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Nebenbei

  • Wie die Lemminge

    In knapp zwei Wochen werden die Infektionszahlen in und um Düsseldorf herum stark ansteigen. Die Stadt wird dann ziemlich sicher die dritte Coronawelle erleben. Ausgelöst wurde sie durch das schöne Wetter am vergangenen Wochenende. Tausende drängten sich auf der Rheinpromenade, fast alle, ohne Abstand zu halten, und die meisten ohne Maske. Alle Aufrufe zur Vorsicht haben ihr Ziel verfehlt. Die Menschen am Rhein verhielten sich wie die Lemminge. Es schien, als suchten sie das Virus und die Infektion mit ihm. Der Andrang am Rhein lässt alle, die im Kampf gegen Corona auf die Eigenverantwortung der Menschen setzen, naiv erscheinen. In Düsseldorf feierte am Wochenende die Verantwortungslosigkeit einen Triumph. Er war vorhersehbar. Der Wetterbericht wirkte seit Tagen wie ein Marschbefehl für die Karawane zum Rhein. Die Stadt, die den Schutz vor dem Virus gewährleisten soll, zeigte der Aufgabe nicht gewachsen und tat so, als habe sie den Schuss nicht gehört. Die wenigen Ordnungskräfte, die sie aufbot, um die Schutzregeln durchzusetzen, standen auf verlorenem Posten. Was passiert, wenn sich derartige Aufläufe wiederholen? Wird man dann den Lockdown verlängern oder sich an höhere Infektions- und Totenzahlen gewöhnen müssen? – Ulrich Horn

Laschet: Mal so, mal so. Oder auch nicht

Freitag, 19. Februar 2021

Politik

Wie gewonnen, so zerronnen? Mit Beginn der Pandemie sprang die Union aus der Versenkung. Seit dem ersten Corona-Tag gaben ihre Politiker Merkel, Söder, Spahn, Altmaier und Laschet den Ton an. Ab dem Frühjahr 2020 stieg sie in drei Monaten von 26 auf fast 40 Prozent. Heute ist sie auf 34 Prozent zurückgerutscht. Ausgerechnet im Wahljahr 2021 kann es noch tiefer gehen.


Rückenwind verloren

Die Wende zum Schlechten vollzog sich um die Jahreswende. Als der Impfstoff zum Greifen nahe war, verlor die Union den Rückenwind. Der Impfstoff, von dem sich die Bürger das Ende aller Beschwernisse versprachen, entpuppte sich als Mangelware. Die Rückkehr zur Normalität geriet schlagartig außer Reichweite.

Viele Menschen und Unternehmen sehen ihre Hoffnungen enttäuscht, werden ungeduldig und gereizt. Der Unmut wächst. Er richtet sich vor allem gegen die Union, die in den vergangenen Monaten die Pandemiepolitik bestimmte. Heute weht den Politikern von CDU und CSU der Wind ins Gesicht.

Zweite Welle begünstigt

Als die Hoffnung auf eine schnelle Erlösung durch den Impfstoff platzte, rückten die Fehler der Pandemiepolitik in den Fokus. Schwer zu finden waren sie nicht. Sie wurden lauthals kritisiert und kleinlaut eingestanden. Zur Angst vor dem Virus gesellte sich die Furcht vor den negativen Folgen der politischen Fehler.

Der erste Lockdown aus dem Frühjahr 2020 war im Frühsommer schnell und fast ohne Schutzbedingungen gelockert worden. Die rasche, weitgehend bedingungslose Rückkehr zur Normalität erwies sich als verhängnisvoll. Sie begünstigte die zweite Infektionswelle.

Zu wenig gekümmert

Zu allem Übel unterließ es die Runde der Ministerpräsidenten auch, den zweiten Lockdown im Herbst frühzeitig zu starten. Dieses Versäumnis ließ die zweite Welle hochschlagen. Ihre vorhersehbare, leichtfertig riskierte Wucht verlängert nun den zweiten Lockdown. Er vergrößert die Ungeduld und den Unmut vieler Menschen.

Ihr Zorn trifft vor allem jene Unionspolitiker, die im Kampf gegen die Pandemie entscheidende Positionen innehaben. Bundesgesundheitsminister Spahn und EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen (CDU) haben zu wenig Impfstoff bestellt und sich zu wenig um dessen Produktion gekümmert.

Unachtsam aufs Spiel gesetzt

Sie unterließen es auch, die Bevölkerung darauf vorzubereiten, dass in den ersten Monaten nach dem Impfstart nur wenig Impfstoff zur Verfügung stehen würde. Die Liefermengen bleiben weit hinter den Erwartungen der Bürger zurück.

