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Nebenbei

  • Schröder: Vom Kanzler zum Würstchen

    Wie viele Menschen haben wohl bedauert, dass sie der SPD 1998 ihre Stimme gaben und mit ihr deren Spitzenkandidaten Schröder zum Kanzler machten? Beschweren können sie sich nicht. Er lebte seine Schwächen schon vor seiner Kanzlerschaft hemmungslos öffentlich aus. Bereits damals war das Bild, das er von sich prägte, weniger von seiner Politik als von seinem Verhalten im Umgang mit Parteifreunden und seiner Partei bestimmt. Es stieß ab. Man musste nur hinschauen. Heute kann man sagen: Er hat einen wesentlichen Beitrag zum Verfall der Sitten in der SPD und zum Niedergang der Partei geleistet. Bezeichnend auch, dass er als Kanzler jenen Job kreierte, der ihm nach dem Abschied aus dem Amt den lang ersehnten Wohlstand brachte. Um in dessen Genuss zu kommen, schreckt der Ex-Kanzler nicht davor zurück, dem russischen Diktator Putin zu dienen. Dass ihn die Bild-Zeitung, deren Gunst er als Kanzler suchte, heute als Putins Pudel abbürstet, kommt wohl der Ansicht nahe, die viele Bürger von Schröder haben. Zu den Missständen in Russland, Weißrussland und der Türkei, die in die EU ausstrahlen, hört man von ihm kein Wort. Wohl aber kämpft er darum, dass VW in seinen Betriebskantinen die Currywurst nicht abschafft. Schröder war ein Profiteur sozialdemokratischer Bildungspolitik: Er brachte es vom Kind armer Leute zum Kanzler. Dann machte sich der Kanzler zu Putins Rudel, und nun macht sich Putins Pudel zum Würstchen. Welch eine Laufbahn! – Ulrich Horn

Die Qual der Wahl

Samstag, 31. Juli 2021

Nebenbei

Bei der Bundestagswahl im September ist alles anders. Besseres ist über sie nicht zu sagen. Mit Ausnahme der ersten Wahl traten stets ein Kanzler und ein Kanzlerkandidat gegeneinander an. Diesmal geht die Kanzlerin in Pension. Dafür gibt es drei Kandidaten. Ihre Anzahl wuchs, ihre Qualität leider nicht. SPD-Kandidat Scholz spielt in zahlreichen Betrugs- und Verwaltungsskandalen und bei deren Aufklärung eine erbärmliche Rolle. Die Kandidatin der Grünen, Baerbock, zeigt sich wie schon als Studentin hoffnungslos überfordert. Unionskandidat Laschet bestätigt verlässlich den Eindruck, ein rheinischer Leichtfuß zu sein. Wähler, die Politik ernst nehmen, haben es schwer. Sie wählen im September zwar nicht den Bundeskanzler, sondern Parteien. Doch was diese Gruppen nach der Wahl aus den Wählerstimmen machen, ist so ungewiss wie nie. Sicher ist nur: Es wird mehr Abgeordnete geben. Dafür haben die Mandatsträger gesorgt, als sie die Reform des Bundestages scheitern ließen. Wer soll ihnen abnehmen, dass sie die überfälligen Reformen in Staat, Wirtschaft und Gesellschaft durchführen? Der Dichter Heine hatte 1843 in Frankreich schlaflose Nächte, wenn er an Deutschland dachte. Heute denken Deutsche nicht nachts. Sie schlafen. Wenn sie denken, dann tagsüber, und wenn an Wahlen, dann unter Qualen. – Ulrich Horn

5 Kommentare zu “Die Qual der Wahl”

  1. grafiksammler sagt:

    Gibt es wirklich eine Qual bei dieser Wahl? Für mich nicht.
    Keine dieser 3 Parteien ist ob deren Unverschämtheit, dem Sovereign solche Kandidaten zuzumuten, für mich wählbar. So schaffen die Parteien die Demokratie ab. Aber im unteren Tableau auf dem Wahlzettel wird irgendeine Kleinpartei sich über meine Stimme freuen. Bestimmt nicht FDP oder gar die AFD.

