Schrift verkleinern Schrift vergrößern
RSS RSS-Feed

Nebenbei

  • Söder und die Umfragen

    In repräsentativen Demokratien sollen die Abgeordneten und ihr Gewissen die Gemeinschaft vor schwankenden Stimmungen schützen. Dieses Prinzip steht unter Druck. Mit vielen Abgeordneten ist es nicht mehr weit her. Zudem hat sich die Stimmung in der Bevölkerung zu einer mächtigen Kraft entfaltet. Viele Abgeordnete mögen ihr nicht widerstehen. Viele nutzen sie auch, um ihre Interessen durchzusetzen. Bayerns Ministerpräsident und CSU-Chef Söder setzte darauf, dass sie ihn zum Kanzlerkandidaten der Union machen würde. Er mühte sich, in Umfragen zu reüssieren, und wurde zu einem Umfrageriesen. Er ging davon aus, dass er seinen CDU-Konkurrenten Laschet, einen Umfragezwerg, leicht aus dem Feld schlagen könne. Die Rechnung ging nicht auf. Laschet kandidierte. Er verlor. Hätten die Umfragen den Ausschlag gegeben, hätte Söder kandidieren müssen und ganz sicher gewonnen, behaupten er und seine Fans. Damals stand er in den Politiker-Rankings auf Platz 2 gleich hinter Merkel. Was es mit dem Gewicht der Umfragen auf sich hat, zeigt sich heute, drei Wochen nach der Wahl. Söder ist abgestürzt. Beim ZDF-Politbarometer rangiert er nur noch auf Platz 6, gerade noch knapp über der Nulllinie. Ginge es auch heute nach Umfragen, wie es Söder vor der Bundestagswahl wünschte, müsste er sich langsam darauf einrichten, sich vom Acker zu machen, damit bei der Bayernwahl 2023 ein beliebterer CSU-Politiker versuchen kann, die CSU vor dem Fall in die Opposition zu bewahren. Wetten, dass Söder auf Umfragewerte derzeit gar nichts mehr gibt? – Ulrich Horn

Die Büttenredner der SPD

Dienstag, 25. Februar 2020

Nebenbei

Zum Wochenwechsel beschäftigte sich die Republik mit zwei lokalen Ereignissen – mit dem Karneval und der Hamburg-Wahl. Beide Veranstaltungen vermittelten sich wie üblich in großem Stil über die öffentlich-rechtlichen TV-Sender. Es war schwer zu unterscheiden, ob gerade der Karneval oder die Wahl übertragen wurde. Hamburgs SPD-Bürgermeister hörte gar nicht auf, das Wahlergebnis seiner Partei zu bejubeln, obwohl sie mit mehr als sechs Prozentpunkten den höchsten Verlust aller Parteien erlitt. Die SPD-Chefs Esken und Walter-Borjans übertrafen den Bürgermeister noch. Sie beschränkten sich nicht darauf, das magere Ergebnis als Erfolg zu feiern. Sie beanspruchten auch, ihn mitbewirkt zu haben. Dabei weiß die ganze Republik: Hamburgs SPD hatte sich verbeten, dass Esken und Walter-Borjans im Wahlkampf auftraten. Die beiden SPD-Chefs sind schließlich angetreten, gerade jene politische Richtung in der SPD zu bekämpfen, deren Hamburger Wahlergebnis sie nun in den Wahlsendungen feierten und sogar für sich reklamierten. Wie viele Zuschauer fühlten sich wohl von den beiden SPD-Chefs belogen? Wie vielen vermittelten Esken und Walter-Borjans wohl, dass man auf das Wort von Politikern und auf ihres im Besonderen nichts geben kann? Für alle anderen machten sich Esken und Walter-Borjans über die Hamburg-Wahl zu Narren. Viele Zuschauer werden ihre Stellungnahmen als Büttenreden verstanden haben. Kürzlich war zu lesen, Walter-Borjans erwäge, zur Bundestagswahl 2021 als Kanzlerkandidat anzutreten. Seine Wahlkampfbotschaft und sein Wahlslogan dürften schon feststehen: SPD alaaf, SPD helau. – Ulrich Horn

Schlagwörter: , , , ,

4 Kommentare zu “Die Büttenredner der SPD”

  1. Markus sagt:

    Klingbeils Größenwahn ist aber auch nicht von schlechten Eltern. Daß moralische Überlegenheitsgefühle leicht zu Bevormundung werden können, wissen wir nur zur Genüge von den grünen Klimarettern. Helau & Alaaf!

    https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/parteien/id_87398170/klingbeil-spd-wird-keinen-neuen-kanzler-zulassen.html

  2. Roland Appel sagt:

    Machen wir uns mal ehrlich: Spitzenkandidat kann nur eine Minister*in oder ein Ministerpräsident. Nur sie können in Bundestag und Bundesrat reden. Warum sollte die SPD jemand anderen als ein amtierendes Regierungsmitglied aufstellen? Scholz, Giffey und Heil kommen in Frage – weil Malu Dreyer nicht will, sonst niemand. Einfach. Die CDU hat ein größeres Problem: Merz ist kein Kabinettsmitglied, und weder die Kanzlerin noch die SPD können ein Interesse haben, ihn dazu zu machen. Die Kanzlerin nicht aus Verantwortungsbewußtsein um Deutschland und die SPD, weil sie noch nicht ganz verblödet ist. Also Laschet mit Spahn und Scholz oder Heil, je nachdem, wer Giffey an seine Seite bringt. Ist doch mit ’n bisschen Mathe ganz leicht auszurechnen!

  3. Horst Schulte sagt:

    Nicht mal den kleinen Erfolg in Hamburg mögen Sie der SPD gönnen.

    Irgendwie scheint nicht angekommen zu sein, dass die Veränderungen gegenüber der Bonner Republik sich ziemlich krass auswirken. Übrigens auch für die CDU. Sie werden das noch sehen. Oder glauben Sie, dass mit so antiquierten Parteitagsbeschlüssen die nächsten Wahlen in Ost-Deutschland einigermaßen heil zu überstehen sind?

    • Ulrich Horn sagt:

      Hören Sie auf, andere für den Misserfolg der SPD verantwortlich zu machen. Solange Sie und die SPD eine Einbuße von 6,4 Prozentpunkten als „kleinen Erfolg“ feiern, kann es mit der Partei nicht werden. Ist Ihnen nicht klar, dass diese Wertung des Wahlresultats dem Wähler den Eindruck vermittelt, die Partei verlieren den Bezug zur Wirklichkeit?
      Dass die CDU den gleichen Weg bergab geht wie die SPD, zeigt, dass die CDU aus den Fehlern der SPD nichts gelernt hat. Der Niedergang der CDU kann die SPD nicht beruhigen. Er bestätigt nur, wie falsch die SPD agiert, die heute einen Wahleinbruch von 6,4 Prozentpunkten als „kleinen Erfolg“ feiert.

Schreiben Sie einen Kommentar zu Roland Appel

Ja, ich möchte über neue Blog-Beiträge per E-Mail informiert werden.