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Nebenbei

  • Trumps Theater

    Über die Geduld der US-Medien kann man nur staunen. Immer wieder schicken sie Journalisten zu Pressekonferenzen, bei denen Präsident Trump und seine Mitarbeiter lügen, was das Zeug hält, die Journalisten beschimpfen und deren Arbeitgeber verleumden. Es drängt sich schon die Frage auf: Müssen die Beschimpften die Lügen und Tiraden über sich ergehen lassen und sie dann auch noch verbreiten? Diese Frage provoziert die nächste: Wäre es nicht an der Zeit, den Transport der alternativen Fakten ihren Urhebern zu überlassen? Trump und seine Mitarbeiter müssten dann ihre Fakenews ohne Hilfe der meisten Medien an die Bürger bringen. Es stehen dazu Twitter, regierungsnahe Medien und auch Presseerklärungen zur Verfügung. Die Berichterstattung der geschmähten Medien über die Regierungsarbeit muss unter diesem Schritt nicht leiden. Er würde es Trump aber erschweren, sich als Opfer der Medien darzustellen und mit diesem Manöver Desinformation zu betreiben, während die Medien so arbeiten könnten wie bisher. Noch schwerer hätte er es, wenn die in Washington tätigen Medien einen Verein zur Veranstaltung von Pressekonferenzen gründeten und nahe beim Weißen Haus Büros anmieteten. Dorthin könnte der Verein dann Persönlichkeiten einladen, die zu aktuellen Themen etwas mitzuteilen haben, auch zu jenen, über die Trump gar nicht oder falsch informiert. Und schließlich, um ihm Einhalt zu gebieten: Können Journalisten und Medienunternehmen, die Trump wahrheitswidrig bezichtigt zu lügen, den Präsidenten und die US-Regierung nicht wegen übler Nachrede , Verleumdung und gegebenenfalls auch wegen Geschäftsschädigung verklagen? – Selbst wenn es ginge, würde es wohl nicht dazu kommen. Schade eigentlich. – Ulrich Horn

Der DFB lässt den Fußball verrohen

Dienstag, 24. April 2012

Sport

(uh) Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) bringt nicht die Kraft auf, die Gewalt auf dem Plätzen, den Zuschauerrängen und um die Stadien herum wirkungsvoll zu bekämpfen. Er kann sich nicht entscheiden, ob er die Gewalttaten als Ausnahmen oder als Ausfluss zunehmender Gewalt in der Gesellschaft verstehen soll. Der neue DFB-Präsident Niersbach und Liga-Präsident Rauball zeigen sich über Gewalttaten geschockt, wirken dabei jedoch hilflos.

Das zeigte sich jüngst wieder nach dem Anschlag auf den Leverkusener Fußballspieler Kadlec. Kölner Fans hatten ihm vor einer Diskothek aufgelauert und die Nase eingeschlagen. Die Reaktion des DFB beschränkte sich auf starke Sprüche.

„Was soll ein Verein machen, wenn so etwas passiert? Er kann nichts dafür. Das sind Kriminelle, keine Fußballfans, und so müssen sie auch behandelt werden. Die müssen geächtet werden und müssen raus aus dem Stadion“, schwadronierte Niersbach bei Sky 90. Wie der DFB die Stadien gewaltfrei machen will, sagte er nicht. Es fehlen offensichtlich Konzepte.

Und wohl auch Einsicht und Bereitschaft, das Ausmaß der Gewalttätigkeiten zur Kenntnis zu nehmen. Liga-Präsident Rauball hat zwar entdeckt: „Die Gewalt ist allgemein an vielen Punkten gestiegen, der Respekt vor Anderen deutlich gesunken.“ Dann aber weicht er dem Problem wieder aus. Zunehmende Gewalt und mangelnder Respekt seien „Entwicklungen, die nicht ausschließlich mit dem Fußball zu tun haben. Der Fußball wird als Bühne benutzt, in vielen Fällen kann man nur noch reagieren“, sagt er dem Sport-Informations-Dienst (SID).