Viele Menschen sind auf Spahn und von der Leyen schlecht zu sprechen. Ihrer Nachlässigkeit werden viele Corona-Opfer und große wirtschaftliche Schäden zugerechnet. Viele Existenzen wurden unachtsam aufs Spiel gesetzt. Viele gingen verloren.

Vertrauen geschrumpft

Die Runde der Ministerpräsidenten trug ihren Teil zu diesem Elend bei. Sie unterließ es, die Impfstoffproduktion ins Zentrum ihrer Pandemiepolitik zu rücken. An vielen Stellen offenbart die Pandemie die Defizite der deutschen Politik. Ihr unangenehmster Defekt: Sie ist es gewohnt, betulich zu verwalten. Sie ist nicht darauf trainiert, entschlossen zu gestalten.

Der Mangel an Impfstoff weckte den Argwohn der Bürger. Er lässt ihr Vertrauen in die Politik schrumpfen. Entgeistert stellen die Menschen fest: Es wird bis in den Mai hinein dauern, ehe allein die Risikogruppe der über 80-Jährigen geimpft ist.

Hechelnd hinterherlaufen

Die Impftermine für die jüngeren Altersgruppen rücken immer weiter in die Zukunft. Diese Gruppen sehen verärgert, dass ihre Altersgenossen in den USA, Großbritannien und Israel längst geimpft sind oder demnächst geimpft werden.

Deutschland hinkt nicht nur beim Impfen hinterher. Während in Nachbarländern längst getestet wird, was das Zeug hält, hielten sich die Bundesregierung und die Ministerpräsidenten lange zurück. Seit sie befürchten, die Stimmung in der Bevölkerung könnte sich gegen sie richtet, laufen sie nun hechelnd hinterher.

Außer Kontrolle geraten

Dass es ausgerechnet in Deutschland an Impfstoff mangelt, können viele Bürger nicht nachvollziehen, wurde doch hier Impfstoff entwickelt. Dass die Lieferung einer großen Menge ausgeschlagen wurde, empört die Bürger und vergrößert ihre Sorge, den Politikern könnte die Kontrolle der Pandemie entgleiten.

Furcht vor dem Virus und Mangel an Impfstoff mischen sich mit der Angst vor dem wirtschaftlichen Niedergang. Anders als die Abgeordneten und Minister mit ihren garantierten Diäten pfeifen immer mehr Bürger finanziell auf dem letzten Loch. Es wird mit jedem Versäumnis der Politiker und mit jedem Zeitverzug größer.

Immer wieder ausgeschert

Unter diesen Bedingungen irritiert es viele Bürger, dass es dem Kränzchen der Ministerpräsidenten bei der Kanzlerin zunehmend schwerfällt, sich auf Maßnahmen gegen das Virus zu verständigen. Schon Tage vor den Treffen eifern die Länderchefs darum, aller Welt zu demonstrieren, wie uneins sie sind.

Sie setzen widersprüchliche Botschaften in die Welt, die oft nicht einmal einen Tag lang Bestand haben. Ihre Vereinbarungen sind oft ebenfalls nur von kurzer Dauer. Immer wieder scheren Ministerpräsidenten aus. Dem Kampf gegen das Virus ist anzumerken, dass er Teil des Bundestagswahlkampfes geworden ist.

Unerwartete Schwächen gezeigt

Die Union genießt den Ruf, in Wirtschaftsfragen und Krisenlagen vor allen anderen Parteien kompetent zu sein. Dieser Vorteil schwindet von Woche zu Woche. Etliche Spitzenpolitiker von CDU und CSU zeigen unerwartete Gestaltungs- und Durchsetzungsschwächen.

Bis heute schafft es NRW-Ministerpräsident und CDU-Chef Laschet nicht einmal, in den Gesundheitsämtern seines Bundeslandes eine Software zu installieren, die es den Ämtern ermöglicht, bundesweit Daten abzugleichen und auszutauschen.

Senioren abgebügelt

Selbst die Vergabe der Impftermine an über 80-jährige begann in NRW nicht als Aufbruch, sondern als Desaster. Tagelang versuchten Betagten, deren Kinder und Enkel vergeblich, Termine zu bekommen. Die Aktion war miserabel vorbereitet. Es fehlte an kundigem Personal und geeigneter Technik.

