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Nebenbei

  • Nackenschlag zu Neujahr

    Seit Anfang Dezember sind die beiden SPD-Chefs im Amt. Seither suchen sie nach Autorität. Sie wehren sich, Handlanger von Jusos-Chef Kühnert zu sein, und geben viele Erklärungen ab. Esken wirkt noch etwas gehemmt. Walter-Borjans, seit jeher sein eigener Pressesprecher, hantiert routinierter. Kaum ein Thema, zu dem er schweigt. Sein Spektrum reicht vom Kassenbon über die Geschäfte, mit denen sich die WestLB unter seiner Aufsicht in Verruf brachte, bis hin zur neuen Ostseepipeline, die sein Vor-, Vor-, Vor-, Vor-, Vor-, Vor-, Vor-, Vor-, Vor-, Vorgänger Schröder beaufsichtigt. Auch die Rolle der SPD weiß Walter-Borjans zu definieren. „Sozialdemokratie notwendiger denn je“, heißt es bei ihm auf Twitter. Er und Esken kamen an ihre Posten mit der Verheißung, die Großen Koalition zu verlassen. Inzwischen dämmert ihnen wohl, dass die Behauptung, die SPD sei unverzichtbar, und der Koalitionsbruch sich widersprechen. Über ihn reden sie kaum noch. Ihr Generalsekretär Klingbeil dagegen sieht Klärungsbedarf. Er sagt den Koalitionsbruch endgültig ab. Für die SPD-Chefs, die nach Autorität streben, ein herber Nackenschlag. Alle ihre Forderungen verlieren nun ihr Sprengpotenzial. Etliche Wähler dürften die beiden SPD-Chefs nun für Maulhelden, wenn nicht gar für Rosstäuscher halten. Deutlich wird auch: Mit ihrer Autorität ist es nicht weit her. Machtfragen beantworten nicht sie, sondern ihr Generalsekretär. Kaum einen Monat sind sie im Amt, und schon stellt sich die Frage: Wie lange wird es dauern, bis Klingbeil (oder Kühnert) an ihre Stelle rückt? – Ulrich Horn

Fundsachen 4/2018

Sonntag, 29. Juli 2018

Fundsachen

Themen:
Deutscher sein, Symbolpolitik, SPD, Trump, China, Italien

Deutscher sein:
Der Ruhrbaron Stefan Laurin hat noch nie darüber nachgedacht, „was es bedeutet, Deutscher zu sein“. Glücklicherweise hat ihn diese Entdeckung dazu gebracht, aufzuschreiben, was ihn ausmacht. Diesem Text kann man gar nicht genug Leser wünschen.

Symbolpolitik:
Obwohl sich vieles tut, kommt kaum etwas voran. Woran das liegt, erklärt Claudia Wirz in der NZZ-Kolumne unter dem Titel „Die verführerische Kraft der Symbole“.

Trump:
Warum zeigt sich Trump plötzlich der EU gegenüber konziliant? Der Wirtschaftswissenschaftler Felbermayr meint im Gespräch mit Niklas Dummer in der Wirtschaftswoche, es könnte sogar noch ein „TTIP light“ zustande kommen. Der Stimmungswandel ist wohl die Folge seines Handelskonflikts mit China. Den finanzstarken Kräften in den USA, die Trump trotz seiner Skandale stützen, gefällt es nicht, dass US-Unternehmen in China schlechtere Bedingungen vorfinden als chinesische in den USA. Will sich Trump im Amt halten, muss er sich nützlich machen und den Rammbock geben. Seine Vereinbarung mit Juncker gewinnt an Gewicht nicht, weil Trump auf Autozölle verzichten und die EU den USA Sojabohnen und Flüssiggas abnehmen will. Wichtiger ist für Trump die Absprache, dass sich beide Seiten gemeinsam für fairere Wirtschaftsbedingungen in China einsetzen wollen. In diesem Punkt haben die EU und die USA gleiche Interessen. Was passiert, wenn der Mohr seine Schuldigkeit getan hat, steht auf einem anderen Blatt.

China:
Die chinesische Regierung ist über den Handelsstreit mit den USA offensichtlich sehr besorgt. Die Absprachen zwischen Trump und Junker werden die Sorgen in Peking noch vergrößern. Sie fürchtet sich vor der Eskalation, schreibt die Chinakorrespondentin Xifan Yang in der Zeit. Sie meint, China könne sich den Handelskrieg nicht leisten. Der Staat habe kaum wirkungsvolle Instrumente, um sich zu behaupten.

Italien:
Das wirtschaftliche Gewicht Italiens in der EU ist gesunken. Das Land wird in der Europäischen Zentralbank (EZB) an Einfluss verlieren. Darüber könnte das Land schon bald in Bedrängnis kommen und Europa seine nächste Krise erleben. Anja Ettel und Holger Zschäpitz erklären diesen Zusammenhang in der Welt mit ihrem Beitrag: „Neuvermessung der EZB bringt Italien in Bedrängnis“. – Ulrich Horn


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2 Kommentare zu “Fundsachen 4/2018”

  1. Düsseldorfer sagt:

    Dass Stefan Laurin nicht sonderlich viel damit verbindet, Deutscher zu sein, liegt wohl daran, dass er – wie er selber schreibt – bis vor Kurzem noch nie darüber nachgedacht hat, was Deutschsein bedeutet. Anlässlich der Causa Özil kam er ins Nachdenken, doch auch dabei fiel ihm noch nicht sehr viel Bewegendes ein. Ich verbinde Deutschsein mit der deutschen Sprache, mit den Menschen, die sie sprechen, mit den Städten und Landschaften, die sie bewohnen, mit den vielen Facetten der Kultur, die diesem Raum eigentümlich ist. Es sind Dinge, die fließende Übergänge in andere Kulturräume in Europa haben und sich daher nicht messerscharf von denen unserer europäischer Nachbarn unterscheiden. Beim Deutschsein geht es um ein Bild von mir selbst in dem Bild einer Gruppe, die ich als Deutsche imaginiere. Dabei ahne ich, dass sich jeder Deutsche beim Deutschsein andere, doch zumeist ähnliche Bilder macht.

    • @Düsseldorfer: Das, was Sie anführen, ist aber doch genau das, was Laurin schreibt. Es geht nicht um die harten Fakten. Ein Ausweis an sich besagt eigentlich nichts. Es geht um das Gefühl. Um Freiheit, Wohlstand, Werte, gemeinsame Interessen und vor allem um Aufklärung. Es geht natürlich auch und gerade um die gemeinsame Sprache. Alles Dinge, die der ehemalige Nationalspieler nicht teilt. Das haben Bilder, Statements und Sprache so offensichtlich gezeigt. Und der nationale Minderwertigkeitskomplex in diesem Land? Er wurde durch nur drei Züge eines deutschtürkischen Managers, der nichts anderes im Sinn hat, als die Marke Özil in der muslimischen Welt zu pushen, mal wieder offenbart.

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