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Nebenbei

  • Die Qual der Wahl

    Bei der Bundestagswahl im September ist alles anders. Besseres ist über sie nicht zu sagen. Mit Ausnahme der ersten Wahl traten stets ein Kanzler und ein Kanzlerkandidat gegeneinander an. Diesmal geht die Kanzlerin in Pension. Dafür gibt es drei Kandidaten. Ihre Anzahl wuchs, ihre Qualität leider nicht. SPD-Kandidat Scholz spielt in zahlreichen Betrugs- und Verwaltungsskandalen und bei deren Aufklärung eine erbärmliche Rolle. Die Kandidatin der Grünen, Baerbock, zeigt sich wie schon als Studentin hoffnungslos überfordert. Unionskandidat Laschet bestätigt verlässlich den Eindruck, ein rheinischer Leichtfuß zu sein. Wähler, die Politik ernst nehmen, haben es schwer. Sie wählen im September zwar nicht den Bundeskanzler, sondern Parteien. Doch was diese Gruppen nach der Wahl aus den Wählerstimmen machen, ist so ungewiss wie nie. Sicher ist nur: Es wird mehr Abgeordnete geben. Dafür haben die Mandatsträger gesorgt, als sie die Reform des Bundestages scheitern ließen. Wer soll ihnen abnehmen, dass sie die überfälligen Reformen in Staat, Wirtschaft und Gesellschaft durchführen? Der Dichter Heine hatte 1843 in Frankreich schlaflose Nächte, wenn er an Deutschland dachte. Heute denken Deutsche nicht nachts. Sie schlafen. Wenn sie denken, dann tagsüber, und wenn an Wahlen, dann unter Qualen. – Ulrich Horn

Der Lockdown und das Kindeswohl

Donnerstag, 11. Februar 2021

Politik

Die Pandemie zeigt viele Nebenwirkungen. Zu den auffälligsten zählt die Sorge, die viele Politiker zum Wohl der Kinder äußern. Sie müssten aus dem Lockdown zurück in die Schule, damit ihre Zukunftschancen und ihre soziale Entwicklung nicht Schaden nehmen, heißt es immer wieder. Diese Besorgnis ist erstaunlich.

Als Vorwand benutzt

Selbstverständlich ist sie nicht, wenn man bedenkt, dass in dieser Republik viele Kinder Tag für Tag Opfer von Gewalt und Missbrauch werden und sogar die Verbrechen von Pädophilen, die im Dienst der katholischen Kirche stehen, von diesem Arbeitgeber offenbar immer noch vertuscht werden.

So erfreulich es ist, dass nun viel von Kindern die Rede ist: Mancher, der ihr Wohl beschwört, erweckt den Eindruck, er benutze die prekäre Lage der Kinder in der Pandemie als Vorwand, damit der Lockdown für die Eltern und deren Arbeitgeber gelockert wird. Sind die Kinder in der Schule, können die Eltern zur Arbeit.

Seit Jahrzehnten bekannt

Ob es wirklich dem Wohl der Kinder dient, sie früh dem Kontakt mit dem Virus auszusetzen, stößt auf begründete Zweifel. Sie betrachten die rasche Öffnung der Schulen für das Wohl der Kinder und Familien eher als schädlich. Vor diesem Hintergrund erscheint die heute oft geäußerte Sorge um die Kinder scheinheilig.

Schon vor der Pandemie spielte das Wohl der Kinder nur eine Nebenrolle. Wie sonst wäre zu verstehen, dass viele Schulen baulich, technisch und konzeptionell miserabel dastehen? Dass Kinder von Zuwanderern und sozial Schwachen benachteiligt sind, ist seit Jahrzehnten bekannt. Geändert hat sich daran nicht viel.

Der Zuständigkeit nicht gewachsen

Den jämmerlichen Zustand der Schulen haben die 16 Bundesländer zu verantworten. Sie verteidigen diese Zuständigkeit, zeigen sich ihr jedoch nicht gewachsen, weder finanziell noch konzeptionell.

Jedes der 16 Länder praktiziert sein eigenes Schulsystem. Acht sind Zwergländer mit weniger als drei Millionen Einwohnern. Wechseln die Eltern das Bundesland, kann es den Kindern passieren, dass sie am neuen Wohnort ihren Altersgenossen hinterherhinken und ein Schuljahr zurückgestuft werden.

Einfache Texte verstehen

Viele Schulen sind für Ganztagsunterricht ungeeignet. In vielen Schulen war die letzte technische Innovation nach dem Einbau von Stromleitungen der Umbau der Heizungen von Koks auf Gas und Öl.

