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Nebenbei

  • Steinmeier und Yücel

    In der Türkei sitzen viele Dutzend Journalisten im Gefängnis. Unter ihnen befindet sich auch Deniz Yücel, Er ist türkischer und deutscher Staatsbürger. Bundespräsident Steinmeier hat seine erste Rede für einen Appell an den türkischen Präsidenten Erdogan genutzt. „Geben Sie Deniz Yücel frei!“ Eine selbstverständliche und dennoch bemerkenswerte Forderung. Die meisten Bundespräsidenten hielten sich aus der Tagespolitik heraus. Dass Steinmeier anders verfährt, hat ihn viel Lob eingebracht. Es hieß, er sei ein Präsident mit Biss, ein Mann, der klare Kante zeigt. Wem nutzt dieser Auftritt? Zunächst ihm selbst. Die positive Resonanz ermuntert ihn, dem eingeschlagenen Weg zu folgen. Risikolos ist er nicht. Er kann ihn über die Grenze hinausführen, von der an er zum Richter über die Politik der Regierung wird. Genützt hat Steinmeiers Auftritt auch jenen Bürgern, denen er aus dem Herzen sprach. Sie können sich verstanden fühlen. Nützt Steinmeiers Auftritt aber auch Yücel? Erdogan wird wohl den Teufel tun und ihn freilassen. Mit Steinmeiers Appell ist der Fall zur Prestigefrage geworden. Gäbe Erdogan nach, würde er in den Augen seiner Anhänger Schwäche zeigen. Er hätte sich deutschem Druck gebeugt und eingestanden, dass Yücel unrechtmäßig festgehalten wurde. Erdogan verlöre sein Gesicht. Je heftiger er öffentlich bedrängt wird, desto länger wird er Yücel festhalten. Der Journalist wird vermutlich erst freikommen, wenn gewährleistet ist, dass Erdogan sein Gesicht behält. Für Yücel aussichtsreicher wäre es wohl, statt mit öffentlichen Appellen auf diplomatischem Wege Druck auszuüben. Erdogan wird das Gefängnistor erst öffnen, wenn es für ihn teurer wird, Yücel gefangen zu halten als ihn freizulassen. – Ulrich Horn

Hannelore Kraft und die Büchse der Pandora

Freitag, 12. Oktober 2012

Nebenbei

(uh)Viele Politiker schirmen ihr Privatleben ab. Nicht Hannelore Kraft. Sie lebt ihre Ehe zunehmend öffentlich. Sie und ihr Mann (beide 51) heirateten 20 Jahre nach der standesamtlichen Trauung nun auch kirchlich, in Namibia. Details teilte die Staatskanzlei nicht mit. Das sei Privatsache von Frau Kraft, hieß es. Sie selbst sieht das nicht so eng. Sie geht offenbar davon aus, ihr Privatleben sei von allgemeinem Interesse. Auf Twitter teilte sie ganz Deutschland mit, wie schön es gewesen sei, noch einmal „Ja“ zu sagen. Auch ein Hochzeitsfoto wurde in Umlauf gebracht – sie in weißem Brautkleid mit wehendem Schleier. Bei der Verbreitung der „Privatsache von Frau Kraft“ half die Staatskanzlei doch noch kräftig mit: Die Behörde druckte in ihrer Presseschau die Artikel mit dem Foto nach. Das geschah sicher nicht gegen Krafts Willen. Eine riskante Aktion. Kraft könnten die Büchse der Pandora geöffnet haben. Die Verwertung ihrer Trauung lädt die Medien ein, ihr Privatleben zum Thema zu machen. Es könnte schwierig werden, Intimität zu bewahren. Von nun an müssen die Krafts wohl damit rechnen, genau beobachtet zu werden. Da kann jede kleine Äußerlichkeit leicht zum großen Problem werden. Und Politik zur Doku-Soap.

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