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Nebenbei

  • Lösung für Berlins Krise

    Berlin, so ist zu lesen, wächst jährlich um 40.000 Menschen. Der Andrang überfordert den Senat der Hauptstadt. Ihre Infrastruktur hält nicht Schritt. Es mangelt an Wohnungen. Sie sind knapp und teuer geworden. Den Plan, hohe Mieten stark zu deckeln, musste die rot-rot-grüne Koalition abschwächen. Er wird Berlins Wohnungsproblem nicht lösen. Die CDU schlägt nun vor, für einige Jahre den Zuzug nach Berlin zu unterbinden. Auch dieser Plan wird wohl nicht umgesetzt. Auch er wird Berlins Problem nicht mildern. Alle Pläne gegen die Berliner Krise kranken daran, dass sie sich nur mit Symptomen befassen. Es wäre längst an der Zeit, Berlins Problem an der Wurzel zu packen. Die Stadt ist offensichtlich ihrer Rolle als Hauptstadt nicht gewachsen. Ihr Problem verschärfte sich, als die Bundesregierung von Bonn nach Berlin zog. Seither wirkt Berlin auf viele Bürger wie ein Magnet. Die Krise der Stadt wäre schlagartig behoben, wenn der Bundestag und die Bundesregierung nach Bonn zurückkehrten. Der Zustrom der Bürger nach Berlin würde verebben, die Mieten würden sinken, der Wohnungsmarkt würde durchlüftet. Sogar der Bau des Berliner Flughafens könnte eingestellt und der Airport zur Gedenkstätte umgewandelt werden. Mit dem Geld, das sich dort einsparen lässt, könnte die Rückkehr des Parlaments- und Regierungsapparates nach Bonn finanziert werden. Damit sich Berlin nicht geplündert vorkäme, sollten der Bundespräsident und die Geheimdienste in Berlin bleiben. Und natürlich sollte das große nationale Feuerwerk in der Silvesternacht dann nicht auf dem Bonner Marktplatz, sondern wie bisher am Brandenburger Tor abgebrannt werden. – Ulrich Horn

     

Ein Datendieb als Wecker

Donnerstag, 10. Januar 2019

Nebenbei

Tagelang bebte die Republik. Auslöser der Erschütterung: ein Diebstahl. Rund 1000 Leuten waren Daten entwendet worden, von einem 20-jährigen mit Grünspan hinter den Ohren. Der Schaden, den er anrichtete, hält sich finanziell in Grenzen. Die Tat ist auch nicht originell. Seit langer Zeit werden in Deutschland Tag für Tag Daten gestohlen. Dabei werden ihre Eigentümer, vor allem Unternehmer, um viele Millionen geschädigt. Diesen massenhaften Datenklau mit hohem Schaden steckte die Republik bisher ohne großes Gewese locker weg. Dass nun quasi der Bagatelldiebstahl eines 20-jährigen das Gemeinwesen erschüttert, liegt nicht an der Höhe des Schadens, sondern an der Bedeutung der Geschädigten. Unter ihnen befinden sich Prominente aus Kunst, Medien und Politik, darunter der Bundespräsident, die Kanzlerin und etwas weniger bedeutsame Ministerpräsidenten, Minister, Bundes- und Landtagsabgeordnete – und, nicht zu vergessen, auch Moderatoren und etliche Journalisten. Sie alle sorgten dafür, dass ihr Datenverlust, die Umstände seines Entstehens und die Suche nach dem Täter tagelang die Schlagzeilen bestimmten. Dabei zeigte sich: Viel interessanter als der Diebstahl waren die Reaktionen auf ihn. All’ die vielen Unternehmer, die der unablässige Datenklau viel Geld gekostet hat und noch kostet, werden sich verwundert die Augen gerieben haben: Mit einem Schlag wurde Datensicherheit zum Spitzenthema der Politik und der Medien. Nun endlich sollen große Anstrengungen gemacht werden, um Daten besser zu schützen und ihren Diebstahl zu erschweren. Müssen alle besorgten Datenbesitzer dem 20-jährigen Übeltäter nicht dankbar sein? Die Reaktion der Politiker auf seinen Datenklau könnte die Bürger auf den Gedanken bringen: Richtig wach werden deutsche Politiker erst, wenn Missstände so weit angewachsen sind, dass auch die Politiker unter ihnen zu leiden haben. – Ulrich Horn

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3 Kommentare zu “Ein Datendieb als Wecker”

  1. Frank sagt:

    Der CCC 2018 hat es gezeigt. Daten sind nie schützbar. am Beispiel der Gesundheitskarten/-daten. In Amerika sind bereits 30.000.000 Krankenakten gehackt. In Schweden 99% in einem Rutsch (Durch ein Versehen der Datenhüter selbst) . Datenschutz ist eine Illusion. Lösungen? Daten gar nicht erst herausgeben.
    Siehe die CCC Vorträge.

  2. dr.pingel sagt:

    Dieser Fall zeigt, dass die Milliarden, die der Bund für die Digitalisierung der Schulen bereit stellen will, verschwendetes Geld ist. Die Schüler können nämlich ihre Lehrer dann in der Digitalisierung unterrichten.
    Was wir brauchen, sind mehr Lehrer und bessere Schulräume.

  3. Jochen sagt:

    Ich wundere mich, warum es nicht wieder den Russen in die Schuhe geschoben wurde.

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