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Nebenbei

  • Söder und die Umfragen

    In repräsentativen Demokratien sollen die Abgeordneten und ihr Gewissen die Gemeinschaft vor schwankenden Stimmungen schützen. Dieses Prinzip steht unter Druck. Mit vielen Abgeordneten ist es nicht mehr weit her. Zudem hat sich die Stimmung in der Bevölkerung zu einer mächtigen Kraft entfaltet. Viele Abgeordnete mögen ihr nicht widerstehen. Viele nutzen sie auch, um ihre Interessen durchzusetzen. Bayerns Ministerpräsident und CSU-Chef Söder setzte darauf, dass sie ihn zum Kanzlerkandidaten der Union machen würde. Er mühte sich, in Umfragen zu reüssieren, und wurde zu einem Umfrageriesen. Er ging davon aus, dass er seinen CDU-Konkurrenten Laschet, einen Umfragezwerg, leicht aus dem Feld schlagen könne. Die Rechnung ging nicht auf. Laschet kandidierte. Er verlor. Hätten die Umfragen den Ausschlag gegeben, hätte Söder kandidieren müssen und ganz sicher gewonnen, behaupten er und seine Fans. Damals stand er in den Politiker-Rankings auf Platz 2 gleich hinter Merkel. Was es mit dem Gewicht der Umfragen auf sich hat, zeigt sich heute, drei Wochen nach der Wahl. Söder ist abgestürzt. Beim ZDF-Politbarometer rangiert er nur noch auf Platz 6, gerade noch knapp über der Nulllinie. Ginge es auch heute nach Umfragen, wie es Söder vor der Bundestagswahl wünschte, müsste er sich langsam darauf einrichten, sich vom Acker zu machen, damit bei der Bayernwahl 2023 ein beliebterer CSU-Politiker versuchen kann, die CSU vor dem Fall in die Opposition zu bewahren. Wetten, dass Söder auf Umfragewerte derzeit gar nichts mehr gibt? – Ulrich Horn

Die Qual der Wahl

Samstag, 31. Juli 2021

Nebenbei

Bei der Bundestagswahl im September ist alles anders. Besseres ist über sie nicht zu sagen. Mit Ausnahme der ersten Wahl traten stets ein Kanzler und ein Kanzlerkandidat gegeneinander an. Diesmal geht die Kanzlerin in Pension. Dafür gibt es drei Kandidaten. Ihre Anzahl wuchs, ihre Qualität leider nicht. SPD-Kandidat Scholz spielt in zahlreichen Betrugs- und Verwaltungsskandalen und bei deren Aufklärung eine erbärmliche Rolle. Die Kandidatin der Grünen, Baerbock, zeigt sich wie schon als Studentin hoffnungslos überfordert. Unionskandidat Laschet bestätigt verlässlich den Eindruck, ein rheinischer Leichtfuß zu sein. Wähler, die Politik ernst nehmen, haben es schwer. Sie wählen im September zwar nicht den Bundeskanzler, sondern Parteien. Doch was diese Gruppen nach der Wahl aus den Wählerstimmen machen, ist so ungewiss wie nie. Sicher ist nur: Es wird mehr Abgeordnete geben. Dafür haben die Mandatsträger gesorgt, als sie die Reform des Bundestages scheitern ließen. Wer soll ihnen abnehmen, dass sie die überfälligen Reformen in Staat, Wirtschaft und Gesellschaft durchführen? Der Dichter Heine hatte 1843 in Frankreich schlaflose Nächte, wenn er an Deutschland dachte. Heute denken Deutsche nicht nachts. Sie schlafen. Wenn sie denken, dann tagsüber, und wenn an Wahlen, dann unter Qualen. – Ulrich Horn

5 Kommentare zu “Die Qual der Wahl”

  1. grafiksammler sagt:

    Gibt es wirklich eine Qual bei dieser Wahl? Für mich nicht.
    Keine dieser 3 Parteien ist ob deren Unverschämtheit, dem Sovereign solche Kandidaten zuzumuten, für mich wählbar. So schaffen die Parteien die Demokratie ab. Aber im unteren Tableau auf dem Wahlzettel wird irgendeine Kleinpartei sich über meine Stimme freuen. Bestimmt nicht FDP oder gar die AFD.