Wie viele Schüler verlassen in jedem Jahr die Schulen als Analphabeten? Wie viele Schüler sind nach der Schulzeit nicht in der Lage, einfache kurze Texte zu verstehen? Wie viele Schüler kommen, wenn sie die Schule hinter sich haben, mit den Grundrechenarten nicht klar?

Den Politikern gedient

Verantwortung für die Schulen tragen die 16 Ministerpräsidenten, die 16 Kultusminister, deren umfangreiche Schulverwaltungen und die Kultusministerkonferenz. Dort sitzen Vertreter von fünf Parteien, deren schulpolitische Konzepte weit auseinandergehen.

Die Konferenz der Schulminister ist berüchtigt für endlose Debatten, verschobene Entscheidungen und faule Kompromisse. Wie soll ein System, das mehr die Existenz seiner politischen und administrativen Organisatoren sichert als den Bedürfnissen seiner Nutzer dient, etwas Zukunftsweisendes hervorbringen?

Den Fortschritt gebremst

Flickwerk bremst in der Schulpolitik den Fortschritt. Die Parteien können sich ihre Ignoranz in der Schulpolitik leisten, weil die Eltern die Mängel hinnehmen, solange Ruhe an der Schulfront herrscht. Nun sind die Defizite dank der Pandemie für die Verantwortlichen zur Blamage geworden.

Die Missstände an den Schulen schaden der Republik. Werden sie nicht abgestellt, werden sie wachsen. Darf man damit rechnen, dass sie abgestellt werden? Politikverächter meinen: Der Zustand der Schulen spiegele den Zustand der Politiker wider, die für die Schulen verantwortlich sind. Unter diesem Gesichtspunkt scheint es ziemlich unwahrscheinlich, dass die Schulen auf die Höhe der Zeit gebracht werden. – Ulrich Horn


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7 Kommentare zu “Der Lockdown und das Kindeswohl”

  1. grafiksammler sagt:

    Die schulischen Mißstände haben sich seit ca 40 Jahren angesammelt und alle, wirklich alle Kultuspolitiker aller Parteien haben nur ihrer Eitelkeit gefrönt, statt ihren Pflichten nachzukommen.Jetzt deckt die Pandemie alle Versäumnisse auf und jeder tut erstaunt.
    Deutschland schafft sich ab. Das ist die Politik seit Jahrzehnten. Alternativlos und daher erfolgreich. Warum also jetzt klagen? Wir sind doch voll im Zeitplan. Schaffen wir das bedingungslose Grundeinkommen, gleichzeitig alle Grundlast-fähigen Kraftwerke ab und vertrauen wir auf den Zappelstrom. Machen wir´s den Amerikaner nach und geben Jedem einen monatlichen Scheck zum Leben. Geld kommt aus dem Nichts. Ein Knopfdruck und es ist da.

    Deutschland ein Land der Weicheier. Vor 80 Jahren interessierte es niemanden, dass die Kinder keinen regelmäßigen Schulunterricht hatten. Sind sie dadurch für ihr Leben dauerhaft beschädigt worden? Hat das Notabitur einen Qualitätsmangel zur Folge gehabt? Heute ist Jammern auf dem höchsten Niveau quasi Bürgerpflicht – oder besser Politikerpflicht?
    Ich habe jedenfalls den Eindruck, dass die Bürger sehr viel besser mit den sozialen Einschränkungen fertig werden, als unsere Politiker. Aber das hängt wohl auch damit zusammen, dass denen die anstehende Wiederwahl wichtiger ist, als Deutschland darauf einzustimmen, dass wir uns in einer Art Krieg befinden.

  2. Guido Horn sagt:

    Kurz, knapp und punktiert erklärt Ihre Beschreibung die aktuelle Situation der Bildungslsndschaft in Deutschland. Ich kann dem nur zustimmen.

  3. Wohl wahr. Es hat vielleicht damit zu tun, dass unsere Gesellschaft zu den ältesten in der EU und überhaupt zählt. Wir reden zwar ständig davon, wie wichtig Kinder und Bildung sind, bloß tun wir ganz wenig dafür. Der Einfluss der Eltern, noch weniger der Kinder, reicht nicht aus, um gegen die Interessen der Alten anzukommen. Dass Politik angesichts der Dominanz der älteren Generationen wenig tut, sehen wir, wie Sie leider richtig beschreiben, schon seit vielen Jahren. Dazu gehört übrigens auch die Form der Auseinandersetzung über die Corona-Maßnahmen. Ob die eher ängstliche Grundhaltung, insbesondere älterer Leute, nicht zu viel blockiert? Ich bin übrigens 67.

