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Nebenbei

  • Trumps Theater

    Über die Geduld der US-Medien kann man nur staunen. Immer wieder schicken sie Journalisten zu Pressekonferenzen, bei denen Präsident Trump und seine Mitarbeiter lügen, was das Zeug hält, die Journalisten beschimpfen und deren Arbeitgeber verleumden. Es drängt sich schon die Frage auf: Müssen die Beschimpften die Lügen und Tiraden über sich ergehen lassen und sie dann auch noch verbreiten? Diese Frage provoziert die nächste: Wäre es nicht an der Zeit, den Transport der alternativen Fakten ihren Urhebern zu überlassen? Trump und seine Mitarbeiter müssten dann ihre Fakenews ohne Hilfe der meisten Medien an die Bürger bringen. Es stehen dazu Twitter, regierungsnahe Medien und auch Presseerklärungen zur Verfügung. Die Berichterstattung der geschmähten Medien über die Regierungsarbeit muss unter diesem Schritt nicht leiden. Er würde es Trump aber erschweren, sich als Opfer der Medien darzustellen und mit diesem Manöver Desinformation zu betreiben, während die Medien so arbeiten könnten wie bisher. Noch schwerer hätte er es, wenn die in Washington tätigen Medien einen Verein zur Veranstaltung von Pressekonferenzen gründeten und nahe beim Weißen Haus Büros anmieteten. Dorthin könnte der Verein dann Persönlichkeiten einladen, die zu aktuellen Themen etwas mitzuteilen haben, auch zu jenen, über die Trump gar nicht oder falsch informiert. Und schließlich, um ihm Einhalt zu gebieten: Können Journalisten und Medienunternehmen, die Trump wahrheitswidrig bezichtigt zu lügen, den Präsidenten und die US-Regierung nicht wegen übler Nachrede , Verleumdung und gegebenenfalls auch wegen Geschäftsschädigung verklagen? – Selbst wenn es ginge, würde es wohl nicht dazu kommen. Schade eigentlich. – Ulrich Horn

Aufgelesen … Nr. 73 – 2012

Montag, 17. Dezember 2012

Blog-Tipps

An dieser Stelle finden Sie eine Auswahl interessanter Beiträge aus Blogs. Die Aussagen der Autoren geben nicht in jedem Fall meine Meinung wieder. (uh)

1. Medien

a. (…) – das letzte große Abenteuer des Journalismus
Der Live-Ticker widerspricht allem, was man vom Leben und vom Schreiben weiss. Er ist die radikalste Form von Aktualität. Eingeführt wurde er im Online-Journalismus, um dessen Schnelligkeit optimal zu vermarkten: auf der Jagd nach Klicks im Minutentakt. Wirklich zwingend sind die Themen dafür selten. Getickert wird über Ereignisse wie Katastrophen, Wahlen, Sport. Die meist auch parallel im Fernsehen laufen. Und über Rituale wie Pressekonferenzen oder Gerichtsprozesse. Bei denen die Welt auch warten könnte. Ein vernünftiger Live-Ticker ist fast unmöglich zu schreiben. Denn sein Konzept ist die komplette Überforderung. Des Autors. Des Schreibens. Und der Wirklichkeit.
Aus: Deadline

b. Echtzeit-Journalismus als Geschäftsmodell
Kai Diekmann hat gestern in einem Tweet auf diesen Artikel verwiesen. Es geht um die Veränderungen im Journalismus, die durch die sozialen Netzwerke ausgelöst werden. An dem Schulmassaker in Newtown konnte man sehen, wie soziale Netzwerke Verstärkungseffekte auslösen, die den klassischen Journalismus in das Desaster der Echtzeit-Berichterstattung treiben. Das gilt nicht für die USA. So hatten sowohl Spiegel-Online als auch die Süddeutsche Live-Ticker installiert, um über neue Erkenntnisse zu berichten. Unter dem Zeitdruck des Echtzeit-Journalismus war eine Überprüfung der Fakten allerdings unmöglich. So wurden in Echtzeit zumeist lediglich Gerüchte und Falschmeldungen transportiert.
Aus: Wiesaussieht

c. ARD-Preseclub: Weg von der Wirklichkeit!

