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Nebenbei

  • Deutschland: Spitze

    In den ersten drei Monaten des Jahres soll das Geldvermögen der deutschen Privathaushalte nach Angaben der Bundesbank um 153 Milliarden Euro auf 6,17 Billionen Euro angestiegen sein. Da bleibt einem die Spucke weg. Einen gewissen Anteil an dem Anstieg hatten womöglich die 40 Sparkassenvorstände, von denen das Blog finanz-szene.de wissen will, dass sie für ihre Arbeit mehr als eine Million Euro pro Jahr kassieren. Zwei Führungskräfte, ein Vorstandsmitglied der Kreissparkasse Köln und ein Vorstandsmitglied Sparkasse Duisburg, sollen nach Angaben des Blogs sogar auf mehr als 2 Millionen Euro kommen. Da werden die Sozialhilfeempfänger, die bei der Kreissparkasse Köln und der Sparkasse Duisburg ihr Konto haben, sicher schwer beeindruckt sein. Unwillkürlich denkt man auch an den Versuch von Siemenschef Kaeser, nun etwas Ersatz für die 800 Stellen zu schaffen, die das Unternehmen in Görlitz gestrichen hat. Vor dem Hintergrund der strammen Sparkassen-Spitzenverdienste schauen die 30 Millionen Euro, die Siemens dort investieren will, fast ein wenig mickrig aus. – Ulrich Horn

Der strenge Duft des Sports

Dienstag, 2. August 2016

Nebenbei

Lange galt es als unterhaltsam, Spitzenathleten bei ihren Sportfesten zuzuschauen. Betrügerische Sportler haben das Vergnügen stark gemindert. Heute ist es viel unterhaltsamer, dem Treiben der Sportfunktionäre zuzuschauen. Sie liefern alle Zutaten, die Kriminalromane spannend machen. – Die Tour de France entpuppte sich als Dopingpfuhl. In den Fußballgremien herrscht Korruption. Die Olympischen Spiele erweisen sich als Eldorado für Betrüger. Die Aufklärungsversuche gewähren nicht nur faszinierende Einblicke in die klebrigen Konglomerate der Sportorganisationen. Auch die Aufklärung und die Sanktionierung der Ungeheuerlichkeiten, die sich in den Sportgremien abspielen, haben das Zeug zum Krimi. – Wie tief der Sport gesunken ist, demonstriert das IOC. Es zeigt sich nicht bereit, die systematischen Betrugsaktionen des russischen Staates nachdrücklich zu sanktionieren. Der Sport hat mafiöse Strukturen angesetzt, die munter vor sich hin wuchern und sich längst mit staatlichen Machtmitteln paaren. – Die Liste der Sportler und Sportfunktionäre, die sich in Verruf gebracht haben, ist ellenlang. Gerade erleben wir, wie sich IOC-Präsident Bach in diese Schlange der gestrauchelten Prominenten einreiht. Er wird am Wochenende Olympische Spiele eröffnen, die nur chronisch Arglose anschauen können, ohne an dem zu zweifeln, was sie sehen. Bach hat sich nicht nur mit mangelhaften Aufklärungs- und Sanktionsbemühungen geschadet. Er hat sich auch mit seiner Nähe zu den Machthabern Russlands, das Lug und Betrug mit Doping staatlich betrieb, angreifbar gemacht, wenn nicht gar disqualifiziert. Wer glaubt noch, dass er den Stall ausmisten kann? – Die Athleten und Funktionäre wissen, womit sie es zu tun haben. Die Zuschauer, die an der Nase herumgeführt werden, erfahren es nach und nach. Die Sponsoren müssten eigentlich darauf dringen, die Missstände schleunigst zu beheben, um nicht mit ihnen verbunden zu werden. Wer kann schon ein Interesse daran haben, sein Geld und seinen guten Namen an eine Sache zu binden, die zum Himmel stinkt? – Ulrich Horn

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9 Kommentare zu “Der strenge Duft des Sports”

  1. Roland Appel sagt:

    Ob Ecclestones Formel 1, Blatters FIFA, oder Bachs IOC – der Sumpf der Korruption im internationalen Sport ist so tief, dass ein konsequentes Vorgehen gegen Doping und Tricksen bedeuten würde, die gesamten Strukturen aufzulösen und durch demokratische Gremien zu ersetzen, vor allem aber, die internationalen Kapitalinteressen vollkommen auszusperren. Das ist eine undurchführbare Utopie. Die Forderung nach Sippenhaft und Pauschalausschluß aller russischen Sportler ist populistisch, wohlfeil, nicht rechtstaatlich und am Ende wirkungslos. Wer glaubt denn etwa, in China würde nicht systematisch gedopt, wo immer es geht? Einzelfallprüfung ist deshalb möglicherweise gerechter, als eine Verschiebung des Medaillenspiegels aus politischen Gründen. Insofern handelt Bach realpolitisch und in seiner Welt sogar rational.

