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Nebenbei

  • Wem die „Straße“ nutzt

    Schauen wir drei, vier Monate zurück. Was stellen wir fest? Damals vollzogen sich Metamorphosen. Rechtzeitig zur Wahl in den Niederlanden Mitte März verwandelten sich Journalisten in Auguren. Voller Inbrunst sagten sie Europas Ende voraus. sahen so abenteuerliche Gestalten wie Wilders, Le Pen, Höcke und Gauland die Macht übernehmen und die EU zerstören. Doch die Niederländer spielten nicht mit. Sie ließen sich nicht verrückt machen. Sie erteilten den Rechtsradikalen eine Abfuhr. Die Auguren in den Medien beruhigten sich nicht. Sie schauten auf die Präsidentschaftswahl in Frankreich und malten erneut den Teufel an die Wand. Wieder vergeblich. Die Franzosen kehrten Le Pen den Rücken, hissten die Europa-Flagge und folgten Macron. Auch dieses Wahlresultat beruhigte die Journalisten nicht. Nun sorgten sie sich, die französischen Wähler könnten bei der Wahl zur Nationalversammlung Europa in den Untergang treiben. Die Wähler taten das Gegenteil. Sie verschafften Macron die absolute Mehrheit, ließen den Front National verkümmern und mit ihm den Rest des vertrockneten politischen Establishments. Und nun? Nun raunen die Auguren, die Wahlbeteiligung sei extrem niedrig gewesen. Macron und seine absolute Parlamentsmehrheit könnten mit ihren Reformen am Widerstand der „Straße“ scheitern. Die „Straße“, wer ist das? Es ist vor allem der Gewerkschaftsbund CGT, der den Kommunisten nahesteht. Er ist für die Probleme mitverantwortlich, die Frankreich paralysieren und die Macron mit den vielen Anhängern seiner Partei La République en Marche! beheben will. Warum so viele Franzosen dennoch nicht wählen gingen? Vielleicht sammeln sie Kraft, um demnächst gegen die CGT und für Macrons Reformen auf die Straße zu gehen. Wen würde das wundern? Mich nicht. – Ulrich Horn

SPD-Kanzlerkandidat verliert an Boden

Schulz: Boom oder Blase?

Samstag, 15. April 2017

Politik

Lange nannte die SPD ihr Problem Gabriel. Mit ihm mochte sie nicht in den Bundestagswahlkampf ziehen. Seine Umfragewerte waren miserabel. Er verhieß noch schlechtere Resultate als Steinmeier (23,0 Prozent) und Steinbrück (25,7 Prozent). Um das Problem zu beheben, tauschte sie Gabriel gegen Schulz aus. Dessen Umfragewerte waren glänzend. Doch nun fallen sie. Wird der Schulzboom zur Blase?

Schwankende Machtoptionen

Bei der Saarwahl war das neue Zugpferd zu schwach, um einen Machtwechsel zu bewirken. Am 7. Mai wird sich in Schleswig-Holstein zeigen, ob der Schulzeffekt ausreicht, die Koalition aus SPD, Grünen und SSW zu verteidigen. Am 14. Mai wird die NRW-Wahl zur Nagelprobe. Kann sich SPD-Ministerpräsidentin Kraft behaupten und Schulz sich für die Bundestagwahl Rückenwind verschaffen?

Die Machtoptionen für Düsseldorf und Berlin wanken und schwanken. Die SPD will keine große Koalition. Rot-Rot-Grün stößt auf Widerstand. Die FDP rückt in den Vordergrund der Spekulationen. Sie nutzt sie, um sich im Gespräch zu halten. Die Grünen verlieren an Gewicht. Die Union wäre wohl in Düsseldorf und Berlin mit einer großen Koalition zufrieden.

Welche Bündnisse die Wahlresultate ermöglichen werden, hängt vor allem davon ab, wie sich die SPD und die Union entwickeln. Legen sie zu oder nehmen sie ab? Derzeit gewinnt die Union hinzu. Die SPD büßt ein.

Das alte Problem

Die Gründe für ihren Schwund liegen bei Schulz und Kraft. Beide stehen zunehmend unter Kritik. Ihre Politik wird als unausgegoren und unzureichend empfunden. Die Defizite der beiden SPD-Führungskräfte potenzieren sich.

Ärgerlich ist für die SPD, dass die Sympathiewerte ihres Kanzlerkandidaten sinken. Die Partei machte Schulz zu ihrer Spitzenkraft, weil Gabriel keinen Erfolg versprach. Nun liegt er in der Riege der wichtigsten Politiker deutlich vor Schulz.

Der neue Parteichef kam, doch das alte Problem blieb. Es hat nur einen neuen Namen. Es heißt nicht mehr Gabriel, sondern Schulz. Wird den Sozialdemokraten irgendwann dämmern, dass nicht der Parteichef ihr Problem ist, sondern die Partei? – Ulrich Horn


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2 Kommentare zu “Schulz: Boom oder Blase?”

  1. Roland Appel sagt:

    Wer kein Programm hat, kann nicht erklären, warum er gewählt werden will. Soziale Gerechtigkeit, Friedenspolitik, eine deeskalierende Außenpolitik statt Putin-Bashing, Flüchtlingspolitik, die den Namen verdient und das Ende der neoliberalen Sozialabbaustrategien wären ein Erfolgsrezept für die SPD. Stattdessen Grokoalieren sie weiter und kriechen jetzt wieder auf den Schleim der FDP, die die Misere und soziale Schieflage zu verantworten hat. Die Grünen werden verlieren, weil sie sich nicht von den Fehlern der SPD in NRW klar distanzieren und gleichzeitig nach allen Seiten offen und koalitionsfähig sein wollen. Das hat schon bei der FDP nicht funktioniert. Die wöchentlichen Sympathieumfragen sind seit Jahren dubios, irrelevant und zutiefst unpolitisch. Nicht ohne Grund sind meistens die Außenminister, die keinem wehtun, die Nr. 1 – weil sie niemand mit Inhalten oder Konflikten in Verbindung bringt. Vergisses!

  2. Hans Meier sagt:

    Die Argumente zur Politik betreffen verschiedene Ebenen, die der Bundes-Politik, die der Landes-Politik und die der Kommunen. In allen drei Realitäten treten Parteien mit ihrem Personal an. Bewerben sich Personen, die Partei-Mitglieder sind, weil sie in eine Partei „eingetreten sind“. Warum wohl? Nach meiner Erkenntnis, um beruflich nach oben zu kommen. Zu behaupten aus Idealismus, scheint mir sehr gewagt, denn wenn ich mir die „Werde Gänge der zur Wahl“ stehenden Personen anschaue, bin (ich) erstaunt, wie wenig Konstruktives sie in ihrem Berufsleben, in der realen Berufswelt zustande gebracht haben. Vielleicht erklärt das auch die Taktik eines personenkulthaftigen Wahlkampfs, in dem keine klaren eindeutigen Programme der Parteien im Vordergrund stehen, sondern Portraits von Gesichtern, aufgehübscht und gestylt, um eine Platzierung zu gewinnen wie im Wettbewerb der Hasenhalter. Damit bleiben alle Optionen offen.

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