Da bleibt einem das Lachen im Halse stecken. Dass die DFB-Spitzen das Gewaltproblem umkurven, ist verständlich. Andernfalls müssten sie von ihrem Versagen reden. Viel zu lange haben sie die Gewalt mit unzureichenden Mitteln bekämpft. Das fängt schon auf dem Spielfeld an.

Es ist jedes Wochenende an der Tagesordnung, dass Spieler andere Spieler absichtlich verletzen, ohne dafür angemessen zur Verantwortung gezogen zu werden. Während die Opfer der Gewaltaktionen oft über Monate pausieren müssen, stehen die Täter nach ein, zwei oder drei Spieltagen Pause wieder auf dem Platz.

Rauball sieht den Fußball als Opfer gesellschaftlicher Fehlentwicklungen. Dass es der Fußball sein könnte, der zur Verrohung der Gesellschaft beiträgt, kommt ihm gar nicht in den Sinn. Für diese Verrohung tragen der DFB und die Liga die Mitverantwortung. Erst wenn sich der DFB dies eingesteht, besteht Aussicht, die Verrohung zu bekämpfen.

Es fängt schon bei Kleinigkeiten an. Dass Fußballspieler Arme und Hände einsetzen, um sich mit diesem Regelbruch Vorteile zu verschaffen, ist an der Tagesordnung. Millionen sehen das jeden Spieltag. Bei Eckstößen kommt es im Strafraum zu Ringkämpfen. Das hat mit dem Sinn des Fußballs nichts zu tun. Der DFB ahndet solche Verstöße kaum. Fußball sei halt ein Kampfsport, heißt es dann. Man dürfe nicht so zimperlich sein.

Inzwischen prügeln sich Spieler wie jüngst in München und auf Schalke. Die Vorfälle werden heruntergespielt. Die Autorität der Schiedsrichter wird von den Vereinen und den Sportjournalisten unterminiert. Der DFB nimmt diesen schleichenden Ansehensverlust der Schiedsrichter hin. Trainer lassen am Spielfeldrand alle Hemmungen fahren, eine Ermunterung für die Fans, ebenso zu verfahren. Der DFB duldet das.

Die Politik sieht dem Treiben zu, ohne den DFB unter Druck zu setzen, Verstöße rigoroser zu sanktionieren. Dabei lebt der Profi-Fußball zu einem guten Teil von den Fernsehgebühren und von Steuermitteln auch jener Menschen, die sich für Fußball gar nicht interessieren. Die Polizeieinsätze in den Stadien und um sie herum kosten viel Geld. Doch Mitglieder der Fan-Banden, die mit der Polizei aneinander gerieten, stehen am nächsten Wochenende erneut auf den Rängen. Niemand denkt daran, sie dauerhaft von Bundesligaspielen auszuschließen.

Auf den Rängen passiert viel Widerliches, das kaum bekannt wird. Beim Spiel Dortmund gegen Gladbach terrorisierten Dortmund-Fans vom Anpfiff an friedliche Zuschauer, beschimpfen sie und übergossen sie mit Bier. Schutz fanden die friedlichen Zuschauer nicht. Und so verließen sie schon nach ein paar Minuten das Stadion, weil sie um ihre Sicherheit fürchteten.

Den Fußball-Funktionären mit Niersbach und Rauball an der Spitze, aber auch den Sportjournalisten kann man nur empfehlen, endlich die geschützten Promi-Logen zu verlassen und sich unter die Fans auf den normalen Plätzen zu mischen. Dann werden sie sehr schnell hautnah erleben, wie es um die Gewalt in den Stadien wirklich bestellt ist.

 

 

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5 Kommentare zu “Der DFB lässt den Fußball verrohen”

  1. Sven_SGE sagt:

    Mit Verlaub, aber das ist der größte Blödsinn den ich in letzter Zeit gelesen habe ( und davon findet man in den öffentlichen Medien sehr viel ! ). Vielleicht beschränken Sie sich auf Dinge von denen Sie etwas verstehen.

    • Ulrich Horn sagt:

      Ihre Meinung ist jederzeit willkommen. Es wäre schön, wenn Sie als Fachmann Ihre Ansicht begründen könnten.

