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Nebenbei

  • Schwindende Scheinblüte

    Was denken sich die Wähler? Vor einem Jahr gaben sie der SPD bei Forsa 14 Prozent. Drei Monate später, bei der Bundestagswahl, machten sie die Partei mit 25,7 Prozent zur stärksten Kraft. Da die Union handlungsunfähig war, konnte SPD-Kandidat Scholz Kanzler werden. Heute, neun Monate nach der Wahl, befindet sich seine Partei auf dem Abstieg. Während Union und Grüne in Umfragen die absolute Mehrheit erreichen, ist die Kanzlerpartei auf dem Rückweg unter die 20-Prozent-Marke. Bei Forsa hat sie es bereits geschafft. Ihr Ergebnis bei der Bundestagswahl hat sich als Scheinblüte erwiesen. Die SPD droht wieder bei 14 Prozent zu landen. Scholz trägt das Seine bei. Er tritt in jüngster Zeit häufig auf. Dennoch rauschen auch seine Werte abwärts. Ob seine Auftritte den Niedergang forcieren oder mildern – wer weiß es? Sicher scheint, dass sich der Abwärtstrend der SPD beschleunigen dürfte, verlöre sie die nächste Landtagswahl am 9. Oktober in Niedersachsen. Sollte sich dort wie jüngst in Schleswig-Holstein und NRW eine schwarz-grüne Koalition bilden, könnte die SPD in Brand geraten. Es wäre an der Zeit, sich nach Hydranten und Wasserschläuchen umzuschauen. Auch in Niedersachsen sinken die Werte der SPD, während die der Union und der Grünen steigen. – Ulrich Horn

Giffeys Bestes und das der SPD

Freitag, 11. Juni 2021

Politik

Die Berliner SPD-Politikerin Giffey ist mit einem Betrug aufgekippt. Sie hat ihren Doktorgrad durch „Täuschung über die Eigenständigkeit ihrer wissenschaftlichen Leistung“ erworben, teilte die Freie Universität Berlin mit. Giffey gab Gedanken und Erkenntnisse anderer Menschen als ihre eigenen aus. Ihre Genossen im Ruhrgebiet hätten früher gesagt: Sie hat geklaut.

Kein Schuldeingeständnis

Geistiges Eigentum zu entwenden, ist schlimm. Doch Giffey macht es noch schlimmer. Sie behauptet nach wie vor, sie habe ihre Doktorarbeit nach besten Wissen und Gewissen verfasst. Träfe das zu, hätten ihr Wissen und Gewissen nicht einmal dazu gereicht, die Regeln zu begreifen und anzuwenden, denen wissenschaftliches Arbeiten unterliegt. So etwas lernen Studenten im ersten Semester.

Will uns Frau Giffey weismachen, sie sei unfähig, ihre Fehler zu erkennen? Dass sie nicht unzurechnungsfähig ist, sondern weiß, was sie tut, zeigte sie, als sich der Entzug ihres Doktortitels abzeichnete: Sie trat vom Amt der Bundesfamilienministerin zurück, nicht, weil sie einsah, ihre Täuschung disqualifiziere sie für öffentliche Ämter. Der Rücktritt war kein Schuldeingeständnis, sondern ein ähnliches Manöver wie ihre Täuschung bei der Doktorarbeit.

Kein Verlass

Mit dem Rücktritt untermauerte sie ihre Absicht, bei der Wahl des Berliner Abgeordnetenhauses im September Regierende Bürgermeisterin zu werden. Geben ihr die Wähler die Chance, noch einmal nach bestem Wissen und Gewissen zu agieren? Sollte Giffey ihr Ziel erreichen, muss sie einen Eid leisten und schwören, ihr „Amt gerecht und unparteiisch, getreu der Verfassung und den Gesetzen zu führen und“ ihre „ganze Kraft dem Wohle des Volkes zu widmen.“

Ist sie in der Lage, diesen Eid zu halten? Zweifel sind durchaus angebracht, lässt sie doch selbst alle Welt wissen, dass auf ihr bestes Wissen und Gewissen kein Verlass ist. Die SPD geht mit einer diskreditierten Spitzenkandidatin in die Berlin-Wahl. Die Not der Partei scheint viel größer zu sein, als die schlechten Umfragewerte vermuten lassen.- Ulrich Horn

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6 Kommentare zu “Giffeys Bestes und das der SPD”

