Schrift verkleinern Schrift vergrößern
RSS RSS-Feed

Letzte Kommentare

Nebenbei

  • Steinmeier und Yücel

    In der Türkei sitzen viele Dutzend Journalisten im Gefängnis. Unter ihnen befindet sich auch Deniz Yücel, Er ist türkischer und deutscher Staatsbürger. Bundespräsident Steinmeier hat seine erste Rede für einen Appell an den türkischen Präsidenten Erdogan genutzt. „Geben Sie Deniz Yücel frei!“ Eine selbstverständliche und dennoch bemerkenswerte Forderung. Die meisten Bundespräsidenten hielten sich aus der Tagespolitik heraus. Dass Steinmeier anders verfährt, hat ihn viel Lob eingebracht. Es hieß, er sei ein Präsident mit Biss, ein Mann, der klare Kante zeigt. Wem nutzt dieser Auftritt? Zunächst ihm selbst. Die positive Resonanz ermuntert ihn, dem eingeschlagenen Weg zu folgen. Risikolos ist er nicht. Er kann ihn über die Grenze hinausführen, von der an er zum Richter über die Politik der Regierung wird. Genützt hat Steinmeiers Auftritt auch jenen Bürgern, denen er aus dem Herzen sprach. Sie können sich verstanden fühlen. Nützt Steinmeiers Auftritt aber auch Yücel? Erdogan wird wohl den Teufel tun und ihn freilassen. Mit Steinmeiers Appell ist der Fall zur Prestigefrage geworden. Gäbe Erdogan nach, würde er in den Augen seiner Anhänger Schwäche zeigen. Er hätte sich deutschem Druck gebeugt und eingestanden, dass Yücel unrechtmäßig festgehalten wurde. Erdogan verlöre sein Gesicht. Je heftiger er öffentlich bedrängt wird, desto länger wird er Yücel festhalten. Der Journalist wird vermutlich erst freikommen, wenn gewährleistet ist, dass Erdogan sein Gesicht behält. Für Yücel aussichtsreicher wäre es wohl, statt mit öffentlichen Appellen auf diplomatischem Wege Druck auszuüben. Erdogan wird das Gefängnistor erst öffnen, wenn es für ihn teurer wird, Yücel gefangen zu halten als ihn freizulassen. – Ulrich Horn

NRW-Ministerpräsidentin findet ihre Rolle

Der Lehrling Hannelore Kraft

Freitag, 10. Februar 2017

Politik

Ministerpräsidentin Kraft (SPD) hat sich und dem Land viele Probleme beschert. Sie sind in NRW längst Teil der Allgemeinbildung. Krafts Chancen, die Probleme zu lösen, stehen nicht gut. Sie drohen ihr und der SPD bei der NRW-Wahl im Mai auf die Füße zu fallen. Zumindest für dieses Problem brauchte Kraft rasch eine Lösung. Die Politikerin suchte und fand. Das Ergebnis war dieser Tage in der Talkshow Markus Lanz zu bestaunen.

Versäumnisse bagatellisieren

Dort gab Kraft zu verstehen: Wir alle machen Fehler. Man müsse nur schnell aus ihnen lernen. Sich selbst empfahl sie als Vorbild: Nachdem zu Silvester 2015 in Köln 1300 Frauen Opfer von Verbrechen geworden waren, habe sie mit einem 15-Punkte-Plan fix die Sicherheit in NRW wieder hergestellt..

Warum vier Tage verstrichen, ehe sie die Verbrechen bemerkte, ließ Kraft unerwähnt. Zu sehr war sie damit beschäftigt, sich in der Sendung als „lernendes System“ zu präsentieren. Die Ministerpräsidentin gibt sich als Lehrling. Diese Rolle soll ihr helfen, ihre Fehler, Pannen und Versäumnisse zu bagatellisieren.

Auf die Palme bringen

Viele NRW-Bürger wundern sich über Krafts Selbsteinschätzung nicht. Sie empfinden sie als Bestätigung ihres eigenen Urteils. Andere bringt Krafts Rollenwahl auf die Palme. Ein dritter Teil verbindet beide Reaktionsmuster miteinander.

