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Nebenbei

  • Steinmeier und Yücel

    In der Türkei sitzen viele Dutzend Journalisten im Gefängnis. Unter ihnen befindet sich auch Deniz Yücel, Er ist türkischer und deutscher Staatsbürger. Bundespräsident Steinmeier hat seine erste Rede für einen Appell an den türkischen Präsidenten Erdogan genutzt. „Geben Sie Deniz Yücel frei!“ Eine selbstverständliche und dennoch bemerkenswerte Forderung. Die meisten Bundespräsidenten hielten sich aus der Tagespolitik heraus. Dass Steinmeier anders verfährt, hat ihn viel Lob eingebracht. Es hieß, er sei ein Präsident mit Biss, ein Mann, der klare Kante zeigt. Wem nutzt dieser Auftritt? Zunächst ihm selbst. Die positive Resonanz ermuntert ihn, dem eingeschlagenen Weg zu folgen. Risikolos ist er nicht. Er kann ihn über die Grenze hinausführen, von der an er zum Richter über die Politik der Regierung wird. Genützt hat Steinmeiers Auftritt auch jenen Bürgern, denen er aus dem Herzen sprach. Sie können sich verstanden fühlen. Nützt Steinmeiers Auftritt aber auch Yücel? Erdogan wird wohl den Teufel tun und ihn freilassen. Mit Steinmeiers Appell ist der Fall zur Prestigefrage geworden. Gäbe Erdogan nach, würde er in den Augen seiner Anhänger Schwäche zeigen. Er hätte sich deutschem Druck gebeugt und eingestanden, dass Yücel unrechtmäßig festgehalten wurde. Erdogan verlöre sein Gesicht. Je heftiger er öffentlich bedrängt wird, desto länger wird er Yücel festhalten. Der Journalist wird vermutlich erst freikommen, wenn gewährleistet ist, dass Erdogan sein Gesicht behält. Für Yücel aussichtsreicher wäre es wohl, statt mit öffentlichen Appellen auf diplomatischem Wege Druck auszuüben. Erdogan wird das Gefängnistor erst öffnen, wenn es für ihn teurer wird, Yücel gefangen zu halten als ihn freizulassen. – Ulrich Horn

Hoeneß, Blatter, Hoyzer

Der saubere deutsche Fußball

Montag, 13. Mai 2013

Politik, Sport

(uh) Der deutsche Fußball steht vor einem Triumph. Mit Borussia Dortmund und Bayern München bestreiten erstmals zwei deutsche Mannschaften das Endspiel der Champions League. Unbeschwert genießen lässt es sich kaum. Es wird vom Hoeneß-Skandal überschattet. Er nährt den Verdacht, dass der deutsche Fußball keineswegs so sauber dasteht, wie er glauben machen will.

Ein Fußball- und Wirtschaftsskandal

Die Chance, den Steuerbetrug des FCB-Präsidenten Hoeneß aus dem Fußballbetrieb herauszuhalten, verspielten die Bayern-Aufsichtsräte, unter denen sich Spitzenmanager prominenter Aktienunternehmen befinden. Sie hielten an FCB-Aufsichtsratschef Hoeneß fest. Er hätte schon im Januar seinen Aufseher-Posten aufgeben müssen, beim Geständnis seiner Straftat. Er tat es nicht. Er brach nicht nur das Gesetz. Er verstößt auch gegen die Regeln verantwortungsvoller Unternehmensführung und -kontrolle.

Dass der FCB-Aufsichtsrat nicht sofort zusammentrat, als der Betrug des Chefaufsehers bekannt wurde, macht aus dem Hoeneß-Skandal einen Skandal des deutschen Fußballs. Die Aufseher machten sich mit dem Straftäter gemein. Dass sie ihn im Amt hielten, verstößt ebenfalls gegen die Corporate Governance-Regeln. Dieses Fehlverhalten schlägt besonders bei jenen Aufsehern zu Buche, die Unternehmen leiten und ihrerseits an die Corporate Governance-Regeln gebunden sind. Das Versagen dieser Manager macht aus dem Hoeneß-Skandal auch einen Skandal der Wirtschaft.

