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Nebenbei

  • SPD: Es geht noch tiefer

    Drei Monate nach der Bundestagswahl hat Deutschland noch keine neue Regierung. Das liegt an der SPD. Sie deutete den Denkzettel, den die Wähler ihr und ihren Koalitionspartnern CDU und CSU verpasst hatten, zur Abwahl der großen Koalition um – ein folgenreicher Fehler.Er verführte die SPD dazu, die Kooperation mit der Union zu beenden. CDU und CSU sahen sich gezwungen, die Jamaika-Koalition zu prüfen. Sie scheiterte am Unwillen der FDP. Schon steht die SPD dumm da. Sie muss nun doch mit der Union reden. Den Weg zu Ergebnissen zieht die SPD in die Länge. Der Grund: Die Partei hat den Vorstand an die Kette gelegt. Er muss Kooperationspläne in die Partei rückkoppeln. Sie ist zerrissen. Sie braucht Zeit. Die Führungskräfte in den SPD-Bezirken sind derzeit an der Basis unterwegs. Die einen, um die Mitglieder zu bestärken, die große Koalition abzulehnen. Die anderen, um die Genossen zu beknien, ihre Aversionen gegen die große Koalition zurückzustellen. Hopphopp geht das nicht. Anders als SPD-Chef Schulz fällt es dem normalen SPD-Mitglied schwer, seine Positionen von heute auf morgen zu ändern. Dieses Verhalten ist problematisch: Je länger die SPD eine neue Regierung blockiert, desto größer wird das Risiko, die Wähler gegen sich aufzubringen. Wie bewegt man SPD-Mitglieder, ihre Aversion gegen die große Koalition aufzugeben? Man führt ihnen vor Augen, dass alle anderen Varianten bis hin zur KoKo für die SPD nachteiliger sind. – Vor der Wahl versicherte sie, sie wolle regieren. Am Wahlabend pfiff sie auf ihr Wort und das Wählervotum. Nun düpiert sie die Wähler erneut: Sie ordnet deren Votum dem ihrer Mitglieder unter. Sie behalten sich vor, das Wählervotum zu akzeptieren oder zurückzuweisen. Die SPD sollte vorerst keine Neuwahl riskieren. Die Wähler könnten es ihr heimzahlen. Die 20,5 Prozent der jüngsten Wahl sind nicht die Talsohle. Es geht noch tiefer. – Ulrich Horn

Geisels Denkmal

Donnerstag, 24. August 2017

Nebenbei

Düsseldorfs Oberbürgermeister Geisel (SPD) hat sich ein Denkmal gesetzt. Sollte er 2020 abgewählt werden, bleibt von ihm: Er holte den Auftakt der Tour de France 2017 in die Stadt. Das weltweit registrierte Ereignis zog eine Million Besucher an. Hoteliers und Händler profitierten. Der Haken an der Geschichte: Geisel hat zwar die Musik bestellt, doch fehlt ihm das Geld, sie zu bezahlen. Er will einen Zuschuss vom Land. Es winkte bereits ab. Muss sich die Stadt nun weiter verschulden? Müssen Stellen gestrichen werden, um Geld freizuschaufeln? Ursprünglich waren für den Tourstart 11 Millionen anvisiert. Fünf bis sechs Millionen bewilligte der Stadtrat. Den Rest sollten Sponsoren und Einnahmen bei der Veranstaltung erbringen. Aus den Ausgaben wurden bald 13 Millionen. Heute ist sogar von 17 Millionen die Rede. Ob sie das Ende der Fahnenstange sind, ist ungewiss. Es stehen noch Rechnungen aus. Auch bei den Einnahmen hat sich Geisel verkalkuliert. Sponsoren hielten sich zurück, der Souvenirverkauf war zu hoch veranschlagt. Der VIP-Bereich war nur zur Hälfte ausgelastet. Auch er hat ein Loch gerissen. Geisel agiert wie jene Sorte Mensch, die in die Kneipe geht, tafelt, trinkt und Lokalrunden schmeißt. Und wenn dann am Ende die Rechnung kommt, treuherzig offenbart, dass sein Geldbeutel leer ist, aber tröstend beteuert, immerhin hätten doch viele profitiert und mächtig Spaß gehabt. Der Werbeeffekt des Tourstarts für Düsseldorf wird durch Geisels Finanzgebaren aufgezehrt. Längst hat sich über Düsseldorf hinaus herumgesprochen, dass er und der Rat sich etwas gönnten, das sie sich nicht leisten konnten. Mit Geisel an der Spitze macht sich Düsseldorf daran, wie Duisburg zu werden. – Ulrich Horn

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4 Kommentare zu “Geisels Denkmal”

  1. Roland Appel sagt:

    Mit der Tour ist es wie mit Formel 1, Fußball, Olympia und vielen anderen dem Kapitalismus und mafiös strukturierten Verbänden zum Fraße gefallenen Sportarten. Die „Besitzer der Rechte“ machen unendlichen Millionen-Reibach mit Fernsehübetragungsrechten, Werbung und Sponsorengeldern – mein Gott, was für aberwitzig doofe Reklame-Gestalten tanzten gefühlt stundenlang vor den Tour-Startetappen vor den Fernsehkameras herum – und suchen Dumme in den Kommunen und Veranstaltungsorten, die sie abzocken können. Sie locken mit dem Duft der großen weiten Welt und hinterlassen finanziell verbrannte Erde. Die Rechnungen kommen prompt. Deshalb hat das IOC inzwischen Probleme, noch Standorte zu finden, deshalb muss sich die FIFA an Qatar verkaufen. Deshalb gibt es keinen GP von Deutschland mehr. Früher haben Bürgermeister kluge Städtepartnerschaften gegründet, und Kinder, Alte, Kirchenchöre oder Sportmannschaften wurden dann mal mit Toulouse, Nizza oder Palermo, nach Osaka, New Orleans, Timbuktu oder Kiew ausgetauscht und alle haben was davon gehabt oder haben gar am „Spiel ohne Grenzen“ teilgenommen. Die Kosten hielten sich in Grenzen, die örtliche Wirtschaft hat profitiert und Völkerverständigung kam auch noch dabei raus – ja, die OBs dieser Kommunen konnten sogar Reden halten, für die sich jemand interessiert hat. Ich finde, Geisel hat’s verdient, nur leider muss er nicht dafür haften.

    • Eberhard Rühl sagt:

      den Nagel auf den Kopf getroffen!! Leider müssen Politiker für Größenwahn und Fehleinschätzungen nicht persönlich haften, sondern gönnen statt dessen sich ein äußerst großzügiges Ruhestand-Salair.

  2. dr.pingel sagt:

    Im Ruhrgebiet gibt es ja eine ernsthafte Initiative, die Olympischen Spiele in den Pott zu holen. Nach den Erfahrungen der letzten WMs und Olympischen Spiele wäre das das nächste Desaster. Ich glaube aber, wir machen eine Bürgerbewegung „Olympia – nicht im Pott!“

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