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Nebenbei

  • Der Preis der Pandemie

    Die vierte Coronawelle macht den Politikern Sorgen. Die Krankenhäuser laufen über. Sie werden vor allem von Impfunwilligen geflutet, die sich bei ihresgleichen angesteckt haben. Seit das Virus die Inzidenz zum vierstelligen Bereich hochtreibt, sind die Politiker alarmiert. Es fällt ihnen auf, dass fast elf Monate nach dem Impfstart 15 Millionen Impffähige die Impfung verweigern. Um zu verhindern, dass sich die große Katastrophe zu einer gigantischen auswächst, sollen die Impfunwilligen bewogen werden, sich sozial zu verhalten und sich impfen zu lassen. Man will ein wenig Druck auf sie ausüben: Es soll ihnen gut zugeredet werden. Man will ihnen vor Augen halten, sie könnten vom Gemeinschaftsleben ausgeschlossen werden, wenn es mit der Pandemie noch doller kommen sollte. Wen wollen die Politiker mit solchen Ankündigungen beeindrucken? Die 15 Millionen Impfverweigerer können es nicht sein. Ihnen wollen die Politiker mit kostenlosen Tests die Möglichkeit bieten, sich der Impfnadel zu entziehen. Solange die Tests gratis sind und von den Steuermitteln aus dem Kreis der 56 Millionen Geimpften finanziert werden, schwindet der Anreiz für die Impfverweigerer, sich impfen zu lassen. Der Unmut unter den Geimpften dürfte dagegen neues Maximum erreichen. Sie bezahlen nicht nur die Tests für die Impfverweigerer, sondern auch die hohen Kosten, die sich darüber hinaus durch das unsoziale Verhalten der Impfverweigerer ergeben. Wäre es nicht gerechter und an der Zeit, die Coronakosten stärker am Verursacherprinzip auszurichten? – Ulrich Horn

Prestige und Mittelmaß

Montag, 25. Mai 2015

Nebenbei

Die Medien verschaffen der 1. Fußball-Bundesliga der Männer ein Prestige, das nicht gerechtfertigt ist. Die Liga versinkt im Mittelmaß. Die letzten Spieltage der jüngsten Saison bezogen ihre Spannung nicht aus dem Kampf der besten Mannschaften um die Meisterschaft. Sie war seit Wochen entschieden. Zuletzt ging es nur noch um den Abstieg. Ihn mussten ein Drittel aller Mannschaften fürchten. Dass die Liga nicht von der Leistungsstärke der Mannschaften, sondern von deren Schwäche geprägt wird, macht auch die Abschlusstabelle deutlich. Ein Verein ist erstklassig, drei Vereine sind mit deutlichem Punktabstand mittelmäßig. Der Rest ist mehr oder minder zweitklassig. Dagegen ist in der zweiten Liga das Leistungsstreben noch spürbar. Dort kämpften bis zuletzt drei Mannschaften um den Aufstieg. Es scheint so, als liege das durchschnittliche Leistungsniveau des Profifußballs der Männer auf jene Linie, die den Aufstieg in die 1. Liga und den Abstieg in die 2. Liga markiert. Die Leistungskraft der Erstligamannschaften wird zunehmend von der Finanzkraft ihrer Vereine bestimmt. Diese Einsicht teilt nicht jeder Fanclub. Wie wäre sonst der Ärger der Schalker Fans über die schwachen Leistungen ihrer Mannschaft zu verstehen? Profifußball ist ein Geschäft. Die Clubs sind Unternehmen. Schalke ist bis zum Bommel der Vereinsmütze verschuldet. Wer wie die Schalke-Fanclubs versucht, die Vereinskultur auf die seligen Zeiten von Szepan und Kuzorra auszurichten, darf sich nicht wundern, wenn er weitere 57 Jahre vergeblich hinter der Meisterschale herlaufen muss. – Ulrich Horn

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2 Kommentare zu “Prestige und Mittelmaß”

