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Nebenbei

  • Die Büttenredner der SPD

    Zum Wochenwechsel beschäftigte sich die Republik mit zwei lokalen Ereignissen – mit dem Karneval und der Hamburg-Wahl. Beide Veranstaltungen vermittelten sich wie üblich in großem Stil über die öffentlich-rechtlichen TV-Sender. Es war schwer zu unterscheiden, ob gerade der Karneval oder die Wahl übertragen wurde. Hamburgs SPD-Bürgermeister hörte gar nicht auf, das Wahlergebnis seiner Partei zu bejubeln, obwohl sie mit mehr als sechs Prozentpunkten den höchsten Verlust aller Parteien erlitt. Die SPD-Chefs Esken und Walter-Borjans übertrafen den Bürgermeister noch. Sie beschränkten sich nicht darauf, das magere Ergebnis als Erfolg zu feiern. Sie beanspruchten auch, ihn mitbewirkt zu haben. Dabei weiß die ganze Republik: Hamburgs SPD hatte sich verbeten, dass Esken und Walter-Borjans im Wahlkampf auftraten. Die beiden SPD-Chefs sind schließlich angetreten, gerade jene politische Richtung in der SPD zu bekämpfen, deren Hamburger Wahlergebnis sie nun in den Wahlsendungen feierten und sogar für sich reklamierten. Wie viele Zuschauer fühlten sich wohl von den beiden SPD-Chefs belogen? Wie vielen vermittelten Esken und Walter-Borjans wohl, dass man auf das Wort von Politikern und auf ihres im Besonderen nichts geben kann? Für alle anderen machten sich Esken und Walter-Borjans über die Hamburg-Wahl zu Narren. Viele Zuschauer werden ihre Stellungnahmen als Büttenreden verstanden haben. Kürzlich war zu lesen, Walter-Borjans erwäge, zur Bundestagswahl 2021 als Kanzlerkandidat anzutreten. Seine Wahlkampfbotschaft und sein Wahlslogan dürften schon feststehen: SPD alaaf, SPD helau. – Ulrich Horn

Zum Abgasskandal auch noch Führungsprobleme

VW: Krisenmanager werden Teil der Krise

Mittwoch, 9. März 2016

Politik

Im VW-Skandal wird immer deutlicher: Konzernchef Müller ist der falsche Mann, die Krise des Konzerns zu managen. Dieser Umstand war schon bei seiner Berufung an die Konzernspitze vielen Beobachtern klar, wurde von den Eigentümern und vom Aufsichtsrat jedoch ignoriert, zum Schaden für den Konzern.

Netzwerke schonen

Müller fehlen die Voraussetzungen, die für erfolgreiches Krisenmanagement erforderlich sind. Sein größtes Handicap ist es, dass seine Glaubwürdigkeit infrage gestellt werden kann. Er gehört zum Kreis jener VW-Manager, die vom Abgasbetrug seit Langem hätten wissen müssen – oder von ihm wussten und ihn verschwiegen.

Warum ausgerechnet er an die VW-Spitze kam, nährt die Vermutung, er solle das unvermeidliche Aufräumen auf das unvermeidbare Ausmaß beschränken. Damit er diese Aufgabe optimal wahrnehmen kann, wurde ihm mit Aufsichtsratschef Pötsch ein Mann zur Seite gestellt, der das gleiche Handicap wie Müller trägt: Er kennt die Netzwerke bei VW und bietet ebenfalls die Gewähr bietet, sie so weit wie möglich zu schonen.

Niedersachsens Sperrminorität

Wie erwartet haben sich beide zur Belastung für den Konzern entwickelt. Dank seines kurzsichtigen Aufsichtsrates kämpft das Unternehmen nun nicht nur mit dem Abgasskandal, sondern auch mit der Frage, in welchem Umfang seine Krisenmanager in ihn verstrickt sind. Je länger sie in ihren Ämtern bleiben, desto lauter wird sich diese Frage stellen.

Der Schaden, den Pötsch und Müller mit sich bringen, übersteigt längst den Nutzen, der von ihnen erwartet wurde. Dass die Eigentümer Piëch und Porsche an den beiden langgedienten Managern festhalten, müssen sie mit sich abmachen. Was aber tut das Land Niedersachen, das bei VW eine Sperrminorität besitzt?

In die Ämter gehievt

Ministerpräsident Weil (SPD) hat gegen den Rat vieler Fachleute mitgeholfen, Pötsch und Müller in ihre Ämter zu hieven. Er ist mitverantwortlich für das Führungsproblem des Konzerns. Weil – und mit ihm die SPD – sind auf dem besten Weg, wie Müller und Pötsch Teil der VW-Probleme zu werden. Dieses Problem hat der SPD gerade noch gefehlt. – Ulrich Horn


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2 Kommentare zu “VW: Krisenmanager werden Teil der Krise”

  1. Werner sagt:

    Was einen fasziniert, ist immer die Art und Weise, wie Journalisten, die ja von allem Ahnung haben, ihre Wahrheiten hinausposaunen! Ohne Nachweis für Kompetenz werden komplexeste Zusammenhänge simplifiziert! Ohne es zu belegen, werden Behauptungen in die Welt gesetzt! Gut, dass es Journalisten gibt, die von allem und jedem Ahnung haben!

  2. Martin Böttger sagt:

    @Werner: Große Unternehmen, Verbände und Bürokratien neigen stark dazu, selbstbezogen und betriebsblind zu werden. Zu intensiv sind sie mit internen Rangkämpfen beschäftigt und ausgelastet. Da können Journalisten, die strategisches Grundverständnis besitzen, oftmals hilfreich sein, um ihnen zu spiegeln, wie das da draußen wirkt. Deswegen kaufen kluge produzierende Unternehmen auf dem Arbeitsmarkt mittlerweile mehr Journalisten ein, als es Medienunternehmen tun. Da lobe ich mir als Leser unabhängige Journalisten, die von keinem mehr eingekauft werden.

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