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Nebenbei

  • Vom Wähler abgewrackt

    Die einstigen Volksparteien bieten ein jämmerliches Bild. Die SPD zerfleischte sich über Jahrzehnte. Sie schrumpfte zur Kleinpartei. Rechtzeitig vor der Bundestagswahl stellte sie sich ruhig. Prompt erhielt sie Aufwind. Die Union zerfleischt sich seit 2015. Sie steigerte das Gemetzel im Wahlkampf sogar. Viele Wähler kehrten ihr erzürnt den Rücken. – Heute warten die dürftigen Reste der Volksparteien darauf, dass ihnen die kleine FDP und die kleinen Grünen zur Macht verhelfen. Union und SPD regierten in 12 der 16 Regierungsjahre Merkels gemeinsam. Beide Gruppierungen haben den Erfolg und den Misserfolg dieser Ära zu verantworten. Beide haben die Mängel verursacht, der in der Pandemie sichtbar wurden. Beide haben sich mehr mit ihren internen Problemen als mit denen des Staates und der Gesellschaft befasst. Dass beide nicht gewohnt sind, sachgerecht zu agieren, zeigte sich in der Pandemie. Dass sie der jeweils anderen Partei vorwerfen, die Modernisierung des Landes verschlafen zu haben, ist lächerlich. Die Wähler sind nicht dumm. Sie wissen: Beide Parteien haben sich durch eigenes Verschulden auf Grund gesetzt. Die Wähler haben begonnen, beide Volksparteien abzuwracken. Der SPD gaben sie bei der Bundestagswahl noch einmal Paddel, der Union nahmen sie die Segel. Doch ohne die Schlepper FDP und Grüne kämen die beiden schrottreifen Dickschiffe nicht mehr vom Fleck. – Ulrich Horn

Geisels Denkmal

Donnerstag, 24. August 2017

Nebenbei

Düsseldorfs Oberbürgermeister Geisel (SPD) hat sich ein Denkmal gesetzt. Sollte er 2020 abgewählt werden, bleibt von ihm: Er holte den Auftakt der Tour de France 2017 in die Stadt. Das weltweit registrierte Ereignis zog eine Million Besucher an. Hoteliers und Händler profitierten. Der Haken an der Geschichte: Geisel hat zwar die Musik bestellt, doch fehlt ihm das Geld, sie zu bezahlen. Er will einen Zuschuss vom Land. Es winkte bereits ab. Muss sich die Stadt nun weiter verschulden? Müssen Stellen gestrichen werden, um Geld freizuschaufeln? Ursprünglich waren für den Tourstart 11 Millionen anvisiert. Fünf bis sechs Millionen bewilligte der Stadtrat. Den Rest sollten Sponsoren und Einnahmen bei der Veranstaltung erbringen. Aus den Ausgaben wurden bald 13 Millionen. Heute ist sogar von 17 Millionen die Rede. Ob sie das Ende der Fahnenstange sind, ist ungewiss. Es stehen noch Rechnungen aus. Auch bei den Einnahmen hat sich Geisel verkalkuliert. Sponsoren hielten sich zurück, der Souvenirverkauf war zu hoch veranschlagt. Der VIP-Bereich war nur zur Hälfte ausgelastet. Auch er hat ein Loch gerissen. Geisel agiert wie jene Sorte Mensch, die in die Kneipe geht, tafelt, trinkt und Lokalrunden schmeißt. Und wenn dann am Ende die Rechnung kommt, treuherzig offenbart, dass sein Geldbeutel leer ist, aber tröstend beteuert, immerhin hätten doch viele profitiert und mächtig Spaß gehabt. Der Werbeeffekt des Tourstarts für Düsseldorf wird durch Geisels Finanzgebaren aufgezehrt. Längst hat sich über Düsseldorf hinaus herumgesprochen, dass er und der Rat sich etwas gönnten, das sie sich nicht leisten konnten. Mit Geisel an der Spitze macht sich Düsseldorf daran, wie Duisburg zu werden. – Ulrich Horn

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4 Kommentare zu “Geisels Denkmal”

  1. Roland Appel sagt:

    Mit der Tour ist es wie mit Formel 1, Fußball, Olympia und vielen anderen dem Kapitalismus und mafiös strukturierten Verbänden zum Fraße gefallenen Sportarten. Die „Besitzer der Rechte“ machen unendlichen Millionen-Reibach mit Fernsehübetragungsrechten, Werbung und Sponsorengeldern – mein Gott, was für aberwitzig doofe Reklame-Gestalten tanzten gefühlt stundenlang vor den Tour-Startetappen vor den Fernsehkameras herum – und suchen Dumme in den Kommunen und Veranstaltungsorten, die sie abzocken können. Sie locken mit dem Duft der großen weiten Welt und hinterlassen finanziell verbrannte Erde. Die Rechnungen kommen prompt. Deshalb hat das IOC inzwischen Probleme, noch Standorte zu finden, deshalb muss sich die FIFA an Qatar verkaufen. Deshalb gibt es keinen GP von Deutschland mehr. Früher haben Bürgermeister kluge Städtepartnerschaften gegründet, und Kinder, Alte, Kirchenchöre oder Sportmannschaften wurden dann mal mit Toulouse, Nizza oder Palermo, nach Osaka, New Orleans, Timbuktu oder Kiew ausgetauscht und alle haben was davon gehabt oder haben gar am „Spiel ohne Grenzen“ teilgenommen. Die Kosten hielten sich in Grenzen, die örtliche Wirtschaft hat profitiert und Völkerverständigung kam auch noch dabei raus – ja, die OBs dieser Kommunen konnten sogar Reden halten, für die sich jemand interessiert hat. Ich finde, Geisel hat’s verdient, nur leider muss er nicht dafür haften.

    • Eberhard Rühl sagt:

      den Nagel auf den Kopf getroffen!! Leider müssen Politiker für Größenwahn und Fehleinschätzungen nicht persönlich haften, sondern gönnen statt dessen sich ein äußerst großzügiges Ruhestand-Salair.

  2. dr.pingel sagt:

    Im Ruhrgebiet gibt es ja eine ernsthafte Initiative, die Olympischen Spiele in den Pott zu holen. Nach den Erfahrungen der letzten WMs und Olympischen Spiele wäre das das nächste Desaster. Ich glaube aber, wir machen eine Bürgerbewegung „Olympia – nicht im Pott!“

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