Der Ärger der Betagten und ihrer Familien über den stümperhaften, schlampig organisierten Impfstart schlug in Empörung um, als Laschet, statt sich für die Mängel zu entschuldigen, die frustrierten Senioren auch noch abbügelte.

Als Irrlicht erschienen

Wider die Erfahrung der Betroffenen behauptete er, der Impfstart wäre gelungen. Viele Senioren fühlten sich als Opfer miserabler Dienstleistungen des Landes nicht nur schlecht behandelt, sondern auch noch verhöhnt. Der Ministerpräsident erschien ihnen als Irrlicht. Sie mussten annehmen, dass er entweder die Realität nicht kannte oder versuchte, sie schön zu reden.

Ohnehin hängt Laschet der Vorwurf nach, die Pandemie zu verharmlosen, seit er beim ersten Lockdown darauf drang, dessen wirtschaftliche Folgen zu berücksichtigen und ihn rasch zu öffnen. Die Wirtschaft applaudierte. Kritiker warfen ihm vor, es sei unverantwortlich, die Öffnung ohne Schutzkonzept zu propagieren.

In der Wagenburg verschanzt

Laschets realitätsfremde Reaktion auf die Impfpleite erinnert an die rot-grüne Vorgängerregierung Kraft. Sie präsentierte das Land gerne als Speerspitze des Fortschritts. Dabei wussten die Bürger genau, dass NRW in vielen Rankings auf hinteren Plätzen rangierte.

Kritik verstand die rot-grüne Koalition als Beleidigung. Kritiker der Missstände galten als Miesmacher. Das Innenleben der Koalitionsparteien entkoppelte sich von der Erfahrungswelt der Bürger. Besonders stark verschanzte sich die SPD-Landtagsfraktion in ihrer Wagenburg.

Den Senioren zu verdanken

Die Wähler bestraften den Realitätsverlust. Sie wählten Rot-grün 2017 kurzerhand ab. Laschet erhielt die Chance, das Land zukunftsfest zu machen. Dass er Ministerpräsident wurde, verdankte er vor allem jenen Senioren, die er beim Impfstart gerade brüskiert hat. Fast die Hälfte der CDU-Wähler sind älter als 60.

Diese Wähler sind leicht zu demotivieren. Sie nehmen es sehr genau. Sie legen Wert darauf, dass die Dinge funktionieren. Sie erwarten, dass es korrekt und respektvoll zugeht. Schlamperei und Fehler aus Nachlässigkeit vergessen sie so schnell nicht.

In die Büsche geschlagen

Aufmerksam dürften sie Laschets jüngste Volte registriert haben. Der CDU-Chef stellte jene Schutzmaßnahmen infrage, denen er in der Ministerpräsidenten-Runde seinen Segen gab. Laschet versucht, sich von Merkel und Söder abzusetzen und ihnen die Verantwortung für die sinkenden Sympathiewerte der Union anzuheften.

Der Versuch, sich aus der Mitverantwortung für die Pandemiepolitik zu stehlen und deren negative Folgen bei anderen in der Union abzuladen, stieß auf Kritik. Gegen den Vorwurf, er versuche, sich in die Büsche zu schlagen, entgegnete er verdruckst, man habe ihn falsch verstanden. Seine Äußerungen seien von den Medien überspitzt wiedergegeben worden.

Bürger ratlos gemacht

Auf diesem Niveau herumzueiern, ist heutzutage selbst in CDU-Ortsverbänden verpönt. Wer an der CDU-Basis weiß denn, ob Laschet in der Pandemie für Lockerung oder für Einschränkung steht? Wer an der CDU-Basis kann verbindlich darlegen, welche Position Laschet zur Pandemie vertritt? Wer in der CDU das nicht kann, wird es schwer haben, sie den Bürgern vor Ort zu erläutern.

Laschets Taktieren verärgert Parteifreunde, irritiert Sympathisanten und macht Bürger ratlos. Bisher waren es die Kanzlerkandidaten der SPD, die das Privileg beanspruchten, die Wähler vor den Kopf zu stoßen. Laschet scheint entschlossen, der SPD dieses Privileg streitig zu machen.

Spuren hinterlassen

Er verlängert die Reihe jener Unionspolitiker, die sich mit den Herausforderungen der Pandemie schwertun. Spahn scheitert daran, ausreichend Impfstoff zu besorgen. Altmaier schafft es nicht, Hilfen für die Wirtschaft zeitnah auszahlen. EU-Präsidentin von der Leyen bringt keine wasserdichten Verträge über Impfstoffe zustande. CSU-Chef Söder nervt die Bayern mit immer stärkeren Einschränkungen.

