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Letzte Kommentare

Nebenbei

  • Der Preis der Pandemie

    Die vierte Coronawelle macht den Politikern Sorgen. Die Krankenhäuser laufen über. Sie werden vor allem von Impfunwilligen geflutet, die sich bei ihresgleichen angesteckt haben. Seit das Virus die Inzidenz zum vierstelligen Bereich hochtreibt, sind die Politiker alarmiert. Es fällt ihnen auf, dass fast elf Monate nach dem Impfstart 15 Millionen Impffähige die Impfung verweigern. Um zu verhindern, dass sich die große Katastrophe zu einer gigantischen auswächst, sollen die Impfunwilligen bewogen werden, sich sozial zu verhalten und sich impfen zu lassen. Man will ein wenig Druck auf sie ausüben: Es soll ihnen gut zugeredet werden. Man will ihnen vor Augen halten, sie könnten vom Gemeinschaftsleben ausgeschlossen werden, wenn es mit der Pandemie noch doller kommen sollte. Wen wollen die Politiker mit solchen Ankündigungen beeindrucken? Die 15 Millionen Impfverweigerer können es nicht sein. Ihnen wollen die Politiker mit kostenlosen Tests die Möglichkeit bieten, sich der Impfnadel zu entziehen. Solange die Tests gratis sind und von den Steuermitteln aus dem Kreis der 56 Millionen Geimpften finanziert werden, schwindet der Anreiz für die Impfverweigerer, sich impfen zu lassen. Der Unmut unter den Geimpften dürfte dagegen neues Maximum erreichen. Sie bezahlen nicht nur die Tests für die Impfverweigerer, sondern auch die hohen Kosten, die sich darüber hinaus durch das unsoziale Verhalten der Impfverweigerer ergeben. Wäre es nicht gerechter und an der Zeit, die Coronakosten stärker am Verursacherprinzip auszurichten? – Ulrich Horn

Erdogan und seine Fans

Dienstag, 2. August 2016

Nebenbei

Erstaunlich, welchen Widerhall Erdogan in den deutschen Medien erzielt: Die Resonanz auf seine Kölner Fandemo war größer als die Kundgebung selbst. Allenfalls 40.000 beteiligten sich. Ziemlich dürftig, wenn man bedenkt, dass hier drei Millionen Deutschtürken leben und die deutschen Ableger der Erdoganpartei AKP für die Demo trommelten, was das Zeug hielt. Den Trommlern war klar, dass die Demo nicht riesig würde. Sie versuchten, sie lautstark aufzublasen. Erdogan half mit. Er hat seine Anhänger in der Türkei fest im Blick, die sich vor allem im östlichen, weniger entwickelten Teil des Landes finden. Um sie hinter sich zu scharen, muss er den starken Mann machen. Lässt er darin nach, wird es ihm als Schwäche angerechnet. Erdogan steckt im Hamsterrad. Auch er befürchtete offenbar, das Medienecho auf die Demo könnte zu schwach ausfallen. Deshalb mühte er sich, es zu verstärken. Er wollte die Demonstranten über eine Videoschaltung agitieren. Sie wurde gerichtlich untersagt. Ersatzweise will er nun die EU mit dem Flüchtlingsabkommen erpressen. Die EU ließ ihn abfahren. Nun steht er da. Um nicht als Großmaul zu gelten, müsste er seine Drohung in die Tat umsetzen. Ob er das nach einem Blick in seine Kasse wagt? – Die Kölner Kundgebung sollte Stärke demonstrieren und offenbart doch nur Schwäche: Die deutschtürkischen Teilnehmer zeigten, dass ihre Integration noch nicht vollendet und ihr Bild von sich, von Erdogan und der Türkei reichlich schief ist. Es fehlt ihnen eine realistische Sicht auf Deutschland, auf Erdogans Treiben und auf die Verhältnisse in der Türkei. Erdogan gaukelt ihnen vor, die Türkei sei stark – ein Trugbild, das sich schnell verflüchtigt. – Die Erdoganfans erinnern an die deutschen Vertriebenen, die sich an ihre Herkunft klammerten, obwohl sie sich in der alten Bundesrepublik immer stärker verwurzelten. Heute reicht es bei ihnen nur noch zu schützenvereinsähnlicher Traditionspflege. Erdogan Fans sind auf dem besten Weg dorthin. – Ulrich Horn

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4 Kommentare zu “Erdogan und seine Fans”

  1. Hubertus Bruch sagt:

    Man möchte ergänzen: Was kümmert es die Deutsche Eiche, was der türkische Herr Tur Tur für Stürme in seinem Rakigläschen entfacht!

  2. Çehreli sagt:

    Endlich mal ein erfrischender und treffender Beitrag zu Diskussion um Erdogan und AKP. Zwei Ergänzungen:
    Die Äußerung hinsichtlich der Flüchtlingsfrage wurde vom türkischen Außenminister in einem Zeitungsinterview getätigt. Es (…) wurde (k)ein Beschluss seitens der türkischen Regierung gefasst, noch wurden von offizieller Seite irgendwelche Schritte in diese Richtung getroffen. Also auch hier, wie bei der Demo in Köln auch, ein medialer „Sturm im Wasserglas“.
    Zum Zweiten möchte ich, angelehnt an Ihr Zitat, hinsichtlich der aktuellen Medienhysterie ergänzen: „Die Medien kläffen, aber die diplomatische Karawane zieht weiter.“

  3. Freifrau sagt:

    Super – Artikel
    Schade, dass er nicht im Express oder der Bildzeitung erscheint:-)

  4. Roland Mitschke sagt:

    Die Kölner Kundgebung zeigt ein großes Mobilisierungspotential, welches nicht unterschätzt werden darf. Es muss uns zu denken geben, wenn die Bindungen der Deutschtürken an die Türkei stärker sind als zu dem Land, in dem sie auf eigene Initiative leben und arbeiten, am Wohlstand teilnehmen – oft in zweiter und dritter Generation. Wäre nicht eine ernsthafte Diskussion über eine Leitkultur in unserem Land schon vor 20 Jahren sinnvoll gewesen?
    Der Vergleich mit den deutschen Ostvertriebenen ist mehr als schräg. Sie kamen nicht als Gastarbeiter, sondern als Hauptträger der Folgen des Krieges, als echte Vertriebene – ohne die Möglichkeit zur Rückkehr in ihre Heimat. Sie wurden zwangsweise umgesiedelt im gleichen Sprach- und Kulturkreis.

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