Schrift verkleinern Schrift vergrößern
RSS RSS-Feed

Letzte Kommentare

Nebenbei

  • Steinmeier und Yücel

    In der Türkei sitzen viele Dutzend Journalisten im Gefängnis. Unter ihnen befindet sich auch Deniz Yücel, Er ist türkischer und deutscher Staatsbürger. Bundespräsident Steinmeier hat seine erste Rede für einen Appell an den türkischen Präsidenten Erdogan genutzt. „Geben Sie Deniz Yücel frei!“ Eine selbstverständliche und dennoch bemerkenswerte Forderung. Die meisten Bundespräsidenten hielten sich aus der Tagespolitik heraus. Dass Steinmeier anders verfährt, hat ihn viel Lob eingebracht. Es hieß, er sei ein Präsident mit Biss, ein Mann, der klare Kante zeigt. Wem nutzt dieser Auftritt? Zunächst ihm selbst. Die positive Resonanz ermuntert ihn, dem eingeschlagenen Weg zu folgen. Risikolos ist er nicht. Er kann ihn über die Grenze hinausführen, von der an er zum Richter über die Politik der Regierung wird. Genützt hat Steinmeiers Auftritt auch jenen Bürgern, denen er aus dem Herzen sprach. Sie können sich verstanden fühlen. Nützt Steinmeiers Auftritt aber auch Yücel? Erdogan wird wohl den Teufel tun und ihn freilassen. Mit Steinmeiers Appell ist der Fall zur Prestigefrage geworden. Gäbe Erdogan nach, würde er in den Augen seiner Anhänger Schwäche zeigen. Er hätte sich deutschem Druck gebeugt und eingestanden, dass Yücel unrechtmäßig festgehalten wurde. Erdogan verlöre sein Gesicht. Je heftiger er öffentlich bedrängt wird, desto länger wird er Yücel festhalten. Der Journalist wird vermutlich erst freikommen, wenn gewährleistet ist, dass Erdogan sein Gesicht behält. Für Yücel aussichtsreicher wäre es wohl, statt mit öffentlichen Appellen auf diplomatischem Wege Druck auszuüben. Erdogan wird das Gefängnistor erst öffnen, wenn es für ihn teurer wird, Yücel gefangen zu halten als ihn freizulassen. – Ulrich Horn

Frau Müntefering und der Promi-Bonus

Dienstag, 25. September 2012

Nebenbei

(uh) Große Namen zu tragen, bereitet Last und Lust. Das erfährt auch Michelle Müntefering, geborene Schumann. Die Frau, die 2009 den Ex-SPD-Chef heiratete, setzte sich jüngst in Herne als Kandidatin für die Bundestagswahl durch. Dabei betonte sie stets, sie wolle nicht als Frau ihres berühmten Mannes, sondern als eigenständige Politikerin wahrgenommen werden. Der Anspruch ist verständlich, aber weltfern. In Herne nimmt kaum jemand wahr, wer in Emden kandidiert. So wie es dort niemanden wahr nimmt, wer in Herne antritt. Dass Frau Müntefering kandidiert, findet dagegen bundesweit Beachtung. Sie wurde nicht als Schumann durch eigene Leistung prominent, sondern durch die Verbindung mit Müntefering. Ohne ihn hätte sie es am Montag kaum in die Sendung „Hart aber fair“ gebracht. Moderator Plasberg nutzte ihre Prominenz, um die Neugier der Nation auf Münteferings Frau zu stillen und die Einschaltquote seiner Sendung zu verbessern. Frau Müntefering nutzte den Namen ihres Mannes, um sich bundesweit zu präsentieren. Ein Zeichen von Eigenständigkeit? Eher nicht. Eigenständig wäre es gewesen, wenn sie Plasberg einen Korb gegeben hätte.

5 Kommentare zu “Frau Müntefering und der Promi-Bonus”

  1. osmosis sagt:

    Wie nennt man das? Parteipolitische Korruption. Fast schon Erbmonarchie. Es müssten alle Wähler diese Kandidatin ignorieren, aber selbst wenn, kommt sie mit der Landesliste ins Parlament.

  2. Arnold Voß sagt:

    Hätte sie es mal getan. Sie kam nämlich, wie ich gerade sehen und hören konnte, bei Plasberg aus vorgestanzten parteitaktischen Sätzen nicht heraus. Irgendwie war mir auch dauernd so, als hörte ich ihren Mann statt sie selbst reden.

  3. Jens sagt:

    @osmosis (1):
    Welch ein Quatsch. Sie ist schon seit Jahren politisch aktiv. Unter ihrem Mädchennamen hätte ihr niemand so etwas vorgeworfen, nur weil sie verheiratet ist, soll sie jetzt ihr politisches Engagement auf 0 ‚runterfahren?
    Abgesehen davon, dass „Erbmonarchien“ eigentlich nie über Ländergrenzen hinweg funktionierten.
    PS: Die Liste gibt es noch gar nicht. Würde mich nicht wundern, wenn sie dort nicht drauf stehen würde (oder nur jottwede ganz unten).

    @Arnold Voß (2):
    Die Sprechweise soll sie schon vorher gehabt haben, aber vielleicht ist es jetzt einfacher immer Franz, Franz, Franz zu denken/rufen/schreiben.

  4. Arnold Voß sagt:

    @ Jens

    Ich schätze Frau Müntefering persönlich sehr und ihr bisheriges politisches Engagement ist mir bekannt. Aber ich war selbst überrascht wie sehr nicht nur die Inhalte sondern auch der Satzaufbau und die Betonungen denen von ihrem Mann ähneln.Ich denke dieser Mann ist schon lange ihr Vorbild und sie würde auch so sprechen, wenn sie nicht mit ihm verheiratet wäre.

  5. AitschPi sagt:

    Schade. Denn ich bin jetzt wohl ein Opfer meines Geschlechts. Es gibt zu wenige erfolgreiche Frauen mit gutklingenden Namen, die mir ein Bundestagsmandat verschaffen könnten…
    Nicht falsch verstehen: Engagiert bin ich auch ohne dieses – nur die Alimentation eines solchen Mandates würde das Lächeln bei der ehrenamtlichen Arbeit wesentlich verbreitern.
    Man kann es weder ihr noch der Partei vorwerfen. Wähler wählen nicht Frau Schumann wegen ihrer Leistungen sondern leider doch eher wegen der namentlichen Prominenz.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ja, ich möchte über neue Blog-Beiträge per E-Mail informiert werden.