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Nebenbei

  • Es geht noch schlechter

    Um die Deutsche Bank und die Commerzbank steht es schlecht. Bundesfinanzminister Scholz (SPD) möchte ihren Verfall stoppen. Sie sollen sich zusammenschließen. Er hofft, vereint könnten sie eine stärkere Rolle spielen. Die Verhandlungen haben gerade begonnen. Sie werden beide Banken zunächst weiter schwächen. Um größeres Gewicht zu gewinnen, müssen sie Kosten senken. Sie gilt, Stellen zu streichen und Zweigstellen zu schließen. Beide Geldhäuser beschäftigen insgesamt gut 130.000 Menschen. Soll der Zusammenschluss den gewünschten Gewinn bringen, könnten 20.000 bis 50.000 Stellen wegfallen. Was werden die Mitarbeiter bei diesen Aussichten tun? Sie werden sich fragen, ob sie es sind, die demnächst auf der Strecke bleiben. Viele werden alles daransetzen, einen anderen Arbeitgeber zu finden. Sie werden sich umhören, Bewerbungen schreiben, sich auf Bewerbungsgespräche vorbereiten. Sie werden ihre finanziellen Verhältnisse straffen, um drohende Durststrecken zu überstehen. Sie werden sich zum Abwehrkampf gegen den Zusammenschluss formieren und an Protestaktionen teilnehmen. Bis die Vereinigung in trockenen Tüchern ist, falls es zu ihr kommt, wird einige Zeit ins Land gehen. Derweil werden sich die Beschäftigten mehr mit sich selbst als mit den Geschäften ihrer Bank befassen. Ist es abwegig abzunehmen, dass sich die schlechte Ertragslage der beiden Banken in nächster Zeit noch verschlechtern wird? – Ulrich Horn

DFB: Von Missständen überrollt

Donnerstag, 27. Oktober 2011

Sport

(uh) Zum Wesen von Missständen gehört ihr Beharrungsvermögen. Es bezieht seine Nachhaltigkeit aus der Trägheit des Betrachters. Tritt man dem Misstand nicht rasch entgegen, setzt er sich fest. Dann dauert es nicht lange, bis man sich an ihn gewöhnt hat und ihn als natürlichen Bestandteil der Wirklichkeit versteht. So ergeht es uns auch mit den Missständen, denen der Deutsche Fußball-Bund (DFB) gestattete, sich festzusetzen.


Wie wilde Tiere hinter Gittern

Bei welcher Sportart außer beim Fußball müssen die Fans der Gastmannschaft am Bahnhof von Hundertschaften der Polizei in Empfang genommen und bis in den Fan-Block eskortiert werden? Bei welcher Sportart außer beim Fußball zerstören die Fans die Einrichtung in Bussen und Bahnen? Bei welcher Sportart außer beim Fußball werden die Fans der Gastmannschaft im Stadion von den übrigen Zuschauern getrennt und wie wilde Tiere hinter Gitter weggesperrt, zu ihrem eigenen Schutz und dem der übrigen Zuschauer?

Bei welcher Sportart außer beim Fußball müssen so viele Polizisten und Ordner eingesetzt werden, um Gewalttäter in Schach zu halten und friedliche Zuschauer vor ihnen zu schützen? Bei welcher Sportart außer beim Fußball sind aus den Fankurven hasserfüllte Parolen und Gesänge zu hören? Bei welcher Sportart außer beim Fußball laufen so viele alkoholisierte Menschen durch die Gegend? Bei welcher Sportart außer beim Fußball spielt Alkohol eine so große Rolle?

Bei welcher Sportart außer beim Fußball setzt der Staat so viele Steuermittel ein, um den Spielbetrieb der Vereine überhaupt erst zu ermöglichen und sie von der Pflicht und Verantwortung zu entbinden, für Ordnung zu sorgen? Bei welcher Sportart außer beim Fußball schaffen der Staat mit Steuermitteln und die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten mit Gebühren die Voraussetzung dafür, dass die Vereine ihren Funktionären und Spielern so exorbitant hohe Gehälter zahlen können?

Von Schlägergrüppchen zu Prügeltruppen

Das alles gilt als normal. Die Missstände erregen keinen Anstoß mehr und lösen keinen Antrieb aus, sie zu beseitigen. Sie haben sich festgesetzt und ausgebreitet. Der DFB, die Medien und die Politik haben zugelassen, dass sie sich etablieren konnten, als Bestandteil der so genannten Fußball-Kultur.

Wen wundert es, dass sich die Missstände steigern? Dass zunehmend gedroht, geprügelt und geworfen wird? Sobald die Dämme gebrochen sind, gibt es kein Halten mehr. Aus kleinen Schlägergrüppchen sind gut vernetzte große Prügeltruppen geworden, die auch das Vereinsleben und sogar den Spielbetrieb beeinflussen. An manchen Stellen im weiten Reich des DFB ist er schon gar nicht mehr gewährleistet. Was da in den vergangenen Monaten so zusammen kam, findet sich – unsystematisch gesammelt und ohne Anspruch auf Vollständigkeit – hier und hier und hier und hier und hier und hier und hier und hier und hier und hier und hier und hier und hier.

Den Sittenverfall geduldet

Den betulichen Herren, die den Fußball organisieren und mit ihm viel Geld verdienen, drohen die Umstände, unter denen die Spiele stattfinden, zu entgleiten. Sie schaffen es kaum noch, dem Regelwerk für die Abläufe auf den Platz Geltung zu verschaffen. Die Erwartung, sie müssten in den Stadien jenseits der Toraus- und der Seitenlinien die Regeln des gesitteten Beisammenseins durchsetzen, scheint sie hoffnungslos zu überfordern.

Lautsprecher-Durchsagen reichen längst nicht mehr. Vergeblich wartet man darauf, dass Krawallspiele abgebrochen und die Schläger und die Krawallmacher sowie ihre Vereine umgehend und empfindlich bestraft werden. Den Herren des DFB fehlt der Druck der Öffentlichkeit und der Medien. Sie müssten ihnen Dampf machen. Stattdessen wird leider immer noch verharmlost und beschwichtigt.

Unübersehbar ist: Der Sittenverfall vor den Stadien und auf den Rängen wird seit langem geduldet. Er schreitet voran. Inzwischen stellen sich besorgte Eltern schon die Frage, ob ihre Kinder beim DFB gut aufgehoben sind.

 

 

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Ein Kommentar zu “DFB: Von Missständen überrollt”

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