  2. Rainer Möller sagt:

    Ja, der Kampf gegen Russland muss mit allen Mitteln und an allen Fronten geführt werden – und wer sich ihm in den Weg stellt, muss verschwinden.

  3. Martin Böttger sagt:

    In einer Hinsicht will ich das IOC vor deutscher Schelte verteidigen: Eine putinsche Sippenhaft gegen alle russischen SportlerInnen wäre in keiner Weise gerecht. Es ist auch nicht nur Russland, wo systematisch gedopt wird. Hierzulande z.B. ist das (westdeutsche!) Dopingsystem der in der Sportmedizin „führenden“ Freiburger Uniklinik noch so wenig aufgeklärt wie die NSU-Mordserie.
    Dann bleibt noch die Frage zu klären, von wem die Mafiasysteme von FIFA und IOC denn ihr vieles Geld kriegen. Antwort: Den Löwenanteil bekommen sie von den Medien, öffentlich-rechtlichen wie privaten Konzernen, und hier wiederum den Löwenanteil aus den USA und Westeuropa. Wer zwingt die dazu? Werden sie von Diktatoren zur Beteiligung an den Versteigerungen der Senderechte gezwungen? Stecken mal wieder Merkel und Obama dahinter? Ich fürchte nein, es ist schlimmer: Sie machen es freiwillig.

  4. dr.pingel sagt:

    Ich stelle mir folgende Szene vor: Bei einer Vorstellung des Tristan in Bayreuth tritt der Intendant vor den Vorhang und fragt, ob jemand im Saal den Tristan singen könne. Der etatmäßige Sänger, Stephen Gould, sei des Dopings überführt und dürfe nicht auftreten. Da Opernsingen Hochleistungssport ist, könnte man eine analoge Regelung erwarten. Natürlich denkt jeder Opernbesucher: „Egal, wie voll der ist, Hauptsache, er singt!“ Ich mache es wie viele meiner Freunde: Ich meide den Spitzensport und sehe mir Randsportarten oder Jugendliche an.
    Übrigens denke ich, dass von der Wechselsumme für Sané von 55 Mio. 50 Millionen zur Bezahlung der Überstunden bei der Polizei verwendet werden sollte.

  5. Hans Meier sagt:

    Sportlichen Gerüchten zufolge will Obama zusammen mit Lance Armstrong bei der olympischen Eröffnungsfeier die Überlegenheit der US-Mannschaft demonstrativ in der Öffentlichkeit sichtbar machen.
    Dass Brasilien sich zu den BRICS-Staaten zählt, die sich mit einer eigenen Entwicklungsbank darum kümmern, dass in ihren Ländern der Wohlstand steigt und dies den Profis von der Wall-Street nicht mehr länger allein überlassen wollen, ist eine Frechheit, für die sie noch jede Menge Medien-Mecker serviert kriegen werden.
    Da hilft auch nicht die Relation von über 4 Milliarden Einwohner der BRICS-Staaten gegenüber den 320 Millionen der USA, auf so doofe Argumente kommen nur so … wie Donald Trump.

    Es lebe der Sport, der Watscheltanz, das Funktionärs-Frack-Hüpfen samt olympischem Eierlaufen.

  6. Vielleicht sollte die Journaille, statt wieder den „bösen Russen“ an den Pranger zu stellen, mal vor der eigenen Tür kehren. Die entlarvende Studie der Humboldt-Universität von 2013
    http://www.spiegel.de/sport/sonst/studie-der-humboldt-universitaet-systematisches-doping-in-der-brd-a-914597.html
    ist jedenfalls nicht weiter aufgearbeitet worden. Ebenso wurden die Verdachtsmomente gegenüber dem kenianischen Sport wieder unter den Teppich gekehrt.

  7. Hartwig Kümmerle sagt:

    Humboldt-Universität? Sind das nicht diese Dummköpfe, die die Geschlechtersprache erfunden haben + Deutsch für Ausländer abschaffen wollen, weil Deutsch sowieso ein Auslaufmodell sei? Humboldt selbst rotiert in seinem Grab + will seinen Namen wiederhaben. Was soll man denn von Vertretern dieser sog. ‚Universität‘ erwarten? Wilhelm Bendow, Herr Elz-Fianda, würde fragen: ‚Nehmen Sie das eventuell zurück?‘

    Im Übrigen geht’s bei dieser Olympiade um Flüchtlinge, um Doping + um korrupte Funktionäre sowieso. Olympia, da war doch einmal: ach ja, Götterhimmel!

    Sonst noch etwas? Nochmals: ach je, mit welcher Fahne ‚marschieren‘ die Flüchtlinge ins Stadion?

  8. Hartwig Kümmerle sagt:

    Damit es auch wirklich jeder versteht: Was treiben die eigentlich auf so einer Olympiade?

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