„25 Jahre Presseclub“: Was eine Jubiläumssendung werden sollte, geriet zum Trauerspiel. „Nah an der Politik, weg von der Wirklichkeit? Politischer Journalismus auf dem Prüfstand“ so lautete das Thema der Presseclub-Sondersendung. Für das Fragezeichen im Titel der Sendung hätte man allerdings besser ein Ausrufezeichen gesetzt: Weit weg von der Wirklichkeit! Inhaltsloses Palaver über Politik! Statt Prüfstand für den politischen Journalismus, nur Selbstlob und Filibustern über die Rolle des Journalismus. Das gestrige Jubiläum war das glatte Gegenteil einer Jubelfeier – es war der absolute Tiefpunkt des Presseclubs.
Aus: NachDenkSeiten

d. Die gläserne Redaktion

Eine Vielzahl von Gründen veranlasst Redaktionen dazu, in ihrer täglichen Arbeit auf den Kontakt zum Nutzer zu setzen – in beide Richtungen: Sie stellen Zusatzinformationen oder Rohmaterial online und holen vor, während und nach einer Recherche Feedback ein. Die aktiven Leser danken ihnen die Offenheit und ergänzen die journalistische Kompetenz um neue Perspektiven. Am gewagtesten beackert dieses Feld wohl der britische „Guardian“, der seit 2011 täglich seine Themenplanung veröffentlicht, um etwas von der gerne so genannten Weisheit der Masse abzugreifen. Leser können große Teile der wertvollen „Newslist“ einsehen und Hinweise geben, Fragen stellen, helfen, eine Geschichte weiterzudrehen. Für den „Guardian“ liegt in dieser Transparenz die Zukunft des Journalismus.
Aus: Vocer

2. Wirtschaft und Politik

Wie die Deutsche Bank Anstand vorlebt
Es gibt Unternehmen, die beschäftigen ehemalige Hacker als Sicherheitsbeauftragte für ihre Computersysteme, weil die am besten wissen, wie man ihre Firewalls knackt. Folgt man dieser Logik und der Logik von Roland Berger, der “Berater-Legende” (Bild am Sonntag), dann ist Anshu Jain genau der richtige Chef der Deutschen Bank. Denn, so Berger , “er weiß aus eigenem Erleben, was wo und warum schief gelaufen ist”. Eine wunderbare Umschreibung dafür, dass Jain und seine Leute für fast alle üblen Geschäfte und Skandale verantwortlich sind, die heute die Deutsche Bank belasten.
Aus: Sprengsatz

3. Gesellschaft

a. Ist die Provinz der Ursprung des (…) Bösen?
Richard Florida hat für The Atlantic die Orte überprüft, an denen die Massenmorde oder Amokläufe, in den USA „school shootings“ genannt, stattgefunden haben. Mehr als zwei Drittel aus einer von Mother Jones zusammengestellten Liste und 80 Prozent von einer Liste der schlimmsten Amokläufe fanden in kleinen Städten, Vororten oder ländlichen Gebieten statt: „Die große Mehrheit der Massentötungen und besonders der Massaker an Schulen haben sich nicht in den Zentren der großen Städte, sondern in den kleinen Städten und Dörfern unserer suburbanen und ländlichen Gebiete ereignet“, so Florida.
Aus: Telepolis

b. „Nur Obdach kann es nicht sein“

Die Glanzzeiten der 62.000-Einwohner-Stadt Herten als einst größte Bergbaustadt Europas sind vorbei. Der Wohlstand hat sich aus dem nördlichen Ruhrgebiet verabschiedet. Wer hierher als Flüchtling aus einem der weltweiten Krisengebiete kommt, hat nicht selten Krieg gegen Armut getauscht. Denn die Finanzknappheit in Herten hat auch Auswirkungen auf die Flüchtlinge, die im Übergangsheim und in den vier Notunterkünften auf die Bearbeitung ihres Asylantrages warten müssen. Beengte Unterkünfte, fehlende Privatsphäre und mangelhafte Ausstattung führen zu schwierigen Lebenssituationen der Asylbewerber, die aufgrund ihrer Lebensgeschichte nicht selten mit großen psychischen Schwierigkeiten zu kämpfen haben.
Aus: Fluter

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