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Nebenbei

  • Der Preis der Pandemie

    Die vierte Coronawelle macht den Politikern Sorgen. Die Krankenhäuser laufen über. Sie werden vor allem von Impfunwilligen geflutet, die sich bei ihresgleichen angesteckt haben. Seit das Virus die Inzidenz zum vierstelligen Bereich hochtreibt, sind die Politiker alarmiert. Es fällt ihnen auf, dass fast elf Monate nach dem Impfstart 15 Millionen Impffähige die Impfung verweigern. Um zu verhindern, dass sich die große Katastrophe zu einer gigantischen auswächst, sollen die Impfunwilligen bewogen werden, sich sozial zu verhalten und sich impfen zu lassen. Man will ein wenig Druck auf sie ausüben: Es soll ihnen gut zugeredet werden. Man will ihnen vor Augen halten, sie könnten vom Gemeinschaftsleben ausgeschlossen werden, wenn es mit der Pandemie noch doller kommen sollte. Wen wollen die Politiker mit solchen Ankündigungen beeindrucken? Die 15 Millionen Impfverweigerer können es nicht sein. Ihnen wollen die Politiker mit kostenlosen Tests die Möglichkeit bieten, sich der Impfnadel zu entziehen. Solange die Tests gratis sind und von den Steuermitteln aus dem Kreis der 56 Millionen Geimpften finanziert werden, schwindet der Anreiz für die Impfverweigerer, sich impfen zu lassen. Der Unmut unter den Geimpften dürfte dagegen neues Maximum erreichen. Sie bezahlen nicht nur die Tests für die Impfverweigerer, sondern auch die hohen Kosten, die sich darüber hinaus durch das unsoziale Verhalten der Impfverweigerer ergeben. Wäre es nicht gerechter und an der Zeit, die Coronakosten stärker am Verursacherprinzip auszurichten? – Ulrich Horn

NRW: Koalition der Selbstbedienung

Donnerstag, 9. Februar 2012

Politik

(uh)  Die rot-grüne Minderheitskoalition in NRW ist ihrer Natur nach ein wackeliges Bündnis. Es braucht bei  jeder Abstimmung im Landtag Sponsoren aus der Opposition, wenn es seine Vorhaben umsetzen will. Deshalb behauptet die Koalition, sie stehe für einen neuen, kooperativen Politikstil. Sie sieht sich als Koalition der Einladung.

Am Mittwoch füllte sie diese Selbstsicht mit neuem Inhalt. Sie lud die 181 Abgeordneten ein –  zur Selbstbedienung. Mit großem Erfolg. 143 Abgeordnete von SPD, Grünen und CDU stimmt dafür, die Diäten der Angeordneten um 500 Euro pro Monat zu erhöhen. Mit dem Zuwachs von rund fünf Prozent stocken die Abgeordneten ihre üppige Altersversorgung auf.

Viele Bürger werteten dieses Vorgehen als Selbstbereicherung und protestierten heftig. Bei einer Anhörung im Landtag sprach sich die Mehrheit der Gutachter gegen den Rollgriff in die Staatskasse aus. Das alles half nicht. Die Abgeordneten erhöhten ihre Einkünfte, und zwar über Kredite, die das tief verschuldete Land aufnehmen muss.

Die Enttäuschung der Bürger über ihre Abgeordneten dürfte sich dennoch in Grenzen. Die Mandatsträger bestätigten nur, was die meisten Bürger ohnehin von Politikern halten: so gut wie nichts. Das zeigen die Umfragen und die rückläufige Wahlbeteiligung. Auch der Zulauf zu radikalen Gruppen kommt nicht von ungefähr.

Die Bürger sehen über vieles hinweg. Manches vergessen sie schnell. Doch dass SPD, CDU und Grüne ihnen erst kürzlich die Renten kürzten, die Betriebsrenten besteuerten und die Lebensarbeitszeit verlängerten, ohne Gewähr für längeres Arbeiten und ausreichende Arbeitsplätze zu bieten, ist der Mehrheit der Bürger noch sehr bewusst. Man kann ihnen nicht verübeln, dass sie mit Abscheu auf die Aktion der Landtagsabgeordneten blicken.

Am Tag, als die Abgeordneten in die Kasse des hoch verschuldeten Landes griffen, kündigte Ministerpräsidentin Kraft den Bürgern über die Rheinische Post drastische Sparmaßnahmen an. „Sie bekräftigte ihr Ziel der Schuldenbremse 2020“, schrieb die Zeitung und zitierte die Regierungschefin: „Wir haben die Null-Schulden-Grenze fest im Blick.“

Wer das beim Frühstück las, konnte sich beim Biss ins Brötchen ausmalen, welche Kürzungen auf ihn zurollen werden. Später konnte er dann im Internet verfolgen, wie auch Kraft dafür stimmte, ihre eigene Diät und die aller anderen Abgeordneten um 500 Euro pro Monat zu erhöhen. Ob sich die Bürger über solche Widersprüche wohl Gedanken machen?

Bemerkenswert sind Äußerungen des Kölner SPD-Abgeordneten Ott, der als künftiger SPD-Generalsekretär im Gespräch ist. Kurz vor der Diäten-Abstimmung jammerte er im WDR, seine Diät von 10226 Euro schrumpfe nach Abzug von Fahrt- und Bewirtungskosten, Steuern, Krankenversicherung und Altersversorgung auf 4500 Euro, gerade mal 200, 300 Euro mehr als zu seiner Zeit als Oberstudienrat. Prompt fragt man sich: Ist das Dasein als Landtagsabgeordneter 300 Euro mehr wert als die Arbeit eines Oberstudienrates?

Entlarvend ist Otts Klage, sein Einkommen mindere sich auch, weil er seiner Partei eine Abgabe von 600 Euro pro Monat zahlen müsse. Die SPD verlangt von ihm mehr als fünf Prozent seiner Einkünfte, eine Ausbeutung, die es in allen Parteien gibt. Sie hat in den vergangenen Jahren zugenommen.

Der wahre Grund, warum die Abgeordneten sich als Selbstbediener beschimpfen ließen und trotz allen Protests ihre Diäten erhöhten, liegt vermutlich darin, dass sie von ihren Parteien immer stärker abgezockt werden.

 

 

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Ein Kommentar zu “NRW: Koalition der Selbstbedienung”

  1. Walter Stach sagt:

    Das Problem ist, daß ca.90% der Landtagsabgeordneten nach dem Motto „nimm was Du kriegen kannst“ leben, sich dabei als „Vorbild“ auf den Bundespräsidenten beziehen können, und im übrigen nie eine Chance hätten, aufgrund ihrer Fähigkeiten in einem Beruf ein auch nur annähernd vergleichbares Einkommen zu erzielen -gilt auch für Herr Ott. Ich würde es zudem begrüßen, wenn mittels eines Gutachtens einmal aufgelistet würde, wie hoch insgesamt die monatlichen Einnahmen eines jeden Landtagsabgeordneten sind, also neben den Diäten als Abgeordneter müßten alle seine sonstigen Einnahmen eingerechnet werden, z.B.Aufwandsentschädigungen als Ratsmitglied,als Kreistagsmitglied, Mitglied in der Verbandsversammlung des Landschaftsverbandes, des RVR, in diversen Aufsichts- und Beiräten privater und öffentlicher Unternehmen. M.W. gibt es dazu kein transparentes Material -warum wohl nicht?

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