Die Fehlleistungen hinterlassen bei den Wählern Spuren. Die Union ist in Umfragen auf 34 Prozent abgesackt. SPD, FDP und AfD legen leicht zu. Söder verliert in Bayern stark an Zustimmung. Der Stimmungstrend für die Union weist nach unten.

Keine Sorge bereitet

Dem neuen CDU-Chef Laschet hängt der Vorwurf nach, er agiere in der Pandemie als Populist. Er hänge sein Fähnchen nach dem Wind. Die CDU-Fraktion im NRW-Landtag stärkt ihm eisern den Rücken. Wie jede ordentliche Regierungsfraktion versteht sie sich als Schutzschild ihres Ministerpräsidenten.

Auch sie neigt dazu, sich vor Kritik von außen abzuschirmen und sich in Ihrer Wagenburg gemütlich einzurichten. Der Rückzug dorthin ist der kürzeste Weg zur nächsten Wahlniederlage und zurück in die Opposition. Der Fraktion scheint ihre Lage keine Sorge zu bereiten. Sie fühlt sich in der Wagenburg offenbar wohl.

Spekulationen kursieren lassen

Dabei hat sie genügend Grund zur Sorge. Seit Monaten stehen die Maßnahmen gegen Corona und Laschets Karriere im Zentrum der NRW-Politik, für ein so großes Bundesland zu wenig. Laschet will Kanzler werden. Er bewirbt sich für den Bundestag. Seine Tage als Ministerpräsident sind gezählt. Über die Zukunft von NRW nach der Pandemie ist von ihm so gut wie nichts zu hören.

Schon wird er als Wanderer zwischen den Welten beschrieben, in Düsseldorf abgereist, in Berlin noch nicht angekommen. Über ihn und seine Nachfolge in NRW kursieren abenteuerliche Spekulationen. Er lässt sie munter sprießen. Die CDU-Landtagsfraktion nimmt sie gottergeben hin, als gäbe es die Wähler gar nicht. – Sie werden sich ihre Gedanken machen. – Ulrich Horn

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8 Kommentare zu “Laschet: Mal so, mal so. Oder auch nicht”

  1. Werner Theisen sagt:

    Die Wende zum schlechteren, wie Sie schreiben, wurde natürlich auch maßgeblich durch die Presse verursacht. Zum Einen an die überzogenen Erwartungen an die Verfügbarkeit und die Dummen Kommentare zum Bestellprozess. Jeder der sich mit dem Neustart von Produktionen nur ein wenig auskennt, wusste dass es dauern wird.
    Zum Anderen an die überzogene Erwartungen an die Wirksamkeit! Nein, nach der Impfung ist man nicht unverwundbar, nein man kann weiter an Covid-19 erkranken. Siehe Wirkung der Grippeschutzimpfung.

    Dass die Politiker, wie die Presse, ihre Meinung zur ganzen Angelegenheit Im Zeitablauf ändern ändern, kann man täglich nachlesen. Anscheinend dürfen die Besserwisser in der Presse das kritiklos,Politiker allerdings nicht! 😀😀😀

  2. E. Becker sagt:

    Dass ein Politiker seine Meinung ändert, wenn sich die Fakten oder die „Lage“ ändert, ist ja gar nicht zu kritisieren. Er muss nur deutlich machen, worauf seine Haltungsänderung beruht und darf auch gerne einmal zugeben, dass er sich geirrt hat. An beidem mangelt es.
    In NRW speziell haben die Regierungsverantwortlichen vieles versäumt: wissenschaftliche Pilotstudien zur Verbreitung in Kita, Schule, Altenheim, Einzelhandel, Gastronomie fehlen.Wir wissen immer noch nicht zuverlässig, wie sich die meisten eigentlich anstecken. Der Sommer verging damit, daß in den Schulen die Fenster geöffnet wurden. Die Rückkehr der Urlauber samt Viren war anscheinend auch eine Überraschung. Der Fehlschlag der Impfanmeldung war vorhersehbar. Hatte nicht Spahn einst versprochen: don´t call us, we call you? Jetzt kann man nur noch nachsteuern, nicht mehr „vor die Lage“ kommen. Damit müssen wir uns wohl abfinden. Hoffentlich lernen wir und die von uns gewählten politisch Verantwortlichen viel daraus und sind bei der nächsten Pandemie oder einer anderen Großlage besser vorbereitet!

