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Nebenbei

  • Untätig – bei vollen Bezügen

    Die Parteien und ihre Bundestagsabgeordneten tun sich schwer, ihren Daseinszweck zu erfüllen. Sie schaffen es bisher nicht, den Auftrag der Bundeswahl 2017 zu erledigen. Knapp vier Monate nach der Wahl hat Deutschland noch keine Regierung. Sie steht bestenfalls zu Ostern. Bis dahin wird ein Achtel der Legislaturperiode verstrichen sein, aus Sicht der Bürger völlig nutzlos. Bis Ostern werden die 709 Abgeordneten sechs Monate lang Diäten bezogen haben, obwohl sie weitgehend untätig waren. Die 233 Abgeordneten von SPD und FDP haben sogar auf diesen Zustand hingearbeitet, der einem bezahlten Urlaub gleicht. Können Parteimitglieder ernsthaft glauben, die Mehrheit der übrigen Bürger fände dieses Verhalten akzeptabel? Welcher berufstätige Wähler lebt schon in Verhältnissen, in denen sie volle Bezüge ohne entsprechende Gegenleistung empfangen? Diese Frage sollten sich auch die Bundestagsparteien stellen. Sie werden weitgehend aus öffentlichen Mitteln finanziert. Sie bekommen das Geld selbst für die Zeitspanne, in der sie sich weigern, eine Regierung zu bilden und ihre Arbeit zu tun. Müssen sich die Bürger, die den Politikbetrieb mit vielen Millionen Euro unterhalten, von den Abgeordneten und ihren Parteien nicht geprellt fühlen? – Der neue Bundestag sollte sie gesetzlich verpflichten, Regierungen schnell zu bilden. Für die Zeit zwischen der Wahl und der Vereidigung der Regierung sollten die Diäten der Abgeordneten halbiert und ihre Privilegien, die ebenfalls Millionen kosten, gestrichen werden. Die Finanzierung der Parteien sollte um den Betrag gekürzt werden, der ihnen für diesen Zeitraum zustünde, aktuell also um ein Achtel. – Zwei Bemerkungen zum Schluss: Erstens: Wetten, dass eine solche Regelung die Regierungsbildung beschleunigen würde? Zweitens: Wetten, dass eine solche Regelung nie zustande kommen wird? – Ulrich Horn

Spahn auf dem Hochseil

Montag, 11. Dezember 2017

Nebenbei

Es kommt der Tag, an dem sich Regierungschefs fragen: Wer übernimmt meinen Job, wenn ich ausfalle? Manche installieren Kronprinzen. Werden sie sichtbar, weiß alle Welt: Mit dem Regenten geht’s bergab. Selbst wer keinen Kronprinzen benennt, ist vor dem Niedergang nicht gefeit. Stets findet sich jemand, der sich selbst zum Kronprinzen kürt und den Niedergang forciert. In der CSU heißt er Söder. Er scheint sein Ziel zu erreichen. In der CDU heißt er Spahn. Er lässt sich in Talkshows als möglicher Merkel-Nachfolger ankündigen. Ausgegoren ist die Sache bei ihm noch nicht. Die Kabarettisten haben ihn auf dem Kieker. Er liefert ihnen emsig Material. Sie legen jedes seiner Worte auf die Goldwaage und prüfen, ob und wie sie Merkel schaden. Gern ziehen sie ihn als Nörgler vom Dienst durch den Kakao. Bis zum Netzbeschmutzer ist es da nicht mehr weit. Längst steht der Verdacht im Raum, er spiele mit Gegnern und Konkurrenten der Union über Bande, etwa mit FDP-Chef Lindner. Die Medien verfolgen gespannt Spahns Pirouetten auf dem Hochseil. In der Union schaut mancher eher auf das Netz tief unter dem Seil und fragt sich, ob und wann es wohl – wie von magischer Hand gezogen – verschwinden wird. – Ulrich Horn

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2 Kommentare zu “Spahn auf dem Hochseil”

  1. Markus sagt:

    Merkel hat in der CDU ganze Arbeit geleistet: Die Partei von Konrad Adenauer ist inhaltlich heruntergewirtschaftet worden und ist demzufolge auch personell ausgeblutet. Der Ziehvater Helmut Kohl würde auf sein einstiges Mädchen Angela heute wohl kaum allzu stolz sein können. Wenn ein Dünnbrettbohrer wie Jens Spahn ein potentieller Nachfolger von Angela Merkel sein sollte, dann kann einem eigentlich nur noch traurig zumute werden. Im Vergleich zu Spahn sind Markus Söder und auch Christian Lindner als Politiker zumindest ernst zu nehmen.

  2. Joachim sagt:

    Jens Spahn ist ein Pharmalobbyist.
    Er wird sicher versuchen, eine Impfpflicht durchtzupeitschen.
    Dann ist ihm nach seiner Zeit als Politiker ein fürstlich dotierter Job als Früstücksdirektor bei BigPharma sicher.

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