Unter Korruptionsverdacht

Der Aufsichtsrat verhielt sich wie eine Runde von Kumpanen, wie Amigos, die gemeinsame Leichen im Keller haben, sich schützen und sich in Schach halten, aus Angst, Hoeneß könnte auspacken, wenn sie ihn fallen ließen. Manche seiner Äußerungen lesen sich wie Drohungen, etwa wenn er feststellt, er werde sich auf keinen Fall gesellschaftlich ächten lassen.

Dass ausgerechnet er befürchtet, ins Abseits zu geraten, ist schon deshalb spannend, weil gewöhnlich er es ist, der andere ins Abseits stellt. Den letzten Versuch startete er Anfang 2012, als er FIFA-Präsident Blatter heftig attackierte und voraussagte, er werde am Jahresende nicht mehr im Amt sein. Der Schweizer steht seit Jahren unter Korruptionsverdacht.

Blatter wehrte sich. Im Jahr 2000 sei es bei der Vergabe der WM 2006 an Deutschland nicht mit rechten Dingen zugegangen, stellte der FIFA-Chef fest. Die Abstimmung gewann Deutschland mit dem Vorsprung von einer Stimme, weil der Vertreter Ozeaniens, der von seinem Verband beauftragt war, gegen Deutschland zu stimmen, nicht an der Abstimmung teilnahm.

Beckenbauer spring Blatter zur Seite

Bei einem Patt hätte Blatters Stimme den Ausschlag gegeben. Er hatte sich auf Südafrika festgelegt. Die WM 2006 wäre an Deutschland vorbei gegangen. Seit Blatter sich quer legte, wird er von deutschen Fußball-Funktionären kritisiert, besonders heftig aus München.

Der Vorwurf, Deutschland habe die WM mit unlauteren Mitteln erreicht, bewegte die Medien nur kurz. Franz Beckenbauer, von dem behauptet wird, er habe die WM nach Deutschland geholt, redete Blatters Vorwurf klein. Und als Hoeneß kürzlich Blatter erneut attackierte, sprang Beckenbauer dem FIFA-Boss demonstrativ zur Seite und bescheinigte Hoeneß mangelnde Sachkenntnis in FIFA-Fragen. Warum er das Tat, erklärte Beckenbauer nicht.

Anders als von Hoeneß 2012 vorausgesagt, stürzte nicht der Schweizer Blatter, der die in der Schweiz ansässige FIFA leitet. Stattdessen geriet Hoeneß über seinen in der Schweiz verübten Steuerbetrug ins Wanken. Journalisten erhielten offensichtlich einen Tipp und recherchierten in der Schweiz. Ob ein Schweizer Insider den Tipp gab, ist nicht bekannt. Die Recherchen schreckten Hoeneß offenbar auf und veranlassten ihn, sich anzuzeigen.

Wett-Experte im Bayern-Vorstand

Kurz vor seinem Geständnis hatte der „Stern“ über ein anderes Schweizer Konto geschrieben, auf dem ein hoher dreistelliger Millionenbetrag liege, der mit einem prominenten deutschen Fußball-Funktionär verbunden sei. Details über ihn wurden nicht bekannt. Andere Journalisten spielten die Geschichte herunter und erwecken den Eindruck, an ihr sei nichts dran. Offen bleibt, wer ihnen die Gewissheit vermittelte. Und ob sie dazu dient, von der Fährte zum großen Geld abzulenken.

Ähnlich klang es früher, wenn vermutet wurde, Spieler und Schiedsrichter würden Spiele verschieben, um große Wettgewinne zu ermöglichen. Da ist nichts dran, hieß es stets. Bis eines Tages der Schiedsrichter Hoyzer aufkippte und mafiöse Wettstrukturen offenbarte.

Dass sich Bayern-Präsident Hoeneß als Zocker stilisiert, der sich über seine Sucht verzehrte und vergaß, Steuern zu zahlen, ist aus vielen Gründen apart. Am Tag, an dem der Bayern-Aufsichtsrat Hoeneß im Amt hielt, berief das Aufsichtsgremium des deutschen Meisters einen Wett-Experten für den Bereich Internationalisierung und Strategie in den FCB-Vorstand. Offenbar sehen die Bayern-Gremien Bedarf, den Verein und seine Führungsgremien beim Thema Zocken zu professionalisieren.


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