist der Tretmühlen-Job jedes Qualitätsjournalisten. Es werden viele Definitionen von Qualität im Journalismus gegeben: Aktualität, Faktenkenntnis, Fairness, Relevanz. Alle haben den Nachteil, nach Pflichtprogramm zu klingen. Und manchmal lesen die Resultate sich auch so. Qualität, das ist vor allem eine Haltung. Und ohne den Zauber des Staunens vor der Welt ist Journalismus vor allem Wiederholung. Keinem Menschen von Verstand kann man vorwerfen, dafür nicht zu bezahlen. Okay, aber wie kommt man als Routinemensch dazu, erst halb wach, viel zu gut informiert, beim zweiten Kaffee? Nun, es gelingt nicht immer. Aber es gibt ein paar Faustregeln:
Aus: Deadline

2. Politik

a. Steinbrücks Marktwert
Am kommenden Sonntag wird die SPD Peer Steinbrück auf ihrem Bundesparteitag zum Kanzlerkandidaten küren. In ihrer gestrigen Sendung bemühte sich Maybrit Illner, dem Anforderungsprofil des zeitgenössischen Politikers auf die Spur zu kommen. Neben Steinbrück stand daher auch der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff auf ihrer Bühne. Man kann bekanntlich alles miteinander vergleichen, wenn man denn den Unterschied zur Gleichsetzung kennt. Interessant ist allerdings eines: Heute stehen Formen sozialen Handelns unter Korruptionsverdacht, die man früher noch als Ausdruck von Höflichkeit empfunden hätte. Etwa seinen Gesprächspartner zum Essen einzuladen. Dieser Mentalitätswechsel ist an sich schon ein erstaunlichliches und erklärungsbedürftiges Phänomen. Er hat, so meine These, mit der Ökonomisierung unserer Lebensverhältnisse zu tun.
Aus: Wiesaussieht

b. Bloße Tatkraftdemonstration

Namhafte Juristen sehen dieses Vorhaben allerdings eher skeptisch: Thomas Stadler fragt sich beispielsweise, ob die NSU-Morde verhindert worden wären, wenn man die NPD schon vorher verboten hätte und kommt anhand der bekannten Entwicklungsgeschichte von Bönhardt und Mundlos zu dem Schluss: „Nichts spricht dafür“. Stattdessen befürchtet er, dass ein NPD-Verbot Neonazis, die „ähnlich ticken“ wie die NSU-Mörder, in den Untergrund treiben könnte, wo sie eher Gewaltverbrechen begehen als beim „offenen Agieren in der rechten Szene“. „Wer“, so Stadler, „ein NPD-Verbot fordert, muss sich deshalb darüber im Klaren sein, dass seine Forderung die Gefahr der Zunahme des rechten Terrors beinhaltet“.
Aus: Telepolis

c. Deutsche Rüstungsexporte und Merkels Strategie

Schiffe für die angolanische Marine, das komplette Wohlfühlpaket für die algerische Generalität, für Aufstände angepasste Kampfpanzer sowie Truppentransporter für Saudi-Arabien, Katar und die Emirate und der Irak schließlich darf sich über Hubschrauber freuen. Noch sind nicht alle Entscheidungen getroffen, nicht alle Verträge unterschrieben. Eine durchaus scheinheilig empörte Opposition – schließlich wurden nicht alle hier besprochenen Deals nur von der amtierenden Kanzlerin eingefädelt – im Bundestag votiert für mehr Transparenz. Die kritische Öffentlichkeit wird hellhörig und fragt, was eigentlich passiert, wenn die Grundannahmen dieser Rüstungsdoktrin nicht aufgehen. Die USA können ein Lied davon singen, was passiert, wenn aus vermeintlichen Freunden Feinde werden.
Aus: The European

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