Unter jenen, die nichts daran finden, dass Kraft als Lehrling in den Wahlkampf zieht, dürften sich neben Mitgliedern und Anhängern der SPD auch der einer oder andere ihrer Berater finden. Sie seien daran erinnert: Im Karneval mag es angehen, wenn sich die Ministerpräsidentin als Lehrling präsentiert. Im Wahlkampf nicht.

Kein politischer Neuling

Das Land NRW reduziert sich eben nicht, wie Kraft und ihre Politik das das nahelegen, auf eine Verwaltung mit angegliedertem Reparaturbetrieb, der sich Landesregierung nennt. Außerdem ist Kraft alles andere als ein politischer Neuling.

Um es ihr vor Augen zu halten: Sie sitzt seit 2000 im Landtag, war vier Jahre lang Ministerin und fünf Jahre lang SPD-Fraktionschefin. Als Regierungschefin amtiert sie nun schon fast sieben Jahre. Sie ist alles in allem seit 17 Jahren in wichtigen politischen Funktionen: Da hat man – selbst in NRW – entweder längst ausgelernt. Oder man lernt es nie. – Ulrich Horn


Letzter Hinweis: Wollen Sie keinen Beitrag verpassen, können Sie rechts oben oder hier Post-von-Horn abonnieren. Empfehlen Sie Post-von-Horn auch Ihren Freunden bei Facebook und Google+.

Schlagwörter: , , , , , ,

4 Kommentare zu “Der Lehrling Hannelore Kraft”

  1. Hannelore sagt:

    So sehe ich das auch. Sie hat sich selbst ein Armutszeugnis ausgestellt. Also Wahlkampf kann sie nicht!

  2. Hubertus Bruch sagt:

    Sie haben die MPin gesehen? Fühlen Sie sich geehrt – das Glück hatten nur wenige in den letzten Jahren in NRW! Ob ihr die gemachten Fehler bei der Wahl auf die Füße fallen? Seit wann ist Teflon haftbar oder anders: Das gut geschmierte Ruhrgebiet wird im Mai dafür sorgen, dass das Gespenst Kraft auch die kommenden Jahre durchs Land spuken kann.

  3. Johannes fischer sagt:

    Ich wünschte, Sie hätten Recht, Herr Bruch. – Was aber, wenn das „gut geschmierte Ruhrgebiet“, welches über Generationen der SPD die Treue gehalten hat, die Schnauze doch so gestrichen voll hat, dass es sich in Teilen von der SPD abwendet und dem Ex-Sozi Guido Reil hinterher läuft?

    https://afd.nrw/veranstaltungen/der-steiger-kommt-guido-reil-on-tour/

    Ich habe die Befürchtung, dass wir uns alle noch umschauen werden, weil auch Sankt Martin das Chaos der Regierung Kraft nicht wird wettmachen können.

  4. Beob8er sagt:

    Nach Popper besteht nur in einer offenen Gesellschaft, die nicht an Dogmen und starre Lebensweisen gebunden ist, die Möglichkeit zu ständigen Reformen, also zu Verbesserungen durch Fehlerbeseitigung und Entwicklung von Alternativen. “Fehler” sind zweifellos Grundlage für Reformen, für Lernprozesse, für die Weiterentwicklung unserer Gesellschaft. So weit so gut.

    Doch wie passt eine Ministerpräsidentin zu dieser Erkenntnis, die bei jeder Gelegenheit unterstreicht, dass sie ihre Politik für einzig richtig hält? Kann denn ein Verhalten fehlerhaft sein, wenn es alternativlos ist? 🙂

    Mein Eindruck ist, dass Hannelore Kraft erst dann für sich in Anspruch nimmt, aus Fehlern lernen zu wollen, wenn der letzte Wähler erkannt hat, dass sie gepatzt hat. „Lernen“ geht anders!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ja, ich möchte über neue Blog-Beiträge per E-Mail informiert werden.