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Nebenbei

  • Das Geld nicht wert

    Deutschland hat mit 709 Bundestagsabgeordneten nach China (knapp 3000 Abgeordnete) das zweitgrößte Parlament der Welt. Indien, das mit 1,3169 Milliarden fast so viele Einwohner wie China zählt und zehnmal so viele Wahlberechtigte wie Deutschland Einwohner, bringt es nur auf 543 Parlamentssitze. Ist Indiens Parlament zu klein oder das deutsche zu groß? Läge dem indischen Parlament die gleiche Relation zwischen Abgeordneten und Einwohnern zugrunde wie dem Bundestag, müssten im indischen Parlament 11276 Abgeordnete sitzen. Der Bundestag ist seit 2002 immer größer geworden. Versuche, ihn zu verkleinern, scheiterten am Unwillen der Angeordneten. Das ist vor allem deshalb ärgerlich, weil die Mehrheit der Abgeordneten gar nicht danach strebt, das Land zu regieren. Die AfD und Die Linke haben sich so aufgestellt, dass keine andere Partei mit ihnen koalieren will, FDP und SPD lehnen das Regieren sogar rundweg ab, insgesamt eine Mehrheit von 55,6 Prozent. Man könnte meinen, der Bundestag sei zu einer kostspieligen Versorgungseinrichtung degeneriert. Fast drei Monate sind vergangen, ohne dass die Bundestagsparteien eine Regierung auf die Beine gestellt haben. Wer will es Bürgern verübeln, wenn sie glauben, die vier Parteien seien das Geld nicht wert, mit dem Wähler und Steuerzahler sie finanzieren? In einem Punkt sind sich die Abgeordneten von CDU, CSU, SPD und FDP einig. Sie wollen ihre Diäten erhöhen. Statt den Bundestag zu verkleinern und eine Regierung zustande zu bringen, spielen sie den Gegnern der Demokratie in die Hände. – Ulrich Horn

Der Prophet und der SPD-Chef

Markwort und Gabriel zum Troste

Montag, 9. Mai 2016

Politik

Helmut Markwort hat viel geschafft in seinem Leben. Darüber hat er sich einen Namen gemacht. Er lässt es damit nicht bewenden. Der Mann wird im Dezember 80 und ist immer noch davon beseelt, allen zeigen, dass er es drauf hat. Und wie!

Leider ist es in jüngerer Zeit vorgekommen, dass er sich vergaloppierte. So schrieb er unter einem Pseudonym über den FC Bayern München, in dessen Aufsichtsrat er saß, im Magazin Focus, dessen Chefredakteur er war, eine Lobeshymne nach der anderen. Eine peinliche Geschichte. Sie ist noch nicht ganz vergessen, da legt Markwort nach.

Stolz wie ein ehrgeiziger Volontär, der glaubt, er habe die Geschichte seines Lebens aufgetan, kündigte er den Rücktritt von SPD-Chef Gabriel an. Die Quelle sei seriös, betont Markwort. Die Ankündigung schlug hohe Wellen. Sie waren so hoch, dass sie ihren Urheber schließlich unter sich begruben, was angesichts seiner Bedeutung schon etwas heißen will.

Inzwischen haben in der SPD alle, die Gabriel stürzen und zum Rücktritt treiben könnten, ihm ihre Loyalität bekundet und den Ausstieg des SPD-Chefs dementiert. Er schließlich auch. Gabriel bleibt im Amt. Vorerst nur, sagt Markwort, vorerst. Für seine Verhältnisse klingt das recht kleinlaut.

Er schließt inzwischen nicht mehr aus, dass ihn sein Informant (oder dessen Informant oder dessen Informant?) auf die Rolle geschoben hat (oder haben es alle gemeinsam getan?) – und er sich auf die Rolle schieben ließ, wie ein Volontär, der nach der Story seines Lebens lechzt und sie endlich zu haben meint.

Markwort ist seit 60 Jahren Journalist. Er war Chefredakteur und Herausgeber. Er hat Jünger, die es reizt, ihm nachzueifern. Er pflegte mit den Großen, den Stars und den Sternchen der Republik engen Umgang. Er machte ihnen allen klar, dass ihm niemand ein X für ein U vormachen könne – niemand.

Ausgerechnet der Mann, der „Fakten, Fakten, Fakten“ zu seinem Leitspruch erhob, muss nun auf seine alten Tage erleben, dass er – womöglich – instrumentalisiert wurde, Gabriels Rücktritt anzukündigen, um ihn dadurch zu verhindern. Das ist bitter. Sehr bitter. Jeder Volontär würde sich schwarz ärgern. Wie schwarz erst wird sich Marktwort ärgern?

Liebe Leserin, lieber Leser, verkneifen Sie es sich, an dieser Stelle zu denken oder gar zu sagen: Alter schützt vor Torheit nicht. Eines Tages, am Ende seiner Laufbahn, wird Gabriel wahr machen, was Markwort vorhersagte. Ob nach zwei Monaten, zwei Jahren oder zwei Jahrzehnten: Wann immer Gabriels Stunde schlägt, kann Markwort sich zurücklehnen und sagen: „Na seht ihr, ich habe doch recht behalten.“ Ist das nicht tröstlich – für ihn und Gabriel? – Ulrich Horn


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2 Kommentare zu “Markwort und Gabriel zum Troste”

  1. Roland Appel sagt:

    Es ist schon skurril: Der Typ, der mit dem rechtsneoliberalen Kampfblatt „Focus“ in den 80er Jahren auszog, den kritischen Journalismus des „Spiegel“ zu neutralisieren und den Marsch der FDP und CDU zur Zerstörung des Sozialstaats bei den weniger intellektuellen und intelligenten selbsternannten „Führungskräften“ ideologisch absicherte, kann seine Stinkefinger noch immer nicht aus der von ihm selbst kreierten Oberflächenpolitik lassen. Er war und ist der blanke Hohn auf jeden seriösen oder gar investigativen Journalismus, weil er nie unabhängig, sondern immer interessegeleitet für rechten FDP-Flügel, neoliberale Wirtschaftsinteressen bis hin zu den politischen Bruchpiloten Lucke und Henkel Partei ergriffen hat. Die Anzeigenkunden lagen ihm dafür zu Füßen. Sogar sein Name könnte von einer Werbeagentur nicht besser entworfen sein – und sowas nehmen Sie ernst, wenn er mal wieder grün-gelblichen Schleim absondert – das meinen Sie aber jetzt nicht ernst, gell, Herr Horn?

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