  3. Was mir gründlich auf den „Keks“ geht, ist die Art, wie die Medienvertreter das Thema „Corona“ schon seit Beginn der Pnademie behandeln. Diese Berufssparte – und dazu gehören auch Sie Herr Horn – hat noch nie den Beweis antreten müssen, was das eigentlich „Richtige“ gewesen wäre. Sie wissen alles besser – nur: Immer hinterher…
    Jeder von uns weiß, das der Run auf ein Produkt, zu Beginn zu Problemen führt. Das ist am „Buffet“ nicht anders, als wenn Millionen plötzlich das gleiche Auto fahren möchte. Es entstehen „Lieferzeiten“. Der jetzt so kostbare Impfstoff – egal von welchem Hersteller – musste bestellt werden, ohne zu wissen, welher der Hersteller den möglicherweise überhaupt Ende 2020 zu eeinem Erfolg führen würde.
    Keiner der Akteure konnte in die „Glaskugel“ schauen – Ihre Berufsvertreter lieber Herr Horn und sie etwa???
    Zudem musste jedem klar sein, dass die Produktion eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen wird. “ Mal so eben“ – ist nicht. Schliesslich mussten die Machinen für die Produktion erst einmal darauf eingestellt werden und das auch erst, nachdem die Hersteller für die Behältnisse ihrerseits ihre Arbeit erfolgreich erledigt hatten. Das alles ist nun seit Januar 2021 in Bewegung.
    Ich erwarte von den seriösen Medien in dieser Hinsicht mehr Information.Und dies sachlich, informell. Klar doch: Wenn sich dann Tausende ans Telefon setzen und in oihrer Gemeinde nach Terminen fragen, gibt es Probleme. Statt hier informativ zu berichten, werden täglich krampfhaft Bürger gesucht, die ach so frustiert sind, weil sie nicht sofort einen Ternmin am Telefon bekamen. Wirklich unzumutbar, dass auch deren Kinder nicht sofort schafften… Verständnis? Fehlanzeige! In meinem (älteren!) Bekanntenkreis regt sich niemend auf. Alle bekamen inzwischen ihre Impfung, bzw. ihren Termin. Und mit der Zeit kommen jetzt die Agenturen, die statt „Konzertkarten und Tickets für die Bundersliga“ verhöckern auf die Idee, diese Arbeit den Städten abzunehmen und gut daran zu verdienen. Den das eigentliche Portfolio wird ja momentan nicht nachgefragt…
    Es ist klar, dass bei vielen Bürgern Frustationen aufkommen. Das haben sie auch ansonsten im Flughafen, wenn sie in langer Schlange stehen um einzuchecken… Auch da gibt es dann viele, die ihre Fassung verlieren und meinen, sie würden alleine in den Flieger steigen.
    Warum sollen sie jetzt anders reagieren.
    Wir Deutsche sind schon manchmal ein seltsames Volk.
    Rücksicht nehmen, gehört nicht zu unseren Tugenden..
    Und die Medien:
    Sie verkaufen lieber „Bad News“ als „Good News“..
    Und eine solche „Bad News“ ist ihr heutiger Artikel.
    Wie so häufig.

    • Ulrich Horn sagt:

      Einige Anmerkungen zu Ihrem Kommentar:

      1. Es geht doch nicht um Schnittchen am Buffet oder um Autos. Beim Impfstoff geht es um Menschenleben, um schwere gesundheitliche Schäden, berufliche Perspektiven, wirtschaftliche Existenzen von Millionen Menschen und gigantische volkswirtschaftliche Schäden.
      2. Die Akteure brauchten keine Glaskugel, um sachgerecht zu agieren. Es hätte gereicht, wenn sie das Gutachten des Bundestages von 2013 gelesen und sich an ihm orientiert hätten.
      3. Dass Produktionsstätten erforderlich sind, ist Europa und Deutschland ziemlich spät eingefallen, wie wir von den Akteuren inzwischen wissen. Andernorts wurde früher und mehr produziert. So kommt es, dass die Fixen früher und mehr impfen konnten.
      4. Mit wem also sollen die Bürger Verständnis haben? Auf wen sollen sie Rücksicht nehmen? Auf jene Politiker, die ihren Job nicht ordentlich machen, die sich gar nicht, zu langsam und zu spät in Bewegung setzen, die den Bürgern die Lage nicht erklären, die den Impfstoff behandeln, als handele es sich um ein neues Automodell?
      5. Was heißt schon „Bad News“? Es sind nicht Journalisten, die sie produzieren. Journalisten reportieren sie. Mit Ihren Anwürfen gegen Journalisten und Ihren Anmerkungen zu Bad News sind Sie gar nicht mehr weit weg von den Fake News des Agitators Trump. Es kann doch nicht darum gehen, morsche Zäune zu lackieren. In gewisser Weise sind Bad News eine Unterart von Good News. Man muss Fehler benennen, damit man aus ihnen lernen kann. Falls man lernen will.