  1. Roland Appel sagt:

    Giffey ist – wie viele andere auch – ein Produkt einer „schein und blend“-Generation von Politiker*innen. Georg Leber schadete es nicht, Maurer zu sein, er wurde trotzdem ein achtbarer Verkehrs- und Verteidigungsminister. Herbert Wehner brauchte keinen Titel, um „Zuchtmeister“ der SPD-Fraktion zu sein. Günter Verheugen hat nie einen Hochschulabschluss gehabt, aber er war ein hervorragender Politiker. Über den „Doktortitel“ von Helmut Kohl und seine lächerliche „Promotion“ von kaum 100 Seiten über das „Wiedererstarken der Parteien in der Pfalz“ machte sich die kritische Öffentlichkeit zurecht lustig, trotzdem schaffte er es, 16 Jahre Bundeskanzler zu bleiben.
    Blenden, mehr scheinen als sein ist die Motivation dieser Generation Politiker*innen von Giffey über zu Guttenberg bis jene FDP-Politikerin aus Köln, an deren Namen ich mich schon nicht mehr erinnere – die mit dem Wahlplakat mit Babybauch. Egal – Persönlichkeit meinten sie alle, mit einem Doktortitel ersetzen zu können. Das ist nicht nur in der Politik so. Jürgen Schrempp war nach seiner Fusion von Daimler und Chrysler plötzlich „Professor“ der Uni Graz – der Mann war ein rücksichtsloser Manager, aber nie ein Hochschullehrer – aber er verlangte von seiner Entourage fortan, mit „Professor Schrempp“ angeredet zu werden. Alles kleine Charakterzwerge und genau deshalb sind sie für politische Ämter oder den Posten, den sie bekleiden, überhaupt nicht geeignet.

    • grafiksammler sagt:

      Ich kann mich Ihrer Meinung nur anschliessen. Die Parteien haben alle dasselbe Problem, sie haben sich selbst über mind. die letzten 2 Jahrzehnte unfähigen Nachwuchs herangezogen. Nenn mir eine Partei und ich nenne Dir Beispiele.
      Ich finde es schlimm, mit welcher Nonchalance heute diese Charakterunfähigkeiten Beiseite gewischt werden. Auch und gerade bei den Grünen, die uns eine Bundeskanzler-Aspirantin mit einem gefälschten Lebenslauf vorsetzen. Die bedauert auch Ihre betrügerischen Angaben unbewußt gemacht zu haben. Wers glaubt, glaubt auch an den Weihnachtsmann.

  2. Ja, das ist schon alles wahr. Der absolute Verriss, der einem verständlichen Frust über politisches Führungspersonal entspringt, darf allerdings nicht blind machen. Ich finde, es gibt politische Talente unter jüngeren Abgeordneten.

    Dazu rechne ich den aktuellen Generalsekretär der CDU, Paul Ziemiak oder Diana Kinnert. Ich zähle Kevin Kühnert dazu, dass er, obwohl er – ohne Abschluss und hier sowieso – nie Gnade finden wird.

    Giffey sollte ihre Ambitionen jetzt aufgeben. Mir tut das leid, weil sie m.E. gut gearbeitet hat.

  3. Jochen Hensel sagt:

    Ich frage mich ja, ob Doktoranden keine Doktorväter*innen haben (oder heißt es Doktormütter?), die in der Lage sind, sowas rechtzeitig zu entdecken und zu unterbinden- Kommen die ungeschoren davon?

  4. Soweit ich weiss, hat die Universitätskommission nicht, wie hier behauptet, ein echtes Plagiat kritisiert. Sie hat aber festgestellt, dass die Literaturangaben mangelhaft sind und möglicherweise solche Quellen angegeben werden, die die Doktorandin selber nicht nachgelesen hat. Wenn dann in solchen Quellen Plagiate sind, ist ihr das wohl entgangen.
    Wenn der Fall so leicht entscheidbar gewesen wäre, hätte es sicher nicht ein so langes Tauziehen gegeben. Man kann ihr aber zugute halten, dass sie den Zeitaufwand für eine inhaltlich und formale Dissertation, nebenberuflich und in der Mutterrolle, völlig unterschätzt hat. Die eutigen Maßstäbe sind um ein Vielfaches höher as zu Helmut Kohls Zeiten.
    mfG
    Dr.med.J.Elz-Fianda

    • E. Becker sagt:

      Ich finde, hier wird hart geurteilt. Für jede Doktorarbeit gibt es eine/n fachkundige/n Betreuer/in und einen Koreferenten oder gar eine Kommission, die die schriftliche Arbeit beurteilen und zur Annahme empfehlen. Und all denen soll eine systematisch ungewöhnliche oder fehlerhafte Zitierweise nicht aufgefallen sein? Disqualifiziert sich hier die „Doktormutter“ oder blamiert sich die Universität? Man hört, dass Frau Giffey eine gute Bezirksbürgermeisterin gewesen sei, und ich finde auch, dass sie als Ministerin nicht schlecht gearbeitet hat. Die beiden anderen genannten Personen müssen meines Erachtens erst noch nachweisen, dass sie nicht nur parteiintern reüssieren, sondern auch für uns alle eine erfolgreiche Politik machen können.

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