    • Helmut Lorscheid sagt:

      Guten Tag,

      es ist doch sonnenklar – wählbar sind Die Linke und vielleicht noch volt. Grüne wählen hieße uns einer Kriegsgefahr aussetzen, denn diese Annalena B. ist außenpolitisch eine Kriegstreiberin wie der derzeitige ‚US-Präsident Biden.

      Helmut Lorscheid

  2. Roland Appel sagt:

    Alles, was Sie anführen ist richtig, lieber Herr Horn. Wäre noch anzufügen, dass mein alter Freund Olaf Scholz gute Kontakte zu jener Hamburger (Warburg-) Bank der Cum-Ex Geschäfte Aber es ist auch völlig unpolitisch. Es geht um die Bewältigung der Klimakatastrophe und des sozialen Abstiegs der Mittelschichten, um die Rettung Europas und die Bewältigung der verdrängten Flüchtlingskrise – der Kohleausstieg 2038 und die Vernichtung der Windkraft – beides Werke von Laschi-Waschi – sind wohl nicht geeignet, um die Probleme zu lösen. Weder Lindner mit seinem Marktfixiertheitskoplex, noch die SPD haben sich dem widersetzt – im Gegenteil. Die soziale Schere klafft immer weiter auf – die SPD scheint es nicht zu bemerken.
    Vielleicht wäre es hilfreich, neben dem „Drehscheibe“-„Brisant“- und „Bild“ Niveau des Kandidatenkarussells mal in die Wahlprogramme der Parteien zu blicken!
    Und wie viele Bundestagsabgeordnete die Demokratie hat – die zehntausende von Regierungsbeamten in Berlin kontrollieren sollen, sind dabei wirklich eine Marginalie!

    • Ulrich Horn sagt:

      Um von hinten zu beginnen: Die enormen Defizite der Republik vermitteln den Eindruck, dass nicht die Abgeordneten die Regierungsbeamten steuern, sondern die Regierungsbeamten die Abgeordneten. Die Folgen dieser Perversion sind alles andere als eine Marginalie.

      Die nachhaltigste Wirkung des grünen Wahlkampfes ist es bisher, dass ihre Vorsitzende und Kanzlerkandidatin mit aller Kraft die Aufmerksamkeit der Wähler von den Inhalten ihrer Partei abgelenkt und die Partei dieses Spiel zeitweise sogar mitgemacht hat.

      Dieses Versagen ist auch deshalb beispiellos, weil es dazu beitrug, das Vertrauen in grüne Politiker und grüne Programme zu unterminieren. Glauben Sie wirklich, die Kassiererin bei Edeka liest Parteiprogramme, um sich auf die Wahl vorzubereiten?

      Wenn die Grünen Volkspartei sein wollen, bleibt ihnen wohl nichts anderes übrig, als „Drehscheibe“, „Brisant“ und „Bild“ ernst zu nehmen. Teilen der grünen Elite fällt es offensichtlich schwer, den Elfenbeinturm zu verlassen und sich auf die Bedingungen des Marktplatzes einzulassen. Dort jedenfalls hat Baerbock Spuren hinterlassen. Rednen Sie mal mit den Marktfrauen und ihren Kundinnen.

  3. Jochen Hensel sagt:

    Bei der vorvorigen Oberbürgermeisterwahl in Mülheim an der Ruhr habe ich (verbotenerweise) einen dritten Namen zugefügt und angekreuzt:
    Helge Schneider. Der ist Mülheimer, aber nicht wählbar, wäre aber kompetenter gewesen.
    Die Sache mit dem unteren Tableau von „grafiksammler“ werde ich übernehmen. Eine interessante Partei dort nennt sich „Volt“.

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