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Nebenbei

  • Schröder: Vom Kanzler zum Würstchen

    Wie viele Menschen haben wohl bedauert, dass sie der SPD 1998 ihre Stimme gaben und mit ihr deren Spitzenkandidaten Schröder zum Kanzler machten? Beschweren können sie sich nicht. Er lebte seine Schwächen schon vor seiner Kanzlerschaft hemmungslos öffentlich aus. Bereits damals war das Bild, das er von sich prägte, weniger von seiner Politik als von seinem Verhalten im Umgang mit Parteifreunden und seiner Partei bestimmt. Es stieß ab. Man musste nur hinschauen. Heute kann man sagen: Er hat einen wesentlichen Beitrag zum Verfall der Sitten in der SPD und zum Niedergang der Partei geleistet. Bezeichnend auch, dass er als Kanzler jenen Job kreierte, der ihm nach dem Abschied aus dem Amt den lang ersehnten Wohlstand brachte. Um in dessen Genuss zu kommen, schreckt der Ex-Kanzler nicht davor zurück, dem russischen Diktator Putin zu dienen. Dass ihn die Bild-Zeitung, deren Gunst er als Kanzler suchte, heute als Putins Pudel abbürstet, kommt wohl der Ansicht nahe, die viele Bürger von Schröder haben. Zu den Missständen in Russland, Weißrussland und der Türkei, die in die EU ausstrahlen, hört man von ihm kein Wort. Wohl aber kämpft er darum, dass VW in seinen Betriebskantinen die Currywurst nicht abschafft. Schröder war ein Profiteur sozialdemokratischer Bildungspolitik: Er brachte es vom Kind armer Leute zum Kanzler. Dann machte sich der Kanzler zu Putins Rudel, und nun macht sich Putins Pudel zum Würstchen. Welch eine Laufbahn! – Ulrich Horn

Drei Frauen, ein Mann

Donnerstag, 4. Mai 2017

Nebenbei, Politik

Das TV-Duell zwischen Ministerpräsidentin Kraft und CDU-Herausforderer Laschet entscheidet nicht die NRW-Wahl. Dennoch bot es interessante Aufschlüsse – weniger über die Pläne der beiden Spitzenkandidaten als über die Persönlichkeiten selbst. 1. Kraft beschädigte ihr Image als nette Landesmutter. Gleich von Anfang an zeigte sie sich, wie man sie im Düsseldorfer Regierungsviertel kennt: unwirsch, ungeduldig, auch zickig. Sie fährt schnell aus der Haut und andere an, wenn sie meint, die kämen ihr quer. Im TV-Duell bestätigte sie die Hombach-Maxime: Gegen die Wirklichkeit kann auf Dauer kein Image bestehen. 2. Krafts Versuch, das Duell zu dominieren, misslang. Schon zu Beginn erregte sie sich heftig, als wollte sie die Fassung verlieren. Später lächelte sie auch abschätzig über Laschet. Wäre er gegenüber ihr so aufgetreten wie sie gegenüber ihm, hätten sich alle Daumen über ihm gesenkt. 3. Kraft war taktisch schlecht vorbereitet. Über weite Strecken hing sie in der Defensive. Mittel, ihr zu entkommen, fand sie kaum. Selbst wenn sie lautstark angriff, lief sie in Laschets Konter. Präsidentinnenhaft wirkte sie nicht. 4. Inhaltlich hat sie wenig anzubieten. Sie will mehr Polizisten, kostenlose Betreuung in Kindergärten und das Projekt, kein Kind zurückzulassen, weiter ausdehnen. Wie sie das Ruhrgebiet auf die Beine bringen will, das ganz NRW herunterzieht, bleibt ihr Geheimnis. 5. Laschet war taktisch klug eingestellt. Er hatte es mit drei Frauen zu tun, mit Kraft und den beiden Moderatorinnen. Er bewältigte die Aufgabe, ohne unangenehm anzuecken. Er formulierte seine Kritik höflich und verbindlich. Dennoch zwang er Kraft, sich als die Persönlichkeit zu zeigen, die sich sonst hinter der Rolle der Landesmutter verbirgt. Er hob sogar Konsenspunkte hervor. Sein Auftritt war dazu angetan, für die CDU auch Frauen zu gewinnen, denen man nachsagt, sie tendierten zu Kraft. 6. Sie allzu heftig anzugehen, konnte sich Laschet ersparen. Der Eindruck, sie habe NRW herunterwirtschaftet, hat sich derart breit festgesetzt, dass er sich wie ein roter Faden durch alle Fragen der Moderatorinnen zog. – Ulrich Horn

