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Nebenbei

  • Sissy, Soraya, Frauke

    Die AfD kann mit der Resonanz ihres Kölner Parteitags zufrieden sein. Die Partei ist zerstritten. Ihre Umfragewerte sind gesunken. Dennoch beherrscht sie die Schlagzeilen. Ihre Gegner, die in Köln aufmarschierten, und die Medien, die seit Wochen über jede Regung der kleinen Partei berichten, verschafften ihr wieder einmal unverhältnismäßig starke Beachtung. Großes Verdienst daran hat auch Frauke Petry. Sie betätigt sich in der AfD seit Wochen als Spaltpilz und scheint darüber an Einfluss zu verlieren. Bisher ließen sich die Medien von der AfD mit Beschimpfungen und Tabubrüchen zu üppiger Berichterstattung provozieren. Nun aber beginnen Journalisten, bei der AfD das Feld der Politik mit dem des Glamours zu verbinden, auf dem sich üblicherweise die Stars, die Beauties und die Royals tummeln. Der MDR versah seinen Vorbericht auf den AfD-Parteitag mit der Schlagzeile: „Schicksalstage für Frauke Petry?“ Erinnert das nicht an Romy und ihre Paraderolle, die Sissy? Langsam, aber unaufhaltsam wird Frauke in die Riege der Sissys und Sorayas samt ihrer vielen Nachfolgerinnen vorrücken. Die AfD mag Frauke schnöde beiseiteschieben oder gar vollständig ausmustern. Uns wird sie auf lange Zeit erhalten bleiben, nicht nur auf den Titelbildern der Magazine, die beim Friseur, im Wartezimmer des Hausarztes und in den Stadtcafés herumliegen, sondern vielleicht sogar als ständige Gästin bei der jährlichen Bambiverleihung. Ist das nicht tröstlich? – Ulrich Horn

Aufgelesen … Nr. 52 – 2012

Sonntag, 25. November 2012

Blog-Tipps

An dieser Stelle finden Sie eine Auswahl interessanter Beiträge aus Blogs. Die Aussagen der Autoren geben nicht in jedem Fall meine Meinung wieder. (uh) 

Medien

a. Die “Rheinische Post” ganz bambambambi
Dabei sind sie doch so toll, die deutschen Zeitungen, ja, die besten überhaupt sollen es laut “Zeit”-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo sein. Dies zumindest schreibt er in einem Leitartikel und als Bestandteil einer gazedünnen Titelstrecke: “Hierzulande gibt es die wohl besten Zeitungen der Welt.” Vielleicht sollten sie ja mal ausgezeichnet werden, diese Zeitungen. Mit dem Bambi. Schließlich ist der Bambi der wichtigste deutsche Medienpreis und auch der wichtigste. Nein, das ist jetzt kein Fehler oder Ironie. Dies ist ein Zitat. Aus einer der tollen, tollen Tageszeitungen, der “Rheinischen Post”. Der Artikel aus dem diese Schwurbelei stammt sei einfach mal anekdotisch genommen für die abstürzende Qualität deutscher Print-Medien. Denn wer dieses Stück liest und trotzdem sein Abo behält oder das Lokalblättchen nochmals kauft, dem dürften Dinge wie Qualität, Rechtschreibung oder inhaltliche Tiefe pupsegal sein.
Aus: Indiskretion Ehrensache

b. Daumenschrauben kommen vor dem Fall

Das macht die ZEIT in dieser Woche ganz besonders intensiv: Eine komplette Titelgeschichte beschäftigt sich mit dem Thema “Zeitungen unter Druck”. Und kündigt zudem an zu wissen, wie “guter Journalismus überleben” kann. Mit dem “guten Journalismus” ist wie immer in den letzten Tagen eigentlich nur der in gedruckten Zeitungen gemeint. Und vielleicht offenbart das schon eine erste Schwäche der Branche: Sie geht immer noch wie selbstverständlich davon aus, dass sie das Alleinvertretungsrecht für “guten Journalismus” hat.
Aus: JakBlog

c. Aus für die FTD – Überlegungen zur Zukunft der Zeitung

Die FTD ist – ganz abgesehen von ihren Berichten über Unternehmen und Börsen – innerhalb kurzer Zeit zur wichtigsten deutschen Tageszeitung avanciert und, wie ich finde, auch zur mit Abstand besten. Auch und gerade was ihre Darstellung und Kommentierung von Politik und Zeitgeschehen betrifft. Aber ich gebe zu: ich bin befangen. Ich hatte die FTD im Grunde während der ganzen Zeit ihres Bestehens im Abo. Sie war und ist noch mein Leib- und Magenblatt.
Aus: xtranews

d. Was für Artikel die Menschen erwarten

Damals lachte ich. Heute sehe ich den Zettel mit mehr Freundlichkeit. Sein Stil – kein Substantiv ohne aufhellendes Adjektiv, die sorgfältigen Superlative, der Versuch, irgendwie Ereignisse für das Jubiläum zu erfinden, die praktischen Preisangaben – ist wahrscheinlich das, was fast alle Interviewpartner im Geheimen von einem Journalisten wünschen würden. Kein Wunder, hinterlassen wir Enttäuschung, wohin wir auch gehen.
Aus: Deadline

2. Europa

Polens Demokratie braucht Wachhunde
Nach einer Analyse von Strafprozessen in der EU durch die unabhängige Organisation Fair Trials International werden in Polen häufig die Menschenrechte und Prinzipien eines fairen Gerichtsverfahren verletzt. Schleppender Anlauf bei Prozessen und sehr lange U-Haft-Zeiten sind die zwei schwerwiegendsten Vorwürfe. Einige Verfahren sind gerade bei dem Gericht für Menschenrechte in Straßburg gegen den polnischen Staat anhängig, mit guten Chancen für die Kläger.
Aus: Telepolis

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