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Nebenbei

  • Es geht noch schlechter

    Um die Deutsche Bank und die Commerzbank steht es schlecht. Bundesfinanzminister Scholz (SPD) möchte ihren Verfall stoppen. Sie sollen sich zusammenschließen. Er hofft, vereint könnten sie eine stärkere Rolle spielen. Die Verhandlungen haben gerade begonnen. Sie werden beide Banken zunächst weiter schwächen. Um größeres Gewicht zu gewinnen, müssen sie Kosten senken. Sie gilt, Stellen zu streichen und Zweigstellen zu schließen. Beide Geldhäuser beschäftigen insgesamt gut 130.000 Menschen. Soll der Zusammenschluss den gewünschten Gewinn bringen, könnten 20.000 bis 50.000 Stellen wegfallen. Was werden die Mitarbeiter bei diesen Aussichten tun? Sie werden sich fragen, ob sie es sind, die demnächst auf der Strecke bleiben. Viele werden alles daransetzen, einen anderen Arbeitgeber zu finden. Sie werden sich umhören, Bewerbungen schreiben, sich auf Bewerbungsgespräche vorbereiten. Sie werden ihre finanziellen Verhältnisse straffen, um drohende Durststrecken zu überstehen. Sie werden sich zum Abwehrkampf gegen den Zusammenschluss formieren und an Protestaktionen teilnehmen. Bis die Vereinigung in trockenen Tüchern ist, falls es zu ihr kommt, wird einige Zeit ins Land gehen. Derweil werden sich die Beschäftigten mehr mit sich selbst als mit den Geschäften ihrer Bank befassen. Ist es abwegig abzunehmen, dass sich die schlechte Ertragslage der beiden Banken in nächster Zeit noch verschlechtern wird? – Ulrich Horn

Freund und Feind

Sonntag, 4. November 2012

Nebenbei

(uh) SPD-Chef Gabriel gilt als unberechenbar. Warum, zeigte sich am Wochenende. Während Kanzlerkandidat Steinbrück gegen den Vorwurf kämpft, er habe sich Spendengeld aus der SPD-regierten Stadt Bochum in die eigene Tasche gesteckt, macht Gabriel das Gehalt der Kanzlerin zum Thema. Sie verdiene zu wenig, sagt er. Sie erhält 289.986, 84 Euro pro Jahr – für harte Arbeit. Steinbrück verdiente in drei Jahren zwei Millionen Euro – eher fürs Schwadronieren. Gabriels Hinweis auf Merkels Gehalt ist ein Tritt gegen Steinbrück. Es klingt so, als müssten die Kanzler-Bezüge angehoben werden, damit sich der Job für den SPD-Honorarmillionär und -Kanzlerkandidaten lohne. Um die Attacke zuzuspitzen, fügt Gabriel an, er selbst nehme für Reden nie Geld. Damit übertrifft er noch Erhard Eppler. Der brachte jüngst Gabriel als Kanzlerkandidaten für 2017 ins Spiel, so als wolle er diejenigen in der SPD, die gegen Steinbrück sind, mit dem Durchhalteschlager des 2. Weltkrieges trösten: Es geht alles vorüber, es geht alles vorbei, auf jeden Dezember folgt wieder ein Mai. Was mag wohl Steinbrück denken? Vielleicht: Wer solche Freunde hat, ist bei seinen Feinden gut aufgehoben.

3 Kommentare zu “Freund und Feind”

  1. Werner Jurga sagt:

    Die Formulierung mit dem Durchhalteschlager des 2. Weltkrieges halte ich für wenig geglückt.

  2. Roland Mitschke sagt:

    Der Vergleich mit dem Gehalt der Kanzlerin macht doch offensichtlich deutlich, dass dieses Einkommen dem sozialdemokratischen Kandidaten gar nicht zumutbar ist. Er droht ja seinen sozialen Status zu verlieren. Das können die Genossen einem der ihren doch nicht zumuten. Insofern ist Steinbruecks Kandidatur ein Opfer.
    Wer es also gut meint mit dem SPD-Kandidaten, der sollte ihn weiter reden und Honorare kassieren lassen. Fuer uns alle dürfte das das geringere Uebel sein.

  3. Markus Väth sagt:

    Was mich an der SPD am meisten fasziniert, ist ihr Hang zur Selbstkannibalisation, sobald die „Erfolgsgefahr“ zu groß wird.

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