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Nebenbei

  • Schulz und das Glashaus

    Auf dem jüngsten SPD-Parteitag warf SPD-Kanzlerkandidat Schulz der Kanzlerin Merkel (CDU) vor, sich inhaltlichen Diskussionen zu entziehen. Er nennt dieses Verhalten „einen Anschlag auf die Demokratie“. Diese Attacke lässt vor allem in NRW die Wähler aufhorchen – auch und gerade die der SPD. Sie haben gerade den Landtagswahlkampf hinter sich gebracht. Die SPD erzielte ihr schlechtestes Ergebnis der NRW-Geschichte. Als einer der Gründe für das Desaster gilt auch in der SPD der seltsame Umstand, dass Schulz in diesem Wahlkampf, den er als Generalprobe für die Bundestagswahl ausrief, kaum in Erscheinung trat. Über Wochen war er nicht zusehen und zu hören. Dabei gab es jede Menge inhaltliche Diskussionen – vor allem über die innere Sicherheit, über den Schulunterricht, über die Entwicklung der Wirtschaft, den Zustand der Straßen und Brücken. Es hätten sich Schulz viele Anlässe geboten, kraftvoll mitzureden und im Wettbewerb der Ideen mit der CDU zu ringen. Er hätte sich auch mit Merkel auseinandersetzen können. Allein von Ende April bis Mitte Mai trat sie achtmal in NRW auf. Und wo war Schulz? Was tat er? Er ließ diese Chancen verstreichen. Er schwieg. Er tauchte ab. Er entzog sich der Diskussion, nicht weil er unpässlich war, sondern aus taktischem Kalkül. Seine Parteifreundin Kraft hielt es für erforderlich. Sie glaubte, ohne ihn besser abzuschneiden. Der Kanzlerkandidat hielt es für angebracht, ihr zu folgen und zu verstummen. Den NRW-Wählern, besonders den geplagten der SPD, hat Schulz nun auf dem Parteitag klar gemacht, wie sie sein Abtauchen im NRW-Wahlkampf einzuordnen haben – als „einen Anschlag auf die Demokratie“. Die SPD-Anhänger kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus: Frühere Kanzlerkandidaten der Partei führten ihren Wahlkampf aus der Kampa, Schulz seinen aus dem Glashaus. – Ulrich Horn

Wie der Teufel das Weihwasser

Sonntag, 2. Mai 2010

Politik

(uh) Eine Woche vor der NRW-Wahl steht die NRW-CDU im Verdacht, in eine Spendenaffäre verwickelt zu sein. Die Bundestagsverwaltung prüft. Ihr Urteil steht noch aus. Doch schon der Anschein setzt den CDU-Landesverband in ein schräges Licht – auch ohne Wahlkampf ein Debakel für die Partei.

Spendensumpf

Der Vorgang, um den es geht, stammt aus dem Landtagswahlkampf 2005, der Jürgen Rüttgers ins Amt des Ministerpräsidenten brachte. Dass der Partei fragwürdige Vorgänge aus jener Zeit zur Belastung werden, ist schon bemerkenswert. Bei gewissenhafter Vorbereitung auf den Wahlkampf  2010 hätte sie ihre Altlasten rechtzeitig aufarbeiten müssen. Dass sie dies unterließ, macht stutzig.

Seit Ende der 80er Jahren hängen der CDU Spenden- und Finanzierungsskandale an – von Kohls Spenden-Sumpf bis zu den Machenschaften der hessischen CDU. Die Finanzmanipulationen, in die ihr früherer Vorsitzender Helmut Kohl verstrickt war, brachten die Partei zu Beginn dieses Jahrzehnts an den Rand des politischen Ruins. Ungeachtet der Tatsache, dass auch andere Parteien ihre Skandale hatten, hätte spätestens seit diesem Zeitpunkt jeder, der in der CDU Führungsverantwortung trägt, dafür sorgen müssen, dass die Partei bei ihrer Finanzierung nicht den geringsten Anschein einer Unregelmäßigkeit oder gar Ungesetzmäßigkeit zuläßt.

Bürde im Wahlkampf

Warum diese Einsicht in der NRW-CDU nicht Platz griff, kann man nicht nachvollziehen, zumal seit Rüttgers’ Wahl zum Vorsitzenden der NRW-CDU 1999 stets von der Modernisierung und Erneuerung des Landesverbandes die Rede war. Dass damit nicht nur das Parteiprogramm gemeint sein konnte, sondern auch die Arbeit des Parteiapparates, hätte sich angesichts der damals akuten Finanzskandale um Kohl und die Hessen-CDU von selbst verstanden.

Dennoch hat die NRW-CDU damals in einem Bereich hantiert, der es ihr heute schwer macht, den Verdacht von Unrechtmäßigkeit unmittelbar zu widerlegen. Das erweist sich im Wahlkampf als schwere Bürde. Es kann sie in Düsseldorf die Macht kosten oder in eine Koalition zwingen, die den Aktionsradius der schwarz-gelben Koalition in Berlin dramatisch einschränkt.

Frage nach der Verantwortung

Schon heute stellt sich die Frage, wer die Verantwortung dafür trägt, dass sich die Wahlkampfchancen der NRW-CDU in den vergangenen Monaten und Wochen verschlechterten. Mit Rücksicht auf den nahen Wahltag wird diese Frage in der CDU bisher nur leise gestellt. Sollte Schwarz-Gelb in Düsseldorf scheitern, wird gewiss nach Konsequenzen geschrien.

Letztlich trägt CDU-Landeschef Jürgen Rüttgers die Verantwortung. Und mit ihm seine Mitstreiter, die jene Risiken eingingen, die alle Parteien besser scheuen sollten wie der Teufel das Weihwasser.

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4 Kommentare zu “Wie der Teufel das Weihwasser”

  1. […] Wie der Teufel das Weihwasser (Post von Horn) – […]

  2. […] NRW VII: Wie der Teufel das Weihwasser…Post von Horn […]

  3. […] CDU, Teufel und Weihwasser: Eine Woche vor der NRW-Wahl steht die NRW-CDU im Verdacht, in eine Spendenaffäre verwickelt zu sein. Die Bundestagsverwaltung prüft. Ihr Urteil steht noch aus. Doch schon der Anschein setzt den CDU-Landesverband in ein schräges Licht – auch ohne Wahlkampf ein Debakel für die Partei. … postvonhorn […]

  4. […] aber doch scharfsinnig, hat sich Ulrich Horn, auch ein WAZler im Ruhestand, in die NRW-Politik eingeschaltet. Horn schweigt seit fast einer Woche und er hat vielleicht Recht damit, sich aus den […]

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