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Nebenbei

  • Steinmeier und Yücel

    In der Türkei sitzen viele Dutzend Journalisten im Gefängnis. Unter ihnen befindet sich auch Deniz Yücel, Er ist türkischer und deutscher Staatsbürger. Bundespräsident Steinmeier hat seine erste Rede für einen Appell an den türkischen Präsidenten Erdogan genutzt. „Geben Sie Deniz Yücel frei!“ Eine selbstverständliche und dennoch bemerkenswerte Forderung. Die meisten Bundespräsidenten hielten sich aus der Tagespolitik heraus. Dass Steinmeier anders verfährt, hat ihn viel Lob eingebracht. Es hieß, er sei ein Präsident mit Biss, ein Mann, der klare Kante zeigt. Wem nutzt dieser Auftritt? Zunächst ihm selbst. Die positive Resonanz ermuntert ihn, dem eingeschlagenen Weg zu folgen. Risikolos ist er nicht. Er kann ihn über die Grenze hinausführen, von der an er zum Richter über die Politik der Regierung wird. Genützt hat Steinmeiers Auftritt auch jenen Bürgern, denen er aus dem Herzen sprach. Sie können sich verstanden fühlen. Nützt Steinmeiers Auftritt aber auch Yücel? Erdogan wird wohl den Teufel tun und ihn freilassen. Mit Steinmeiers Appell ist der Fall zur Prestigefrage geworden. Gäbe Erdogan nach, würde er in den Augen seiner Anhänger Schwäche zeigen. Er hätte sich deutschem Druck gebeugt und eingestanden, dass Yücel unrechtmäßig festgehalten wurde. Erdogan verlöre sein Gesicht. Je heftiger er öffentlich bedrängt wird, desto länger wird er Yücel festhalten. Der Journalist wird vermutlich erst freikommen, wenn gewährleistet ist, dass Erdogan sein Gesicht behält. Für Yücel aussichtsreicher wäre es wohl, statt mit öffentlichen Appellen auf diplomatischem Wege Druck auszuüben. Erdogan wird das Gefängnistor erst öffnen, wenn es für ihn teurer wird, Yücel gefangen zu halten als ihn freizulassen. – Ulrich Horn

FC Pepita 04

Montag, 14. März 2011

Sport

(uh) Das Ruhrgebiet ist die Fußball-Hochburg Deutschlands. Und Bayern München ist der erfolgreichste deutsche Fußball-Club. Dass die Revier-Vereine lange nicht daran gingen, den Münchenern die Vorherrschaft streitig zu machen, hat mich stets gewurmt. Als Schalke Felix Magath verpflichtete, dachte ich: Jetzt macht Königsblau Ernst. Fast hätte ich wirklich daran geglaubt.

Kein Kleingartenverein


Magaths Verpflichtung erweckte den Eindruck, als sei die Schalker Führung entschlossen, von Bayern zu lernen. Worauf beruht deren Erfolg? Der Verein wird leistungsorientiert geführt. Die Fans haben begriffen, dass der Club auch ein Wirtschaftsunternehmen ist, in dem andere Regeln gelten als im Kleingartenverein oder im Kegelclub.

Zwar muss sich auch die Bayern-Spitze von den Fans Fehler ankreiden lassen. Es finden sich aber wohl nicht viele, die Hoeneß und Rummenigge Sachverstand absprechen. Und wenn die Fans mal emotional Achterbahn fahren, stellt sich die Vereinsführung sogar gegen sie. Warum sollte das alles nicht auch auf Schalke möglich sein?

Verkörperung des Zweitbesten


Es ist es nicht. Auf Schalke ist alles anders. Da begnügen sich die Fans damit, vom Erfolg zu träumen – seit mehr als 50 Jahren von der Meisterschaft. Sieger sein, das ist das eine. Aber man will sich ja auch heimelig fühlen. Familie sein. Und man kann sich auch im gemeinsamen Frust wohl fühlen, wenn es wieder nicht geklappt hat. Trostformeln und Ersatz-Titel, für die es nichts zu kaufen gibt, sind längst gefunden. Man nennt sich „Meister der Herzen“. Und ignoriert, dass damit nur verspottet wird, wer den Gipfel nicht erreicht.

Schalke ist so oft gescheitert, dass der Verein zur Verkörperung des Zweitbesten wurde: Vize-Meister, Vize-Pokalsieger. Im Ernstfall klappt es halt nie so ganz. Die Fans haben sich so sehr daran gewöhnt, dass der Fast-Erfolg zum Selbstverständnis des Vereins wurde. Das hält dauerhaft nur aus, wer Masochist ist. Und sentimental. Davon gibt es viele im Herzen des Ruhrgebiets.

Der Schalke-Fan spricht gerne von der „Seele des Vereins“. Damit meint er sich selbst. Er wünscht sich, dass der Trainer auch für ihn da ist, ihn in den Arm nimmt und herzt. So ist Schalke. Bloß nicht zu viel Strukturwandel. Da deckt sich die Mentalität des Vereins mit der seiner Region. Irgendwie sympathisch. Aber kleines Karo. Der FC Pepita 04.

Führungsversagen


Die Vereinsspitze passt in dieses Bild. Sie hat es nie geschafft, für den Club ein Leitbild zu entwickeln, das sich an Leistungskriterien orientiert und frei von uralten Klischees zeitgemäßen internationalen Standards genügt. Auch solides Wirtschaften verbindet man nicht unbedingt mit Schalkes Führungsriege.

Der Fall Magath offenbart obendrein große Schwächen bei der Personalauswahl. Ehe Magath kam, galt Schalke als verlottert. Der Verein stand vor der Pleite. Die Mannschaft war erfolglos. Die Berufsauffassung mancher Spieler ließ zu wünschen übrig. Der Trainer war überfordert. Verantwortlich dafür war der Aufsichtsrat um Clemens Tönnies. Er hatte es so weit kommen lassen.

Mangel an Professionalität


Mit Magaths Engagement erweckte die Vereinsführung den Eindruck, als wolle sie endlich Zug in die Bude bringen. Wie Magath zu Werke geht, ist in der Branche kein Geheimnis. Niemand im Aufsichtsrat soll behaupten, er hätte sich über den Mann Illusionen gemacht. Wer das von sich gibt, ist fehl am Platz und sollte seinen Hut nehmen.

Magath als Fehlbesetzung zu bezeichnen, bedeutet, dem Aufsichtsrat Unfähigkeit zu bescheinigen. Dieser Verdacht erhärtet sich, wenn man beobachtet, wie Tönnies mit seinem früheren Favoriten Magath heute umgeht. Das zeugt nicht von Kompetenz und Professionalität.

Das positive Gegenstück


Was diese Eigenschaften bewirken, wenn sie sich mit Geduld und Kontinuität verbinden, könnten die Schalker studieren, wenn sie es über sich bringen, zum Erzrivalen nach Dortmund zu schauen. Die Borussia gibt zurzeit das positive Gegenstück zu Schalke. Sie ist dabei, München Paroli zu bieten.

Dass Schalke etwas davon lernt, muss niemand befürchten. Schalke schaut nicht nach Dortmund. Niemals.

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