      • Benno Lensdorf sagt:

        Sie antworten, wie Ihr Berufsstand immer antwortet, wenn man nicht ihrer Meinung ist.
        Das sei Ihnen unbenommen.
        Das Sie mich in eine Ecke zu Trump stellen, ist schon eine bodenlose Unverschämtheit!
        Im Gegensatz zu Ihnen Herr Horn, habe ich über 40 Jahre Kommunalpolitik in der 12. größten Stadt in Deutschland gemacht. Hatte Verantwortung getragen – demokratiache!!
        Ihre oberlehrerhafte Belehrung- sie spricht für sich.
        Nicht für Sie!

        • Ulrich Horn sagt:

          Es ist Ihnen gelungen, Ihre Aversionen gegen die Medien und Journalisten deutlich zu machen.
          Ich kann mir vorstellen, dass 40 Jahre Verantwortung in der Kommunalpolitik von manchen Enttäuschungen und Verärgerungen über Journalisten und Medien geprägt sind. Gleiches gilt übrigens auch für 40 Jahre im Journalismus.

          Politiker und Journalisten verbindet, dass ihr Tun und Lassen öffentlich zur Diskussion steht. Dass Journalisten Politik und Politiker bewerten, gehört zu ihren Aufgaben. Dass Politiker Journalisten und ihre Arbeit bewerten, ist ihr Recht, gehört aber nicht zu ihren Aufgaben. Es geschieht oft, um von politischen Fehlern und Versäumnissen abzulenken, und mündet dann in den Versuch, auf die Berichterstattung Einfluss zu nehmen und Journalisten zu desavouieren.
          Dass diese Haltung kontraproduktiv ist, lässt sich überall beobachten, in NRW zuletzt in der Ära Kraft, die noch gar nicht so lange vorbei ist. Mit 40 Jahren Kommunalpolitik auf dem Rücken werden Sie besser als ich wissen: Politiker, die, statt ihre Politik zu optimieren, die Berichterstattung über sie verbessern wollen, laufen in die Irre.

          Nach meiner Erfahrung beeinflussen die Medien die Meinung der Wähler viel weniger, als Politiker glauben. Die meisten Menschen – viele Politiker eingeschlossen – suchen und finden in den Medien nur, was sie in ihren Ansichten bestätigt, sowohl zustimmend wie ablehnend. (An dieser Stelle erlaube ich mir, auf den gar nicht oberlehrerhaften Satz hinzuweisen: „Was mir gründlich auf den „Keks“ geht, ist die Art, wie die Medienvertreter das Thema „Corona“ schon seit Beginn der Pandemie behandeln.“) Den mehr oder weniger großen Rest in den Medien jenseits ihre Zustimmung und Ablehnung nehmen die meisten Medienkonsumenten kaum wahr. Daran ändert auch keine wie auch immer ausgerichtete Berichterstattung etwas.

    • E. Becker sagt:

      Nun ja, als die Sterblichkeit im Frühjahr bei uns besser war als anderswo, las man auch viel Gutes. Jetzt ist die Situation in manchem schlechter als anderswo, und das wird eben auch berichtet. Das ist kein Jammern, aber es ist schon ernüchternd, wenn die angeblichen Meister in Qualitätsarbeit und Organisation ein bissel hintendran sind.

  4. Peter Jeromin sagt:

    Wir müssen uns ja nicht unbedingt mit den Impfzahlen aus Israel, USA, Groß-Britannien, vergleichen. Aber vielleicht doch. Aber wenn Serbien es schafft oder in Chile 5 mal mehr geimpft werden als in Deutschland, das hochgelobte Deutschland, das ja Weltmeister in der Organisation ist, dann ist das mehr als zu hinterfragen. Hier liegt ein offenkundiges Versagen an höchster Stelle vor. Wer hatte denn in der fraglichen Zeit die Ratspräsidentschaft, als monatelang keine Verträge abgeschlossen wurden? Die Dame in Brüssel, hochkompetent in der Eigenvermarktung, sollte schleunigst zurücktreten. Und ja, in Deutschland haben ja alle ein Impfangebot bis September, dann ist ja die Bundestagswahl.

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