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Nebenbei

  • WM: Spielkultur (2)

    Wer schlimme Verhältnisse beklagt, ist meist im Irrtum. Sie sind oft schlimmer, wie die Fußball-WM zeigt. Das Spiel Brasilien gegen Kolumbien wies in die Zukunft. Sie hat mit dem Spiel früherer Zeiten nichts mehr zu tun. Schon heute geht es kaum noch darum, mit dem Ball besser als der Gegner zu spielen, sondern ihn außer Gefecht zu setzen. Der Einsatz der Hände und Ellenbogen führt kaum noch zum Feldverweis. Stoßen, schieben, werfen oder schlagen sie den Gegner nieder, gibt es allenfalls einen Strafstoß. Den Gegner mit gestreckten Beinen anzuspringen, ihm mit den Stollen der Fußballschuhe voran in die Beine zu grätschen und dabei zu riskieren, ihm die Knochen zu brechen, gilt als gutes Zweikampfverhalten. Das Fußballspiel ist dabei, seine Attraktivität über Brutalität zu steigern. Fan-Gruppen drängen seit langem in diese Richtung. Das Potenzial ist längst noch nicht ausgereizt. Es lässt sich gewaltig steigern. Bald werden die Spieler wie Kickboxer trainieren. Um den zunehmenden Verschleiß auszugleichen, wird man die Zahl der Auswechselspieler erhöhen. Spieler werden nicht mehr verletzt, sondern verwundet. Um sie und die Opfer unter den Zuschauern angemessen zu versorgen, wird man in den Stadien zur Erstversorgung Lazarette einrichten müssen. Und die FIFA, die im Verdacht steht, mafiös zu sein? Noch lässt sie die Entwicklung nur verantwortungslos treiben. Sie wird wohl den Trend fördern, wenn er genügend Gewinn verspricht. – Ulrich Horn

Stille Post