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Nebenbei

  • Vom Wähler abgewrackt

    Die einstigen Volksparteien bieten ein jämmerliches Bild. Die SPD zerfleischte sich über Jahrzehnte. Sie schrumpfte zur Kleinpartei. Rechtzeitig vor der Bundestagswahl stellte sie sich ruhig. Prompt erhielt sie Aufwind. Die Union zerfleischt sich seit 2015. Sie steigerte das Gemetzel im Wahlkampf sogar. Viele Wähler kehrten ihr erzürnt den Rücken. – Heute warten die dürftigen Reste der Volksparteien darauf, dass ihnen die kleine FDP und die kleinen Grünen zur Macht verhelfen. Union und SPD regierten in 12 der 16 Regierungsjahre Merkels gemeinsam. Beide Gruppierungen haben den Erfolg und den Misserfolg dieser Ära zu verantworten. Beide haben die Mängel verursacht, der in der Pandemie sichtbar wurden. Beide haben sich mehr mit ihren internen Problemen als mit denen des Staates und der Gesellschaft befasst. Dass beide nicht gewohnt sind, sachgerecht zu agieren, zeigte sich in der Pandemie. Dass sie der jeweils anderen Partei vorwerfen, die Modernisierung des Landes verschlafen zu haben, ist lächerlich. Die Wähler sind nicht dumm. Sie wissen: Beide Parteien haben sich durch eigenes Verschulden auf Grund gesetzt. Die Wähler haben begonnen, beide Volksparteien abzuwracken. Der SPD gaben sie bei der Bundestagswahl noch einmal Paddel, der Union nahmen sie die Segel. Doch ohne die Schlepper FDP und Grüne kämen die beiden schrottreifen Dickschiffe nicht mehr vom Fleck. – Ulrich Horn

Privatmann Trump

Mittwoch, 30. Dezember 2020

Politik

Donald Trump ist ein unangenehmer Zeitgenosse. Dass ihn viele unerträglich finden, scheint ihm nichts auszumachen. Er versteckt sich nicht hinter einem Image. Er blieb auch im Amt des Präsidenten er selbst: ein Lügner.

Lug und Trug

Er zelebriert diesen Charakterdefekt, als handele es sich um eine Tugend. Er verbiegt die Wirklichkeit. Die Wahrheit erklärt er zur Lüge, die Lüge zur Wahrheit. Alles, was er tut, verdunkeln seine Lügen.

Deren Wirkung schwindet seit seiner Abwahl rapide. Verzweifelt versucht er, seine Wahlniederlage zu einem Sieg umzudeuten. Es gelingt ihm nicht. Er bestreitet sie zwar. Dennoch zollt er ihr Tribut. Sie zwingt ihn ins Privatleben zurück. Dort wird rechtswidriges Verhalten juristisch verfolgt. Trump sorgt für diesen Fall vor.

Die Erfahrung lehrt: Wo Lug ist, da ist Trug nicht weit. Um sich vor der Justiz zu schützen, amnestiert er nun seine Vertrauten: jene, die in seinen Diensten straffällig, verurteilt und eingesperrt wurden, und jene, die befürchten, demnächst bestraft zu werden. Er setzt darauf, dass sie ihn nun nicht mehr belasten werden.

Die Justiz wartet

So nützlich Trump die Amnestien erscheinen: Sie haben für ihn eine ärgerliche Nebenwirkung. Sie bezeugen, dass er und seine Clique es mit Recht und Gesetz nicht so genau nahmen. Trumps Not scheint so groß, dass er dieses indirekte Eingeständnis von Vergehen und Verfehlungen in Kauf nimmt.

Er hat offenbar trifftige Gründe, den Auszug aus dem Weißen Haus zu fürchten. Sobald sich dessen Tor hinter ihm schließt, beginnt die Wirklichkeit, die Trump so emsig verbog, sich zu begradigen. Seine Anhänger und Gegner werden erleben, wie die Wahrheit immer mehr Platz greift gegen seine Lügen.

Trump schmerzt der Machtverlust. Der Schmerz kann sich noch steigern. Es heißt, die Justiz, die Finanzbehörden und seine Gläubiger warteten schon darauf, dass er Privatmann wird. Ob und wie sie ihn dann behandeln, werden viele Menschen in aller Welt mit großem Interesse verfolgen, besonders aufmerksam wohl die autokratischen Regierungschefs und ihre Opponenten. – Ulrich Horn


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Ein Kommentar zu “Privatmann Trump”

  1. Jochen Hensel sagt:

    Ich empfehle, zum Kurieren des Trump-Symptoms das Buch von Barack Obama zu lesen: A Promised Land, engl. 700 Seiten, auf Deutsch 1000.

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