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3 Kommentare zu “Drei Frauen, ein Mann”

  1. Hubertus Bruch sagt:

    Kraft war schlecht beraten, in der Tat (oder ist inzwischen beratungsresistent?). Laschet hätte auch einfach die ganze Zeit schweigen können. Interessant ist in der Tat die Vorgehensweise. Im Gegensatz zu Röttgen dreht Laschet den Spieß einfach um und stellt Kraft als arrogant und abgehoben ab, nach dem Motto: Martins Beste! Bis zur Wahl wird es doch spannender als vermutet. Wer hätte das gedacht?

  2. Roland Appel sagt:

    In dem, was Sie schreiben, Herr Horn, stimme ich Ihnen zu. Was Sie aber nicht schreiben, ist, dass Laschet von zwei Dingen profitierte: Zum einen vom Sendeformat. Wir wählen in NRW keine Ministerpräsidentin direkt, sondern Kandidaten und Parteien. Das Format verschaffte CDU und SPD eine Extraportion Wahlwerbung – wir kennen das aus Köln und auf eine GroKo läuft es auch in NRW hinaus, da geht der WDR in vorauseilendem Gehorsam gleich mal voran. Zum anderen waren die beiden Journalistinnen, die ich sonst sehr schätze, mindestens so lausig vorbereitet, wie die Ministerpräsidentin. Sie ließen den beiden jede Menge Falschbehauptungen durchgehen. Laschet behauptete, Amri hätte ausländerrechtlich in Haft genommen werden können, Kraft behauptete, dafür hätte man erst das Gesetz ändern müssen – beides ist falsch, er hätte wegen seiner Straftaten in Haft genommen werden können. Da wurden verdachtsunabhängige Kontollen und Schleierfahndung verwechselt und behauptet, dass das auch rot-grüne Bundesländer hätten, hinter der Grenze könne die Polizei nicht mehr kontollieren; die Beispiele aus Kitas und Wohnungsbau – alles kleine Unwahrheiten, die die Moderatorinnen durchgehen ließen und mit denen vor allen Dingen der sympathische Hallodri Laschet punktete. Es kam nicht auf Fakten an, sondern es wurde Stimmung gemacht. Das genau ist jener Alltagspopulismus, der politische Information verhindert. Ich weiss jetzt kein bisschen mehr darüber, was beide in den nächsten fünf Jahren wirklich wollen, sondern wie sie drauf waren. Genau solche Duelle schaden der Aufklärung mehr, als sie nützen. Wir haben noch nicht das Niveau Trump/Clinton erreicht, aber wer gestern LePen/Macron auf TV5 gesehen hat, konnte die nächste Stufe Niveau abwärts schon mal betrachten.

  3. Düsseldorfer sagt:

    Ich glaube, Laschet hatte mächtig Glück, dass seine Kontrahentin sich stellenweise sehr stinkig zeigte und damit kaum präsidial wirkte. Anzuerkennen ist, dass sich Kraft insofern sehr echt und authentisch verhielt, weil sie in Wirklichkeit ja oft ziemlich launisch, muffelig, selbstbezogen und zickig ist und – wenn sie zur Hochform aufläuft – wie eine echte Gifthexe auftreten kann, jedoch zerstört sie damit das im Gefühlswahlkampf der SPD mühsam aufgebaute Bild der guten Landesmutter. Aus meiner Sicht müsste Laschet die miese wirtschaftliche Bilanz der Regierungsjahre von Kraft, die trotz eines Wirtschaftsstudiums in Duisburg und London keine Ahnung von erfolgreicher Wirtschaftspolitik hat, sehr viel deutlicher und pointierter kritisieren.

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