    • Helmut Lorscheid sagt:

      Guten Tag,

      es ist doch sonnenklar – wählbar sind Die Linke und vielleicht noch volt. Grüne wählen hieße uns einer Kriegsgefahr aussetzen, denn diese Annalena B. ist außenpolitisch eine Kriegstreiberin wie der derzeitige ‚US-Präsident Biden.

      Helmut Lorscheid

  2. Roland Appel sagt:

    Alles, was Sie anführen ist richtig, lieber Herr Horn. Wäre noch anzufügen, dass mein alter Freund Olaf Scholz gute Kontakte zu jener Hamburger (Warburg-) Bank der Cum-Ex Geschäfte Aber es ist auch völlig unpolitisch. Es geht um die Bewältigung der Klimakatastrophe und des sozialen Abstiegs der Mittelschichten, um die Rettung Europas und die Bewältigung der verdrängten Flüchtlingskrise – der Kohleausstieg 2038 und die Vernichtung der Windkraft – beides Werke von Laschi-Waschi – sind wohl nicht geeignet, um die Probleme zu lösen. Weder Lindner mit seinem Marktfixiertheitskoplex, noch die SPD haben sich dem widersetzt – im Gegenteil. Die soziale Schere klafft immer weiter auf – die SPD scheint es nicht zu bemerken.
    Vielleicht wäre es hilfreich, neben dem „Drehscheibe“-„Brisant“- und „Bild“ Niveau des Kandidatenkarussells mal in die Wahlprogramme der Parteien zu blicken!
    Und wie viele Bundestagsabgeordnete die Demokratie hat – die zehntausende von Regierungsbeamten in Berlin kontrollieren sollen, sind dabei wirklich eine Marginalie!

    • Ulrich Horn sagt:

      Um von hinten zu beginnen: Die enormen Defizite der Republik vermitteln den Eindruck, dass nicht die Abgeordneten die Regierungsbeamten steuern, sondern die Regierungsbeamten die Abgeordneten. Die Folgen dieser Perversion sind alles andere als eine Marginalie.

      Die nachhaltigste Wirkung des grünen Wahlkampfes ist es bisher, dass ihre Vorsitzende und Kanzlerkandidatin mit aller Kraft die Aufmerksamkeit der Wähler von den Inhalten ihrer Partei abgelenkt und die Partei dieses Spiel zeitweise sogar mitgemacht hat.

      Dieses Versagen ist auch deshalb beispiellos, weil es dazu beitrug, das Vertrauen in grüne Politiker und grüne Programme zu unterminieren. Glauben Sie wirklich, die Kassiererin bei Edeka liest Parteiprogramme, um sich auf die Wahl vorzubereiten?

      Wenn die Grünen Volkspartei sein wollen, bleibt ihnen wohl nichts anderes übrig, als „Drehscheibe“, „Brisant“ und „Bild“ ernst zu nehmen. Teilen der grünen Elite fällt es offensichtlich schwer, den Elfenbeinturm zu verlassen und sich auf die Bedingungen des Marktplatzes einzulassen. Dort jedenfalls hat Baerbock Spuren hinterlassen. Rednen Sie mal mit den Marktfrauen und ihren Kundinnen.

  3. Jochen Hensel sagt:

    Bei der vorvorigen Oberbürgermeisterwahl in Mülheim an der Ruhr habe ich (verbotenerweise) einen dritten Namen zugefügt und angekreuzt:
    Helge Schneider. Der ist Mülheimer, aber nicht wählbar, wäre aber kompetenter gewesen.
    Die Sache mit dem unteren Tableau von „grafiksammler“ werde ich übernehmen. Eine interessante Partei dort nennt sich „Volt“.

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