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Nebenbei

  • Steinmeier und Yücel

    In der Türkei sitzen viele Dutzend Journalisten im Gefängnis. Unter ihnen befindet sich auch Deniz Yücel, Er ist türkischer und deutscher Staatsbürger. Bundespräsident Steinmeier hat seine erste Rede für einen Appell an den türkischen Präsidenten Erdogan genutzt. „Geben Sie Deniz Yücel frei!“ Eine selbstverständliche und dennoch bemerkenswerte Forderung. Die meisten Bundespräsidenten hielten sich aus der Tagespolitik heraus. Dass Steinmeier anders verfährt, hat ihn viel Lob eingebracht. Es hieß, er sei ein Präsident mit Biss, ein Mann, der klare Kante zeigt. Wem nutzt dieser Auftritt? Zunächst ihm selbst. Die positive Resonanz ermuntert ihn, dem eingeschlagenen Weg zu folgen. Risikolos ist er nicht. Er kann ihn über die Grenze hinausführen, von der an er zum Richter über die Politik der Regierung wird. Genützt hat Steinmeiers Auftritt auch jenen Bürgern, denen er aus dem Herzen sprach. Sie können sich verstanden fühlen. Nützt Steinmeiers Auftritt aber auch Yücel? Erdogan wird wohl den Teufel tun und ihn freilassen. Mit Steinmeiers Appell ist der Fall zur Prestigefrage geworden. Gäbe Erdogan nach, würde er in den Augen seiner Anhänger Schwäche zeigen. Er hätte sich deutschem Druck gebeugt und eingestanden, dass Yücel unrechtmäßig festgehalten wurde. Erdogan verlöre sein Gesicht. Je heftiger er öffentlich bedrängt wird, desto länger wird er Yücel festhalten. Der Journalist wird vermutlich erst freikommen, wenn gewährleistet ist, dass Erdogan sein Gesicht behält. Für Yücel aussichtsreicher wäre es wohl, statt mit öffentlichen Appellen auf diplomatischem Wege Druck auszuüben. Erdogan wird das Gefängnistor erst öffnen, wenn es für ihn teurer wird, Yücel gefangen zu halten als ihn freizulassen. – Ulrich Horn

Auslese … 8 – 2016

Donnerstag, 7. April 2016

Auslese

Im Konflikt zwischen CDU und CSU ist die SPD hilfloser Zuschauer. Die CDU versucht, Seehofer in die Ecke zu stellen und als Dauernörgler abzustempeln. Das Referendum in den Niederlanden bekommt durch die Medienresonanz mehr Gewicht, als ihm zusteht. NRW-Ministerpräsidentin Kraft demonstriert, dass sie so gut wie nichts mehr im Köcher hat.

Die SPD und das Machtwort

SPD-Vizechef Stegner verlangt von Merkel ein Machtwort. Sie soll es gegen CSU-Chef Seehofer aussprechen und damit seinen Versuch stoppen, einen Kurswechsel in der Flüchtlingspolitik über die Blockade von Regierungsvorhaben zu erzwingen. Stegners Aufforderung erklärt, warum die SPD auf keinen grünen Zweig kommt. Machtworte sind das letzte Mittel der Hilflosen.

Seehofer und Nichtigkeiten

Lange drohte CSU-Chef Seehofer, gegen die Flüchtlingspolitik der Regierung zu klagen. Der Plan und das Tamtam um ihn erwiesen sich als Luftnummer. Nun versucht CDU zu zeigen, wie man jemanden zur Raison bringt, der aus dem Ruder läuft. Sie führt Seehofer vor, ohne sich in die Riemen zu legen. Ihr Innenminister de Maizière erklärt, er wolle die Kontrollen zu Österreich abbauen, weihte Bayern aber noch nicht ein. Seehofer reagiert prompt. Er regte sich auf. Ginge er über solche Kinkerlitzchen hinweg, würde er seine Anhänger enttäuschen. Regt er sich auf, festigt er seinen Ruf als notorischer Nörgler über Nichtigkeiten. So oder so schadet er sich.

Miniknall und Maxiecho

Das ohrenbetäubende Presseecho über den Ausgang des Referendums in den Niederlanden wirkt überzogen. Nur 32 Prozent der Wahlberechtigten nahmen teil, nur 18 Prozent lehnten das EU-Abkommen mit der Ukraine ab. Europa geht von diesem Ergebnis nicht unter. Es zeigt doch nur, was ohnehin seit Langem klar ist: Es gibt Europagegner. Sie sind deutlich in der Minderheit. Im Blick auf die EU-Gegner die Politik zu ändern, indem man sie nach deren Wünschen ausrichtet, würde die Verhältnisse auf den Kopf stellen.

Kraft und ihre Botschaft

Lange lehnte es Ministerpräsidentin Kraft abgelehnt, den Landeskorrespondenten regelmäßig Rede und Antwort zu stehen. Während sich andere Länderchefs wöchentlich der Presse stellen, sträubte sich Kraft. Inzwischen hat sie ihren Widerstand aufgegeben. Viermal im Jahr steht sie nun für die Journalisten bereit. Das erste Treffen fand kürzlich statt. Der Niederschlag in der Presse einhellig. Auch der lange Bericht in der FAZ macht erschreckend deutlich, warum sich Kraft gegen solche Veranstaltungen sträubte. Sie hat den Journalisten über ihre Landespolitik so gut wie nichts mehr mitzuteilen. – Ulrich Horn


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Ein Kommentar zu “Auslese … 8 – 2016”

  1. Hubertus Bruch sagt:

    Der Hornsche Ticker bringt ’s mal wieder auf den Punkt! Apropos Medienecho: Das holländische Wahlergebnis hat eine ähnliche Brisanz wie die Wortmeldungen des Muschelschubsers von der Waterkant oder seines Widerparts von der Isar – Tendenz gegen Null! Umgekehrt verhält es sich bei Hanni Kraftlos. Sie weiß wohl um ihre Nullnummer. Das ihr das nun diese blöden Journalisten viermal im Jahr aufs Brot schmieren werden, erklärt ihr mürrisches Wesen.

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