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Nebenbei

  • Rückfahrkarte für Laschet

    Reden ist Silber. Schweigen ist Gold. NRW-Innenminister Reul weiß das. Er ist ein erfahrener Politiker. Dennoch hält er es für erforderlich, Laschet öffentlich das Amt des Ministerpräsidenten warm zu halten, falls der Kanzlerkandidat bei der Bundestagswahl scheitern sollte. Die Arbeitsplatzgarantie mag Laschet gefallen. Weil sie mit seinem Scheitern verbunden ist, hilft sie der CDU aber kaum. Eine Kandidatur mit Rückversicherung verstärkt die Zweifel am Kandidaten und erhöht dessen Aussicht zu scheitern. Die NRW-Geschichte bietet etliche Beispiele. Der ehemalige CDU-Landeschef Röttgen wollte 2012 Ministerpräsident werden, bei einer Niederlage aber Umweltminister in Berlin bleiben. Die Wähler sorgten dafür, dass er blieb, was er war. Unter dem Schaden, den er anrichtete, leidet die NRW-CDU noch heute. SPD-Ministerpräsident Rau scheiterte 1987 als Kanzlerkandidat und 1994 bei der Wahl des Bundespräsidenten. Nach jeder Niederlage blieb er Ministerpräsident. Taugt Rau als Vorbild für Laschet? Eher nicht. Auch Rau setzte nicht alles auf eine Karte und verlor. Nach jeder seiner Niederlagen wurde die NRW-SPD schwächer. – Reul hat sich mit der Rückfahrkarte für Laschet zum Königsmacher gemacht. Sie ist ein Signal an Verkehrsminister Wüst, seine Ambitionen auf Laschets Nachfolge zu zügeln. Auch der NRW-CDU verheißt Reuls Personalpolitik wenig Gutes. Der Wille der aktuellen Führungskräfte, die NRW-CDU zu verjüngen, hält sich offenbar in Grenzen. Rau konnte sich nach seinen Niederlagen im Amt behaupten, weil er über eine stramme absolute Mehrheit verfügte. Laschet regiert in einer Koalition mit der dünnen Mehrheit von nur einer Stimme. Ob er sie als gescheiterter Kanzlerkandidat bei der NRW-Wahl 2022 behaupten kann, ist fraglich. Wie sich Laschet auf eine Niederlage bei der Bundestagswahl einstellt, tut die NRW-CDU gut daran, sich auf eine Niederlage bei der Landtagswahl einzustellen. Gut möglich, dass sich der Landesverband in der Opposition verjüngen muss. – Ulrich Horn

Merkel kann dem Papst danken

Montag, 26. September 2011

Politik

(uh) Der Papst hinterlässt nach seinem Besuch Ratlosigkeit und Enttäuschung. Viele Katholiken und Protestanten müssen sich eingestehen, dass sie ihren Wünschen und Sehnsüchten aufgesessen sind. Man kann sich nur darüber wundern, dass sie sich Illusionen machten.

Josef Ratzinger prägt seit mindestens 30 Jahren die katholische Kirche. Nie gab er zu erkennen, er könnte seine Überzeugungen ändern. Bei seinem Besuch hat er sie bekräftigt. Dabei wurde deutlich, wie groß die Kluft zwischen seinen Ansprüchen und der Lebenswirklichkeit der Kirchenmitglieder ist. Dass sich der Graben in den vergangenen Jahren verbreitert und vertieft hat, ist auch dem Wirken Ratzingers zuzuschreiben. Die Krise der Kirche hat auch er zu verantworten.

Die Krise und ihre zahlreichen Facetten scheinen ihn kaum zu interessieren. Was viele Gläubige bewegt und beschwert, spricht er nicht an. Über die Skandale und die Verbrechen des Klerus verliert er kaum ein Wort. Stattdessen fordert er Gefolgschaft und eine Gläubigkeit ein, die an Fundamentalismus erinnert. Und abschreckt.

Auch die Protestanten fühlen sich zurückgewiesen. Man fragt sich, was sie bewegt, den Segen des Papstes zu suchen. Mit der kirchlichen Strömung, die Josef Ratzinger repräsentiert, wird es keine Kompromisse geben. Und eine Annäherung oder gar Vereinigung nur zu seinen Bedingungen. Das können die Protestanten nicht wollen.

Leichter als seine geistlichen Botschaften wurde seine politischen nachvollzogen. Sie könnten sich in absehbarer Zeit im politischen Alltag niederschlagen. Er pries die Umweltbewegung. Er mahnte, die Schöpfung zu achten. Und er sprach lange mit dem grünen Ministerpräsidenten Kretschmann. Mit diesen Signalen wertete er die Grünen auf. Seine Mahnungen richteten sich aber auch an die Wirtschaft und an den Teil der CDU, der die Ökologie für ein Übel hält und die Grünen für dessen Verkörperung.

Mit dem Lob der Umweltschutz-Bewegung hilft der Papst, Barrieren beiseite zu räumen, die schwarz-grünen Koalitionen immer noch im Wege stehen. Dem konservativen Flügel der CDU dürfte es künftig schwerer fallen, Bündnisse mit den Grünen zu verteufeln. Nach der Rede des Papstes im Bundestag könnte es der CDU leichter fallen, sich eine neue Machtoption zu eröffnen. Die CDU-Chefin, Bundeskanzlerin Merkel, kann sich dafür beim Papst bedanken.

 

 

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