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Nebenbei

  • Steinmeier und Yücel

    In der Türkei sitzen viele Dutzend Journalisten im Gefängnis. Unter ihnen befindet sich auch Deniz Yücel, Er ist türkischer und deutscher Staatsbürger. Bundespräsident Steinmeier hat seine erste Rede für einen Appell an den türkischen Präsidenten Erdogan genutzt. „Geben Sie Deniz Yücel frei!“ Eine selbstverständliche und dennoch bemerkenswerte Forderung. Die meisten Bundespräsidenten hielten sich aus der Tagespolitik heraus. Dass Steinmeier anders verfährt, hat ihn viel Lob eingebracht. Es hieß, er sei ein Präsident mit Biss, ein Mann, der klare Kante zeigt. Wem nutzt dieser Auftritt? Zunächst ihm selbst. Die positive Resonanz ermuntert ihn, dem eingeschlagenen Weg zu folgen. Risikolos ist er nicht. Er kann ihn über die Grenze hinausführen, von der an er zum Richter über die Politik der Regierung wird. Genützt hat Steinmeiers Auftritt auch jenen Bürgern, denen er aus dem Herzen sprach. Sie können sich verstanden fühlen. Nützt Steinmeiers Auftritt aber auch Yücel? Erdogan wird wohl den Teufel tun und ihn freilassen. Mit Steinmeiers Appell ist der Fall zur Prestigefrage geworden. Gäbe Erdogan nach, würde er in den Augen seiner Anhänger Schwäche zeigen. Er hätte sich deutschem Druck gebeugt und eingestanden, dass Yücel unrechtmäßig festgehalten wurde. Erdogan verlöre sein Gesicht. Je heftiger er öffentlich bedrängt wird, desto länger wird er Yücel festhalten. Der Journalist wird vermutlich erst freikommen, wenn gewährleistet ist, dass Erdogan sein Gesicht behält. Für Yücel aussichtsreicher wäre es wohl, statt mit öffentlichen Appellen auf diplomatischem Wege Druck auszuüben. Erdogan wird das Gefängnistor erst öffnen, wenn es für ihn teurer wird, Yücel gefangen zu halten als ihn freizulassen. – Ulrich Horn

DFB: Von Missständen überrollt

Donnerstag, 27. Oktober 2011

Sport

(uh) Zum Wesen von Missständen gehört ihr Beharrungsvermögen. Es bezieht seine Nachhaltigkeit aus der Trägheit des Betrachters. Tritt man dem Misstand nicht rasch entgegen, setzt er sich fest. Dann dauert es nicht lange, bis man sich an ihn gewöhnt hat und ihn als natürlichen Bestandteil der Wirklichkeit versteht. So ergeht es uns auch mit den Missständen, denen der Deutsche Fußball-Bund (DFB) gestattete, sich festzusetzen.


Wie wilde Tiere hinter Gittern

Bei welcher Sportart außer beim Fußball müssen die Fans der Gastmannschaft am Bahnhof von Hundertschaften der Polizei in Empfang genommen und bis in den Fan-Block eskortiert werden? Bei welcher Sportart außer beim Fußball zerstören die Fans die Einrichtung in Bussen und Bahnen? Bei welcher Sportart außer beim Fußball werden die Fans der Gastmannschaft im Stadion von den übrigen Zuschauern getrennt und wie wilde Tiere hinter Gitter weggesperrt, zu ihrem eigenen Schutz und dem der übrigen Zuschauer?

Bei welcher Sportart außer beim Fußball müssen so viele Polizisten und Ordner eingesetzt werden, um Gewalttäter in Schach zu halten und friedliche Zuschauer vor ihnen zu schützen? Bei welcher Sportart außer beim Fußball sind aus den Fankurven hasserfüllte Parolen und Gesänge zu hören? Bei welcher Sportart außer beim Fußball laufen so viele alkoholisierte Menschen durch die Gegend? Bei welcher Sportart außer beim Fußball spielt Alkohol eine so große Rolle?

Bei welcher Sportart außer beim Fußball setzt der Staat so viele Steuermittel ein, um den Spielbetrieb der Vereine überhaupt erst zu ermöglichen und sie von der Pflicht und Verantwortung zu entbinden, für Ordnung zu sorgen? Bei welcher Sportart außer beim Fußball schaffen der Staat mit Steuermitteln und die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten mit Gebühren die Voraussetzung dafür, dass die Vereine ihren Funktionären und Spielern so exorbitant hohe Gehälter zahlen können?

Von Schlägergrüppchen zu Prügeltruppen

Das alles gilt als normal. Die Missstände erregen keinen Anstoß mehr und lösen keinen Antrieb aus, sie zu beseitigen. Sie haben sich festgesetzt und ausgebreitet. Der DFB, die Medien und die Politik haben zugelassen, dass sie sich etablieren konnten, als Bestandteil der so genannten Fußball-Kultur.

Wen wundert es, dass sich die Missstände steigern? Dass zunehmend gedroht, geprügelt und geworfen wird? Sobald die Dämme gebrochen sind, gibt es kein Halten mehr. Aus kleinen Schlägergrüppchen sind gut vernetzte große Prügeltruppen geworden, die auch das Vereinsleben und sogar den Spielbetrieb beeinflussen. An manchen Stellen im weiten Reich des DFB ist er schon gar nicht mehr gewährleistet. Was da in den vergangenen Monaten so zusammen kam, findet sich – unsystematisch gesammelt und ohne Anspruch auf Vollständigkeit – hier und hier und hier und hier und hier und hier und hier und hier und hier und hier und hier und hier und hier.

Den Sittenverfall geduldet

Den betulichen Herren, die den Fußball organisieren und mit ihm viel Geld verdienen, drohen die Umstände, unter denen die Spiele stattfinden, zu entgleiten. Sie schaffen es kaum noch, dem Regelwerk für die Abläufe auf den Platz Geltung zu verschaffen. Die Erwartung, sie müssten in den Stadien jenseits der Toraus- und der Seitenlinien die Regeln des gesitteten Beisammenseins durchsetzen, scheint sie hoffnungslos zu überfordern.

Lautsprecher-Durchsagen reichen längst nicht mehr. Vergeblich wartet man darauf, dass Krawallspiele abgebrochen und die Schläger und die Krawallmacher sowie ihre Vereine umgehend und empfindlich bestraft werden. Den Herren des DFB fehlt der Druck der Öffentlichkeit und der Medien. Sie müssten ihnen Dampf machen. Stattdessen wird leider immer noch verharmlost und beschwichtigt.

Unübersehbar ist: Der Sittenverfall vor den Stadien und auf den Rängen wird seit langem geduldet. Er schreitet voran. Inzwischen stellen sich besorgte Eltern schon die Frage, ob ihre Kinder beim DFB gut aufgehoben sind.

 

 

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Ein Kommentar zu “DFB: Von Missständen überrollt”

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