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Nebenbei

  • Schröder: Vom Kanzler zum Würstchen

    Wie viele Menschen haben wohl bedauert, dass sie der SPD 1998 ihre Stimme gaben und mit ihr deren Spitzenkandidaten Schröder zum Kanzler machten? Beschweren können sie sich nicht. Er lebte seine Schwächen schon vor seiner Kanzlerschaft hemmungslos öffentlich aus. Bereits damals war das Bild, das er von sich prägte, weniger von seiner Politik als von seinem Verhalten im Umgang mit Parteifreunden und seiner Partei bestimmt. Es stieß ab. Man musste nur hinschauen. Heute kann man sagen: Er hat einen wesentlichen Beitrag zum Verfall der Sitten in der SPD und zum Niedergang der Partei geleistet. Bezeichnend auch, dass er als Kanzler jenen Job kreierte, der ihm nach dem Abschied aus dem Amt den lang ersehnten Wohlstand brachte. Um in dessen Genuss zu kommen, schreckt der Ex-Kanzler nicht davor zurück, dem russischen Diktator Putin zu dienen. Dass ihn die Bild-Zeitung, deren Gunst er als Kanzler suchte, heute als Putins Pudel abbürstet, kommt wohl der Ansicht nahe, die viele Bürger von Schröder haben. Zu den Missständen in Russland, Weißrussland und der Türkei, die in die EU ausstrahlen, hört man von ihm kein Wort. Wohl aber kämpft er darum, dass VW in seinen Betriebskantinen die Currywurst nicht abschafft. Schröder war ein Profiteur sozialdemokratischer Bildungspolitik: Er brachte es vom Kind armer Leute zum Kanzler. Dann machte sich der Kanzler zu Putins Rudel, und nun macht sich Putins Pudel zum Würstchen. Welch eine Laufbahn! – Ulrich Horn

Privatmann Trump

Mittwoch, 30. Dezember 2020

Politik

Donald Trump ist ein unangenehmer Zeitgenosse. Dass ihn viele unerträglich finden, scheint ihm nichts auszumachen. Er versteckt sich nicht hinter einem Image. Er blieb auch im Amt des Präsidenten er selbst: ein Lügner.

Lug und Trug

Er zelebriert diesen Charakterdefekt, als handele es sich um eine Tugend. Er verbiegt die Wirklichkeit. Die Wahrheit erklärt er zur Lüge, die Lüge zur Wahrheit. Alles, was er tut, verdunkeln seine Lügen.

Deren Wirkung schwindet seit seiner Abwahl rapide. Verzweifelt versucht er, seine Wahlniederlage zu einem Sieg umzudeuten. Es gelingt ihm nicht. Er bestreitet sie zwar. Dennoch zollt er ihr Tribut. Sie zwingt ihn ins Privatleben zurück. Dort wird rechtswidriges Verhalten juristisch verfolgt. Trump sorgt für diesen Fall vor.

Die Erfahrung lehrt: Wo Lug ist, da ist Trug nicht weit. Um sich vor der Justiz zu schützen, amnestiert er nun seine Vertrauten: jene, die in seinen Diensten straffällig, verurteilt und eingesperrt wurden, und jene, die befürchten, demnächst bestraft zu werden. Er setzt darauf, dass sie ihn nun nicht mehr belasten werden.

Die Justiz wartet

So nützlich Trump die Amnestien erscheinen: Sie haben für ihn eine ärgerliche Nebenwirkung. Sie bezeugen, dass er und seine Clique es mit Recht und Gesetz nicht so genau nahmen. Trumps Not scheint so groß, dass er dieses indirekte Eingeständnis von Vergehen und Verfehlungen in Kauf nimmt.

Er hat offenbar trifftige Gründe, den Auszug aus dem Weißen Haus zu fürchten. Sobald sich dessen Tor hinter ihm schließt, beginnt die Wirklichkeit, die Trump so emsig verbog, sich zu begradigen. Seine Anhänger und Gegner werden erleben, wie die Wahrheit immer mehr Platz greift gegen seine Lügen.

Trump schmerzt der Machtverlust. Der Schmerz kann sich noch steigern. Es heißt, die Justiz, die Finanzbehörden und seine Gläubiger warteten schon darauf, dass er Privatmann wird. Ob und wie sie ihn dann behandeln, werden viele Menschen in aller Welt mit großem Interesse verfolgen, besonders aufmerksam wohl die autokratischen Regierungschefs und ihre Opponenten. – Ulrich Horn


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Ein Kommentar zu “Privatmann Trump”

  1. Jochen Hensel sagt:

    Ich empfehle, zum Kurieren des Trump-Symptoms das Buch von Barack Obama zu lesen: A Promised Land, engl. 700 Seiten, auf Deutsch 1000.

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