      • Sven_SGE sagt:

        Ob das Spiel unfairer geworden ist, weiß ich nicht. Sicher sind die im Raum stehenden Geldsummen gestiegen , hiermit wohl auch der Erfolgsdruck. Meine persönliche Meinung ist die gestiegene mediale Aufmerksamkeit, Anzahl der Kameras etc. denen kein Foul mehr entgeht. Mehr Fairness wäre sicher wünschenswert im Bezug auf Schwalben und versteckte Tätlichkeiten.

        Hier aber einen Bezug zum Verhalten der Fans knüpfen zu wollen ist absurd, wenn auch nicht neu. Was ist mit anderen, wesentlich härteren Sportarten ? Ihrer Theorie nach müßte es ja bei Sportarten wie Eishockey oder American Football regelmäßig Tote geben.

        Daß es beim Spiel Dortmund-Gladbach zu Ausschreitungen gekommen wäre ( den ein oder anderen übergeschütteten Bierbecher werden Sie bei 80t Besuchern nicht als solche zählen wollen ? ) ist mir ebenso neu. Der im Internet einsehbare Polizeibericht spricht von 21 Anzeigen und 8 Festnahmen und einem friedlichen Verlauf ( nochmal : es handelte sich um eine Großveranstaltung mit 80.000 Besuchern ! ). Zu guter Letzt ist hinzuzufügen, daß der DFB durchaus die Möglichkeit hat Stadionverbote für längere Zeiträume zu erteilen und davon auch reichlich Gebrauch macht, aus allerlei sinnigen und unsinnigen Gründen. Somit läuft auch die Behauptung, niemand denke daran diese Leute auszuschliessen, ins Leere.

        • Ulrich Horn sagt:

          Ich behaupte nicht, je härter die Sportart, desto brutaler die Fans. Ich meine, dass der Fußball weit stärker als alle anderen Sportarten die Spielregeln in der Gesellschaft mitprägt. Das geschieht deshalb, weil Fußball der einzige Kampfsport ist, der die Aufmerksamkeit großer Massen auf sich zieht. Er kommt dem Bedürfnis der Zuschauer entgegen, sich zu identifizieren und sich abzugrenzen. Und über Abgrenzung die eigene Identität zu erfahren. Daher kommt es zu diesen widerlichen Hassausbrüchen und Fan-Schlachten.

          Der Sinn des Spiels liegt darin, dass zwei Mannschaften nach Regeln, für deren Einhaltung ein Schiedsrichter sorgt, in aller Fairness um den Sieg kämpfen. Der Profi-Fußball hat sich von Fairness weit entfernt. Die Vereinsbosse liefern sich Psycho-Kriege. Die Profispiele bewegen sich permanent am Rande des Regelbruchs. Sie haben kaum noch etwas mit Sport und Sportsgeist zu tun.

          Auf dem Platz wird getäuscht, betrogen und Gewalt ausgeübt, um einen Vorteil zu gewinnen. Viele Spieler tun auf dem Platz ungestraft genau das, was gesellschaftlich verpönt ist und auch bestraft wird. Das teilt sich Woche für Woche Millionen Zuschauern auf den Rängen und vor den Fernsehern mit. Ein Spieler, der mit einer Schwalbe einen Elfmeter herausholt und den dann auch noch selbst verwandelt, wird nicht geächtet, sondern gefeiert. Und niemand nimmt daran Anstoß.

  2. Martin Böttger sagt:

    Die Phänomene sind durchaus richtig beobachtet. Meine These: es ist wie so oft das viele Geld. Die zahlenden TV-Sender und auch viele Stadionzuschauer wollen den Fußball als „Kampfsport“, das gehört also quasi zum Geschäftsmodell, auch dass es dabei Verletzte gibt. Es sind vermutlich dieselben Mehrheiten, die Fußball als Männersport gegen die aufstrebenden Frauen verteidigen wollen.
    Der Gewalt unter den Fans wird man nur Herr werden, wenn die vernünftigen Fans stärker unterstützt würden, sie wären die beste, effizienteste Ordnungskraft. Das kostet jedoch – vergleichsweise wenig – Geld, und gehört daher nicht zum Geschäftsmodell, oder nur bei sehr, sehr weitblickenden Vereinsführungen.

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