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Nebenbei

  • Schröder: Vom Kanzler zum Würstchen

    Wie viele Menschen haben wohl bedauert, dass sie der SPD 1998 ihre Stimme gaben und mit ihr deren Spitzenkandidaten Schröder zum Kanzler machten? Beschweren können sie sich nicht. Er lebte seine Schwächen schon vor seiner Kanzlerschaft hemmungslos öffentlich aus. Bereits damals war das Bild, das er von sich prägte, weniger von seiner Politik als von seinem Verhalten im Umgang mit Parteifreunden und seiner Partei bestimmt. Es stieß ab. Man musste nur hinschauen. Heute kann man sagen: Er hat einen wesentlichen Beitrag zum Verfall der Sitten in der SPD und zum Niedergang der Partei geleistet. Bezeichnend auch, dass er als Kanzler jenen Job kreierte, der ihm nach dem Abschied aus dem Amt den lang ersehnten Wohlstand brachte. Um in dessen Genuss zu kommen, schreckt der Ex-Kanzler nicht davor zurück, dem russischen Diktator Putin zu dienen. Dass ihn die Bild-Zeitung, deren Gunst er als Kanzler suchte, heute als Putins Pudel abbürstet, kommt wohl der Ansicht nahe, die viele Bürger von Schröder haben. Zu den Missständen in Russland, Weißrussland und der Türkei, die in die EU ausstrahlen, hört man von ihm kein Wort. Wohl aber kämpft er darum, dass VW in seinen Betriebskantinen die Currywurst nicht abschafft. Schröder war ein Profiteur sozialdemokratischer Bildungspolitik: Er brachte es vom Kind armer Leute zum Kanzler. Dann machte sich der Kanzler zu Putins Rudel, und nun macht sich Putins Pudel zum Würstchen. Welch eine Laufbahn! – Ulrich Horn

Es war einmal in Germany

Samstag, 3. März 2018

Nebenbei

Deutschland hält sich etwas auf seine Ingenieurs- und Organisationsleistungen zugute. Und dann das: In Mecklenburg-Vorpommern sackte eine 12 Jahre alte Autobahn auf 100 Meter Länge ab. Auf einer fünf Jahre alten Straße in Husum haben sich riesige Wellen gebildet. Beide Straßen wurden über Torf errichtet. Wie viel es kostet, die Schäden zu beheben, ist noch nicht abzusehen. Der Berliner Flughafen, Baubeginn 2006, sollte zwei Milliarden Euro kosten und 2011 in Betrieb gehen. Nun soll er 2020 fertig sein. Die Bauzeit läge dann bei 14 Jahren. Er sollte zwei Milliarden Euro kosten. Nun sollen es 5,3 Milliarden Euro mehr werden. Stuttgarts neuer Bahnhof sollte 2021 fertig sein. Inzwischen wird mit 2024 gerechnet. Die Kosten sollen um 1,1 Milliarden auf 7,6 Milliarden ansteigen, vorerst. Die Hamburger Elbphilharmonie sollte 186 Millionen Euro kosten. Es wurden knapp 800 Millionen. Der Bau begann 2007. Er sollte 2010 beendet sein. Er brauchte sieben Jahre mehr. Der VW-Konzern betrog seine Kunden in aller Welt mit technisch unzureichenden Fahrzeugen. Die Kosten des Betrugs allein für VW werden auf 28 Milliarden Euro geschätzt. Bei Rastatt senkten sich die Gleise der Rheintalbahn ab, wegen technischer Probleme beim Tunnelbau in der Nähe. Die viel befahrene Strecke wurde über Wochen gesperrt. Der Tunnels soll nun um zwei Jahre später als geplant fertig werden. Der Schaden soll in die Milliarden gehen. – Die Liste der Projekte mit technischen Pannen, ungeheuerlich überdehnten Bauzeiten, explodierten Kosten und kriminellen Entgleisungen lässt sich leicht verlängern. Die Fehlleistungen werden weltweit wahrgenommen. Es gibt viele Verursacher, aber keine Verantwortlichen.Das ist typisch für Verfallsprozesse. – „Made in Germany“ wurde, um deutsche Waren als minderwertig abzustempeln, Ende des 19. Jahrhunderts in Großbritannien als diskriminierender Warnhinweis erfunden. Deutschland machte ihn zum Gütesiegel. Die zunehmenden Katastrophenprojekte legen den Verdacht nahe, Deutschland arbeite daran, das Gütesiegel zum Warnhinweis zurückzuentwickeln. – Ulrich Horn

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6 Kommentare zu “Es war einmal in Germany”

  1. Markus sagt:

    „Es gibt viele Verursacher, aber keine Verantwortlichen. Das ist typisch für Verfallsprozesse.“

    Und Mutti Merkel ist seit 12 Jahren Kanzlerin. Weiter so!

  2. Tim Arnold de Almeida sagt:

    Der bis heute nicht aufgeklärte Einsturz des Kölner Stadtarchivs als Folge des U-Bahn-Baus gehört leider auch in diese Reihe.

  3. Jochen Hensel sagt:

    Auch die Rheinbrücken in Leverkusen und Duisburg gehören dazu. Dafür will man den Mittelrhein mit einer Brücke verschandeln.

  4. Aquii sagt:

    Nicht zu vergessen das Leuchtturmprojekt des Kulturwandels im Ruhrgebiet, die Zeche Zollverein mit 500 versenkten Millionen zwar ein Schnäppchen, dafür reicht es bei den angestellten Informationsmitarbeitern nur noch zu befristeten Arbeitsverträgen von maximal 9 Monaten.

  5. tokolosh sagt:

    Über die Hintergründe gibt es einen wahrlich leseneswerten Artikel auf hintergrund.de

    „Ausufernde Kosten sind keine „Pannen“, sondern haben System und sind Ausdruck der aktuellen kapitalistischen Krise“
    https://www.hintergrund.de/politik/inland/das-geschaeft-mit-grossprojekten/

  6. Roland Appel sagt:

    All diese Projekte sind eine Folge des Neoliberalismus, der eine „schlanke“ Verwaltung wollte. Ich erinnerre mich noch gut, wie mein Parteifreund Michael Vesper als Bauminister den BLB erschaffen und die staatliche Bauverwaltung aufgelöst hat. Tagelang saß ich damals mit den Personalräten zusammen, habe mit Vesper geredet, aber die Neoliberalen Clement und Vesper zogen es durch. Korruption im BLB und öffentliche Körperschaften, die wie derzeit die Kommunen magels Planungskompetenz nicht in der Lage sind, Schulen zu sanieren, obwohl das Geld da ist, sind bis heute die Folge. Versprochen wurde, dass Private alles besser und billiger machen – ich lach mich tot! Eine völlige Auslieferung der Verwaltung mangels Fachkompetenz an die Bauunternehmen im Verzögerungsfall ist eine weitere Folge. Wer heute bauen will, muss mit 9-12 Monaten bis zu Baugemehmigung rechnen, weil kein Personal da ist. Und weiter wird privatisiert, mit der Bundesautobahnen-Gesellschaft geht es weiter. Die A20 gehörte übrigens zu den Autobahnen, bei denen Teilstücke weitgehend in privater Hand geplant wurden.

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