  1. Roland Appel sagt:

    Aber lieber Herr Horn – Die Vereine der Bundesliga sind doch keine richtigen Unternehmen, denn dann müssten sie viel zu viele Risiken tragen – z.B. für Stadien, Sportstätten, sie müssten für die Polizeieinsätze zahlen, die den Weg der Fans sichern usw. Es gibt auch keinen Markt, geschweige denn auch nur Wettbewerb bei annähernd gerechten Chancen – einstmals eine Grundvoraussetzung jeder Sportart!
    Nein, es gibt nur ein korruptes, abgekartetes Spiel, das die bevorzugt, die ganz oben sind, wie Bayern München, die etwa zwanzigmal soviel Geld bekommen wie die, die aufsteigen wie der 1.FC Köln oder Paderborn.
    Dieses halbkriminelle System halten DFB und DFL aufrecht, um zum einen Werbemilliarden, zum anderen die Milliarden aus den öffentlich-rechtlichen Medien unter ihren Oligarchien aufzuteilen.
    Nach dem schönen kapitalistischen Prinzip, dass die, die das meiste haben, auch das meiste bekommen. Denn der Sport ist ja ein Vorbild für die Gesellschaft. Damit hält man das Prekariat schön ruhig und die Bourgeoisie ergötzt sich bisweilen auch ein bisschen daran – wenn etwa die Schickeria in den VIP-Lounges in München, Hamburg oder Stuttgart ihre Geschäftsabschlüsse mit Champagner und ein bisschen Fußball feiert. Gestalten wie Uli Hoeneß oder der einstige 7-Tage Justizminister Rauball sind die soliden Eckpfeiler dieses Systems. Über den Stadien liegt der Nebel der zweifelhaften internationalen Millionentransfers und Werbeetats. So spinnt Volkswagen etwa als Sponsor konkurrierender Vereine sein Netz durch 3 Fußballigen, ohne dass ein Compliance-Beauftragter daran Anstoß nähme.
    Aber was soll man schon erwarten, wenn sich durch die Spendensümpfe von UEFA und FIFA der Aasgeruch der Wieder“wahl“ des Oberpaten Sepp Blatter zieht.
    Panem et Circenses.
    Da schau ich doch lieber, wer absteigt. Geradezu symbolhaft, dass mit Paderborn und Freiburg dieses Jahr die abgestiegen sind, die die wenigsten oder gar keine VIP-Lounges im Stadion haben.
    Schalke, lieber Herr Horn, würde erst wieder Meister werden können, wenn das ganz System von Grund auf verändert würde. Aber das würde die überraschende Überwindung des Kapitalismus und vor allem der Korruption im Sport bedeuten. Aber davon sind FIFA, Olympia und Formel eins etwa so weit entfernt wie Mars von der Erde.

  2. Hubertus Bruch sagt:

    Hallo Herr Horn,
    spricht hier das traurige Herz eines Anhängers eines Ruhrpottvereins? Solange ich mich zurückerinnern kann, war der Kampf an der Spitze die Sache von einem (FCB), zwei (FCB + 1) oder selten drei (FCB + 2) Vereinen. Im Tabellenkeller bzw. oben in der zweiten Liga ist das Bild ebenfalls von fast immer den gleichen Vereinen geprägt (Köln, Freiburg, St. Pauli, etc.).
    Dass das Geld eine große Rolle spielt, ist unbestritten, muss aber nicht (Gladbach). Aber dass den Spielern inzwischen die Leidenschaft abgeht, sehe ich nicht. Auf dem Niveau können sie sich nur halten, wenn neben Fitness und Können auch Spaß am Beruf/Verein gegeben ist.
    Bei den Schalkern sind die Erwartungen an die von den Fans gewünschte Leidenschaft einfach unerreichbar. Dazu kommen ein fürchterlich schlechtes Management und ein seit Jahren schlechtes Händchen in Sachen Trainer. Woher da der Anspruch auf Titel jedes Jahr genährt wird, ist jedem Fußballinteressierten außerhalb von Gelsenkirchen immer wieder aufs Neue ein Rätsel. Fakt ist: Die können’s einfach nicht, was die eine Hälfte des Potts einfach nicht wahrhaben will.

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