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Nebenbei

  • Es geht noch schlechter

    Um die Deutsche Bank und die Commerzbank steht es schlecht. Bundesfinanzminister Scholz (SPD) möchte ihren Verfall stoppen. Sie sollen sich zusammenschließen. Er hofft, vereint könnten sie eine stärkere Rolle spielen. Die Verhandlungen haben gerade begonnen. Sie werden beide Banken zunächst weiter schwächen. Um größeres Gewicht zu gewinnen, müssen sie Kosten senken. Sie gilt, Stellen zu streichen und Zweigstellen zu schließen. Beide Geldhäuser beschäftigen insgesamt gut 130.000 Menschen. Soll der Zusammenschluss den gewünschten Gewinn bringen, könnten 20.000 bis 50.000 Stellen wegfallen. Was werden die Mitarbeiter bei diesen Aussichten tun? Sie werden sich fragen, ob sie es sind, die demnächst auf der Strecke bleiben. Viele werden alles daransetzen, einen anderen Arbeitgeber zu finden. Sie werden sich umhören, Bewerbungen schreiben, sich auf Bewerbungsgespräche vorbereiten. Sie werden ihre finanziellen Verhältnisse straffen, um drohende Durststrecken zu überstehen. Sie werden sich zum Abwehrkampf gegen den Zusammenschluss formieren und an Protestaktionen teilnehmen. Bis die Vereinigung in trockenen Tüchern ist, falls es zu ihr kommt, wird einige Zeit ins Land gehen. Derweil werden sich die Beschäftigten mehr mit sich selbst als mit den Geschäften ihrer Bank befassen. Ist es abwegig abzunehmen, dass sich die schlechte Ertragslage der beiden Banken in nächster Zeit noch verschlechtern wird? – Ulrich Horn

Es war einmal in Germany

Samstag, 3. März 2018

Nebenbei

Deutschland hält sich etwas auf seine Ingenieurs- und Organisationsleistungen zugute. Und dann das: In Mecklenburg-Vorpommern sackte eine 12 Jahre alte Autobahn auf 100 Meter Länge ab. Auf einer fünf Jahre alten Straße in Husum haben sich riesige Wellen gebildet. Beide Straßen wurden über Torf errichtet. Wie viel es kostet, die Schäden zu beheben, ist noch nicht abzusehen. Der Berliner Flughafen, Baubeginn 2006, sollte zwei Milliarden Euro kosten und 2011 in Betrieb gehen. Nun soll er 2020 fertig sein. Die Bauzeit läge dann bei 14 Jahren. Er sollte zwei Milliarden Euro kosten. Nun sollen es 5,3 Milliarden Euro mehr werden. Stuttgarts neuer Bahnhof sollte 2021 fertig sein. Inzwischen wird mit 2024 gerechnet. Die Kosten sollen um 1,1 Milliarden auf 7,6 Milliarden ansteigen, vorerst. Die Hamburger Elbphilharmonie sollte 186 Millionen Euro kosten. Es wurden knapp 800 Millionen. Der Bau begann 2007. Er sollte 2010 beendet sein. Er brauchte sieben Jahre mehr. Der VW-Konzern betrog seine Kunden in aller Welt mit technisch unzureichenden Fahrzeugen. Die Kosten des Betrugs allein für VW werden auf 28 Milliarden Euro geschätzt. Bei Rastatt senkten sich die Gleise der Rheintalbahn ab, wegen technischer Probleme beim Tunnelbau in der Nähe. Die viel befahrene Strecke wurde über Wochen gesperrt. Der Tunnels soll nun um zwei Jahre später als geplant fertig werden. Der Schaden soll in die Milliarden gehen. – Die Liste der Projekte mit technischen Pannen, ungeheuerlich überdehnten Bauzeiten, explodierten Kosten und kriminellen Entgleisungen lässt sich leicht verlängern. Die Fehlleistungen werden weltweit wahrgenommen. Es gibt viele Verursacher, aber keine Verantwortlichen.Das ist typisch für Verfallsprozesse. – „Made in Germany“ wurde, um deutsche Waren als minderwertig abzustempeln, Ende des 19. Jahrhunderts in Großbritannien als diskriminierender Warnhinweis erfunden. Deutschland machte ihn zum Gütesiegel. Die zunehmenden Katastrophenprojekte legen den Verdacht nahe, Deutschland arbeite daran, das Gütesiegel zum Warnhinweis zurückzuentwickeln. – Ulrich Horn

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6 Kommentare zu “Es war einmal in Germany”

  1. Markus sagt:

    „Es gibt viele Verursacher, aber keine Verantwortlichen. Das ist typisch für Verfallsprozesse.“

    Und Mutti Merkel ist seit 12 Jahren Kanzlerin. Weiter so!

  2. Tim Arnold de Almeida sagt:

    Der bis heute nicht aufgeklärte Einsturz des Kölner Stadtarchivs als Folge des U-Bahn-Baus gehört leider auch in diese Reihe.

  3. Jochen Hensel sagt:

    Auch die Rheinbrücken in Leverkusen und Duisburg gehören dazu. Dafür will man den Mittelrhein mit einer Brücke verschandeln.

  4. Aquii sagt:

    Nicht zu vergessen das Leuchtturmprojekt des Kulturwandels im Ruhrgebiet, die Zeche Zollverein mit 500 versenkten Millionen zwar ein Schnäppchen, dafür reicht es bei den angestellten Informationsmitarbeitern nur noch zu befristeten Arbeitsverträgen von maximal 9 Monaten.

  5. tokolosh sagt:

    Über die Hintergründe gibt es einen wahrlich leseneswerten Artikel auf hintergrund.de

    „Ausufernde Kosten sind keine „Pannen“, sondern haben System und sind Ausdruck der aktuellen kapitalistischen Krise“
    https://www.hintergrund.de/politik/inland/das-geschaeft-mit-grossprojekten/

  6. Roland Appel sagt:

    All diese Projekte sind eine Folge des Neoliberalismus, der eine „schlanke“ Verwaltung wollte. Ich erinnerre mich noch gut, wie mein Parteifreund Michael Vesper als Bauminister den BLB erschaffen und die staatliche Bauverwaltung aufgelöst hat. Tagelang saß ich damals mit den Personalräten zusammen, habe mit Vesper geredet, aber die Neoliberalen Clement und Vesper zogen es durch. Korruption im BLB und öffentliche Körperschaften, die wie derzeit die Kommunen magels Planungskompetenz nicht in der Lage sind, Schulen zu sanieren, obwohl das Geld da ist, sind bis heute die Folge. Versprochen wurde, dass Private alles besser und billiger machen – ich lach mich tot! Eine völlige Auslieferung der Verwaltung mangels Fachkompetenz an die Bauunternehmen im Verzögerungsfall ist eine weitere Folge. Wer heute bauen will, muss mit 9-12 Monaten bis zu Baugemehmigung rechnen, weil kein Personal da ist. Und weiter wird privatisiert, mit der Bundesautobahnen-Gesellschaft geht es weiter. Die A20 gehörte übrigens zu den Autobahnen, bei denen Teilstücke weitgehend in privater Hand geplant wurden.

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