    • grafiksammler sagt:

      Da möchte ich heftig widersprechen. Die „Alten“ haben Kinder noch erzogen. Die „Alten“ unserer Gesellschaft haben auch statistisch betrachtet, mehr Kinder aufgezogen, als die folgenden 2 Generationen. Die „Alten“ haben Deutschland nach dem Krieg wieder aufgebaut. Ohne genügend Kindergartenplätze, ohne großartiges Kindergeld, in Barracken ihre Schule absolviert, keine Nachhilfe. Viele konnten Ihr Abi nicht machen, weil sie schnell in die Ausbildung und danach arbeiten mußten. Diese Generation hat Härte des Lebens erlebt und der Großteil steht heute mit knapp über 1000€ Rente da. Viele haben die nicht einmal. Das ist Deutschland 2021.
      Ja, es gibt auch ca 10% Rentner, denen es sehr gut geht. Aber deswegen die 90% unter den Teppich kehren? Wo beschweren sich diese Rentnergruppen? Sehen Sie das im Fernsehen? In den Medien?
      Schauen Sie sich die Hätschelein der heutigen Elterngeneration dagegen mal genau an. Ich gönne es ihnen, aber die Verächtlichmachung der Rentnergeneration in Ihrem Beitrag ist ein NoGo.

  4. Wo bitte habe ich die Rentnergeneration verächtlich gemacht? Ich habe lediglich auf eine Tatsache hingewiesen, die man natürlich auch bestreiten kann. Schauen Sie sich die Lage im Land an. Auf die Interessen der Alten wird vielmehr eingegangen als auf die der Kinder und Jugendlichen. Gehen Sie in die Schulen, schauen Sie mal die Ausstattung der Bildungseinrichtungen an. Ein „Früher war alles besser“ bzw. wir sind ohne Kindergeld und ausreichende Kindergartenplätze ausgekommen, ist wenig hilfreich. Deutschland hat im Weltmaßstab eine der ältesten Bevölkerungen. Glauben Sie wirklich, dass sich das nicht in realer Politik niederschlägt? Im Ergebnis wird unser Land abgehängt – hoffnungslos.

  5. grafiksammler sagt:

    Hallo Herr Schulte,

    ich bin zwar ne Ecke älter als Sie, betreue aber immer noch ehrenamtlich ein paar Schüler bei den Hausaufgaben. Bin daher nicht in „den“ Schulen, aber immerhin noch in 2 Schulen aktiv zu finden. Ich habe bestimmt keinen Überblick über alle Schulen in allen Bundesländern, mein Vergleich ist der, was ich in den 50er und 60er Jahren selbst in NRW als Schüler erlebt habe und was ich bis jetzt in Bayern erlebe. Das sind himmelweite Verbesserungen von „damals“ zu jetzt“. Die heute älteste Bevölkerung ( von was?, bestimmt nicht weltweit ) haben wir dadurch erreicht, dass wir auf 76 Jahre Frieden zurückblicken. Die kopfstehende Alterspyramide haben unsere Kinder und Enkel zu verantworten. Incl. aller daraus resultierenden Probleme. Leider drücken diese beiden Generationen auch hier vor der Verantwortung.

  6. Ich glaube, in Bayern sind die Verhältnisse erheblich besser. Jedenfalls nach dem, was ich über solche Vergleiche gelesen habe. Will sagen: In Bayern ist es besser als hier in NRW. Die Schulministerin, Frau Gebauer, FDP, macht meiner Meinung nach keinen guten Job. Aber das war auch unter ihrer Vorgängerin, Grüne, nicht anders.

    Ich schrieb ja: „Eine der ältesten Bevölkerungen“ Wenn Sie sich überzeugen möchten. https://bit.ly/3jG9EGF

    Mir gehen die Forderungen und das Gequengel gerade in dieser schwierigen Zeit auch sehr auf den Nerv. Trotzdem fürchte ich, dass auch durch den starken Einfluss der Alten in unserem Land wenig vorangeht. Dabei meine ich nicht einmal, dass wir aktiven Einfluss nehmen, sondern eher, dass die Politik auf die vermeintlichen Interessen (Umfragen) zu viel Rücksicht nehmen. Warum ist es zum Beispiel so, dass wir mit der Digitalisierung nicht wirklich gut vorankommen? Warum wird zwar viel über Bildung geredet aber doch nur ziemlich wenig investiert? Die Kurve sieht ja nicht schlecht aus. Aber ist das (https://bit.ly/3tQV83f) ausreichend? Auch wenn die Regierung es anders sieht, wir tun wohl zu wenig. https://bit.ly/2N0zRn9 Vergleichen wir uns mit Ländern wie Frankreich und vergleichen die Geburtenrate komme ich wieder auf die angesprochenen Zusammenhänge.

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